DIGITALES MAGAZIN
012 | Juli 2022
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GENERALVERSAMMLUNG DER HÖREX: ENDLICH WIEDER IN PRÄSENZ

Von Martina Ostermeier (HÖREX)

GENERALVERSAMMLUNG DER HÖREX: ENDLICH WIEDER IN PRÄSENZ

Im Mai war es endlich so weit: Rund 100 Mitglieder der HÖREX Hör-Akustik eG trafen sich zu ihren Unternehmertagen und zur Generalversammlung in Köln und Kreuztal. Abschließender Glanzpunkt war die Feier zum 25-jährigen Jubiläum der Genossenschaft, die vor zwei Jahren coronabedingt ausfallen musste.

Das Gute bleibt«, darin sind sich Thomas Sühnel und Mario Werndl einig. Die beiden 68-Jährigen kennen die HÖREX wie nur wenige andere. Sie sind Mitglieder der ersten Stunde und waren mehr als 20 Jahre im Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft aktiv. »Ich freue mich, heute hier in Kreuztal gerade auch den jüngeren Kollegen noch einmal zu erzählen, wie das damals angefangen hat mit der HÖREX«, so Sühnel. Damals: Das war Anfang der 1990er-Jahre, die »wilde Wendezeit«, wie Sühnel es nennt. Das Berufsbild des Hörakustikers hatte es in der DDR nicht gegeben. Deshalb machte sich der umtriebige Hörakustikmeister Friedrich Scheinhardt aus dem Siegerland auf die Suche nach Menschen, die sich in das Handwerk einarbeiten und in den damals neuen Bundesländern etablieren wollten. Thomas Sühnel und Mario Werndl waren zwei von ihnen. Zusammen mit seiner Frau, ebenfalls Hörakustikerin, organisierte Scheinhardt Lehrgänge, sorgte dafür, dass die entstehenden, mittelständischen Betriebe mit Hörgeräten beliefert wurden, und war jederzeit Ansprechpartner. »Eine super Zeit«, erinnert sich Sühnel. Dann kam die Idee, aus dieser losen Gemeinschaft etwas Größeres, Neues zu machen: eine Einkaufsgemeinschaft mit Kollegen aus den »Alt-Bundesländern«. Die Entscheidung für eine Genossenschaft als Organisationsform war schnell getroffen: »Unser Grundgedanke: Alles, was erarbeitet und erwirtschaftet wird, was die Gemeinschaft an finanziellen und anderen Mitteln schafft, soll wieder den Mitgliedern zugeführt werden«, so Sühnel. Gründungstag war der 1. Februar 1995. »25 Kollegen waren wir. Einige davon sind heute genau wie Mario und ich hier in Kreuztal.« Der aktuelle Vorstand und Aufsichtsrat hatte alle Mitglieder eingeladen, in der Heimat der HÖREX die Feier zum 25-jährigen Bestehen der Genossenschaft nachzuholen. »Gleichzeitig ist es auch das zehnjährige Jubiläum unserer Firmenzentrale«, so Werndl. »Diese war notwendig geworden, weil unsere Gemeinschaft immer weiterwuchs, und wir für die optimale Betreuung unserer Mitglieder immer mehr Mitarbeiter brauchten.« Nicht ganz ohne Stolz in der Stimme verweist Werndl darauf, dass man mit Wärmepumpe und Photovoltaikanlage Technologien in den Bau integrierte, die damals keineswegs Standard waren – und dass man mit den Kosten und nur einem Jahr Bauzeit voll im Plan blieb. »Das Beste für Thomas und mich aber war: Immer, wenn wir nach Kreuztal kamen, fühlten wir uns willkommen und zu Hause.«

Zukunftsweisend wie das Bauprojekt waren auch andere Meilensteine, die Sühnel und Werndl in ihrer aktiven Zeit bei der HÖREX begleiteten. Dazu zählen unter anderem die Einführung einer HÖREX Eigenmarke zusammen mit Bernafon im Jahr 2009 und die Etablierung regionaler Stammtische im Jahr 2000. »Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir das Miteinander in der Genossenschaft weiter verbessern können. Wie wir es schaffen, dass Themen einfach und unkompliziert an den Vorstand herangetragen werden können«, erzählt Sühnel. »Durch die Stammtische ist uns das gelungen«, führt Werndl fort. »In den persönlichen Gesprächen kamen immer wieder Dinge zur Sprache, die man nicht mal eben per E-Mail klären kann. Deshalb ist es mir eine große Herzenssache, hier und heute noch einmal zu betonen: Es ist der persönliche Kontakt, der die HÖREX ausmacht. Die Tatsache, dass man miteinander redet. Auch wenn das in den vergangenen zwei Jahren zwangsläufig überwiegend online stattfinden musste: Ich glaube, die Feier heute Abend ist ein wunderschöner Auftakt ins alte neue Leben.«

