Von Dennis Kraus / Fotos: HBV
»Sicherheit und Wirtschaftlichkeit kombiniert« – die Hörgeräte Bonusversicherung
Seit dem Frühjahr 2023 waberte das Thema Hörgeräte Bonusversicherung am Horizont der Branche. In der Augenoptik als BrillenBonusVersicherung längst etabliert, hatte Kay Stamer gegenüber OMNIdirekt im März von einer möglichen Übertragung des Modells auf die Hörakustik gesprochen. Seit dem 1. November 2023 gibt es sie nun auch hier, die Versicherung, die nicht nur klassischen Schutz bietet, sondern die Versicherungsnehmerinnen und -nehmer mit einer Bonuszahlung ebenso an ihr Fachgeschäft bindet.

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Ich finde das Konzept nach wie vor mega«, sagt Kay Stamer. Er meint die Konzeption der BrillenBonusVersicherung. Etwa 25 Prozent der Kundinnen und Kunden eines Optikbetriebes, der die Versicherung anbietet, entschieden sich für diesen Schutz, erzählt er. Mit dem versichern sie nicht nur ihre neue Brille gegen alle klassischen Schäden bis hin zum Verlust. Mit ihrer Prämienzahlung sparen sie bei ihrem Optiker gewissermaßen auch einen Bonus an, den sie nach zwei Jahren für den Kauf einer neuen Brille bei eben diesem Optikbetrieb einsetzen können. Gegenüber OMNIdirekt hatte Kay Stamer das im März 2023 eine Win-win-win-Situation genannt. Optiker, Kunde, Versicherung – alle hätten etwas davon. Besonders hebt er hier noch mal den Optikbetrieb vor. Nicht nur, dass der mehr oder minder davon ausgehen könne, die jeweiligen Kunden beim Kauf einer neuen Brille wieder bei sich begrüßen zu können, weil sie ja ihren Bonus einsetzen wollen. Auch werde der Betrieb durch diese besondere Bindung der Kunden noch etwas wertvoller. »Das sind ja Kunden, die definitiv, sogar kalkulierbar wiederkommen«, sagt Kay Stamer.
Initiiert worden ist die BrillenBonusVersicherung von Stamers Arbeitgeber, der Brillenversicherung Deutschland Vertriebsgesellschaft mbH. Nachdem er 25 Jahre in der Hörgerätebranche erst für einen, später für einen anderen Hersteller im Vertrieb in leitenden Positionen unterwegs war, wechselte er im Oktober 2021 die Branche und heuerte bei der Brillenversicherung an. Längst gehört er hier zur Geschäftsleitung. Als großen Versicherungspartner hat man die Nürnberger Versicherung AG im Rücken. Und in dieser Konstellation entstand schließlich auch die Hörgeräte Bonusversicherung, die Stamer und seine Kolleginnen und Kollegen seit dem 1. November 2023 anbieten.
Der Bonus und der Versicherungsschutz
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Hörgeräte Bonusversicherung funktioniert nicht ganz genau so wie die BrillenBonusVersicherung. Die Versicherungsnehmer, also die Hörgeräteträgerinnen und -träger, sparen mit der Zahlung ihrer Versicherungsprämie von 15,90 € pro Monat über einen Zeitraum von sechs Jahren eine Summe von 800,- € an. Die können sie nach sechs Jahren für die Wiederversorgung bei eben dem Hörakustikfachgeschäft einsetzen, bei dem sie auch ihre vorherigen Geräte gekauft sowie die Versicherung abgeschlossen haben. »Ein echtes Pfund«, nennt Kay Stamer das. Eine Auszahlung der Summe ist natürlich nicht möglich. Das Geld wird, sofern die Versicherungsnehmer es in Anspruch nehmen, also definitiv in neue Hörgeräte fließen. Die Prämie von 15,90,- Euro gilt zudem bei monauraler wie binauraler Versorgung. Und auch ob die Geräte eigenanteilsfrei sind oder aus dem obersten Regal kommen, spielt keine Rolle. 15,90,- Euro pro Monat. Eine Summe für alles. Und nach sechs Jahren stehen den Versicherungsnehmerinnen und -nehmern eben diese 800,- Euro für die nächste Versorgung zur Verfügung.
Würde man die Versicherungsprämieren über den Zeitraum von sechs Jahren summieren, käme man auf knapp 1.150,- Euro. »Man bekommt also unheimlich viel von dem wieder raus, was man mal eingezahlt hat«, sagt Stamer.
