DIGITALES MAGAZIN
005 | Dezember 2021
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STARKEY THINK TANK – GEMEINSAME WEGE IN DIE ZUKUNFT

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Von: Dennis Kraus

STARKEY THINK TANK – GEMEINSAME WEGE IN DIE ZUKUNFT

Ende Oktober hatte Starkey zu sogenannten Think Tanks bzw. Zukunftsworkshops eingeladen. Auf den insgesamt acht Veranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten suchte der Hersteller so den Schulterschluss mit seinen Kundinnen und Kunden. Auf der Agenda standen ein Ausblick auf den anstehenden Launch von Starkey Evolv AI sowie Workshops in kleineren Runden, um gemeinsam Zukunftsthemen zu besprechen.

Das Ambiente für die zwei Think-Tank-Veranstaltungen in Hamburg ist gut gewählt. Durch die großen Fensterfronten hat man zur einen Seite Blick auf die Speicherstadt, zur anderen blickt man über einen Elbkanal auf einen Teil des Stadtpanoramas mit seinen Hauptkirchen. Drinnen ist es gemütlich und zugleich elegant. Fehlt eigentlich nur der blaue Himmel. Aber stattdessen Wolken und Wind. Willkommen in Hamburg.

»Es geht uns hier um den Austausch«, eröffnet Catharina Scheidel, Sales & Customer Service Managerin bei Starkey. Zusammen mit rund 20 Kundinnen und Kunden soll im Elbdeck heute über die Zukunft gesprochen werden. Welche Fragen sind zu beantworten, um gemeinsam erfolgreich die Zukunft gestalten zu können? Welche Beiträge des Herstellers wünschen sich dafür die Kundinnen und Kunden?

Sozusagen zum Warm-up bekommt man eine Frage gestellt: »Welche Idee/welches Bild der Zukunft fasziniert Sie am meisten?« Mit ihrer bzw. seiner Antwort stellt sich in dem Zuge auch gleich jede:r den anderen vor. Die allermeisten scheinen sich hier allerdings ohnehin schon zu kennen. Wie immer bei Starkey geht es sehr familiär zu.

Zukunftsszenarien

Die Äußerungen zu den Zukunftsideen sind spannend. Vom autonom Lebensmittel nachbestellenden Kühlschrank über immer individueller werdende medizinische Angebote und Simultanübersetzungen des Babel Fishs bis hin zu Supermärkten, in denen es keine Kassierer:innen mehr gibt und man per Gesichtserkennung seine Einkäufe bezahlt, ist alles dabei, wovon man schon mal gehört oder gelesen hat. Was die Antworten hier aber so sympathisch macht: Viele zeichnen nicht bloß optimistische Szenarien. Auch Nachteile und Gefahren einzelner Entwicklungen werden geäußert. 

Einige Antworten haben natürlich auch einen direkten Branchenbezug. Ein Akustiker etwa ist angetan von der Idee, künftig wieder mehr von dem, was man im Betrieb anbietet, selbst in der Hand zu haben. Teilweise, sagt er, ist das heute ja schon der Fall, zum Beispiel, wenn man im eigenen Betrieb einen 3D-Drucker nutzt. Jemand anderes beschäftigt die Frage, inwieweit die Grenzen zwischen Consumer Electronic und Hörgeräte-Technologie noch verwischen werden oder ob beide Sparten gar verschmelzen. »Die Frage ist dann immer: Was können wir, was es in der Consumer Electronic noch nicht gibt?«, sagt er. Auch die Frage nach der Vertraulichkeit von Daten treibt einige um, genau wie die Mobilitätswende und künftige Antriebsenergien. Jemand anderes erwähnt mit Blick auf die Hörbranche das Thema Abo-Modelle, wie man sie inzwischen auch von einigen Automobilanbietern kennt. Wird man irgendwann seine Hörsysteme abonnieren? Fragen über Fragen.

Über all dem schweben heute noch zwei weitere Themen: die Digitalisierung und künstliche Intelligenz. »Künstliche Intelligenz kann dazu führen, dass man mehr Zeit hat für die wichtigen Dinge im Leben«, sagt Florian Heyn. Der Manager Produkttraining & audiologischer Support leitet heute zusammen mit seiner Kollegin Catharina Scheidel die Veranstaltung. »Man müsste sich dann nicht mehr in jeden Prozess reindenken, sondern hätte Systeme, die einem das Abnehmen. Das schafft Kapazitäten«, ergänzt er. Im Fortlauf steigt Florian Heyn etwas tiefer in das Thema KI ein. So kommt er von programmierten Prozessen, wie man sie etwa von der Störgeräuschunterdrückung in Hörsystemen kennt, hin zu tatsächlicher künstlicher Intelligenz und lernenden Maschinen bzw. Algorithmen.

