Von Jan-Fabio La Malfa
»Neues Konzept im Sinne der Tinnitusbetroffenen«
Im letzten Jahr verkündete Neuromod Devices noch stolz, in Deutschland 84 Hörakustikgeschäfte als Partner gewonnen zu haben. Kurz nach Erscheinen der TENT-A2-Studie kündigte das irische Unternehmen jedoch an, sich mit seinem Produkt Lenire in Deutschland auf wenige Hörakustikbetriebe als Partner zu konzentrieren. Wir fragten nach bei Eric Timm, President Global Commercial Operations and Chief Executive Officer Neuromod USA.
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Herr Timm, uns erreichten in den vergangenen Tagen Anrufe einiger Neuromod-Partner, denen die Zusammenarbeit überraschend aufgekündigt wurde. Ist es zutreffend, dass Sie sich in Deutschland neu aufstellen wollen? Was ist da los?
Ja, es ist richtig, dass wir uns in Deutschland und der Schweiz neu aufstellen. Wir werden uns fortan auf eine kleinere Anzahl von Partnern konzentrieren, die wir dann aber auch umso intensiver unterstützen werden.
Welchen Hintergrund hat Ihre Entscheidung?
In den letzten zwölf Monaten haben wir Lenire in einer Reihe europäischer Länder verfügbar gemacht. Dabei hat sich herausgestellt, dass wir bzw. unsere Partner immer dann am erfolgreichsten sind, wenn wir uns in diesen Märkten auf einige wenige Partner konzentrieren, die einen Schwerpunkt auf Tinnitus haben. Ausgehend von den Erfolgen, die wir mit diesem Modell in Ländern wie Spanien, Norwegen odeer Dänemark erzielen, haben wir unser Modell in Deutschland überprüft und die entsprechenden Schlüsse daraus gezogen.
Die da wären?
Wir hatten ursprünglich die Ressourcen unterschätzt, die wir von unserer Seite bereitstellen müssen, um eine so innovativen Behandlungsmethode wie Lenire bei unseren Partnern in die bestehenden Abläufe zu integrieren. Als junges Medizintechnik-Start-up sind unsere Mittel begrenzt, und so können wir die Unterstützung eben nur für eine kleinere Zahl an Partnern leisten. Allerdings sind wir nun in der Lage, jedem einzelnen Lenire-Partner die Zeit und Ressourcen zu widmen, die wir für angemessen halten. Und dies kommt letztendlich der wichtigsten Zielgruppe zugute: den Tinnitusbetroffenen! Daher sind wir auch überzeugt, dass unser neues Konzept in Deutschland im Sinne der Tinnitusbetroffenen ist.
Wir hörten von fünf »Kompentenzakustikbetrieben«. Reichen die denn aus? Und denken Sie nicht, dass es am Markt auch einen Leumund braucht, der hinter dem Produkt steht und es bekannt macht? Schließlich ist Lenire noch ein sehr junges Produkt.
Natürlich wollen wir Lenire so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen, sowohl in Deutschland als auch darüber hinaus. Aber wir müssen eben auch sicherstellen, dass Tinnitusbetroffene, die sich für eine Behandlung mit Lenire entscheiden, die bestmögliche Unterstützung erfahren. Allerdings werden wir in dem Maße, in dem unsere derzeitigen Partner Lenire in ihre tägliche Praxis integrieren und damit weniger Unterstützung von Neuromod benötigen, auch unsere Präsenz bei führenden Tinnitus-Kliniken und Behandlern in anderen Regionen ausbauen können. Auch hat sich gezeigt, dass Tinnitusbetroffene im Schnitt sehr motiviert sind, und sich zum Beispiel zu möglichen Behandlungsmethoden im Internet intensiv informieren. In der Regel kontaktieren sie dann die entsprechenden Behandler direkt und scheuen auch längere Anfahrtswege nicht. Zudem stellen wir vermehrt fest, dass die klinischen Ergebnisse bei Partnern, mit denen wir sehr intensiv zusammenarbeiten, tendenziell noch besser sind, als bei Partnern, mit denen weniger Austausch besteht. Bei Neuromod geht es uns darum, Lenire in kurzer Zeit so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Und das geht am besten, indem wir ein möglichst gleichmäßiges Netz an hochkompetenten Partnern in Europa aufbauen. Wir sind stolz über die wachsende Zahl von Patienten, die mit Lenire erfolgreich behandelt wurden. Und wir freuen uns darauf, dass Lenire für immer mehr Menschen verfügbar wird und wir damit auch die Evidenz ausbauen können, die Lenire als eine führende Behandlung für Tinnitus bestätigt.
Herr Timm, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!
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