Von Martina Ostermeier (HÖREX) / Fotos: HÖREX
HÖREX Fortbildungskongress »Menschen, die auf derselben Frequenz schwingen«
Back to the roots: Vom 4. bis 5. November 2023 hatte die HÖREX ihre Mitglieder zu ihrem neunten Fortbildungskongress ins Zentrum der Hörakustik nach Lübeck eingeladen. Mit dabei war Thomas Wolf aus Sangerhausen.
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Ich muss gestehen, dass ich seit meiner Meisterprüfung 1991 nicht mehr an der Akademie war«, erzählt Thomas Wolf und ist merklich beeindruckt: »Ich habe meinen Augen kaum getraut, als ich gesehen habe, was seitdem dort alles entstanden ist: die vielen neuen Gebäude, die ganze technische Ausstattung.« Er erinnert sich noch gut an die Diskussionen, die es immer wieder gab, wenn es darum ging, den Campus zu erweitern. »Letztendlich sind alle froh, dass wir die Möglichkeiten haben, die der Campus heute bietet.«
Den Auftakt zum Fortbildungswochenende machte eine Mitgliederversammlung am Freitagabend. H.-P. Weihmann, Mitglied im Vorstand der HÖREX, informierte dort über den aktuellen Stand der Ausbildungs-Initiative, die die Genossenschaft 2022 initiiert hatte. Dazu gehört unter anderem eine bundesweite Kampagne, mit der die HÖREX zum einen über die sozialen Medien auf das Hörakustik-Handwerk aufmerksam macht und zum anderen die Mitglieder im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte unterstützt. Eine weitere Maßnahme im Rahmen der Initiative ist ein Extra-Seminarprogramm für Auszubildende auf dem Fortbildungskongress. »Ich bilde zwar zurzeit nicht aus, finde das aber richtig cool«, so Wolf. »Und obwohl es das Angebot erst zum zweiten Mal gibt, kommt es bereits gut an.« Im Verlauf der Mitgliederversammlung diskutierten die Teilnehmenden auch darüber, wie die HÖREX den Nachwuchs und die Ausbildungsbetriebe innerhalb der Gemeinschaft künftig noch besser unterstützen kann.
Es sind genau diese Diskussionen, die Wolf an den Treffen der Genossenschaft schätzt. Er findet es zwar gut, dass sich im Zuge der Coronapandemie Möglichkeiten für digitale Meetings etabliert haben – der Zeitaufwand ist einfach geringer –, doch er freut sich auch jedes Mal über den direkten Austausch mit dem Vorstand der HÖREX und den Kollegen. »Ich begegne hier Menschen, die auf derselben Frequenz schwingen wie ich, die Lust auf Neues haben. Und die Pausen zwischendurch und die gemeinsamen Mahlzeiten haben einen unschätzbaren Wert. Man gibt Tipps und Tricks weiter, jeder hat andere. Wir können viel voneinander lernen und uns weiterhelfen.«
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Branchennews und Heimspiel Sonic
Den Samstagmorgen begann Thomas Wolf mit einem Vortrag von Jakob Stephan Baschab. Die HÖREX hatte den Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) und Direktor der Akademie für Hörakustik (afh) als Keynote Speaker eingeladen. Genau wie Wolf nutzten fast alle in Lübeck anwesenden Mitglieder die Gelegenheit, um sich aus erster Hand über die aktuellen Themen und politischen Entwicklungen in der Branche zu informieren. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es für Thomas Wolf zum Workshop von Sonic mit Sebastian Wiesner. Wolf passt die Exklusivmarke der HÖREX in seinem Fachgeschäft bereits seit vielen Jahren an. »Insofern war das ein Heimspiel für mich. Trotzdem nehme ich immer wieder Dinge mit, die mir zuvor entgangen waren.« Beeindruckt war Wolf dieses Mal vor allem von der Windgeräuschunterdrückung der aktuellen Radiant SE-Hörsystemfamilie. Insgesamt ist er begeistert davon, »wie viel Musik zurzeit bei Forschung und Entwicklung von Hörgeräten drin ist.« Wolf betont: »Das ist ja kein Selbstzweck. Ich kann tatsächlich Dinge für meine Kunden machen, von denen ich vor fünf Jahren nicht einmal geträumt habe.« Wiesner ging in seinem Workshop auch auf das Verfahren zur Frequenzverringerung ein, mit dem die aktuellen Geräte arbeiten. Damit gab er Wolf und den anderen Teilnehmenden einen Vorgeschmack auf den ersten Vortrag am Sonntagmorgen mit Christoph von Kannen, Dozent an der afh.
