DIGITALES MAGAZIN
026 | September 2023
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HÖREX UNTERNEHMERTAGE UND GENERALVERSAMMLUNG STRATEGIEN FÜR DIE ZUKUNFT

Von Martina Ostermeier (HÖREX) / Fotos: HÖREX/Dirk Sackmann

Im Juni trafen sich rund 100 Mitglieder der HÖREX Hör-Akustik eG zur Generalversammlung in Potsdam. Ein wichtiges Thema in diesem Jahr war die Unternehmensnachfolge.

Für mich ist die Generalversammlung ein fester Termin im Kalender«, so HÖREX Mitglied Yves Spieldenner von Hörakustik Spieldenner aus Heppenheim. »Mir geht es dabei zum einen ums Netzwerken. Zum anderen gefällt mir besonders, dass auf den Generalversammlungen viel diskutiert wird und ich als Mitglied darüber abstimmen kann, wie sich die Genossenschaft weiterentwickelt.« Abgestimmt wurde in diesem Jahr zum Beispiel über eine Satzungsänderung, mit der die Mitgliederversammlung die Grundlage geschaffen hat, die Chancen der Unternehmensnachfolge künftig noch besser nutzen zu können.

Yves Spieldenner ist ein gutes Beispiel dafür, wie alle Beteiligten von einer Übergabe profitieren können. Der 36-Jährige arbeitete von 2007 bis 2020 bei Hörgeräte Wiedhöft. Das Familienunternehmen betreibt seit mehr als 25 Jahren mehrere Hörakustikfachgeschäfte im Odenwald und an der Bergstraße, in der Filiale in Heppenheim hatte Spieldenner seit seiner Meisterprüfung im Jahr 2010 die meisten Leitungsaufgaben übernommen – bis er schließlich den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. »Eigentlich war das nie mein Plan. Ich bin kein Freund des Risikos«, erzählt Spieldenner. Doch sein Chef, Michael Wiedhöft, hatte offenbar Pläne mit ihm. Anders als viele Unternehmenslenker machte er sich bereits mit Mitte 50 Gedanken um das Lebenswerk von ihm und seiner Frau. Es war 2016, als Wiedhöft gegenüber seinem Angestellten erste Andeutungen machte. Spieldenner erinnert sich gern daran: »Es war rund um meinen 29. Geburtstag. Michael dachte, es sei mein 30. Da wollte er mir eine besondere Freude machen und lud mich in seine Heimatstadt Gelsenkirchen ein, zu einem Fußballspiel Schalke gegen Hoffenheim. Es war ein toller Ausflug, und irgendwann kam Michael auf das Thema Übergabe zu sprechen. Ich habe das damals gar nicht ernst genommen.« Später wurde der Chef konkreter, und Spieldenner fing an, sich Gedanken zu machen. Sollte das Geschäft an einen anderen übergeben werden, hätte er sich einem neuen Chef unterordnen müssen. Irgendwo neu anfangen wollte Spieldenner auch nicht. Er war 33, als er schließlich das Geschäft in Heppenheim übernahm. Mit Michael Wiedhöft vereinbarte er, das Logo zu behalten, Spieldenner integrierte lediglich seinen Namen. »Das war für mich ein riesiger Vorteil. Schließlich ist die Marke Wiedhöft seit Jahren in Heppenheim etabliert.« Genau wie das Logo blieben Spieldenner der Kundenstamm und seine langjährige Mitarbeiterin erhalten – und nicht zuletzt die HÖREX. Die Leistungen waren ihm vertraut, als Inhaber wurde er nun selbst Mitglied und profitierte vom HÖREX Existenzgründungs-Service. »Wichtig war für mich vor allem die Unterstützung bei der Website. Außerdem nutzte ich von Anfang an die Beratungs- und Servicemappen der HÖREX, die mir das Marketingteam in Kreuztal individualisiert hat. Hinzu kommt neben attraktiven Einkaufskonditionen und starken Exklusivmarken, mit denen ich mich vom Wettbewerb abheben kann, der wertvolle Austausch mit den erfahrenen Kollegen und dem HÖREX Team in Kreuztal. Vorteile, die ich als einzelner Betrieb nicht hätte.«