Im Gegensatz zum Menschen könnten Maschinen keine neuen Erfahrungen machen und daraus lernen, sagt Florian Heyn. Ersetze man Erfahrungen in diesem Kontext aber mit Daten, dann können auch Maschinen lernen. Im Ergebnis könnte künstliche Intelligenz »zu einem guten Begleiter im Alltag werden«. Entscheidend sei hier eben, wie gut man die Daten verarbeitet bekomme und wie man sie, auch mit Blick auf die Technologie in Hörsystemen, im Sinne des Kunden auswerten könne.

Um die Entwicklung von Hörhilfen zu veranschaulichen, zeigt Florian Heyn die wichtigsten Entwicklungsschritte vom Hörrohr über erste Koffer- und Taschen-Geräte sowie erste digital programmierbare Geräte bis hin zum heutigen State of the Art. Schnell wird deutlich: Die Zeitspannen zwischen den Entwicklungen werden immer kürzer. Die Arbeit in den Fachgeschäften bleibt davon freilich nicht unberührt. »Mit dem Lötkolben bekommt man da heute nichts mehr hin«, sagt Florian Heyn. Gleichwohl sich nicht alles geändert habe. So ist eine Aufgabe nach wie vor die, Menschen über die Fähigkeiten von Hörsystemen aufzuklären und ihnen zu vermitteln, dass sie in den Betrieben der Akustikerinnen und der Akustiker Technik samt individueller Veredelung erhalten, die in verschiedensten Situationen helfen kann. Vor nicht allzu langer Zeit waren die Argumente hierfür gerne kosmetischer Natur. Es wurde mit kaum mehr sichtbaren Hörgeräten geworben, was, meint Florian Heyn, das Stigma eines Hörgeräts irgendwie aber auch unterstützt habe. Frei nach dem Motto, dass man die Dinger ja verstecken müsste.

Kurzer Ausblick auf Starkey Evolv AI

Dieses Stigma zu brechen, haben sich bekanntlich schon viele auf ihre Fahne geschrieben. Achin Bhowmik, leitender Entwickler bei Starkey, tut das auch, berichtet Florian Heyn. Die Strategie, die er gewählt hat, unterscheidet sich jedoch von bisherigen Ansätzen. Er will die Geräte zu mehr machen als bloßen Hörhilfen. »Da geht es darum, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu steigern, was ja im Grunde bei allen eine übergeordnete Rolle spielt«, sagt Florian Heyn. Auf diesem Wege, das ist die Idee, gelinge eine bessere Integration der Hörsysteme in den Alltag der Menschen. »Und auf diesem Weg bekommen wir auch einen größeren Attraktivitätsgedanken«, sagt Florian Heyn. 

Um aufzuzeigen, wie die nächsten Schritte auf diesem Weg genau aussehen, stellt Florian Heyn die für den Februar 2022 angekündigte neue Produktfamilie Starkey Evolv AI kurz vor. Vieles sei hier weiter verbessert worden, setzt er an. Sowohl für die eigenen Kundinnen und Kunden als auch für die Nutzerinnen und Nutzer. Aufgebaut ist die Starkey-Evolv-Familie, die über alle Bauformen hinweg im Februar kommen soll, auf drei Säulen. Die erste ist die Leichtigkeit des Hörens, die zweite setzt auf die Leichtigkeit der Verbindung, also auf die Konnektivität, und die dritte Säule ist die Leichtigkeit der Auswahl. Man dürfe also gespannt sein auf die zweite Generation der AI-gestützten Hörsysteme, die weiteren Komfort und zusätzlichen Alltagsnutzen für jeden in Aussicht stellen.  

Die Workshops

Für die Workshops im zweiten Teil der Veranstaltung werden die Gäste in zwei Gruppen aufgeteilt. So möchte man gemeinsam unter anderem darüber sprechen, was Starkey in Zukunft für einen tun kann. Auch die anstehende Produktfamilie wird kurz noch einmal thematisiert, und so begrüßt zum Beispiel Jana Ritter von Hörwelt Jana Ritter in Engen die weitere Verfügbarkeit von AI Technologien in zusätzlichen Segmenten. Dass die neue Familie in einem Rutsch in den Markt eingeführt wird und nicht tröpfchenweise, trifft wiederum bei Marco Binder auf Zustimmung. »Das finde ich sehr positiv. Das ist genau das, was wir brauchen«, sagt der Inhaber von Die Binders in Böblingen. 

Aber auch Befürchtungen und Sorgen in Bezug auf künftige Entwicklungen kommen zur Sprache – und wie Starkey seine Kundinnen und Kunden hier zumindest ein Stück weit auffangen kann. So umtreibt einige zum Beispiel die Frage, inwieweit künftig Wearables zur Konkurrenz werden könnten, erzählt Lennart Bandick von Hörgeräte Weber in Hamburg. Auch das Thema Direktvertrieb über das Internet kommt auf. »Da muss man aufklären, was es bedeutet, wenn man die Technik im Internet kauft, und was es bedeutet, wenn man dafür in ein Fachgeschäft geht«, sagt Lennart Bandick. So können aus Sorgen auch Chancen werden.

