AKTIONEN. Anlässlich des Deutschen Tags der Musik hat MED-EL vom 21. bis 25. Juni eine digitale Aktionswoche rund um die Themen Hörimplantate und Musikgenuss veranstaltet. Darüber informierte der Implantat-Hersteller Ende Juni.
Selbst wenn normale Hörsysteme keine ausreichende Verbesserung mehr herbeiführen können, muss es auch mit dem Musikgenuss und dem Musizieren bekanntlich noch nicht vorbei sein. Um dieses Wissen zu verbreiten, veranstaltete der Implantat-Hersteller unter dem Motto «MED-EL macht Musik» eine ganze Aktionswoche und bot auf Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn verschiedene Beiträge, Porträts und Interviews sowie ein virtuelles Get-Together mit musizierenden Implantat-Nutzer:innen, Ärzt:innen und MED-EL- Mitarbeitenden. Die Botschaft: «Musik hören und machen ist auch mit Hörimplantaten ein Genuss.»
Eines der Highlights der Woche sei unter anderem eine Darbietung des Stückes «Alle Vögel sind schon da» gewesen, für die MED-EL im Vorfeld über Instragram und Facebook seine Follower:innen dazu aufgerufen hatte, zusammen ein virtuelles Orchester zu bilden und gemeinsam, ob gesungen oder auf dem Instrument der Wahl begleitet, das Stück einzuspielen. Ein Video der Darbietung findet man hier:
«Das Feedback war wirklich überwältigend. Selbst bis kurz vor Einsendeschluss erreichten uns noch ganz viele und ganz unterschiedliche Beiträge – teilweise auch mit Instrumenten, für die man ein sehr scharfes Gehör haben muss. Ärzte, Hörimplantat-Träger:innen, MED-EL Mitarbeitende und sowie Freunde haben sich begeistert der Aktion angeschlossen», freut sich Bernd Seils, Projektverantwortlicher für die Woche der Musik bei MED-EL. Darüber hinaus wurde unter allen Teilnehmenden von Montag bis Freitag je eine Bluetooth- Lautsprecherbox verlost.
Allerdings gab es, neben der Musik, auch noch weitere Angebote. So berichtete etwa der BONEBRIDGE-Nutzer Markus Zoitl in einem Porträt, wie er mit Hilfe seines Knochenleitungsimplantats seinen Beruf als Intonateur und Orgelbauer weiterhin ausüben kann. Des Weiteren gab es Posts zu den HörPaten Josephine Seifert und Chris Lilienweihs, die zeigen, wie sie dank ihrer CIs wieder Cello bzw. E-Gitarre spielen können. Und auch medizinische Experten wie Prof. Burkard Schwab, selbst begeisterter Orgelspieler, studierter Kirchenmusiker und Chefarzt für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde an der Helios Klinik in Hildesheim, kamen zu Wort und erklärten zum Beispiel, wie moderne Hörimplantate selbst das Musikhören wieder möglich machten.
Austauschen konnten sich die User außerdem im digitalen MED-EL-Treff mit dem Implantat-Nutzer und MED-EL-Mitarbeiter Arnold Erdsiek und MED-EL-Reha-Expertin Corinna Schar. Wissenswertes aus der Musikforschung und Musikrehabilitation bot indes Johanna Boyer, die nicht nur selber CI nutzt, sondern auch das Themenfeld Musik bei MED-EL verantwortet.
Mit dem Verlauf der Aktionswoche zeigt man sich bei MED-EL überaus zufrieden. So sei die Idee einer Themenwoche zum Deutschen Tag der Musik «auf allen Seiten auf viel Begeisterung» gestoßen, berichtet Bernd Seils. Doch weil eine Aktionswoche im Jahr nicht reiche, Hörimplantate und Musikgenuss «positiv zu verknüpfen», werde man an dem Thema weiter dranbleiben, so der Projektverantwortliche weiter.
VIBRANT SOUNDBRIDGE und BONEBRIDGE feiern Geburtstag
IMPLANTATE. MED-EL hat Grund zum Feiern: Das Mittelohrimplantat-System VIBRANT SOUNDBRIDGE feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum, außerdem begeht das Knochenleitungsimplantat BONEBRIDGE sein 10-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass blickt der Hersteller gemeinsam mit dem Hörakustikmeister Eberhard Aigner in einem Interview auf «mehr als zwei Jahrzehnte moderne Medizintechnik zurück», wie es in dem hierzu veröffentlichten Newsletter des österreichischem Implantat-Herstellers heißt.
Demnach kam Eberhard Aigner, der seit über 30 Jahren als Hörakustiker in Ulm tätig ist, in den 1990er Jahren erstmals mit dem Thema Hörimplantate in Berührung. Wegen eines Hörsturzes lag er im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, wegen seines Berufs entwickelte sich aus seinem Aufenthalt als Patient allerdings bald eine berufliche Zusammenarbeit. Denn es war auch die Zeit, da man begann, zum Beispiel Soldaten, die wegen eines Knalltraumas einen Hochtonverlust erlitten hatten, Hörimplantate einzusetzen, wenn Hörgeräte keine Besserung mehr herbeiführen konnten. Dass es eine Option nach den Hörgeräten gab, faszinierte Aigner, und er begann, sich auf diesem Gebiet weiterzubilden. «Nach meinem Verständnis sollte ein Hörakustiker seinen Patient:innen immer die bestmögliche Hörlösung anbieten können»», so Eberhard Aigner.

So Ende seine Aufgabe auch nicht bei der Information über Optionen nach dem Hörsystem, wie er klarstellt. Schließlich benötigen Menschen mit aktiven Mittelohr- oder Knochenleitungsimplantat «von der Erstanpassung über die kontinuierliche Nachsorge ihres Audioprozessors bis hin zum späteren Upgrade einen Ansprechpartner vor Ort. All das können wir als Hörakustiker nach einer Zusatzausbildung übernehmen.» Was er hierbei persönlich am meisten schätzt, ist es, miterleben zu dürfen, wie sich Menschen über wiedergewonnene Lebensqualität freuen. «Das ist das schönste für mich bei meiner Arbeit», so Aigner.
Blickt der Hörakustikmeister auf die Entwicklung der Implantate zurück, sieht er die größten Schritte im Bereich der Konnektivität. Dass Nutzer:innen inzwischen ihren Audioprozessor mit ihrem Telefon oder Fernseher «problemlos» verbinden können, habe die Bedienbarkeit «um ein Vielfaches erleichtert». Auch die Rückwärts-Kompatibilität hebt er hervor. Dass man nicht zu jeder neuen Audioprozessorgeneration auch ein neues Implantat benötige, wertet er als einen «entscheidenden Meilenstein». Nicht minder herausragend sei die Entwicklung in puncto Klangqualität. Nicht zu vergessen schließlich, dass Akustiker:innen die Anpassung einer VIBRANT SOUNDBRIDGE sowie einer BONEBRIDGE mit einer «bekannten Anpasssoftware» durchführen könnten.