Herausforderungen meistern, Zukunft mitgestalten

Das Thema Unternehmensnachfolge stand in diesem Jahr auch auf der Tagesordnung der Generalversammlung. »Vielen selbstständigen Hörakustikern ist es ein Anliegen, dass ihr Lebenswerk als selbstständiger Betrieb erhalten bleibt. Nur ungern geben sie etwa an Großfilialisten ab«, so Claudia Hellbach, die zusammen mit H.-P. Weihmann den Vorstand der HÖREX bildet. »Eine Übergabe ist aber oft mit Herausforderungen und Fallstricken verbunden. Manch Übernahmeangebot erscheint zum Beispiel auf den ersten Blick attraktiv und stellt sich erst später als nicht realisierbar heraus. Unser Ziel als Gemeinschaft ist es, die Mitglieder vor solchen Angeboten zu schützen und sie auf dem Weg zu einer erfolgreichen Übergabe zu unterstützen.« Um die Möglichkeiten diesbezüglich auszubauen, hat die Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung beschlossen. Konkrete Maßnahmen werden in den kommenden Monaten umgesetzt. Die HÖREX reagiert damit auch auf aktuelle Entwicklungen in der Branche. So verändern der Online-Handel, die Expansion der Filialisten, der Einstieg neuer Player und die Retailaktivitäten einiger Hersteller den Markt. Von Letzteren ist die HÖREX direkt betroffen: Anfang April dieses Jahres hatte die WDH Germany GmbH alle Hörakustikfilialen des HÖREX Mitglieds Mr. Optik übernommen. Sie werden zum Ende des Jahres die HÖREX verlassen. »Selbstverständlich ist das für uns ein Einschnitt«, so H.-P. Weihmann. »Aber die Branche verändert sich, das wissen wir alle. Unsere Aufgabe ist es, uns den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen, die Entwicklung mitzugestalten und Strategien zu entwickeln, die unsere Mitglieder und die HÖREX als Gemeinschaft stärken. Das tun wir zum Beispiel mit der aktuellen Satzungsänderung.«

Zurück zu Yves Spieldenner: Der ist heute sehr zufrieden mit seiner Entscheidung für die Selbstständigkeit. Er genießt es, Dinge selbst entscheiden zu können. So hat er zum Beispiel schon im ersten halben Jahr nach der Übergabe alle Kundenkarteien digitalisiert. Ein anderes Thema, dem er sich bald widmen möchte: Social Media. »Ich bin froh, dass die HÖREX dazu Unterstützung anbietet. Ich persönlich bin in dem Bereich überhaupt nicht zu Hause.« Seit dem letzten Jahr hat die Genossenschaft Seminare rund um die sozialen Medien im Programm, zudem hat sie den HÖREX Social-Media-Posting-Service gestartet. Über eine zentrale Plattform können Genossenschaftsmitglieder Content-Vorlagen zu unterschiedlichen Themen auf Facebook und Instagram veröffentlichen und eigene Postings mithilfe eines Redaktionsplans erstellen – und dies mit nur geringem Zeitaufwand. Auf der Generalversammlung zog Weihmann eine erste positive Bilanz: »Zahlreiche Mitglieder haben an den Online-Seminaren teilgenommen, der HÖREX Social-Media-Posting-Service kommt gut an. Das Tool macht es leicht, den Kontakt zu Kundinnen und Kunden zu pflegen und neue Zielgruppen anzusprechen – inklusive potenzieller Mitarbeiter.« In diesem Zusammenhang kündigte der Vorstand den Ausbau der HÖREX Ausbildungs-Initiative im Herbst dieses Jahres an. Die Genossenschaft macht damit seit Oktober 2022 auf das Hörakustik-Handwerk aufmerksam und unterstützt ihre Mitglieder im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte. Ein weiteres Thema, das die Genossenschaft derzeit beschäftigt, ist die wohnortnahe CI-Versorgung. Beim Fortbildungskongress im November 2022 bot die HÖREX erste Informationsseminare an. Aktuell ist die Genossenschaft dabei, eine Arbeitsgruppe zur CI-Versorgung zu gründen. Das Ziel ist es, alle interessierten Mitglieder dabei zu unterstützen, eine Kooperation mit einer versorgenden CI-Klinik eingehen zu können. Dabei soll sichergestellt sein, dass das Engagement für alle Beteiligten sinnvoll und gewinnbringend ist – und dem Nutzen der betroffenen CI-Träger dient.

Was auf einer Generalversammlung niemals fehlen darf, ist ein Blick auf die Zahlen. Claudia Hellbach berichtete, dass die Gemeinschaft das Jahr 2022 mit einem Absatz- und Umsatzplus abgeschlossen habe und mit dem Ergebnis leicht über dem Marktdurchschnitt liege. Auch bei der Zahl an Mitgliedsfachgeschäften konnte die Genossenschaft weiter zulegen.

