Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt, BestAkustik
»Dynamik, Austausch, Partnerschaft« – der BestAkustik Summit
Am 18. November fand im Frankfurter Scandic Hotel der erste BestAkustik Summit statt. Rund 150 Teilnehmer der BestAkustik-Mitgliedsbetriebe wollten sich die Premiere nicht entgehen lassen.
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Premieren sind immer etwas Besonderes. Man vergisst sie nicht so schnell. Folglich spürte man an diesem Samstagnachmittag im Frankfurter Scandic Hotel, dass sich die Kaufbeurer Geschäftsstelle viel für den ersten BestAkustik Summit vorgenommen hatte. Man wollte in erster Linie Dynamik ausstrahlen, in den »echten« Austausch mit den Mitgliedern kommen und die Partnerschaftlichkeit fördern (siehe Interview ab Seite 24). Hätte man nicht gewusst, dass die BestAkustik vor knapp zwei Jahren erst die Rechtsnachfolge der Einkaufsgemeinschaft Dialog antrat, man wäre kaum auf den Gedanken gekommen, dass sich die Mitglieder erstmalig zu einem Summit treffen. Auch, weil wie andernorts, die Mitglieder einen kurzweiligen Mix verschiedener Vorträge, eine Industriemesse und einem Abendprogramm erhielten, das zu überzeugen wusste.
Entsprechend beschwingt, aber dennoch mit einer kurzen Ansprache traten die BestAkustik-Geschäftsführer Florian Lohmeir und Thomas Maisch auf die Bühne und stellten sogleich einen interessanten Vergleich an. »Was haben erfolgreiche Hörakustiker und Rockmusiker gemeinsam? Sie liefern eine gute Show ab, weil sie ihr Handwerk beherrschen«.
Wie einen Rockstar feierten die BestAkustik-Mitglieder dann auch den ersten Redner des Tages: Jakob Stephan Baschab. Dass der biha-Hauptgeschäftsführer die volle Klaviatur beherrscht, um die Hörakustikbranche gegenüber Krankenkassen und den Bestrebungen in der Gesundheitspolitik zu positionieren, ist allgemeinhin bekannt. Mit seinen Erläuterungen, die als Erweiterung zur biha-Hauptversammlungsrede verstanden werden konnten, lieferte der Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung Einblicke zur aktuellen politischen Debatte um Hilfsmittel sowie in die anhaltenden Gesprächen mit den Krankenkassen, insbesondere mit dem vdek. Er stellte aber ebenso eine neue biha-Initiative vor. Angesichts des wachsenden Azubi- wie Fachkräftemangels sollen Hörberater unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit erhalten, zur Gesellenprüfung zugelassen zu werden. »Die Ausbildungszahlen gehen runter – gegenüber den Jahren 2019 und davor haben wir große Einbußen. Natürlich kommt noch dazu, dass wir auch einer Demografie unterliegen und mehr Ältere aus dem Beruf herausgehen und gleichzeitig immer mehr Fachgeschäfte dazukommen, weil wir immer mehr Kunden haben«, so Baschab. Man werde daher ab nächstem Jahr eine Ausbildung ohne Berufsschule anbieten. Voraussetzung sei, dass man einen Hörberater über viereinhalb Jahre beschäftigt habe. »Wenn Sie wollen, können Sie die Ausbildung zu 100 Prozent bei sich im Geschäft machen. Wir werden geeignete Kandidaten zur Gesellenprüfung vorbereiten und diese zur Gesellenprüfung zulassen. Ohne Berufsschule und ohne Azubi-Vertrag. Das bedeutet aber nicht, dass nichts abverlangt wird«, klärte Baschab weiter auf. Denn der Berufsschulunterricht in Präsenz soll mit Online-Theorieunterricht aufgefangen werden.
Im Anschluss daran ging es in die Fachbeiträge, die von Vertretern aus Industrie gehalten wurden. Ob A wie Anpassung, B wie Bluetooth LE Audio, F wie Filterbanken, G wie Garantievermarktung, M wie Marketing-Trends für Hörakustiker oder N wie neuronale Netzwerke – für jeden Geschmack war etwas dabei. Mit Horst Warncke (Oticon), Michael Luikenga (Audio Service/Rexton), Yaser Georgos (GN Hearing), Simon Müller (Widex) sowie Sascha Haag (Signia) hatte die BestAkustik gleich fünf audiologische Leiter zu Gast. Als erster bot Horst Warncke den Summit-Teilnehmern einen Einblick in KI-Systeme. Der Vorteil sei natürlich, dass sie superschnell und präzise seien. An Beispielen wie autonomes Fahren oder ChatGPT erkenne man jedoch, dass solche Systeme nur so gut sind, wie sie trainiert werden. Das sei aber vom Menschen abhängig. Entsprechend zeigt Warncke auf, wie das Deep Neural Network (DNN) seit Jahren bei Oticon im dänischen Erikshom trainiert wird.
