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Von Dennis Kraus
ALLE 20 MINUTEN VERLIEBT SICH EIN …
26 Stopps mit je einer Vormittags- und einer Nachmittagsvorstellung – die Deutschland-Tour, auf die sich die GN Hearing in diesem Sommer begab, war umfangreich. Vor Ort erwartete die Besucherinnen und Besucher ein informatives Programm, das gleichzeitig den direkten Austausch zwischen dem Hersteller und seiner Kundschaft förderte. Einfach still dasitzen und zuhören konnte man jedenfalls nicht. Schließlich war man ja auf einem Speeddating.
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Was Marina Teigeler und Yaser Georgos meinen, als sie während der kurzen Begrüßung davon sprechen, dass man heute auch mitmachen müsse, wird schnell klar. Fünf Stationen hat das Team der GN Hearing in einem Seminarraum des Park Hyatt Hotels in Hamburg aufgebaut. An jeder Station sitzt eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter des GN-Teams an einem Tisch. Ihnen gegenüber stehen vier noch leere Stühle.
18 Akustikerinnen und Akustiker besuchen diese Nachmittagsvorstellung in der Hansestadt, maximal 20 hat GN für das Speeddating-Konzept pro Vorstellung eingeplant. Mit Ende des letzten Termins am 4. August in Saarbrücken werden rund 500 Akustikerinnen und Akustiker das GN Speeddating besucht haben.
Um die Stationen zu durchlaufen, bilden sich Zweier-, Dreier-, und Vierergruppen. Dann nimmt jedes Grüppchen an einem der Tische Platz, um sich zunächst alles Relevante zu dem Thema der entsprechenden Station erzählen zu lassen. Anschließend kommt man ins Gespräch, was sich ob der kleinen Gruppen von maximal vier Personen schon an der ersten Station als komfortabel herausstellt. Schnell ist man im direkten Austausch. Eventuelle Hemmungen, vor 50 oder mehr Kolleginnen und Kollegen Fragen zu stellen, kommen gar nicht erst auf. Man dated hier also gewissermaßen nicht nur einen (potenziellen) Lieferanten. Der Lieferant dated einen ebenso. Austausch auf Augenhöhe. 20 Minuten hat man für ein Date respektive für eine Station. Dann erklingt ein Jingle – und man zieht weiter zum nächsten Date.
Die Dates
An der ersten Station sitzt einem in Hamburg Jördis Cohrs gegenüber. Sie ist im Außendienst der GN Hearing tätig und betreut den Norden der Republik. Das Date mit ihr dreht sich um die Produktportfolios von ReSound und Interton. Ehe man sich versieht, ist man mit ihr in die Produktwelt eingetaucht. Was bietet ReSound? Was Interton? Während sie einen Überblick über die einzelnen Geräte und das Zubehör gibt, geht sie auf Vorzüge verschiedener Geräte etwas genauer ein. So stellt sie zum Beispiel die iSolate-Nanotech-Beschichtung vor, mit denen ReSound nicht nur die Gehäuse abdichtet, sondern auch die Hörer. Um den Effekt zu demonstrieren, reicht sie einem ein Taschentuch und bittet, es in eine mit Wasser gefüllte Schüssel zu legen. Wie erwartet, saugt sich das Tuch voll. Anschließend gibt sie einem ein weiteres Taschentuch, wieder mit der Bitte, es in die Wasserschüssel zu legen. Doch dieses Mal saugt sich das Tuch nicht mit Wasser voll. Es schwimmt an der Oberfläche und bleibt dank besagter Beschichtung trocken. So erreicht man bei ReSound die IP-68-Zertifizierung.
Auch auf die Zwei-Marken-Strategie der GN Hearing geht sie ein. Hier ReSound als Vollsortimenter, da Interton als Ergänzung. Nicht so umfänglich aufgestellt wie die große Schwester, aber dafür auch nicht bei den großen Ketten vertreten und überdies im Einkauf etwas preiswerter. Auf die Smart Hearing Alliance, die ReSound mit dem Implantathersteller Cochlear gebildet hat, kommt sie ebenso zu sprechen wie auf die jüngst ausgerufene Service-Offensive. Die soll unter anderem dafür sorgen, dass der Außendienst mehr Zeit für Gespräche mit einzelnen Kunden hat.
