Von Dennis Kraus / Fotos & Abbildungen: OMNIdirekt, opta data focus
»ALLES AUS EINER HAND«
Mit der Verschmelzung der ipn Software GmbH und der ASEGO GmbH zur opta data focus GmbH ist ein neues Powerhouse für Branchensoftware und digitale Dienstleistungen entstanden. Das Erbe beider Unternehmen soll dabei ebenso Bestand haben wie die Entwicklung neuer Software und Service-Lösungen, die nun alle aus einer Hand kommen. Im Interview geben Mathias Felst und Dennis Wiebking Auskunft über die Hintergründe der Fusion und die Zukunft von AkuWin und asego.net. Zudem stellen sie die opta data focus GmbH vor und äußern sich auch zu ihrer künftigen Ausrichtung.
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Herr Felst, Herr Wiebking, im August wurde die erfolgte Verschmelzung der beiden opta-data-Töchter ipn und ASEGO zu der neuen Firmierung opta data focus bekanntgegeben. Was sind die Hintergründe für die Fusion?
Felst: Die opta data Gruppe ist einer der größten Dienstleister in der Gesundheitsbranche und hat sich dabei von einem klassischen Abrechnungs- zu einem modernen IT-Unternehmen entwickelt, das viele Lösungen für Leistungserbringer im Gesundheitswesen anbietet. Im Verlauf dieser Entwicklung hat die Gruppe 2018 die ipn Software GmbH gekauft und 2021 die ASEGO GmbH. Damit gab es unter dem Dach der opta data Gruppe zwei Marken, die relativ identisch aufgestellt waren. Dazu kommen weitere Produkte, welche die Gruppe anbietet wie zum Beispiel für die Abrechnung, Kostenvoranschlag-Produkte sowie viele weitere Services bis hin zur Telematik Infrastruktur. Mit opta data focus wollen wir nun den vielen Anforderungen und Herausforderungen in der Gesundheitsbranche und speziell im Hörakustik- und Optikmarkt effizient und effektiv mit maßgeschneiderten Lösungen begegnen und somit unseren Kunden Zukunftssicherheit geben.
Wiebking: Digitale Services wie die Abrechnung über connect oder Themen wie die e-Verordnung werden künftig ja noch wichtiger, und mit uns lassen sich diese elektronischen Wege abbilden. Dazu werden wir noch viele weitere Services entwickeln, die darauf abzielen, alles rein digital machen zu können. Und das lässt sich zusammen besser erreichen, als wenn jede Seite für sich allein agieren würde. So haben wir nun alle Experten beieinander und können gemeinsam auf all unsere Informationen zugreifen und können die Zukunft jetzt gemeinsam gestalten.
Wird sich für die ipn- und ASEGO-Kunden denn durch die Fusion etwas verändern?
Felst: Nachdem wir die Verschmelzung bekanntgegeben haben, wurde verständlicher Weise vor allem gefragt, ob die Ansprechpartner unserer Kunden an Bord bleiben. Und das ist natürlich der Fall. Leute wie Alexander Gehrking oder Dennis Wiebking sind weiterhin für die Kunden da. Zudem bekommen unsere Kunden nun die Möglichkeit, auch die Highlights der jeweils anderen Marke nutzen zu können. Unsere Produkte und Lösungen sind ja aufeinander abgestimmt und maßgeschneidert. Darüber hinaus stehen wir unseren Kunden natürlich auch mit unserem Know-how, unserer Expertise und unserem Netzwerk zur Seite.
Was bedeutet die Verschmelzung von ipn und ASEGO für die bisherigen Produkte der beiden Marken? Wird nun alles auf neue Produkte der neuen Marke hinauslaufen? Und werden AkuWin und asego.net noch weiterentwickelt?
Felst: Ich gehe fest davon aus, dass es sowohl AkuWin als auch asego.net noch sehr lange geben wird. Wir werden weiter in beide Softwares investieren und sie weiterentwickeln, schließlich werden sich ja auch die Anforderungen weiterhin ändern. Sowohl wir als auch unsere Kunden sind von den Produkten ja überzeugt. Aber genauso werden wir von nun an gemeinsam mit der opta data Gruppe in neue Entwicklungen gehen.
Wiebking: Wichtig ist hierzu auch, dass beide Standorte, also Husum und Delmenhorst, erhalten bleiben. Wegen des geplanten Abgangs von Sven Rüther zum Ende des Jahres habe ich hier in Delmenhorst auch die Standortleitung übernommen und kümmere mich um das Brand Management. Ebenso werde ich weiterhin den Bereich der Kommunikation betreuen, dazu Präsentationen und Schulungen sowie die Betreuung der Key Accounts. Da möchte ich gerne an frühere Zeiten anknüpfen und in den intensiven persönlichen Austausch gehen. Des Weiteren haben wir mit Kevin Hoffmann einen Product Owner für asego.net ernannt.
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Da Sie den für Ende dieses Jahres geplanten Abschied von Sven Rüther schon erwähnen: Aus wem besteht der Führungszirkel der opta data focus?