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Danach präsentierte Michael Luikenga die Hörsysteme von Rexton, die vor eineinhalb Jahren in der BestAkustik eingeführt worden ist, und bei den Mitgliedern gut ankommen. Schon jetzt setzt die Hälfte aller Mitgliedsbetriebe auf die Traditionsmarke aus dem WSA-Konzern. »Für den Erfolg sprechen viele Gründe, einer davon ist das Vorteils-Trio aus Technik, Robustheit und Zuverlässigkeit«, sagt Luikenga. Wie das in der Realität aussieht, wurde an Rexton RUGGED gezeigt. Seit März 2023 auf dem Markt, wurde es einem weltweiten Hardcore-Test unterzogen. Auf dem Summit wurden die ersten Ergebnisse präsentiert.
Simon Müller beschäftigte sich mit der Frage, warum die Verarbeitungsgeschwindigkeit in Hörsystemen zählt. Da es bei Filterbanken mit dem Zeit- und den Frequenzbereich gleich zwei Design-Ansätze gibt, müsse man als Hörsystemhersteller eine Entscheidung treffen. Während viele den Frequenzbereich wählten, setze Widex bei PureSound auf den Zeitbereich, was Müller zufolge den Vorteil habe, dass bessere zeitliche Auflösung in höheren Frequenzen sowie kürzere Durchlaufzeiten über alle Frequenzen hinweg erreicht werden könnten.
Beim Vortrag von Yaser Georgos konnten sich die Summit-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer ein Bild davon machen, was unter Bluetooth LE Audio und Auracast verstanden werden darf. Dabei zeigte sich der Audiologe in Frankfurt erneut davon überzeugt, dass die auf dem EUHA-Kongress vorgestellte Neuheit der bevorzugte Audiostandard in den kommenden 20 Jahren darstellen wird. Sascha Haag ging in seinem Vortrag »The Power of Conversation« in bewährter Manier auf die von Signia im September gelaunchte Plattform Integrated Xperience ein und erläuterte die Vorteile des Multibeamformers, hinter dem ein dreistufiger Prozess zur Gesprächsverbesserung in Echtzeit steckt.
Neben Informationen von Wertgarantie-Regionalleiter Stefanos Kouroupis zur Absicherung von Hörsystemen sowie einem Vortrag zu Marketing-Trends durch den Geschäftsführer Bastian Schnuchel der Marktingagentur to.eyes rundete Matthias Parr, Schulungsleiter und Messtechik-Spezialist bei Acousticon, den BestAkustik Summit ab. Wie üblich machte er keinen Hehl daraus, dass eine Anpassung von Hörsystemen so geschlossen wie möglich und so offen wie nötig erfolgen sollte. Vor allem im High-End-Bereich. Denn je offener diese gestaltet werde, desto mehr würde High-End zur Mittelklasse. Damit man die Vorteile von High-End-Produkten vollkommen ausschöpfen könne, seien Parr zufolge anständige Ohrpassstücke unumgänglich. Damit die Entscheidung für die Otoplastik leichter falle, zeigte Parr anhand von vier Themen nicht nur auf, welche Vorteile eine Otoplastik mit sich bringt, sondern auch, wie man Fehler einfach vermeide.
Nicht zuletzt bot der BestAkustik Summit eine Bühne für eine kleine, aber feine Messe mit ausgewählten Industriepartnern. Dort konnten sich die Mitglieder der Leistungsgemeinschaft nicht nur über potenzielle Lieferanten für das eigene Geschäft informieren, sondern auch das erweiterte BestAkustik-Portfolio entdecken. Hierzu gehörten das Cross Selling Konzept DEIN BASSS, das Erlebnis-Tool Würfelboard sowie die Ausbildungsinitiative »Lea« für die Azubi-Gewinnung.
Bei den Mitgliedern selbst kam der BestAkustik Summit sehr gut an. Christopher Nieschk und Sophia Ellwein von Optik und Akustik Ellwein erklärten auf der Abendveranstaltung beispielsweise: »Tolle Veranstaltung mit einem beachtlichen Programm. Uns war auch der Austausch sehr wichtig. Dieser fand auf allen Ebenen statt. Besonders positiv ist uns dabei der lockere Umgang unter allen Teilnehmern aufgefallen. Auch die Teilnehmer aus der Industrie waren sehr nahbar, so dass wir ganz leicht Gesprächszugang fanden. Das trug mit Sicherheit auch zu der guten und lockeren Stimmung bei.«