EDITORIAL
Lieber Leserin, lieber Leser,
Mitte Oktober besuchte ich hier in Hamburg eine Veranstaltung, auf der sich thematisch alles um Zukunftsfragen drehte. So weit, so normal. Wer möchte schon, zumindest, wenn es um Berufliches geht, in der Vergangenheit schwelgen? Wobei ja auch die Historie einen Einfluss auf Gegenwart und Zukunft hat. Schließlich wäre es heute nicht, wie es ist, wäre es damals nicht gewesen, wie es war. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls stand auf dieser Veranstaltung eingangs jene Frage im Zentrum: „Welche Idee/welches Bild der Zukunft fasziniert Sie am meisten?“ Jede:r Teilnehmer:in war gefragt – und die Bandbreite an Antworten beeindruckte mich. Von klassischen Vorstellungen wie der des autonom Lebensmittel nachbestellenden Kühlschranks über die sich hoffentlich immer weiter individualisierende Medizin bis hin zu Supermärkten, in denen einen Kameras beim Einkaufen filmen und man über die Gesichtserkennung bezahlt, war alles dabei, was man irgendwie irgendwo schon mal gelesen oder gehört hatte. Schöne neue Welt. Als wohltuend empfand ich hier aber, dass auch die (eventuell) negativen Folgen dieser Entwicklungen mitgedacht und erwähnt wurden. In eben jenem Supermarkt zum Beispiel verlören durch derartigen Fortschritt Menschen ihre Arbeit, gab jemand zu bedenken. Will man das? Jemand anderes sorgte sich um die Geschwindigkeit, mit der die Entwicklung voranschreitet. Wie schafft man es, im Angesicht derer auch all jene Menschen mitzunehmen, die nicht so (hoch)qualifiziert sind wie andere? Viele neigen ja dazu, ein durchweg optimistisches Zukunftsszenario zu entwerfen, denken sie an all die technologischen Entwicklungen und Potenziale, Stichwort Flugtaxis. Das war hier auf dieser Veranstaltung anders. So ärgerte ich mich auch nur kurz über mich selbst, weil ich meinem durchaus hoffnungsvollen Zukunftsszenario nicht noch etwas Kritisches nachgeschoben hatte. Denn gerade da, wo der digitale Fortschritt Einzug in meinen Alltag halten will, versucht er das oftmals auf zwei wenig sympathischen Ebenen: Meiner Bequemlichkeit und meinem Geiz. Sich nicht immer davon verleiten zu lassen, das hätte ich hier gerne noch nachgeschoben. Aber das war hier glücklicherweise gar nicht nötig.
Sicher, da, wo Zeit tatsächlich Geld ist oder sie hilft, Dinge wirklich zu verbessern, habe ich gegen die zunehmende Digitalisierung erst mal nichts einzuwenden. Und dass wir als Redaktion neuen Entwicklungen erst mal offen gegenüberstehen, spiegelt sich auch in dieser nun schon vierten Ausgabe der OMNIdirekt.
Ein Schmelztiegel, an dem viele Neuentwicklungen zusammenkommen, ist freilich der Internationale Hörakustiker-Kongress samt seiner Industrieausstellung. Und so haben wir während der drei Tage in Hannover etliche Stände aufgesucht und uns über Neuheiten informieren lassen. Einige Themen vom Kongress hatten wir schon in Heft drei aufbereitet, doch nun geht es mit geballter Aufmerksamkeit beinahe über die gesamte Ausgabe hinweg um in Hannover vorgestellte Innovationen und Impulse. Ganz vorbei ist der EUHA-Reigen in der OMNIdirekt damit allerdings noch nicht. Auch im kommenden Heft werden wir unsere Berichterstattung hierzu noch fortführen, bis wir dann wieder zu anderen spannenden wie innovativen Themen übergehen. Bis dahin wünsche ich Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, gute Unterhaltung mit unserer Nummer vier.
Dennis Kraus