Von Dennis Kraus / Fotos: OMNIdirekt
Regelmäßig buchen Hörakustikbetriebe den Hörtrailer von Starkey für einen Aktionstag. In den Einkaufsstraßen oder auf den Marktplätzen erweist sich der silbern glänzende Airstream-Anhänger als Blickfang. Richtig rund wird so ein Aktionstag aber erst dank Hubert Hausner. Er betreut nicht nur die Aktion vor Ort. Er verfügt auch über die Gabe, mit wirklich jedem ins Gespräch kommen zu können. In Münster waren wir mit dabei.
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Am Nachmittag tritt ein Mann an Hubert Hausner heran. Etwas aufgeregt fragt er, ob Hausner mitbekommen habe, was heute Vormittag in Rom losgewesen sei. Dort hätte man ein großes Polizeiaufgebot in den Vatikan beordert, ja sogar nach der deutschen GSG 9 habe man gefragt. Alles ein riesiger Tumult. Als der Mann kurz Luftholen muss, fragt Hubert Hausner, was da denn nun eigentlich losgewesen sei. »Die haben das Handy von Jesus gefunden«, entgegnet der Mann, erfreut über seine Pointe. »Und? War es geladen?«, fragt Hausner prompt zurück. Der Mann ist baff. Mit so viel Schlagfertigkeit hat er wohl nicht gerechnet, feixt noch etwas herum und geht seines Weges.
Es ist ein Mittwoch Mitte September. Seit 9 Uhr ist Hubert Hauser in Münster auf dem Aegidiimarkt zugange. Zusammen mit Doris Vercelli und ihrer Mitarbeiterin Tanja Kaiser spricht er Passanten an und lädt sie zu einem Hörtest in dem silbern glänzenden Airstream-Trailer ein, den er hier auf dem Platz geparkt hat. Trotz Nieselregens ist einiges los.
Dauerbrenner Hörtrailer
Hubert Hausner ist im Auftrag von Starkey unterwegs. Seit über zehn Jahren bietet die Hamburger Niederlassung des Herstellers ihren Kundinnen und Kunden unter anderem die Hörtrailer-Aktion an, um Neukunden zu generieren oder Awareness zu betreiben.
Das Angebot, mit dem 1960 gebauten Airstream-Trailer Aktionstage zu veranstalten, wird gern angenommen. 2019 sei er binnen zehn Monaten auf knapp 200 Übernachtungen gekommen, erzählt Hubert Hauser. Mit Beginn der Pandemie wurden die Aktionstage freilich weniger, auch wenn eigentlich nie länger am Stück Pause war. In diesem Jahr sei die Nachfrage nach der Hörtrailer-Aktion dann wieder merklich angestiegen.
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Seit 2012 ist der Hubert Hausner für Starkey »on the road«. Ob hoch im Norden des Landes, oder im Süden bis hinein nach Österreich – wird bei Starkey der Hörtrailer gebucht, macht sich Hausner auf den Weg. Anfangs zog er den Trailer noch mit einem PKW durch die Lande. Inzwischen nutzt er dafür ein Wohnmobil. In Hotels ein- und auschecken, den Trailer über Nacht irgendwo abstellen und hoffen, dass er am nächsten Morgen nicht zugeparkt ist – mit einem Wohnmobil ist all das einfach praktischer. »Außerdem hat das den Vorteil, dass ich mein eigenes Zuhause mit dabeihabe«, sagt Hubert Hausner. Anders wäre das »nicht zu wuppen«, vor allem nicht, wenn er mal wieder zehn Aktionstage hintereinander hat. Und so ist er nun mit einem rund 15 Meter langen Gespann aus Wohnwagen und Hörtrailer unterwegs.
Auf dem Aegidiimarkt steht Hubert Hausner heute zusammen mit Doris Vercelli und ihrer Mitarbeiterin Tanja Kaiser. Den Standort für den Hörtrailer hat die Inhaberin von das HörConcept mit Bedacht gewählt. »Die Münsteraner kennen den Aegidiimarkt sehr gut«, sagt Doris Vercelli. In dem Gebäude am Markt befindet sich das größte Parkhaus Nordrhein-Westfalens. Auf zehn Etagen können die Leute hier ihre Autos abstellen und an einem Mittwoch wie heute aus dem Parkhaus hinüberschlendern zum Wochenmarkt auf dem Domplatz. »So kommen die Menschen direkt am Hörtrailer vorbei«, sagt sie und ruft nach Hubert Hausner, als sie sieht, wie ein Ehepaar neugierig vor dem Airstream-Anhänger stehenbleibt.
Fünf Minuten, länger kann sich Doris Vercelli heute kaum am Stück von der Betriebsamkeit auf dem Aegidiimarkt loseisen. Ständig bleibt jemand vor dem Hörtrailer stehen, den sie, Tanja Kaiser oder Hubert Hausner dann ansprechen und zu einem Hörtest einladen. Oftmals wird aber auch Doris Vercelli angesprochen. Ihr Betrieb befindet sich in vielleicht 50 Metern Entfernung. Immer wieder kommen Kundinnen oder Kunden von ihr des Weges, bleiben stehen und wechseln ein paar Worte mit ihrer Akustikerin.
