Von Martin Schaarschmidt / Fotos: Schaarschmidt
Feste feiern in Nürnberg: Über die Abendveranstaltungen des diesjährigen EUHA-Kongresses
Partys, Feste, Feten – was wäre der Kongress ohne seine abendlichen Anlässe geselligen Beisammenseins?! Auch diesmal gehörten sie selbstverständlich dazu. Das große Feiern begann am sehr frühen Mittwochabend mit diversen Standpartys und fand seine Fortsetzung insbesondere in den Klassikern unter den Kongress-Festivitäten – im FGH-Abend und im Kongresstreff, der sich erneut als Publikumsmagnet erwies (eine an sich erfreuliche Tatsache, die aktuell aber leider zum Problem wurde).
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Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Eine Erkenntnis, die sich offensichtlich auch immer mehr Aussteller der Industrieschau zu eigen machen. Der Übergang vom ersten Ausstellungstag zum Feier-Abend scheint inzwischen fließend (bzw. flüssig und vibrierend). Das Zauberwort heißt »Standparty« (oder »Happy Hour«, »Meet & Greet«, »Trikotparty«). Ob Cochlear + GN Hearing, Signia, Starkey oder Sinfona – ab 16 bzw. 17 Uhr füllten coole Sounds die Hallen und kühlende Getränke die Gläser. Am Sonova-Stand konnte man laut »Hörakustik-Guide« sogar gleich drei Standpartys auf einmal besuchen …
Fortsetzung fand die Partyfreude beim alljährlichen FGH-Abend (neben anderen Events von oton & friends und Audimus). Die Fördergemeinschaft lud zum »Get-together-Event in eine der angesagtesten Locations« ein, mit »kulinarischen Genüssen, erlesenen Getränken und guter Musik« – und sie versprach damit nicht zu viel. Die »VINERIA«, an die sich mancher Besucher noch vom letzten Nürnberg-Kongress erinnern konnte, erwies sich erneut als angenehmer Ort, um Wiedersehen zu feiern oder sich erstmals zu begegnen und den Kongressmittwoch gemeinsam ausklingen zu lassen. FGH-Geschäftsführer Christian Hastedt & Team hielten den offiziellen Begrüßungsteil angenehm kurz und knackig. Der »Live-DJ« trübte zwar den örtlichen SNR-Wert, kam jedoch bei tanzlustigen Partygästen mit ausreichend Durchstehvermögen gut an und bot dem Schreiber dieses Textes zudem die Chance, die Vorzüge seiner hörverbessernden Earbuds mehr denn je schätzen zu lernen. Zudem hat die »VINERIA« ausreichend Raum, in den ausweichen konnte, wem der Partypegel zu viel wurde.
Genügend Raum war das, was dem Kongresstreff am Donnerstag leider fehlte, um für alle Besucherinnen und Besucher zum schönen Abend werden zu können. Dabei hatten sich die Organisatoren zweifellos bemüht, es nach den Corona-bedingten »Kongress-Treffchen« der beiden vergangenen Jahre mal wieder richtig krachen zu lassen: Passend zum diesjährigen Partnerland Schweiz luden EUHA, BVHI und FDH zur Après-Ski-Party in Nürnbergs Nachtclub »RESI« (»RESI City Nightlife – Nightclub in the Heart of Nuremberg«) ein. Dass sich im »RESI« gut feiern lässt, hatte bereits der Kongresstreff 2019 bewiesen; nur befand sich der Club damals noch in (wohl deutlich größeren?) Räumen auf dem Gelände am Klingenhof – und nicht im Neobarockbau des Nürnberger Hauptbahnhofs.