Gäste, Fortbildung und Stadtrallye

Die Generalversammlung ist zwar der Höhepunkt der jährlichen Treffen, sie ist aber eingebettet in die HÖREX Unternehmertage. So startete der Samstagmorgen mit einem aktuellen Branchenbericht von Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) und einem Vortrag von Markus Böcker und Sylvie Gerber von Starkey Deutschland. Das Unternehmen steht als Partner der HÖREX hinter den TELEFUNKEN Hörsystemen, mit denen die HÖREX ihren Mitgliedern eine Exklusivmarke an die Hand gibt, mit der sie sich vom Wettbewerb abheben können. Böcker und Gerber gaben unter anderem einen Ausblick auf die Innovationen der nächsten Hörgeräte-Generation.

Begonnen hatten die Unternehmertage bereits am Donnerstagnachmittag mit einem gemeinsamen Programm. Die angereisten Hörakustiker konnten zwischen einem Besuch im Filmmuseum Babelsberg und einer Hop-on-hop-off-Bustour wählen, zum Abendessen fanden die Teilnehmenden wieder zusammen. »Für mich ist das jedes Mal ein schöner Auftakt«, so Spieldenner. »Man kommt ins Gespräch, trifft Freunde und lernt neue Menschen kennen. Das gleiche gilt für die Stadtrallye, die freitags stattfindet.« Sie ist ein Mix aus Sightseeing und biha-zertifizierten Workshops der strategischen Partner der HÖREX. In Potsdam zogen die Teilnehmenden in vier Gruppen durch die Stadt, begleitet von einem Guide. Für Yves Spieldenner ging es als Erstes zur Eventlocation Gaumenarche im Innenhof des Stadtpalais. Beim dortigen Sonic-Workshop – Exklusivmarke der HÖREX – stellten Carsten Braun und sein Team die aktuelle Produktfamilie Sonic Radiant SE mit ihren Neuheiten vor: unter anderem die Funktion »Radiant-Wind- und Kontaktunterdrückung«. Die Teilnehmenden konnten die Wirkung anhand eines Soundbeispiels nachvollziehen, das ihnen auch für Kundengespräche zur Verfügung steht. Zum Abschluss gab es ein unterhaltsames Quiz mit einem hochwertigen Kopfhörer als Gewinn.

Die zweite Station für Spieldenner war der Signia-Workshop mit Sebastian Brauer und Björn Brettschneider. Im Mittelpunkt standen Upgrades, die Signia regelmäßig für die AX-Chip-Plattform zur Verfügung stellt. Damit werden Innovationen nicht nur in neue, sondern auch in bereits eingeführte Produkte integriert. Hörakustiker können diese Möglichkeiten zur Kundenbindung nutzen.

Nach zwei Workshops war erst einmal Zeit für eine Mittagspause und eine kulinarische Stärkung. Dann zogen Spieldenner und seine Gruppe weiter zu einem ganz besonderen Ort: der Biosphäre Potsdam mit Wasserfall und tropischen Vögeln. Dort warteten Alexander von Bandemer und Rüdiger Luithle von Widex auf die Hörakustikerinnen und Hörakustiker. Ursprünglich hatte das Widex-Team einen eigenen Sound-Parcours vorbereitet. Doch keine Geräuschkulisse konnte besser sein als die der Biosphäre. Und so erlebten die HÖREXperten bei einem Spaziergang durch die Dschungellandschaft das, was den Widex-Klang auszeichnet: seine Natürlichkeit und Klarheit.

Schon etwas müde, aber immer noch neugierig, brach die Gruppe zum letzten Workshop auf. Im Pfingstberghaus, einer Villa aus königlich-kaiserlichem Besitz, empfing das Team von Oticon die HÖREXperten, und Kornelia Dietrich stellte die aktuellen Oticon Real-Hörsysteme vor.

Zurück im Hotel konnten alle kurz die Füße hochlegen, bevor der Abend von Professor Gerrit Heinemann mit einem spannenden Vortrag zur Zukunft des innerstädtischen Einzelhandels eingeläutet wurde. Abgerundet wurden die Unternehmertage am Samstagabend mit einem Barbecue im idyllisch an der Havel gelegenen Blockhaus Nikolskoe, früher Ausflugsdomizil von König Friedrich Wilhelm III. »Ich habe viele neue Impulse mitgenommen«, so das Fazit von Yves Spieldenner. »Jetzt freue ich mich auf die nächste Gelegenheit, meine Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen: den HÖREX Fortbildungskongress im November.«