Auf Fragen geht Jördis Cohrs während des Dates offen und ausführlich ein. Als man von ihr wissen möchte, was es eigentlich bedeutet, wenn ReSound sagt, dass das Modelling der IdOs jetzt von Münster aus „kontrolliert“ werde, gibt sie bereitwillig Auskunft. Demnach habe man nun von Münster aus einen Kommunikationskanal zum Modelling und der Fertigung in Großbritannien etabliert, so dass Ab- und Rücksprachen zu jedem einzelnen Gerät bzw. jeder einzelnen Schale verlässlich ablaufen. So weit. Dann ertönt der Jingle. Die 20 Minuten sind rum.
An der zweiten Station geht es um ReSound ONE. Um die Vorzüge dieses nach wie vor einzigartigen Ansatzes eines RIC-Systems mit einem zusätzlichen Mikrofon am Hörer zu verdeutlichen, bietet Kira Petersen nach einer kurzen Einführung die Gelegenheit, in die Geräte mit dem M&RIE-Hörer „hineinhören“ zu können. Dabei stellt die Vertriebsaudiologin die verschiedenen Mikrofonmodi und deren Wirkung vor und demonstriert darüber hinaus, wie gut das Richtungshören mit dem M&RIE-Hörer ist. Organic Hearing, natürliches Hören nennt man das bei ReSound. Ebenso führt sie die Effektivität der Windgeräuschreduktion im konventionellem Mikrofonmodus sowie mit dem Im-Ohr-Mikrofon des M&RIE-Hörers vor. Im Anschluss stellt sie einzelne Mitglieder der ReSound-ONE-Familie vor und verweist außerdem darauf, dass sich die Geräte natürlich auch mit „normalen“ Hörern ohne das zusätzliche Mikrofon anpassen lassen. Gerade, wenn mehr Verstärkung erforderlich ist, bekomme man wegen des dritten Mikrofons ja durchaus mal die Rückkopplungsthematik. Zudem sei auch nicht jeder Gehörgang für den M&RIE-Hörer geeignet. Auch hier ergibt sich im Anschluss ein offener Austausch auf Augenhöhe, bis einem der Jingle bedeutet, sich zum nächsten Date bzw. zur nächsten Station zu begeben.
An der dritten Station empfängt Rabea Wortmann. Mit ihr soll es um „die Zukunft im Ohr“ gehen. Zur Eröffnung bittet die Produktmanagerin aber erst mal um ein paar Einschätzungen. Wie hoch ist der Anteil der hochgradig Schwerhörigen, die sich haben versorgen lassen? Wie hoch ist er bei Menschen mit moderatem Hörverlust? Und wie sieht es bei jenen mit einem milden Hörverlust aus? Dann fragt sie nach Argumenten, die Menschen mit Hörverlust von einem Hörgerätekauf überzeugen können, um einem, quasi als ReSounds Antwort, eine Neuheit vorzustellen: Custom made by ReSound. Das neue IdO kommt im für Im-Ohr-Geräte eher auffälligen Ear-Bud-Design in Anthrazit, wird aber individuell maßgefertigt und verfügt sowohl über sämtliche Konnektivität inklusive freihändigem Telefonieren mit kompatiblen Endgeräten als auch über einen induktiv ladbaren Akku mit bis zu 24 Stunden Laufzeit. Der zuletzt so oft genannte Trend zu IdOs, er wird von GN mit einem neuen Gerät bedient.
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Für jene potenziellen Kunden mit leichtem Hörverlust, die sich aktuell nicht für eine Versorgung gewinnen lassen oder noch keine Indikation aufweisen, aber dennoch in bestimmten Situationen, etwa im Restaurant, Unterstützung wünschen, hat Rabea Wortmann eine weitere Antwort: den Jabra Enhance In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer der GN-Schwester-Marke Jabra. Ebenso im Ear-Bud-Design gehalten, bietet der eine Akkulaufzeit von 10 Stunden sowie die Möglichkeit einer leichten Verstärkung. Diese können Nutzerinnen und Nutzer selbst über die entsprechende App einstellen, eine professionelle Anpassung ist hier nicht vorgesehen. Im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind die Kopfhörer ebenso wenig, Medizinprodukt der Klasse 1 sind sie aber dennoch. Als Vertriebsweg sieht man bei GN allerdings auch hier die Akustikbetriebe, schließlich bedürften die Kopfhörer einer gewissen professionellen Beratung, erklärt Rabea Wortmann. Mit den In-Ear-Kopfhörern möchte man den Betrieben etwas anbieten, das sie eben jenen Kunden offerieren können, anstatt sie in den nächsten Elektronikmarkt schicken zu müssen. Dann erklingt der Jingle und es geht weiter zum nächsten Date.
