Von Kathi Lange (GN Hearing) / Fotos: Lange
IFA 2023: Smartes Besserhören für Baby-Boomer
GN Hearing informierte erneut auf der führenden Elektronik-Messe – auch über die neue Ära vernetzter Kommunikation.
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Sie gilt als Weltleitmesse für Consumer und Home Electronics: Auch in diesem Jahr war die IFA auf dem Berliner Messegelände am Funkturm der Publikumsmagnet für viele tausend Technikbegeisterte aus aller Welt. Und auch diesmal nutzte Hersteller GN Hearing das Event, um Tech-Journalisten und Blogger über neueste Trends für smartes Besserhören zu informieren und mit Unterstützung der Medien für den frühzeitigen Gang zum Hörakustiker zu werben. Neben innovativen Lösungen von ReSound und Jabra, die unter dem Motto »smartes Besserhören für Babyboomer« vorgestellt wurden, gab es auch einen Blick in die Zukunft der Konnektivität mit Bluetooth LE Audio, jenem Standard, der sowohl für Hörsystem- und Hörimplantat-Träger als auch für jeden anderen Nutzer grundlegend neue Möglichkeiten eröffnet.
Die Welt der Hörsysteme hat sich verändert: »Als wir 2014 mit GN zum ersten Mal zur IFA gingen, standen wir vor einer großen Herausforderung«, so Hans-Christian Drechsler, Leiter Produkt-Marketing der GN Hearing GmbH. »Mit ReSound LiNX, dem ersten Hörsystem Made for iPhone, präsentierten wir ein wegweisendes smartes Produkt. Manche Akustiker waren begeistert, viele erklärten jedoch: ›Meine Kunden haben gar kein iPhone.‹ Mit Unterstützung der IFA-Journalisten wollten wir das Hörsystem sowie das Thema smarte Vernetzung am Markt platzieren. Zugleich wollten wir die IFA nutzen, um für den frühzeitigen Besuch im Hörakustik-Fachgeschäft zu werben.«
Diese Rechnung ging auf. Nicht wenige Akustiker waren damals erstaunt, weil plötzlich Kunden in den Laden kamen, die gezielt nach ›dem iPhone-Hörgerät‹ fragten, das sie aus den Medien kannten. Die damalige Skepsis des Fachhandels ist längst verflogen. Heute gehört zu jeder zweiten Anpassung die Kopplung mit einem iPhone oder Smartphone1. Laut MarkeTrak Studie 2022 zählt die direkte Konnektivität mit Mobilgeräten und Computern zu den Top-3-Faktoren für die Zufriedenheit mit Hörsystemen.
Neuheiten und Trends für vernetztes Besserhören – ReSound OMNIA, ReSound Quattro NEO und Jabra Enhance
Seine guten Kontakte zu den IFA-Journalisten pflegt GN kontinuierlich. Auch in diesem Jahr nutzte man die Messe, um über neueste Produkte zu informieren. Highlight diesmal: das ReSound OMNIA miniRIC, das bislang kleinste wiederaufladbare Ex-Hörer-System von ReSound. Die »Königsdisziplin« des guten Hörens, das Verstehen von Sprache in lauter Umgebung, meistert das kleine System in zuvor unerreichter Weise2. Auch die exzellente Anbindung für iOS und Android, Hands-Free-Telefonate mit dem iPhone sowie bis zu 30 Stunden Akkulaufzeit weckten bei den Pressevertretern Interesse. Weitere Neuheit war Hörsystemfamilie ReSound Quattro NEO, die Highend-Hören schon im Budget-Segment ermöglicht.
Und noch ein Produkt stand im Fokus: Die 3-in-1-Earbuds Jabra Enhance hatte GN bereits im letzten Jahr in einem IFA-Preview vorgestellt. In IFA-Halle 4.2 war Jabra auch diesmal präsent. Neben den neuen Kopfhörern Elite 8 Active und Elite 10 erhielten IFA-Journalisten Informationen zu den trendigen 3-in-1-Earbuds, die mittlerweile in über 700 deutschen Hörakustik-Fachgeschäften erhältlich sind, ebenso in Österreich und in der Schweiz.