Weiterbildung, Stadtrallye, Austausch

Hoffnungsfroher Auftakt auf der einen Seite, glanzvoller Abschluss auf der anderen Seite: Mit der Jubiläumsfeier am Samstagabend enden die diesjährigen Unternehmertage und die Generalversammlung der HÖREX. Manche HÖREXperten sind da schon seit Donnerstagabend in Köln, an dem die HÖREX zu einer Brauhaustour eingeladen hatte. Der Freitag steht dann ganz im Zeichen der Weiterbildung: vier biha-zertifizierte Workshops, eingebettet in eine Stadtrallye. Viele Mitglieder kennen das Konzept noch aus Vor-Corona-Zeiten und nutzen die Spaziergänge zwischen den Workshop-Stationen gern zum Durchatmen und für Gespräche mit Kollegen.

Im Eden Hotel FRÜH am Dom dreht sich alles um Sonic, Exklusivmarke der HÖREX. Die Referenten Carsten Braun und Sebastian Wiesner erarbeiten mit den Teilnehmenden Alternativen und Erweiterungen zu einer klassischen Hörsystemanpassung in ruhiger Testumgebung anhand der neuen Produktfamilie Sonic Radiant. Denn zwar wird seit über zehn Jahren die Anpassung mithilfe der Perzentilanalyse überprüft und optimiert, jedoch in den meisten Fällen ausschließlich in einer ruhigen Testumgebung durchgeführt, die selten der Problembeschreibung der Kunden entspricht. Die Tatsache, dass die Sprache in den Zielbereich des Kunden gebracht wird, heißt aber nicht automatisch, dass der Kunde diese auch nutzen kann. Zur Auflockerung gibt es ein kleines Quiz rund um Sonic, die HÖREX und die Stadt Köln.

In Köln vor Ort sind außerdem weitere strategische Partner der HÖREX: Oticon, Signia Hearing und Widex. Beim Oticon-Workshop steht der Ansatz im Mittelpunkt, Menschen mit Hörminderung einen 360-Grad-Zugang zu Klängen zu ermöglichen. Beispiel hierfür ist die Hörsystemfamilie Oticon More, die auf der Basis eines Deep Neural Network die gesamte Klangumgebung verarbeitet und dem Gehirn Zugang zu allen relevanten Klängen in einer optimierten Form bietet – nicht nur der Sprache. Horst Warncke und Christof Kesper verweisen auf insgesamt zwölf Studien, die die Vorteile von Oticon More wissenschaftlich belegen. Außerdem präsentieren sie die neue Hörsystemfamilie Oticon Zircon, die Menschen mit Hörminderung den Zugang zur kompletten Hörumgebung erstmals im mittleren Preissegment eröffnet: ein eindeutiger Mehrwert für Kunden. Abgerundet wird der Vortrag mit einem Einblick in das »freihändige Telefonieren« mittels Bluetooth-LEA-2.0-Protokoll.

Heike Kuipers, Florian van Huet und Michael Mette von Signia Hearing widmen sich dem Thema KI-gestützter Hörgeräteanpassung. Was die Teilnehmenden mitnehmen: Künstliche Intelligenz kann Hörakustikern helfen, weitreichende Einblicke in die Akzeptanz der Hörgeräteeinstellung zu erhalten. Allein die zuletzt erhobenen Daten umfassen mehr als eine Million Einträge zu Problemstellungen und zugehörigen Lösungen. Im Rahmen des Vortrags erhalten die Teilnehmenden einen Einblick, wie sie sich die Erkenntnisse aus den Daten mithilfe einer neuen KI-gestützten Anpassmethode zunutze machen können. Zum Abschluss darf sich jeder einen Kopfhörer aufsetzen und selbst erleben, welchen Unterschied die KI-gestützte Anpassung in der Praxis und im Vergleich zu Produkten von Mitbewerbern macht.

Vervollständigt wird das Workshop-Programm von Rüdiger Luithle und Annika Vahrenkamp aus dem Hause Widex. Luithle wirft zunächst einen Blick auf den aktuellen Hörgerätemarkt und seine Trends. Dann geht er darauf ein, wie und wann die Grundlagen für die heutigen technologischen Eigenschaften geschaffen wurden, und was die beiden Gründer, Christian Tøpholm und Erik Westermann, antrieb. Anschließend darf die HÖREXperten Gruppe via Smartphone aus zehn Produkteigenschaften fünf auswählen, die Annika Vahrenkamp vertiefend vorstellt. Zum Abschluss des Tages geht es in die Traditionsbrauerei »Zur Malzmühle«. Dort sind nicht nur die strategischen Partner zu Gast, sondern auch Lukas-Pierre Bessis, Zukunftsforscher und digitaler Evangelist, mit seinem Vortrag »Mensch 2035 – Das bringt uns die Zukunft«.