Zwei Mal im Jahr mache sie eine Aktion mit dem Hörtrailer von Starkey, erzählt Doris Vercelli. Einmal im Frühling und einmal zum Herbst. Darauf aufmerksam macht sie die Menschen bereits im Parkhaus. »Wenn Sie dort ihr Parkticket ziehen, schaue ich Sie sozusagen an«, sagt sie. Dazu hat sie die Aktion im Vorfeld auf Facebook, Instagram und Google beworben.
Bei der Hörtrailer-Aktion im Fokus stehe für sie vor allem der Awareness-Gedanke. Natürlich geht es ihr auch darum, Neukunden zu gewinnen. Aber noch darüber steht für sie, auf das Thema Hören generell aufmerksam zu machen. »Ich finde es wichtig, nicht nur die Menschen anzusprechen, bei denen man glaubt oder hofft, dass die einen Hörverlust haben«, sagt Doris Vercelli. So einen Aktionstag mit dem Hörtrailer sieht sie daher eher als eine »gemischte Veranstaltung«. Ihre Auffassung bestätigt sich dann aber doch immer mal wieder in der Messkabine des Hörtrailers. »Wir haben hier wirklich schon das eine oder andere Mal Menschen aufgedeckt, die überzeugt waren, keinerlei Probleme mit ihren Ohren zu haben«, berichtet sie. Auch Kinder spricht Vercelli an, weil »bei denen leichte bis mittlere Hörverluste manchmal nicht richtig erkannt werden«, wie die Hörakustikmeisterin, die ebenso Päd- und CI-Akustikerin ist, weiß.
Gelingt es, jemandem für einen Hörtest zu gewinnen, wird die Person in den Hörtrailer gebeten. Darin befindet sich im vorderen Bereich eine Sitzecke, im hinteren Teil ist eine Messkabine. Mit einer Messkabine im Betrieb sei die im Hörtrailer jedoch nicht vergleichbar. Hier geht es vor allem darum, jemandem »einen ersten Eindruck über sein Hörvermögen zu geben«, so Melanie Zimmer vom Marketing bei Starkey.
Fördert der Test eine mögliche Indikation zutage, bekommt der oder diejenige einen Termin bei das HörConcept angeboten. Bei den Tests geht es Doris Vercelli aber nicht allein darum, bisher nicht diagnostizierte Hörverluste aufzudecken. Auch Hyperakusis kann ein Thema sein, bei dem sie dann auf die Möglichkeit aufmerksam macht, Gehörschutz zu nutzen. Darüber hinaus bietet sie hier den Radar-Hörtest an. »Der wird auch von der deutschen Straßenverkehrswacht mit unterstützt, und da bin ich Mitglied«, sagt sie. Der Test helfe ebenso, das Thema Hören in das Bewusstsein der Menschen zu bekommen, denn da habe man nach wie vor Boden gutzumachen. »Natürlich haben viele Menschen schon mitbekommen, dass es den Beruf des Hörakustikers gibt«, sagt Doris Vercelli. »Und natürlich wissen die Menschen auch, dass es Hörgeräte gibt. Aber viele glauben, dass die sehr teuer sind und interessieren sich deswegen nicht weiter dafür.« Zudem habe sie bisher nicht erlebt, dass jemand weiß, dass zwar das Hören mit den Ohren stattfinde, das Verstehen aber im Kopf. »Diese Themen gehören viel mehr in die Aufklärung.« Wieder spaziert ein Kunde von ihr vorbei. »Der trägt Starkey«, sagt sie.
In ihrem Sortiment befindet sich Starkey seit etwa fünf Jahren. Mit der Technik »habe ich wirklich sehr große Erfolge«, so die Inhaberin. Ob die Features, der Klang oder die Laufzeit des Akkus, vieles spricht aus ihrer Sicht für die Geräte der Amerikaner. Zudem sind ihr IdOs wichtig, was ebenso für Starkey spreche. Das Thema Sturzdetektor hat Doris Vercelli für ihre Zwecke sogar noch weitergesponnen. So komme sie auch in der Beratung etwas jüngerer Kundinnen auf das Feature zu sprechen. »Die frage ich dann, ob es nicht eine schöne Sache wäre, wenn sie in einer ungünstigen Situation einen Notruf auslösen können, ohne dass das Gegenüber etwas bemerkt.« Und auch für Fahrradfahrer könne sich diese Möglichkeit des Notruf-Absetzens ja als hilfreich erweisen, zumal in einer Fahrradstadt wie Münster.
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Hubert Hausner ist unterdessen mit einem etwas älteren Ehepaar im Gespräch. Der Mann arbeitete viele Jahre für das Auswärtige Amt in der Entwicklungshilfe und ist viel rumgekommen. Seine Frau ist Ärztin. Und weil die Frau fand, ihr Mann höre nicht mehr ganz so gut, sind sie vor dem Hörtrailer stehengeblieben. »Der wollte das gegenüber seiner Frau nicht zugeben«, erzählt Hausner. Schließlich ließ er sich aber doch für den Hörtest gewinnen. »Der war der Typ Mensch, der für so etwas Zeit braucht. Aber jetzt habe ich ihm etwas mitgegeben und ihm gesagt, dass er sich melden soll, wenn er so weit ist.« Der werde wahrscheinlich nicht gleich in der nächsten Woche den Betrieb von Doris Vercelli aufsuchen, glaubt Hubert Hausner. Aber mit der Zeit werde der sich einen Ruck geben.