Im Laufe des Workshops werden diverse Stichworte auf Post-its notiert, kategorisiert, auf einen Flipchart geklebt und diskutiert. Die Bandbreite der Themen ist durchaus groß. Bei der Veranstaltung in Stuttgart etwa wird auch Kritik an Werbemotiven der Industrie geäußert. »Wenn man so hochtechnologisiert ist, warum kommen da dann Schirmchen ran?«, fragt zum Beispiel Marco Binder. Jana Ritter stimmt ihm zu. »Wir sind Fachleute, die in kleinen, inhabergeführten Fachgeschäften wirklich Wert auf gute Versorgungen legen«, sagt sie. Ein Hersteller, der auf seinen Werbemotiven für neue Hörsysteme auch eine »ordentliche Otoplastik« zeigt, fällt ihr allerdings nicht ein. »Wir sind keine Generation der Schirmchen-Anpasser mehr«, stellt Jana Ritter klar. Mit denen mache man den Nutzen der Technologien doch nur wieder zunichte. Dass man als Hersteller mit seinen Werbemotiven eben global Kundinnen und Kunden ansprechen wolle, lässt Marco Binder nicht gelten. Er versteht sich als Local-Player und möchte auch so angesprochen werden. So treffen die Welten eines globalen, gesamtheitlichen Markenauftrittes auf die lokalen Anforderungen – genau solche Feedbacks waren von Seiten Starkeys erwünscht.

Andere nehmen den Workshop zum Anlass, sich bestimmten Support von Starkey zu wünschen. Alexander Dominguez etwa fordert während einer der beiden Veranstaltungen in Hamburg Unterstützung im Verkauf. »Das hört sich vielleicht banal an«, sagt der Inhaber von Hörakustik Dominguez in Bünde. »Aber die Elektronik ist ja immer vergleichbarer geworden. Zudem fordern die Krankenkassen einen höheren Standard – welche Verkaufsstory wollen wir jetzt also anbringen?« Bei seinem Wunsch hat der Hörakustikmeister auch den Branchennachwuchs im Blick. Er selbst bildet seit über 20 Jahren aus und stellt ab und an fest, dass der Nachwuchs durchaus mal Anlaufschwierigkeiten habe, mit Kundinnen und Kunden ins Gespräch zu kommen. Generalisieren möchte er das natürlich nicht. Aber die eine oder der andere würde von einer guten Verkaufsschulung sicherlich profitieren.

Von dem Verlauf der Workshops zeigen sich unsere vier Gesprächspartner begeistert. »Für mich war das nach langer Zeit mal wieder ein wirklich erfrischender Workshop«, sagt Alexander Dominguez. Jana Ritter sieht das ähnlich. »Alleine in Präsenz mal wieder die Kollegen zu treffen!«, fügt sie hinzu. Für sie funktioniere der Austausch ohnehin deutlich besser bei Präsenz-Veranstaltungen. Marco Binder hebt hervor, dass es nicht ausschließlich um neue Produkte ging. »Die waren eher eine Randnotiz«, sagt er mit Blick auf den Workshop. Und auch Lennart Bandick geht mit einem guten Gefühl aus dem Workshop. »Unser Geschäft gibt es seit 60 Jahren, und von Anfang an arbeiten wir mit Starkey zusammen«, sagt er. Man vertraut sich. Besonders, dass in der Zusammenarbeit auch von Seiten des Herstellers eine Win-Win-Situation angestrebt werde, gefällt ihm, spiegelt das doch auch die eigenen Bestrebungen wider. Mit den Think-Tank-Veranstaltungen habe der Hersteller daran angeknüpft. »Das ist super sympathisch«, sagt der Hamburger. 

Dass man mit seinen Bedürfnissen bei Starkey an einer richtigen Adresse ist, dass glauben alle vier. Marco Binder erinnert sich an eine Aussage von Starkey-Gründer Bill Austin. Der habe mal gesagt, dass Starkey theoretisch die Akustiker nicht brauche, um die Produkte zu verkaufen. Aber Starkey brauche die Akustiker, um sich weiterentwickeln zu können, denn sie seien die Kritiker. Für Binder heißt das, es geht dem Hersteller nicht nur um die Optimierung von Prozessen, sondern auch darum, den Akustikerinnen und Akustikern »gescheites Handwerkszeug« liefern zu können. Zumal Starkey aus seiner Perspektive »einer der Hersteller ist, der am schnellsten auf Vorschläge reagiert«. »Damit ist Starkey für mich gefühlt tatsächlich ein Partner und nicht nur ein Hersteller«, sagt er. 

Wie es sich für eine Partnerschaft gehört, sollen denn auch alle Teilnehmenden im Nachgang noch eine Auswertung der Workshops erhalten. Dann kann die Zukunft ja kommen.