In Verbindung mit dem iPhone bieten Jabra Enhance neben Musik, Telefonaten und Meeting-Calls auch besseres Verstehen in Gesprächen. Im kleinen Gehäuse sitzt ein modernes Hörgerät, das technologisch auf der neuesten Chip-Generation basiert und über alle adaptiven Features einer High-End-Lösung verfügt. Einstellung und Steuerung erfolgen über die Jabra Enhance App. »Besonders geeignet ist diese Lösung für alle, die situativ besser hören möchten«, so Hans-Christian Drechsler. »Die Earbuds empfehlen sich aber auch für Menschen mit leichtem bis moderatem Hörverlust, die noch keine Hörgeräte wollen.«
Großes Interesse bei Tech-Journalisten – ReSound OMNIA als »IFA-Kracher« im Sat1 Frühstücksfernsehen
Empfohlen wird Jabra Enhance von zahlreichen Technik-Journalisten der IFA. COMPUTER Bild, Connect, MacLife und weitere haben die Earbuds aktuell ausführlich getestet – mit positivem Ergebnis. Neben dem überraschend kleinen und leichten Gehäuse sowie der Akkulaufzeit von zehn Stunden pro Ladung überzeugten die Earbuds vor allem durch das deutliche Plus an Sprachverstehen in lauter Umgebung – und das sowohl Redakteure ohne Hörverlust als auch jene, die bereits Erfahrung mit Hörsystemen hatten.
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Doch auch die Lösungen von ReSound werden auf der IFA als Trend-Produkte erlebt – und das nicht zuletzt durch ihren hohen Grad an Personalisierung durch den Hörakustiker. Gleich am Morgen des ersten Messetags stellte Moderator Sascha Zöller (»Cyber-Zölli«) das ReSound OMNIA als einen der »IFA-Kracher 2023« im Frühstücksfernsehen von Sat1 vor. »Im Zuge der IFA konnten wir auch diesmal zahlreiche Journalisten und Blogger zu unseren Pressetreffs gewinnen«, so PR-Berater und Fachjournalist Martin Schaarschmidt, seit 2014 regelmäßig für GN auf der IFA im Einsatz. »Ob große Tageszeitungen, bekannte Technik-Magazine oder reichweitenstarke Tech-Portale … – alles war vertreten; darunter viele Journalisten, die wir bei früheren Messen erstmals für die Welt der Hörakustik begeistern konnten, und die sich seitdem von uns regelmäßig auf den neuesten Stand bringen lassen.«
Auch ein Grund für das anhaltende Interesse sei die smarte Hörsystem-Vernetzung, die GN seit jeher vorantreibt, so der PR-Profi: Ob TV-Anbindung mittels 2,4 GHz Funktechnologie, Steuerung des Hör-Erlebens per App, direktes Sound-Streaming von iOS und Android Mobilgeräten oder Pilotprojekte mit Miele und Deutscher Bahn zur Vernetzung in Smart Home und öffentlichem Raum – mit neuartigen Ansätzen für Konnektivität sorgte die GN Hearing auch auf der IFA immer wieder für Aufsehen. Die smarten Zusatzfunktionen verdeutlichen schon lange, wie Spitzenmedizintechnik und Consumer Audiotechnik zusammenrücken und wie sie sich durch neue technologische Innovationen wechselseitig vorantreiben; ein Technologie-Transfer zum beiderseitigen Vorteil, der innerhalb des GN-Konzerns schon lange gelebt wird und der Branche wichtige Impulse gibt.
Smarte Hörsystem-Konnektivität – hohe Akzeptanz bei jüngeren Kunden und zugleich Herausforderungen für den Hörakustiker
Zudem hat smarte Funktionalität die Akzeptanz für das Tragen von Hörsystemen nachweislich gesteigert. »Im Schnitt sind die Kunden, die erstmals zum Hörakustiker kommen, deutlich jünger als noch vor zehn Jahren«, so Rabea Wortmann, Produktmanagerin der GN Hearing. »Vor allem bei den sogenannten Babyboomern gehören die Kopplung mit iOS oder Android oder auch die mit dem TV-System meist selbstverständlich dazu.«
Doch dieser Kundenwunsch – so die Produkt-Expertin – geht mit Herausforderungen einher: Die derzeitige Landschaft der Konnektivität ist komplex und vielgestaltig, das hemmt die Entwicklung neuer Anwendungen. Die Spezifikation für Bluetooth-Hörsysteme ist nicht standardisiert, stattdessen behelfen sich die Hersteller bis dato mit jeweils eigenen Protokollen zur Erweiterung der Bluetooth-Technologie. Hinzu kamen mit Apple MFi sowie mit Google ASHA Protokolle für mobile Betriebssysteme. Folge ist eine große Variabilität bei der Kompatibilität von Smartphones und Zubehör. Außerdem werden die Bauformen durch den Stromverbrauch limitiert.