Wiebking: Die Geschäftsführung haben Andreas Rath und, bis zum Jahresende, Sven Rüther inne. Dazu kommt Thomas Schraga. Er ist Prokurist, seit über 20 Jahren bei ipn und übernimmt die übergeordnete Leitung der Entwicklung. Ebenso dazu gehört Mathias Felst als Leiter Markt sowie meine Wenigkeit.
Felst: Was uns außerdem auszeichnet, ist, dass die Teams bei ASEGO und ipn grundsätzlich auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Natürlich gibt es auch bei uns verschiedene Abteilungen und Verantwortliche, die die Entscheidungen treffen. Aber ein ›ich bin über dir‹ gibt es hier nicht. Das ist uns sehr wichtig. Und genauso arbeiten wir als opta data focus weiter.
Wiebking: Das spiegelt sich im Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden wider. Im Schnitt sind sie seit über zehn Jahren bei uns.
Felst: Bei uns wird Zusammenhalt großgeschrieben. Die opta data Gruppe ist und bleibt ein Familienunternehmen, bei dem die Kultur und das Miteinander sehr gefördert werden. Dieser familiäre Aspekt einerseits und das Know-how und die Professionalität der Gruppe anderseits, machen opta data zu einem tollen Unternehmen und Arbeitgeber.
Wie können wir uns die Position des Leiters Markt vorstellen? Was machen Sie da?
Felst: Gemeinsam mit Dennis Wiebking vertrete ich in internen Meetings zum Beispiel die Seite unserer Kunden. Wir sehen uns da als deren Sprachrohr und haben immer ein offenes Ohr für deren Wünsche. Die diskutieren wir dann mit den bei uns beschäftigten Akustikern sowie Verantwortlichen und geben unseren Kunden wiederum Feedbacks, was wir machen werden. Gerade hierfür ist uns auch der Austausch mit den Einkaufsgemeinschaften und ERFA-Gruppen extrem wichtig. Das nächste große Projekt, was wir hierzu angehen werden, ist, dass wir Experten- und Innovationskreise ins Leben rufen wollen, bei denen wir auch Regionalität und Größe unserer Kunden proportional berücksichtigen werden. Ziel ist hier, über entwicklungsrelevante Themen zu sprechen. Auf anderen Tätigkeitsfeldern der opta data Gruppe ist das ein bereits bewährtes Konzept, aus dem tolle Ideen entstanden, die auch in Neuentwicklungen mit eingeflossen sind. Des Weiteren setzen wir im Team Markt sämtliche Vertriebsaktivitäten um, von der Kundenberatung über die Auftragsabwicklung bis zum Onboarding neuer Kunden.
Was schreiben Sie sich außerdem für die Arbeit von opta data focus auf die Fahne?
Felst: Eine der großen Stärken von asego.net und AkuWin ist der sehr starke Support, in den wir viel investieren. Uns ist es wichtig, gegenüber unseren Kunden eine kurze Reaktionszeit zu haben. Niemand hat Lust, lange in der Warteschleife zu hängen oder auf einen Rückruf zu warten. Die andere große Stärke ist die Kommunikation auf Augenhöhe auch mit unseren Kunden. Wir wollen nah bei unseren Kunden sein und unsere Softwares entsprechend ihrer Wünsche weiterentwickeln. Unsere Software ist heute ja nicht mehr bloß ein ERP-System für die Verwaltung. Wie schon gesagt wollen wir sämtliche digitale Geschäftsprozesse mit der Software abbilden. Dazu gehört die Verwaltung genauso wie die Begleitung des Endkunden, von der Beratung über die Anpassung bis hin zur Abrechnung und Bindung. Bei all dem wollen wir als opta data focus bestmögliche Unterstützung liefern. Bei AkuWin ist aus diesen Bestrebungen heraus die Kundenbindungs-App entstanden, bei asego.net die digitale Hörgeräteberatung. Das sind zwei erfolgreiche Produkte, die wir aktuell bereits weiterentwickeln. Im Zweifel müssen solche Angebote aber noch nicht mal von uns selbst entwickelt worden sein. Es gibt ja auch innovative externe Anbieter, mit denen wir kooperieren.
Mit Blick auf Branchensoftware war in diesem Jahr sicherlich die Preiserhöhung Ihres stärksten Mitbewerbers das bisher meistdiskutierte Thema. Wie wird die Preisgestaltung der opta data focus aussehen? Werden nun auch Sie die Preise anheben?
Felst: Unsere Preise passen sich im Laufe der Zeit immer an, das ist auch in unseren Verträgen berücksichtigt. Der Unterschied zu dem Mitbewerber, den Sie ansprechen, ist, dass wir modular aufgestellt sind. Wir glauben, dass es für einen Akustiker attraktiver ist, wenn er sich genau das Paket zusammenstellen kann, das er haben möchte. Und so werden wir weiter verfahren. Man lizensiert oder kauft also nur das, was man braucht. Dazu bieten wir auch das Hosting an oder die lokale Nutzung. Einige Kunden hosten ja sogar selbst. Insofern ist die Zusammenarbeit mit uns sehr flexibel. Aber auch wir werden natürlich immer neue Leistungen anbieten. Dafür haben wir zuletzt auch Hörakustiker eingestellt, um weiter bestmöglich mit unseren Kunden auf Augenhöhe agieren können. Auch im Support werden wir weiteres Personal einstellen, um unsere kurzen Reaktionszeiten beibehalten zu können. All das kostet natürlich auch Geld. All unsere Produkte sind Qualitätsprodukte, folgen einer gemeinsamen Logik und sind miteinander verknüpft. Aber auch wir müssen natürlich hin und wieder unsere Preise anpassen. In unserer Preispolitik wollen wir allerdings immer eine faires und vor allem nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis darstellen. Bisher hat sich jedenfalls noch kein Kunde über unsere Preisentwicklungen aktiv beschwert.