Titan, Social Media und Multi-Beamformer
Doch zunächst hatte Thomas Wolf am Samstag noch drei andere Workshops auf der Agenda. Als Erstes ging es zur Firma Hörluchs. Dort stand Titan als Material für Otoplastiken im Mittelpunkt. Wolf hatte sich zwar schon einmal eine Titanotoplastik drucken lassen, war dann aber wieder zurückgerudert. »Titan ist einfach extrem schwierig zu bearbeiten. Da habe ich mich nicht richtig herangetraut. Jetzt beim Workshop hatten wir die Möglichkeit, unter Anleitung zu fräsen. Das hat mir Mut gemacht, das Material mal wieder für einen Kunden in die Hand zu nehmen.«
Nach der Mittagspause besuchte Thomas Wolf einen von insgesamt drei Social-Media-Workshops, die Franziska Hassinger, Social-Media- und Content-Managerin bei der HÖREX, leitete. »Ich weiß, dass man um das Thema nicht herumkommt. Deshalb möchte ich zumindest wissen, wie es läuft. Da war ich im Einsteiger-Seminar genau richtig aufgehoben. Ansonsten kümmert sich bei mir im Fachgeschäft eine jüngere Mitarbeiterin um die Postings. Die ist allerdings aktuell in Mutterschutz und anschließend in Elternzeit.«
Inzwischen war es Nachmittag geworden, um 15:45 Uhr startete die letzte Workshop-Session für diesen Tag. Wolf hatte sich für Sivantos entschieden. Die Online-Schulung zur neuen IX-Plattform hatte er sich schon zu Gemüte geführt, die ersten Testgeräte waren bei ihm im Fachgeschäft angekommen. In Lübeck wollte er sich noch einmal Informationen aus erster Hand von Björn Bretschneider und Janina Gregori holen. Am Ende des Seminars ist Wolf überzeugt: »Wenn die Multi-Beamformer-Technologie wirklich das hält, was der Hersteller verspricht, dann ist das ein Durchbruch für die Sprachverständlichkeit.«
Tag zwei: Highlight mit Christoph von Kannen
Wie schon angedeutet: Der Sonntagmorgen begann für Thomas Wolf und viele andere HÖREX Mitglieder mit einem Vortrag von Christoph von Kannen zu unterschiedlichen frequenzverringernden Verfahren und ihrer Verifikation in der Anpassung. Für Wolf war der Vortrag eines der Highlights des Kongresses. »Was bei der Frequenzverringerung passiert, ist mir natürlich klar.« Beeindruckt war Wolf von der verdichteten Gegenüberstellung, wie sich die verschiedenen Hersteller dem Problem annähern und welches die Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode sind. »Herr von Kannen hat sich eine Testanordnung mit einem Hörgerät und einem Lautsprecher einfallen lassen, mit der er über Frequenzdurchläufe sehr gut darstellen konnte, wie sich die Verfahren akustisch auswirken. Hinzu kommt, dass Herr von Kannen alles sehr humorvoll rübergebracht hat. Es gab den einen oder anderen Moment, da hat der ganze Hörsaal laut gelacht.« Mitgenommen hat Wolf aus dem Vortrag vor allem, dass er die frequenzverringernden Methoden noch viel bewusster bei seinen Kundinnen und Kunden einsetzen möchte. »Ich habe mir vorgenommen, die Voreinstellungen der Hörsysteme noch kritischer zu hinterfragen, noch tiefer beim Kunden nachzufragen und die Frequenzverringerung nur zu nutzen, wenn es dem Kunden wirklich einen Vorteil bringt.«
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Eigentlich hatte sich Thomas Wolf dann noch zu einem Seminar mit dem Titel »Mimik und Gestik im Verkauf« angemeldet. Kurzfristig entschied er sich vor Ort um und nahm am Seminar von egger zum Thema »Gehörschutz am Arbeitsplatz« teil. »Das hat mich spontan mehr interessiert.« Fest steht ohnehin: Alle Seminare kann keiner der Teilnehmenden besuchen, meist laufen drei Veranstaltungen parallel. Neben der Auswahl von Wolf umfasste das Programm des Fortbildungskongresses fünf Seminare für Auszubildende, in denen es viele Tipps und Praxisübungen für die Gesellenprüfung gab, sowie zwei Seminare zur HÖREX Exklusivmarke TELEFUNKEN. Darüber hinaus hatte die Genossenschaft ein spannendes Angebot vor allem – aber nicht ausschließlich – für Inhaber zusammengestellt: Dazu gehörte einmal das Seminar zu Mimik und Gestik, in einem zweiten stand das digitale Kaufrecht im Mittelpunkt und in einem dritten relevante betriebliche Kennzahlen. Zudem bot Hörluchs noch ein Seminar zur Neuerung in Sachen ICP-Hörsysteme an und egger informierte über neue Möglichkeiten beim Cerumenmanagement. Und auch die Vertreter von Oticon und Widex hatten spannende Inhalte mit nach Lübeck gebracht.
Heimfahrt mit Hochgefühl
Offiziell endete der Fortbildungskongress nach dem letzten Seminar am Sonntag um 14:15 Uhr. Für Thomas Wolf war bereits nach dem Mittagessen Schluss. Immerhin liegen mehr als 400 km zwischen Lübeck und Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. »Aber egal, wie weit der Weg ist: Ich fahre von solchen Veranstaltungen immer mit einem Hochgefühl nach Hause.« Begleitet wurde Thomas Wolf übrigens von seiner Frau, die große Teile der Buchhaltung erledigt, die im Familienbetrieb anfällt. »Wir sitzen dann gemeinsam im Auto, meine Frau blättert durch unsere Notizen, und wir tauschen uns noch mal zu verschiedenen Dingen aus. Und dann entsteht in meinem Kopf eine To-do-Liste, was ich machen möchte, wenn ich meinen Laden am Montag wieder aufschließe.«