Bei Yaser Georgos geht es um das digitale Servicepaket der GN Hearing. Und das ist umfangreich. Hat man einen Account auf pro.resound.com, was prinzipiell jedem Hörakustikbetrieb des Landes offensteht, erwartet einen hier so ziemlich alles, was in Verbindung mit der Zusammenarbeit mit der GN Hearing relevant werden könnte. Beispielsweise lassen sich Geräte digital bestellen, Irrtümer bei Konfigurationen ausgeschlossen. Über die Nachverfolgung seiner Order kann man sich zudem stets über den Status der Bestellung und ihrer voraussichtlichen Ankunft auf dem Laufenden halten. Das gebe Akustikern und damit auch deren Kunden Sicherheit, erklärt der fachliche Leiter Audiologie. Darüber hinaus findet sich auf dem Portal das komplette Angebot an Marketingunterstützung. Von Templates zur Individualisierung von Anzeigen für Print, Web oder Social Media bis hin zu einer Palette individualisierbarer Werbefilme, die GN in Kooperation mit Render Gorilla anbietet. Die Videos ließen sich inzwischen, betont Georgos, noch einfacher mit dem eigenen Look and Feel versehen als zuvor. Er führt das kurz vor. Und tatsächlich: Mit ein paar Klicks ist das Video gebranded und für den Einsatz etwa auf YouTube oder der eigenen Homepage bereit. Nichts leichter als das. Mit einem umfangreichen Weiterbildungsangebot wartet das Portal ebenso auf. Und dazu kommen noch viele weitere Kleinigkeiten, die einem die Zusammenarbeit mit GN einfacher machen können.
Das umfangreiche digitale Service-Angebot sei im Übrigen nicht so zu verstehen, dass man in Münster keine Anrufe von Kunden mehr wünsche, erklärt Yaser Georgos. Nur könne man bei über 600 Anrufen pro Tag nicht immer gleich für jeden da sein. Das Portal hingegen kann das, und zwar rund um die Uhr. Im Hintergrund erklingt dann auch schon der Jingle. Es wartet ja noch ein letztes Date.
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Die fünfte und finale Verabredung findet in Hamburg mit Marina Teigeler statt. Und der Head of Channel Marketing DACH & Account Manager legt die Karten gleich auf den Tisch. Acht sind es an der Zahl, davon fasst jede einzelne bestimmte Marketing-Angebote der GN Hearing zusammen. Von der Apotheken-Aktion, die GN zur Neukundengewinnung auf Anfrage umsetzt, über einen Online-Hörtest, den man in seine eigene Homepage implementieren kann, bis hin zu saisonalen Kampagnen und individualisierbaren Anzeigen und Filmen – Marina Teigeler hat die Marketing-Trümpfe der GN Hearing alle vor sich ausgebreitet. Für was man sich auch interessiert, sie erklärt einem die Abläufe, zeigt den damit verbundenen Aufwand auf und legt dar, wie und warum GN Hearing einen dabei unterstützen kann. So stellt sie zum Beispiel die Apotheken-Aktion etwas genauer vor und erklärt, warum es sinnvoll ist, auf die von GN engagierte Hörberaterin Edda Hess zu setzen, anstatt zum Beispiel seinen Azubi in die Apotheke zu stellen. Auch die Digitalkampagne von ReSound und Interton stellt sie noch mal etwas genauer vor und erklärt, wie die GN Hearing einen bei der Initiierung, Umsetzung und Auswertung unterstützt.
Nach knapp zwei Stunden hat man schließlich fünf Dates hinter sich gebracht. Alle waren anders, alle ließen auf eine gute Beziehung respektive Partnerschaft hoffen. Alle 20 Minuten konnte man sich quasi neu verlieben. Bei einem normalen Speeddating wären wohl weit weniger Matches zu erwarten gewesen.