DIGITALES MAGAZIN
021 | April 2023
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Studie zeigt Wechselwirkungen von Tinnitus-Belastung, Hörverlust, Sprachverstehen und kognitiven Leistungen

DIE STUDIE LIEF ZWEI JAHRE LANG

FORSCHUNG. Die Terzo-Hörtherapie kann bekanntermaßen die Belastung durch Tinnitus binnen drei Wochen senken. Das hatte eine Tinnitus-Studie des Terzo-Instituts in Zusammenarbeit mit der Charité in Berlin aufgezeigt (siehe OMNIdirekt #18). Was die Studie außerdem zutage gefördert hat, sind Zusammenhänge zwischen Tinnitusbelastung, Hörverlust, Sprachverstehen im Störlärm und kognitiver sowie exekutiver Funktionen. 

Die Terzo-Gehörtherapie ist eine Kombination aus einer Hörgeräteprogrammierung und dem Terzo-Gehörtraining. Die Studie lief zwei Jahre lang. Als Probanden teilgenommen haben 177 von chronischem Tinnitus Betroffene im Alter von 18 bis 75 Jahren. Alle Probanden hatten laut Terzo-Institut eine leichte Tinnitusbelastung und einen leichten bis mittelgradigen Hörverlust. Für die Studie wurden sie mit entsprechend programmierten Hörgeräten versorgt und absolvierten zudem eigenständig für zwei Wochen das Terzo-Gehörtraining. Ihre Geräte trugen sie bis zum Ende der Studie. Während des Studienverlaufs wurden dann Daten zur Tinnitusbelastung, zum Sprachverstehen in Ruhe und im Störgeräusch sowie zu den kognitiven Fähigkeiten erhoben.

Die Ergebnisse zeigen nun auf, dass Tinnitus nicht nur lästig und belastend ist, sondern dass er auch einschränkt. So hat man für die Untersuchung der kognitiven Fähigkeiten den »Trail Making Test« (TMT) angewendet, der sowohl visuomotorische Leistung erfasst als auch die visuomotorische Koordination, die Geschwindigkeit bei der Informationsverarbeitung sowie die kognitive Flexibilität. Mit dem Mehrfachwahlwortschatztest-B wurde darüber hinaus die generelle und kristalline Intelligenz erfasst.

Die Ergebnisse zeigen »vor allem einen negativen Einfluss erlebter Tinnitusbelastung sowohl auf den Abruf kristalliner Intelligenzanteile als auch auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen beim TMT-Test«, heißt es in einer Veröffentlichung des Terzo-Instituts. Als »für Hörakustiker interessant« hebt der Text den »kleinen Einfluss der Variablen ›Hörverlust‹ und ›Sprachverstehen im Störlärm‹ auf die getesteten kognitiven Eigenschaften« hervor. »Je niedriger der Hörverlust, umso weniger Fehler im Sprachverstehen, umso schneller beendeten die Probanden diese Aufgabe«, heißt es in der Veröffentlichung. Und weiter »Die neuen Studienergebnisse zeigen erstmalig einen bedeutenden Anteil von Tinnitusbelastung an verminderten kognitiven Leistungen.«