Die Zahl der Partylustigen, die sich auch diesmal im »RESI« amüsieren wollten, war sehr groß, und die Bereitschaft, eine Après-Ski-Party in Rot-Weiß mit Leben (bzw. kreativen Outfits) zu füllen, sichtlich vorhanden. Doch die Vorfreude auf die heiße Abfahrt wurde bereits in der sehr langen Schlange vor dem Ski-Lift (bzw. durchs Bahnhofsgebäude) gebremst. Und wer es endlich bis ins »RESI« schaffte, fand (oder verlor) sich in einer schiebenden, drängenden, unausweichlichen Menschenmasse. Es ging durch Dunkelheit, bei stampfenden Rhythmen und zuckenden Lichtblitzen. Es ging auf Stufen hinab und weiter durch die Menge. Doch es führte nirgendwohin.
Glücklich war, wer sich bis an einen der Bar-Tresen vorkämpfen oder gar einen der knappen Sitzplätze in den »VIP-Lounges« ergattern konnte. Nur eine rappelvolle Klublandschaft oder vielleicht doch der Vorhof zur Hölle? Wer am 19. Oktober gegen 21 Uhr im »RESI« weilte, konnte sich Fragen wie diese stellen. Oder auch die, ob das »RESI« nicht nur im Hauptbahnhof sitzt, sondern auch von der Deutschen Bahn betrieben wird. Doch die DB hätte angesichts klarer Überlastung den Party-Zug gestoppt und vor der Weiterfahrt jeden Zweiten aussteigen lassen (mit Gutschein und Mineralwasserpäckchen). So hingegen blieb es den Gästen überlassen, den Abend (und sich selbst) zu retten. Manch pfiffiger Partygast schickte den Zurückgebliebenen Selfies aus dem Bahnhofs-Imbiss, um später gut gesättigt ins »RESI« zurückzukehren. Viele andere aber gingen hungrig und betrübt, kaum dass sie gekommen waren. Wer blieb, bewies Stressresistenz, Standhaftigkeit, Galgenhumor oder was auch immer.
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An dieser Stelle ein ausdrückliches Kompliment an die jungen Servier-Kräfte des »RESI«, die nicht müde wurden, die durchaus schmackhaften Speisen durch die Massen zu tragen – auf Tabletts, die aus Mangel an Platz überm Kopf balanciert werden mussten. Ein ebenso großes Kompliment an das »Fest-Komitee«, das im Angesicht des Chaos Haltung bewahrte: EUHA-Präsidentin Beate Gromke, Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Hörsysteme-Industrie (BVHI), Andreas Bögl, Präsident des Fachverbandes Deutscher Hörgeräteakustiker (FDH) sowie René Bürgin, Präsident des Schweizerischen Fachverbandes der Hörgeräteakustik AKUSTIKA, begrüßten die Besucher – im schrillen Outfit, mit flotten Sprüchen und urigem Alphornbläser. Der gleichfalls geplante Auftritt der Schweizer Kapelle – mit Hackbrett und Kontrabass – musste aus Mangel an Spiel-Platz leider entfallen.
Wie wir aus gut informierten Kreisen erfuhren, hatten sich die Organisatoren im Vorfeld der Veranstaltung bei den Betreibern des »RESI« erkundigt, ob der Club Platz für 850 Gäste bietet; der Betreiber hatte dies bestätigt: Auch für 1.000 Gäste sei der Club geeignet. Es drängt sich die Frage auf, ob es den Clubbetreibern wichtiger ist, mit ihren Gästen Kasse zu machen, als für deren Sicherheit zu sorgen.
Wie wir aus gleichfalls gut informierten Kreisen erfuhren, entwickelte sich der Treff im Laufe der Nacht tatsächlich noch zu einem (im positiven Sinne) Party-Kracher; nachdem ausreichend viele die Segel gestrichen und das »RESI« genervt verlassen hatten, galt für die Verbliebenen das, was im Vorfeld angekündigt worden war: »Für beste Partymusik, leckere Snacks und eine super Stimmung ist der Kongresstreff ein Garant«. Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass das im kommenden Jahr wieder für alle Gäste gilt.