Wiebking: Die Entwicklung unserer Preise spiegelt bei weitem nicht die Komplexität unserer Software wider, das muss man schon sagen. Aber man muss auch die Strukturen und Strategien in Betracht ziehen. Die opta data Gruppe ist nach wie vor ein Familienunternehmen. ASEGO und ipn wurden in die Unternehmensgruppe integriert, um die Unternehmen weiterzuentwickeln.
Felst: Für die opta data Gruppe war die Hörakustik bis zu den Käufen von ipn und ASEGO die einzige Berufsgruppe, in der man noch keine eigene Branchensoftware hatte. Als Sven Rüther und Rüdiger Zinn für sich entschieden hatten, das Unternehmen zu verkaufen, wurden sie von mehreren Seiten angesprochen. Aber sie wollten ihr Unternehmen nicht in die Hände von Investoren geben. Ihr Interesse bestand darin, dass ASEGO vernünftig weitergeführt wird und die Mitarbeitenden darin weiter ein sicheres Zuhause haben. Natürlich muss auch ein Familienunternehmen Geld verdienen. Und weil die weitere Digitalisierung der Geschäftsprozesse viele Möglichkeiten bietet, ist die Fusion von ipn und ASEGO eine sehr gute Chance.
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Nun haben Sie schon mehrfach eine Lanze gebrochen für die opta data Gruppe. Wir haben bei einigen Akustikerinnen und Akustikern mit Blick nach Essen allerdings auch eine gewisse Skepsis wahrgenommen. Einige scheinen etwas verunsichert ob all der Daten, die bei der opta data zusammenlaufen …
Felst: Das habe ich natürlich auch mitbekommen. Allerdings sind das nicht unsere Kunden, die das sagen. Das kommt gerne mal von Nicht-Kunden. Wir haben bei der Abrechnungsdienstleistung eine sehr hohe Kundenzufriedenheit. Ich lade die Kritiker gerne zu einem persönlichen Gespräch ein, um diese Bedenken auszuräumen und von unseren Produkten zu überzeugen.
Wiebking: Gehört habe ich davon ebenfalls, direkt gesagt hat mir das allerdings noch keiner. Ich frage mich aber auch, wo das eigentlich herrührt. Wir sind hier in Europa Gesetzen verpflichtet wie der DSGVO. Bekommen wir zum Beispiel mit, dass Daten außerhalb der EU transportiert werden, ist das für uns ein Ausschlusskriterium. Da passen sowohl wir als auch die opta data Gruppe extrem auf. Daher kann ich solche Bedenken auch eher mit Blick auf amerikanische Unternehmen nachvollziehen, aber überhaupt nicht in Bezug auf uns.
Felst: Dass auch wir Daten verarbeiten und sammeln, liegt hier doch in der Natur der Sache. Und selbstverständlich werden diese Daten immer anonymisiert. Zudem stellen wir dem Markt durch unsere Auswertungen auch wertvolle Informationen zur Marktentwicklung zur Verfügung, was auch gut angenommen wird, wie die stets sehr gut besuchten Expertenforen von Bernd Kötte zeigen.
Eine Frage noch. Bisher ist Windows als Betriebssystem die Basis der allermeisten Anwendungen. Ist damit zu rechnen, dass in näherer Zukunft auch Mac OS und Linux genutzt werden können?
Wiebking: ASEGO-seitig sind wir schon seit längerer Zeit dabei, Schritt für Schritt modular auf HTML umzustellen, so dass die entsprechende Anwendung browserbasiert ist. Vom Look and Feel sehen die Module genauso aus wie vorher, stehen aber auf einer anderen technischen Basis. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich die digitale Hörgeräteberatung, die längst plattformunabhängig ist. Aber auch der Urlaubsplaner, der Kalender und die Zeiterfassung für Mitarbeitende sind bei uns schon HTML-basiert. Das wird auch weiter konsequent vorangetrieben
Felst: Auch ipn geht hier Schritt für Schritt vor. ›Mein Termin Online‹ gibt es von ipn auch schon auf HTML-Basis. Die ›MeinHören-App‹ ebenso.
Wiebking: Der Wunsch kommt seitens der Kunden immer wieder mal auf. Allerdings wird sich Windows auf absehbare Zeit nicht vermeiden lassen, zumindest nicht auf den Rechnern für die Anpassungen, denn die Fitting-Softwares der Hersteller sind nun mal Windows-basiert.
Herr Felst, Herr Wiebking, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.