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Auch kritische Beobachter der Hörtechnik-Branche wie der Technik-Blogger und CI-Träger Enno Park bemängeln diese »Anbindungshürden«: »Smartphone-App gewählt, Kopfhörer gekoppelt, Musik gestartet: Für Hörende geht das Audiostreaming übers Smartphone leicht von der Hand. Über Musikgenuss und Klangqualität muss man sich in der Regel keine großen Gedanken machen. Für Menschen mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten sieht das aber anders aus. Zwar lassen sich die Geräte per App steuern, und Audio aller Art streamt das Smartphone direkt auf die Hörhilfe. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail – und hier insbesondere in der Frage: Android oder iOS?«3
Vor allem die Anbindungen mit ASHA fordert Akustiker, die ihren Kunden jeden smarten Wunsch gerne erfüllen möchten. »Bei GN bieten wir zwar eine Liste mit kompatiblen Android Geräten, die wir fortlaufend aktualisieren«, so Rabea Wortmann. »Aber es ist völlig unmöglich, die riesige Zahl an Android-Mobilgeräten und obendrein alle denkbaren Software-Modifikationen zu testen. So sehr die offene Plattform von vielen geschätzt wird, bei der Anbindung von Hörsystemen wird Android schnell zum Problem. Mancher umschifft das, indem er seinen Kunden von vornherein von bestimmten Anbindungsoptionen abrät.«
Bluetooth LE Audio und Auracast – zukünftiger Standard, an dem die Hörsystem-Hersteller maßgeblich mitwirkten
Doch es ist eine Lösung in Sicht – eine, die vereinheitlicht und Grenzen der Kompatibilität aufhebt, die die Qualität des Audiostreamings sowie die Stabilität erhöht und zugleich den Stromverbrauch senkt. Eine beginnende neue Ära vernetzter Kommunikation, über die GN auf der IFA gleichfalls informierte.
Unter dem Dach der Bluetooth Special Interest Group (SIG) entstand seit 2013 der neue Standard Bluetooth LE Audio, der das bisherige Bluetooth Classic Audio ersetzen und die Möglichkeiten zur Audio-Übertragung grundlegend erweitern wird – und das sowohl für Nutzer audiologischer Technik als auch für alle anderen. Entwickelt wurde Bluetooth LE Audio unter Mitwirkung namhafter Unternehmen wie Apple, Google, LG, Microsoft, Samsung, Sony etc. Von Beginn an beteiligt waren jedoch auch alle bekannten Hersteller von Hörsystemen und Hörimplantaten, der Verband der Europäischen Hörgeräte-Industrie (EHIMA), die American Academy of Audiology (AAA) und weitere Player des weltweiten Audiologie-Markts.
Sie alle sind sich einig, dass Bluetooth LE Audio der zukünftige Standard sein wird. Es verspricht nicht nur höhere Klangqualität und stabilere Verbindungen bei halb so viel Energieverbrauch. Dank Multi-Streaming wird es auch möglich, mehrere direkte Audiostreams zwischen Hörsystemen und anderen Geräten zu nutzen. Zudem wird Auracast Hören und Verstehen im öffentlichen Raum, in Flughäfen, Kinos und Konferenzen, für alle auf ein neues Level heben – unabhängig davon, ob sie Hörsysteme, Kopfhörer oder Hörimplantate tragen.