Etwaige Schäden, die man über die Hörgeräte Bonusversicherung regulieren lässt, haben »keinen negativen Einfluss auf den Bonus«, betont Kay Stamer. So stellt die Versicherung für jeden bei ihr versicherten Hörgeräteträger ein Reparaturbudget von 400 Euro pro Hörgerät für einen Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung. Sind die vorbei, wird das Budget wieder auf 400 Euro gestellt. »Das ist eine sogenannte Intervallversicherung, da ist alles mit drin«, sagt Kay Stamer. Extra abschließen oder dafür bezahlen muss man als Nutzerin oder Nutzer also nicht. Selbst zu Beginn des siebten Jahres wird das Reparaturbudget wieder auf 400 Euro gestellt. Das gleiche gilt, sollte jemand seine Geräte zehn Jahre tragen, für das zehnte Jahr. »Viele Versicherungen laufen heute ja nach 48 oder 60 Monaten aus und lassen sich für die jeweiligen Geräte nicht mehr verlängern«, so Stamer. »Bei uns läuft die Versicherung so lange weiter, wie sie bezahlt wird, und das mit einer marktkonformen Versicherungsprämie. Das ist ein echter Unterschied zu anderen Versicherungsanbietern.« Der Bonus steigt dadurch allerdings nicht. Der bleibt unverrückbar nach sechs Jahren stehen.
Worauf Kay Stamer außerdem hinweist, ist, dass Versicherungsnehmerinnen und -nehmer ab dem Moment, da sie die Versicherung abschließen, den Versicherungsschutz genießen. Gleichwohl weiß er natürlich auch, dass zu regulierende Schäden in der Anfangszeit eher nicht auftreten werden, zumal Akustiker ja auch eine Garantie auf die von ihnen abgegebenen Geräte geben.
Einen einhundertprozentigen Schutz vor Verlust oder auch Diebstahl gewährt die Hörgeräte Bonusversicherung wiederum nicht. »Bei Verlust oder Diebstahl ist der Endkunde mit 50 Prozent Selbstbeteiligung abgesichert«, so Stamer. Gerechnet wird hier mit dem Privatpreis, also der gesamten Summe, die man für seine Hörgeräte zahlen würde, inklusive des Festbetrags der Krankenkasse. Sollte man die 50 Prozent des Preises nach Verlust seiner Geräte für den Kauf neuer einsetzen, habe aber auch das keinerlei Einfluss auf den Bonus, versichert Stamer.
Einfache Handhabung aber keine Provisionen
Was Kay Stamer außerdem hervorhebt, ist, dass die Hörgeräte Bonusversicherung wie eine Krankenversicherung zu verstehen ist und nicht wie eine Sachversicherung. »Bei uns steht nicht die Sache, in diesem Fall das Hörgerät, im Mittelpunkt, sondern der Mensch«, sagt Stamer. Die langjährige Erfahrung in der Hörakustik habe einfach dazu veranlasst, »eine Lösung für Hörgeräteträger zu entwickeln, die Sicherheit mit Wirtschaftlichkeit kombiniert. Unser Ziel ist es, den Menschen zu versichern, nicht bloß die Sache. Und so versichern wir das gute Hören von Morgen, also bei der Folgeversorgung, direkt mit«, ergänzt er.
Darüber hinaus habe man bei der Konzeption darauf geachtet, möglichst viel von dem bieten zu können, was Versicherungsnehmerinnen und -nehmern wichtig ist. Um hier ein Anforderungsprofil zu haben, führte man mit dem Produktmanagement der Nürnberger Versicherung eine Umfrage durch. »Da haben wir erfragt, was den Versicherten besonders wichtig ist«, so Stamer.
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Ganz oben auf der Ergebnisliste stand die Handhabung. Je einfacher, desto besser. Ebenso wichtig sei eine moderate Versicherungsprämie. Diese Information habe dann auch dazu geführt, die Idee wieder zu verwerfen, eine enger getaktete Bonuszahlung anzustreben, so dass man als Versicherter beispielsweise alle zwei oder drei Jahre Budget für neue Geräte bekommen hätte. »Da wäre die Prämie einfach zu hoch geworden«, sagt Kay Stamer. Was bei der Hörgeräte Bonusversicherung ebenfalls nicht geht, ist, bereits sich in Gebrauch befindliche Geräte nachträglich zu versichern.
