HERSTELLER. Im Rahmen eines Online-Launch-Events hat Phonak am 18. August zwei Neuigkeiten vorgestellt: Active Vent sowie eine CROS-Lösung auf der Paradise Plattform.
Im Fokus des Events stand klar Active Vent, der »erste intelligente Receiver mit eingebauter mechanischer Belüftung«, wie Ina Seel, Leitung Audiologie bei Phonak, die Neuheit vorstellt. Ausgangspunkt für die Entwicklung sei die Frage gewesen, wie man den »einzigartigen Klang« von Phonak Paradise noch besser umsetzen könne. Zumal es insbesondere bei Kund:innen mit leichter bis mittlerer Hörminderung die Herausforderung gebe, ob man »absoluten Hörkomfort« oder eben »beste Hörperformance« biete. Diese Frage, meint Ina Seel, stelle sich nun nicht mehr. »Stellen Sie sich vor, es gibt ein Hörsystem, das beides anbietet«, sagt sie. Mit Active Vent sei man an diesem Punkt nun angekommen.
Um den Nutzen zu demonstrieren, macht Ina Seel für das Launch Event einen Ausflug nach Köln ins Hörzentrum Lux. Hier berichtet die Meistern Helene Betcher von ersten Versorgungen mit Phonak-Audéo-Systemen mit dem Active-Vent-Receiver. Oftmals fühlten sich Kund:innen mit einem simplen Dome wohler, weiß Helene Betcher. Ihrem Anspruch, möglichst geschlossen anzupassen, laufe das freilich zuwider. »Man ist also in einem Dilemma«, sagt sie. Geht sie da nun den »fachlich richtigen Weg« oder kommt sie dem Kunden entgegen? Mit Active Vent müsse man diesen Kompromiss nicht mehr eingehen. Ihre Testkunden hätten so ein offenes, natürliches Gefühl und gleichzeitig ließen sich die Features sehr gut darstellen. So berichtet etwa eine Kundin des Hörzentrum Lux, dass das freihändige Telefonieren nun auch auf der Straße klar und deutlich sei, weil der Lärm des Straßenverkehrs reduziert würde. Ein Kunde ergänzt, dass das Fokussieren von Sprache für ihn nun »zielgerichteter« sei. Und beim Telefonieren habe er ebenfalls den Gesprächspartner besser verstehen können.
Auch die Anpassung selbst laufe mit Active Vent »deutlich entspannter«, sagt Helene Betcher. Schließlich müsse sie nun nicht erst experimentieren, wie geschlossen eine Versorgung für einen Kunden sein darf. »Das verkürzt die Anpasszeit«, so Betcher. Das mache die Kund:innen glücklich, und dann werden sie ihre Hörsysteme auch tragen.
Gesteuert wird Active Vent von der Automatik AutoSense OS. Die erkenne, wann ein:e Nutzer:in mehr von einem geschlossenen Vent profitiere, erklärt Ina Seel. »Wir haben es also geschafft, die gute alte Zusatzbohrung in ein modernes, adaptives Feature zu verwandeln«, resümiert die Leitung Audiologie bei Phonak. In seinen akustischen Eigenschaften sei der Active-Vent-Receiver mit dem Standard-Receiver von Phonak vergleichbar. Er deckt einen Frequenzbereich von 100 bis 8.000 Hertz ab, die maximale Verstärkung liege bei 50 dB SPL, der maximale Ausgangspegel bei 119 dB SPL. Angepasst werden kann Active Vent mit dem Universal Slim Tip sowie dem Titanium Slim Tip. Kompatibel ist der Hörer mit allen Akku-Varianten der Phonak-Audéo-Paradise-Systeme. Ab dem 70er-Technologie-Level führe seine Verwendung überdies zu 10 Prozent mehr Sprachverstehen in lauter Umgebung.
Ein Wermutstropfen ist hier aber auch zu nennen: Alle sechs Monate muss man mit einem Wechsel des Receivers rechnen. Dazu kommt der finanzielle Aspekt für die Nutzer:innen. »Active Vent hat seinen Preis«, sagt dann auch Andreas Tikovsky. Zudem ist »starke Cerumen-Bildung ein Ausschlusskriterium«, so der Geschäftsbereichsleiter von Phonak in Fellbach weiter. Um herauszufinden, ob jemand ein Kandidat für Active Vent ist, bietet Phonak daher eine »Kandidaten-Checkliste« an.
Als zweite Neuheit wurde auf dem Launch Event CROS P für den Herbst angekündigt, Phonaks Lösung für CROS-Versorgungen auf der Paradise-Plattform. »Neben der bewährten Paradise-Leistung verbessern CROS P und Audéo P die Spracherkennung im Störgeräusch, wenn die Sprache dem nicht hörenden Ohr präsentiert wird«, heißt es hierzu von Seiten Phonaks.
Mit den Neuheiten dürfte die Erfolgsgeschichte von Phonak Paradise fortgesetzt werden. Für das vergangene Jahr gibt der Hersteller jedenfalls an, weltweit über 1 Millionen Paradise Hörsysteme verkauft zu haben, trotz Pandemie.