IMPLANTATE. Dass ein massiver Hörverlust kein Hindernis sein muss, um zum Bespiel zu den besten Golfspielerinnen Deutschlands zu zählen, darauf hat jüngst MED-EL aufmerksam gemacht. Der Implantathersteller stellte Anfang Oktober per Pressemitteilung Amelie Gonzáles Podbicanin als eine der besten Golfspielerinnen des Landes vor. Die 18-Jährige hatte wegen einer Innenohrschwerhörigkeit, die vermutlich eine Mittelohrentzündung verursachte, mit 11 Monaten ihr erstes Cochlea Implantat erhalten, sieben Monate später folgte das zweite.
»Meine Eltern taten alles dafür, dass ich hörend aufwachse, und entschieden sich für eine Cochlea-Implantation mit MED-EL«, berichtet Gonzáles Podbicanin. »Letztlich sprach ich perfekt auf die Implantate an, konnte schnell Geräusche differenzieren und merkte, dass mir das Hören nach und nach immer besser gelang. Logopäden und HNO-Fachärzten und Experten von MED-EL begleiteten und unterstützten mich dabei mit individuell auf mich zugeschnittenen Trainings. So konnte ich schließlich sogar wieder uneingeschränkt hören, eine normale Regelgrundschule besuchen und schloss hier stets als Klassenbeste ab. Ich lernte Violine zu spielen, das schulte mein Gehör ergänzend.«
Ihr Abitur hat sie längst in der Tasche. Als sie sich für den Bundesfreiwilligendienst in einer Schutzstation im Wattenmeer in Hörnum auf Sylt bewarb, wurde sie aus mehr als 1.000 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. Und dazu kommen ja noch ihre sportlichen Erfolge. 2019 wurde sie als 14-Jährige Europameisterin im Deafgolf, ein Jahr vorher war sie bereits Team-Weltmeisterin im Deafgolf geworfen. Die Deutschen Meisterschaften hat die gebürtige Heidelbergerin indes schon fünf Mal gewinnen können. Ihr Handicap liege derzeit bei 0,9, so Gonzáles Podbicanin.
Auch außerhalb des Gehörlosensports tritt Amelie Gonzáles Podbicanin an. So ist sie auch Teil der Damenmannschaft des Golfclubs Mannheim-Viernheim, mit dem sie gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Beim Deafgolf spielt Gonzáles Podbicanin übrigens ganz ohne ihre Implantate. »Das ist dann wirklich etwas ganz anderes, wenn man sonst wie ich nur die ‚normalen‘ Turniere spielt. Dann spielt man wirklich im gehörlosen Zustand und die akustische Rückmeldung von den Schlägen, die Geräusche von Wind und Umgebung fehlen. So ist auch das räumliche Spiel ein anderes und ich muss mich darauf konzentrieren und bewusst einstellen«, erklärt sie.
Zum Golf kam sie bereits als 5-Jährige. »Ich wollte schon als Kleinkind unbedingt Golf spielen. Wir sind früher in einem Golfclub zum Essen gegangen, da wurde wohl mein Interesse an dieser wahnsinnig vielfältigen Sportart geweckt. Golf erfordert eine hohe Konzentrationsfähigkeit und mentale Stärke – beides habe ich bereits früh auch durch den Umgang mit den Cochlea-Implantaten gelernt«, sagt Gonzáles Podbicanin.
Und auch abseits des Sports steckt sie sich hohe Ziele. »Mein Traum ist es, Medizin zu studieren. Das hat sich aber geändert. Derzeit denke ich darüber nach, Architektur mit Spezialisierung auf Innenarchitektur zu studieren. Dank meiner Cochlea-Implantate von MED-EL stehen die Chancen gut, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann. Umso dankbarer bin ich für die innovative Technologie, die mir das nun ermöglicht«, antwortet sie auf die Frage, welche weiteren Pläne sie hat.