Ein weiterer Unterschied zu anderen Versicherungen ist, dass die Hörgeräte Bonusversicherung keinerlei Provision für den Abschluss einer Versicherung bezahlt. Stattdessen zahle man nach sechs Jahren eben den Bonus an die Kunden, so Stamer. Dass Betriebe über die Provisionen nach weiterem Einkommen streben, hält er für zu kurz gedacht. Selbst, wenn die Provision für eine abgeschlossene Versicherung bei 80 Euro liege und es gelinge, 50 Kunden im Jahr für eine Versicherung zu gewinnen – 50 Kunden, die sehr wahrscheinlich für ihre Wiederversorgung zurückkehren, seien für den Betrieb einfach wertvoller, so Stamer. Zumal die, wenn sie sich ähnlich verhalten wie die mit der BrillenBonusVersicherung Versicherten, bei ihrer zweiten Versorgung vielleicht eher einen höheren Eigenanteil für noch mehr Komfort zu zahlen bereit sind.
Wie sich die 800 Euro Bonus nach sechs Jahren auf diese Entscheidungen tatsächlich auswirken, lässt sich aktuell freilich nicht sagen. Dafür ist das Angebot noch zu jung. Bliebe alles so, wie es heute ist, hätten gesetzlich Versicherte jedenfalls den Festbetrag ihrer Krankenkasse sowie den Bonus der Versicherung für ihre neuen Geräte zur Verfügung. Sollte sich an den Festbeträgen etwas ändern, beeinflusse das den Bonus der Versicherung allerdings auch nicht.
Und noch etwas hebt Kay Stamer hervor. Sollte eine Person aus medizinischer Sicht schon nach vier oder fünf Jahren neu versorgt werden müssen, bekäme sie auch dann den Bonus der Versicherung zur Verfügung gestellt. Verstirbt ein Versicherter, bekommen Angehörige oder andere allerdings keinen Zugriff auf den Bonus. »Dann ist das Geld weg«, stellt Kay Stamer klar.
How to
Möchte man als Akustikbetrieb die Hörgeräte Bonusversicherung anbieten, benötigt man eine sogenannte Vermittlernummer der Nürnberger Versicherung. Damit wird die Partnerschaft BAFIN-konform gemacht und auf seriöse Beine gestellt. Zudem sorgt die dafür, dass der Hörakustikbetrieb nicht regresspflichtig ist. »Das ist ein kleiner behördlicher Akt, der etwa drei bis vier Wochen dauert«, erklärt Kay Stamer. Anschließend erhält man eine Einweisung, mehr braucht es nicht. Die Zusammenarbeit mit der HörgeräteBonusversicherung selbst laufe dann »komplett ohne Papier«, so Stamer. Alles lässt sich über einen Browser per Computer, Laptop, Tablet oder Smartphone abwickeln. »Die Rechnung für eine Reparaturleistung zum Beispiel fotografiert man einfach und schickt sie an die Versicherung, alles weitere folgt automatisch«, sagt Stamer. So brauche eine Schadensmeldung lediglich ein, bis zwei Minuten, mehr nicht.
Eine Schnittstelle zur ERP-Software ist hier seitens der Nürnberger Versicherung aus DSGVO-Gründen im Übrigen nicht erwünscht. Ohnehin sei die Erfassung umfänglicher Daten für den Abschluss der Hörgerätebonus Versicherung nicht nötig. Schließlich hat man ja nur dieses eine Angebot für 15,90,- Euro. Zudem möchte man die Versicherungsnehmer nicht mit Angeboten für weitere Versicherungen überziehen. Daher muss ein Kunde ausdrücklich zustimmen, wünscht er Informationen zu weiteren Angeboten. Und so braucht es zum Abschluss lediglich die Stammdaten, also den Namen, die Anschrift, das Geburtsdatum, die Seriennummer der Hörgeräte sowie das SEPA-Lastschriftmandat. Mehr wird nicht erfasst. Hat man die Daten über den Browser eingegeben, löst man den Antrag aus. Den bekommt der potenzielle Versicherungsnehmer per Mail zugeschickt. Widerspricht der dem nicht binnen 14 Tagen, gilt der Antrag als angenommen. Wieder 14 Tage später bekommt der Versicherungsnehmer seine Versicherungspolice auf Papier zugeschickt, das war’s und der Versicherungsschutz sowie die Bonusbildung beginnen.