
IMPLANTATE. In der Universitätsklinik Düsseldorf wurde am 23. November vergangenen Jahres erstmals in Deutschland eine roboter-assistierte Bohrung für Cochlea-Implantate realisiert. Eingesetzt wurde dafür der Roboter »HEARO«. Das verbreitete MED-EL Anfang Dezember.
Der automatisierte Eingriff erfolgte unter der Federführung von Prof. Thomas Klenzner, dem stellvertretenden Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, und dem Leiter des klinikeigenen Hörzentrums in Zusammenarbeit mit MED-EL. Der Implantat-Hersteller spricht von einem »Meilenstein der modernen Medizintechnik« und dem »Anfang einer neuen Ära in der Cochlea-Implantat-Chirurgie«. So könnten Eingriffe dieser Art künftig »noch präziser« ablaufen.
Ermöglicht wurde die roboter-assistierte Bohrung durch eine Technologie namens HEARO. Der entsprechende Roboter wurde von der CAScination AG in Zusammenarbeit mit MED-EL entwickelt und soll künftig weltweit bei Implantationen unterstützen. Bei seinem ersten Einsatz in Deutschland habe er »fast vollautomatisch« unter der Aufsicht von Prof. Klenzner einen zwei Millimeter breiten Kanal durch die Schädeldecke zum Innenohr gebohrt. Aber auch darüber hinaus werde die Technik von Nutzen sein. »HEARO ermöglicht eine individuelle, sehr detaillierte Vorplanung und Einschätzung des operativen Zugangs zum Innenohr. Der Roboter führt selbstständig hochpräzise die vom Operateur festgelegte Bohrung von der Knochenoberfläche zur Hörschnecke im für den Patienten idealen Winkel durch. Der Operateur gibt dabei die Bohrung frei und überwacht sie auf verschiedenen Ebenen, z. B. mit einer speziellen Röntgentechnik und einem permanenten Monitoring des Gesichtsnervs. Nachdem der Zugang zur Hörschnecke geschaffen wurde, eröffnet der Operateur die Hörschnecke und führt die Elektrode manuell langsam und schonend ein, geführt durch eine Hülse im Bohrkanal«, so Prof. Klenzner. Damit würde man Chirurgen helfen, sowohl einen minimal invasiven Zugang zur Cochlea zu ermöglichen als auch einen idealen Weg zur Einführung des Elektrodenträgers in die Cochlea zu bahnen. Zudem ließe sich so das Restgehör noch besser schonen, und auch die Liegezeiten könnten so verkürzt werden.

Für MED-EL ist die Technologie außerdem eine Entwicklung, mit der man »einmal mehr seinen Pioniergeist und seine Vorreiterrolle« unterstreiche. »Innovationen und technische Weiterentwicklungen waren und sind seit jeher das Herzstück von MED-EL«, sagt Gregor Dittrich, Geschäftsführer von MED-EL Deutschland. »Was für andere noch Zukunftsmusik ist, lassen wir durch unermüdliche Forschung und den Willen, die vielzitierte Extrameile zu gehen, zur Realität werden. ›HEARO‹ ist nur ein weiterer Schritt, um den operativen Eingriff, der für eine Cochlea-Implantation notwendig ist, weniger invasiv zu gestalten, und damit die psychologische Hürde und die Belastung für Patient:innen zu verringern. Zukünftig könnte es sogar möglich sein, dass der Roboter die Dauer des Eingriffs auf wenige Minuten reduziert und Cochlea-Implantationen mehrheitlich unter lokaler Anästhesie durchgeführt werden.«