Ganz gleich, wer vor ihm steht, Hubert Hausner trifft stets den richtigen Ton und findet die passenden Worte. Eine Fähigkeit, die nicht jeder mitbringt. »Man braucht die Lust, neue Menschen kennenzulernen, anzusprechen und für das Thema Hören zu begeistern«, sagt er. Mit der Situation im Betrieb sei das kaum vergleichbar. Da kämen die Menschen ja schon mit dem Thema auf einen zu. Bei einer Aktion wie der mit dem Hörtrailer sei das anders – und falle nicht jedem leicht. »Deswegen versuche ich immer, als guter Geist voranzugehen und zu zeigen, wie es gehen könnte«, erklärt er. Mehr als »nein« sagen oder wortlos weitergehen können die Menschen einem schließlich nicht antun. Zudem sei Hörakustiker ja »kein verstaubter Beruf. Da kann man auch mal ganz offen Menschen aktiv ansprechen und versuchen, sie über das Gespräch für einen Hörtest zu gewinnen«.
Das Organisatorische
Um die Genehmigung, sich mit dem Hörtrailer an der gewünschten Stelle postieren zu dürfen, muss sich der Akustikbetrieb kümmern. »Anders funktioniert das nicht«, sagt Hubert Hausner. Zum einen seien so die Wege vor Ort kürzer, zum anderen könnte es Verwirrung stiften, wenn jemand aus Hamburg zum Beispiel im Münsteraner Ordnungsamt anruft und um eine Genehmigung für die Aktion einer Gewerbetreibenden in Münster bittet.
Angebahnt wird so eine Aktion für gewöhnlich über den Außendienst von Starkey. Der ist hier der erste Ansprechpartner für den interessierten Betrieb. Darauf folgt die Terminabstimmung. Steht das Datum, erhält man von Starkey per Mail weitere Dokumente zur Vorbereitung. Auf Wunsch bietet Starkey zudem Unterstützung bei der Bewerbung der Aktion vor Ort an. Etwa zehn bis sieben Tage vor der Aktion erhält man ein Werbemittel-Set mit Give-Aways, POS-Material und Broschüren. Eine Woche vor der Aktion meldet sich dann Hubert Hausner bei dem entsprechenden Betrieb, um den Ablauf im Detail durchzugehen. Am Aktionstag ist er schließlich mit dem Hörtrailer vor Ort, baut alles auf, unterstützt bei der Ansprache der Passanten und sorgt am Ende auch für den Abbau.
Erfordert es die Situation, kann Hubert Hausner bei einer Hörtrailer-Aktion auch selbst den Hörtest durchführen. Spricht das Ergebnis dafür, die jeweilige Person in den Betrieb des entsprechenden Akustikers einzuladen, übergibt er galant an die Akustikerin oder den Akustiker vor Ort. Schließlich wird er längst woanders sein, wenn die Person den Betrieb aufsucht. Da darf nicht der Eindruck entstehen, er empfange im entsprechenden Betrieb die Person selbst.
Gelernter Akustiker ist Hubert Hausner nicht. Sein Weg in die Branche tat sich über eine Verkaufsschulung auf, die er mal in der Hörakustik gegeben hatte. »Im Gegensatz zu anderen Branchen sind die Menschen in der Hörakustik, sowohl die Akustiker als auch die Kunden, für mich auf eine besondere Art und Weise faszinierend«, sagt er. Also blieb er dabei. So begann er zunächst, bei eccola für Udo Maurer zu arbeiten, bis er 2012 zu Starkey wechselte. Seitdem ist er für die Hamburger Niederlassung »on the road«.
Neben seinen Kommunikationsfähigkeiten verfügt Hubert Hausner übrigens noch über eine weitere Fähigkeit, die für Aktionstage wie diese durchaus hilfreich sein kann. Beobachtet man ihn eine Weile, fällt sie einem auf: Er ist ein guter Witzeerzähler. Darauf angesprochen muss er lachen. »Alles, was dazu führt, die Menschen für dieses schwierige Thema zu öffnen, kann helfen«, sagt er dann. »Wir sprechen hier ja nicht darüber, einen schönen Kuchen zu essen, über Urlaub oder tolle Klamotten. Die Aufgabe habe ich nicht gestellt bekommen. Wir sprechen über ein Thema, das zwar viele Menschen betrifft, was viele aber nicht unbedingt wollen. Und die Aufgabe meistere ich gerne.« Man könnte auch sagen, die Aufgabe liegt ein Stück weit in seiner Familie. Hubert Hausners Frau Edda Hess führt Apothekenhörtestaktionen für einen anderen Hersteller durch. Aber das ist eine andere Geschichte.