Die Generalversammlung

Am Samstag steht die Generalversammlung im Mittelpunkt. Zuvor begrüßt Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörakustiker (biha), die Anwesenden im Tagungssaal des Lindner Hotel City Plaza. Baschab hat aktuelle Informationen dabei: zur neuen Meisterprüfungsverordnung und zur Entscheidung des Bundessozialgerichts zu neuen Festbeträgen. Es wird klar, dass es hier noch viel Rede- und Klärungsbedarf gibt. Anschließend sind Markus Böcker, Geschäftsführer von Starkey Deutschland, und Sylvie Gerber, Leiterin Marketing und Produktmanagement bei Starkey Deutschland, vor Ort, um die Vorteile der neuen Hörsystemfamilie TELEFUNKEN PLUS X vorzustellen. Der US-amerikanische Hörsystemhersteller Starkey steht als Partner der HÖREX hinter den Hörsystemen unter der Marke TELEFUNKEN, für die die Genossenschaft das exklusive Vertriebsrecht in Deutschland hat. Das speziell dafür konzipierte Marketing präsentiert Katharina Schmidt, Team-Leitung Marketing- und Produktmanagement bei der HÖREX. Dabei ermuntert sie die Mitglieder, aktiv zu werden, einige wären das bereits: »Sie haben die Möglichkeit, das Marketing mitzugestalten. Äußern Sie Wünsche, gern auch Kritik. Sie wissen am besten, was bei Ihren Kunden ankommt.«

Der offizielle Teil der Generalversammlung beginnt um die Mittagzeit. Die Vorstände Claudia Hellbach und H.-P. Weihmann können den anwesenden Mitgliedern einen positiven Jahresabschluss 2021 präsentieren: »Trotz Corona und der gesamtwirtschaftlichen Lage blicken wir auf ein gutes Geschäftsjahr zurück: Die Umsätze gehen weiter nach oben, und auch die Zahl der Mitgliedsfachbetriebe ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen«, so Claudia Hellbach. »Aktuell gehören 569 Betriebsstätten zur Genossenschaft.« Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat gibt es keine Veränderungen. Die Mandate von Katja Breck und Jens Pietschmann enden zwar, doch beide stellen sich erneut zur Wahl und werden mit großer Mehrheit in ihren Ämtern bestätigt. Auch Christian Großmann wird bei der konstituierenden Sitzung als Vorsitzender des Aufsichtsrats wiedergewählt.

Es gibt aber nicht nur Zahlen und Wahlen auf der Generalversammlung. Ein weiterer zentraler Punkt sind die zahlreichen Projekte, die die HÖREX 2021 und in den ersten Monaten 2022 erfolgreich durchführen konnte – so etwa der Launch einer neuen Landingpage zum HÖREX Existenzgründungs-Service. Außerdem stellt Katharina Schmidt eine Azubi-Initiative vor, die die HÖREX derzeit entwickelt: eine Antwort auf den bestehenden Fachkräftemangel mit dem Ziel, die Mitgliedsfachbetriebe im Wettbewerb um die besten Nachwuchstalente zu unterstützen. H.-P. Weihmann betont in diesem Zusammenhang: »Unser zentrales Anliegen ist es, Leistungen anzubieten, die unsere Mitglieder entlasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit jetzt und für die Zukunft stärken.« Genau deshalb rückt auch das Thema Social Media immer mehr in den Fokus der Genossenschaft. »Wer potenzielle Mitarbeiter und Kunden heute erreichen möchte, muss auch in den sozialen Netzwerken aktiv sein – aber nicht jede und jeder ist damit gleichermaßen vertraut«, so Weihmann. Diandra Mürb, Social-Media- und Content-Managerin, stellt den Mitgliedern der HÖREX vor, was sie rund um Social Media in den kommenden Monaten erwartet: eine Seminarreihe sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene startet im Juni, kostenlosen Social-Media-Content, den die Mitglieder je nach Bedarf nutzen können, gibt es über das Jahr verteilt. Zudem stellt die HÖREX eine Plattform zur Verfügung, über die die Mitglieder Zugriff auf den von der HÖREX entwickelten Content haben, um daraus mit wenigen Klicks Postings zu erstellen. Auch eigenen Content können die Mitglieder über die Plattform posten. Zum Abschluss lädt Christian Großmann noch zu einer Diskussionsrunde ein, in die jede und jeder Fragen und Anregungen einbringen kann.

Pünktlich um 16 Uhr endet die Generalversammlung und gibt den Mitgliedern ein wenig Zeit, sich für den Abend bereit zu machen. In Kreuztal bei den Jubiläumsfeierlichkeiten heißt es dann: Auf in die nächsten 25 Jahre HÖREX!