Mark Powell, CEO der Bluetooth SIG, erwartet vom neuen Standard einen »weiteren massiven Wandel im Markt für drahtloses Audio«. Und Stefan Zimmer, Generalsekretär des Europäischen Verbandes der Hörgerätehersteller (EHIMA) sagt: »LE Audio wird einer der wichtigsten Fortschritte für Nutzer von Hörgeräten und Hörimplantaten sein.«
Recherche in den IFA-Hallen: die neue Ära vernetzter Kommunikation hat bereits begonnen
Bleibt die Frage, wie lange es dauert, bis sich Hörtechnik mittels Bluetooth LE Audio mit Smartphone und Smart TV oder gar dem Kino-Sound verbinden lässt. Auch hier im Zuge der IFA neue Erkenntnisse: »Zum einen stellten wir fest, dass Bluetooth LE Audio selbst für manchen Journalisten immer noch neu ist«, so Martin Schaarschmidt. »Zugleich bot die Messe Gelegenheit für eine Recherche. Welche Hersteller haben schon Produkte mit LE Audio? Wie präsent ist das Thema bei bekannten CE-Marken?«
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Philips hatte den neuen Standard bereits zum Jahresbeginn kommuniziert: Over-Ear-Kopfhörer Fidelio L4 sowie die In-Ears Fidelio T2 verfügen über den LC3-Codec, die Basis von LE Audio. Und Sony hat mit Kopfhörer WH-1000XMS und mit den LinkBuds S zwei Produkte, die sich mit einer Beta-Version von LE Audio nachrüsten lassen. Laut Presse-Info ist für die Nutzung zudem ein Xperia 1 IV oder ein Xperia 5 IV Smartphone erforderlich, jeweils mit neuester Software.
Pünktlich zur IFA eine Meldung von Samsung: Die Galaxy Buds2 Pro werden durch ein Software-Update LE Audio erhalten; für die Neo QLED 8K Smart TVs sowie die 2023er Micro LED TVs erfolgt im September ein Update auf die Auracast-Technologie. Mehr war jedoch auf der IFA noch nicht zu erfahren. Im City-Cube, der IFA-Halle der Koreaner, gab es offiziell keine weiteren Informationen. Nachfragen bestätigten jedoch, dass auch das Samsung Galaxy S23 über den neuen Codec und Multi-Streaming verfügt.
»Unser Eindruck ist, dass die großen CE-Hersteller in den Startlöchern sitzen und es nun losgeht«, so Christian Lücke, Geschäftsführer DACH der GN Hearing GmbH. »Jetzt hat Samsung ein Signal gesetzt. Zur CES im Januar werden wir schon deutlich mehr von Bluetooth LE Audio hören.«
Laut einer aktuellen Studie von ABI Research werden ab 2027 jährlich 3 Milliarden neue LE-Audiogeräte ausgeliefert. Zudem kann man schon jetzt davon ausgehen, dass Hersteller den neuen Standard für bestimmte Produkte über ein Firmware-Update ermöglichen. Und es ist zu erwarten, dass auch Hörsystem-Hersteller die Etablierung von Bluetooth LE Audio bald durch eigene Produkte vorantreiben. Cochlear stellte mit CI-Soundprozessor Nucleus 8 schon beim letzten Kongress eine Lösung vor, die für Bluetooth LE Audio gerüstet ist.
»Die kommenden Monate und Jahre werden äußerst spannend«, so Christian Lücke. »Bluetooth LE Audio wird neue, zusätzliche Möglichkeiten schaffen und technische Hörhilfen sind immer mehr Teil der modernen, vernetzten Kommunikationswelt. Eine Entwicklung, die GN maßgeblich prägt – nicht zuletzt durch unser Engagement auf der IFA. Wir sehen diese Entwicklung als große Chance, die wir gemeinsam mit dem Hörakustik-Fachhandel nutzen werden. In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt auf die Tage in Nürnberg, auf viele Begegnungen mit unseren Partnerinnen und Partnern und auf einen regen Austausch.«
1 Audiologist Survey | Jan 2020, US Study, n = 225 HCPs
2 ReSound OMNIA sichert bis zu 150 Prozent mehr Sprachverstehen in lauter Umgebung: 36 dB SNR Verbesserung beim Sprachverstehen verglichen mit Vorgänger Hörgerät ReSound ONE. Jespersen et al (2022)
3 Enno Park, Audiostreaming für Hörgeschädigte: Warum Bluetooth LE seine Tücken hat, www.heise.de, 2023