DIGITALES MAGAZIN
031 | Februar 2024
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Dirk Heinrich fürchtet Schließung zahlreicher Facharztpraxen

»Man muss heute sehr genau schauen, wo man sich niederlässt.«

GESUNDHEITSWESEN. Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchow-Bundes, forderte zu Beginn des neuen Jahres lautstark eine Entbudgetierung der fachärztlichen Grundversorgung und somit ein Ende der Honorardeckelung im Gesundheitswesen. Die sei nicht nur ungerecht, sondern führe mittlerweile dazu, dass riesengroße Versorgungslücken in Deutschland zu befürchten seien, meint Heinrich, der lange auch Vorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte war. Noch vor der Einigung der Hausärzte beim Krisengipfel am 9. Januar im Gesundheitsministerium sagte Heinrich, der die Interessen von rund 144.000 niedergelassenen Ärzten vertritt, u.a. im Deutschlandfunk: »Das größte Problem, das wir haben, ist die sogenannte Budgetierung, also die willkürliche Begrenzung der Mittel, die für die Erbringung der Leistungen für unsere Patienten zur Verfügung stehen. Das trifft Hausärzte und Fachärzte gleichermaßen und das ist ein großes Manko. Denn das bedeutet zum Beispiel in Hamburg, dass sie als HNO-Arzt die letzten drei Wochen im Quartal arbeiten, ohne einen Cent dafür zu bekommen.«

Dies führe etwa dazu, dass Patienten sich Monatelang auf Wartelisten befinden würden. Inzwischen sei die Situation derart angespannt, dass sich der Aufwand für viele Praxen nicht mehr lohne. So sei absolut nicht nachvollziehbar, weshalb ein Hausarzt in Hamburg nur 70 Prozent seiner Leistungen vergütet bekommt, in Bayern aber 100 Prozent. Entsprechend müssten Hamburger oder Berliner Patienten länger auf Termine warten als in Bayern. »Man muss heute sehr genau schauen, wo man sich niederlässt. Denn die Bedingungen sind tatsächlich sehr rau geworden. Wir merken deutlich, dass wir keinen Nachwuchs mehr in den Stadtvierteln bekommen, in denen man eben keine Ausgleichsmöglichkeiten hat, wie zum Beispiel Privatpatienten oder Selbstzahler«, so Heinrich im DLF. Eine Grundversorgung der Bevölkerung könne aber nur sichergestellt werden, wenn Bedingungen vorhanden seien, dass sich möglichst viele junge Kolleginnen und Kollegen niederlassen wollen. Denn auch Mediziner, die sich selbst mit 62 Jahren dem Rentenalter erst näherten, spielten vermehrt mit dem Gedanken einer verfrühten Praxisaufgabe. »Wir müssen jeden Arzt und jede Ärztin, die heute in der Versorgung tätig ist, im Job halten. Wir müssen die Praxen offenhalten. Deswegen müssen auch diese historisch bedingten Unterschiede aufgehoben werden. Ansonsten werden die Patienten, weil wir den Nachwuchs nicht in dem Maße haben, vielerorts vor verschlossenen Türen stehen, und dann für immer.« Zu einer Einigung mit den Fachärzten kam es beim Krisengipfel am 9. Januar jedoch erstmal nicht.