DIGITALES MAGAZIN
034 | Mai 2024
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Jan H. Wrocklage über den Veränderungsprozess in der Pro Akustik

Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt

»Der wechselseitige Austausch ist tief in unserer Unternehmenskultur verankert«

Es gibt kaum eine andere Leistungsgemeinschaft, die in den vergangenen drei Jahren einen vergleichbaren Veränderungsprozess durchlebt hat. Dass es einen »Change« benötigen würde, kündigte Jan Wrocklage, Geschäftsführer der Pro Akustik, bereits in OMNIdirekt #02 an. Doch wie zeigt sich dieser nach drei Jahren? Ein Gespräch.

Bequem vorlesen lassen:


Herr Wrocklage, der Pro Akustik Kongress 2024 ist soeben zu Ende gegangen. Zufrieden? 

Ich bin außerordentlich zufrieden mit Planung und Verlauf unseres Pro-Akustik-Kongresses in Königstein. Er war ein Meilenstein für uns und ein Beweis dafür, dass der Pro-Akustik-Kongress in seiner Entwicklung einen signifikanten Schritt nach vorne gemacht hat. Denn nach dem großen Erfolg im Vorjahr haben wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausgeruht, sondern unser Konzept verfeinert, immer getreu dem Motto: Das Bessere ist der Feind des Guten. Rückmeldungen und Wünsche unserer Mitglieder standen ebenso im Zentrum unserer Überlegungen wie auch zukünftige Anforderungen, um den Kongress in den Bereichen der inhaltlich-fachlichen Vertiefung, der Digitalisierung und sogar der Nachhaltigkeit noch attraktiver zu gestalten.

Das bedeutet, wie ich erleben durfte, dass Sie insbesondere die traditionelle Ausbildertagung neu konzipiert haben.

Richtig, wir haben eine Fachtagung Personalentwicklung konzipiert, und dies ist ein weiteres Beispiel für den internen KVP, also den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Wir haben Formate entwickelt, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch den Austausch und die Entwicklung unserer Mitarbeitenden fördern. Unsere Zielsetzung, das Leistungsniveau in der ganzen Organisation weiter anzuheben, spiegelt sich auch in der thematischen Ausrichtung wider. Themen wie Stress-Resilienz, Leadership und Vertriebsaffinität sind heute essenzielle Anforderungen an unsere Fachkräfte.

Darüber hinaus hat sich gegenüber früheren Kongressen aber noch mehr verändert. Weshalb waren die Veränderungen notwendig?

Die Neugestaltung unseres Kongresses beruht auf der Notwendigkeit, unseren Exzellenz-Ansatz konsequent zu verfolgen, trotz Budget- und Preisdruck. Eine weitere wesentliche Neuerung ist die Location. Erstmals nutzten wir eine Bildungseinrichtung mit Übernachtungsmöglichkeit. Damit war es möglich, optimal angepasste Räume für Workshops einzuplanen. Dies fördert Lernerfolg und Kreativität gleichermaßen. Zudem haben wir im Teilnehmermanagement die customer experience verbessert und durch einen »Wegfinder« in unserer Kongress-App eine optimale Orientierung auf dem Gelände und zwischen den Räumen ermöglicht. Zusätzlich haben wir mit einem nachhaltigen Ernährungskonzept den Bereich »corporate responsibility« berücksichtigt. Da der wechselseitige Austausch tief in unserer Unternehmenskultur verankert ist, haben wir den Kongress erstmalig um eine Inhouse-Messe erweitert, bei der wir mit unseren interessierten Partnern der Industrie eine passende Plattform gefunden haben, die den Teilnehmenden einen qualitativ hochwertigen Direktaustausch mit den Herstellern ermöglicht, der so anderswo nicht möglich ist. Diese strategischen Anpassungen gewährleisten, dass unser Kongress den heutigen Anforderungen entspricht und eine lernfördernde Umgebung schafft. Sie markieren einen Wendepunkt, der unseren Kongress unvergesslich macht und vielleicht die Branchenstandards nach oben verschiebt. Die Evolution unseres Kongressformats ist also das Resultat eines dynamischen Zusammenspiels verschiedener Erfolgsfaktoren, angetrieben durch das unbedingte Streben nach Exzellenz – und das vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die durch Preissteigerungen und budgetäre Einschränkungen entstehen. Die Anpassung unseres Formats war daher nicht nur vor dem Hintergrund einer klientenzentrierten Sichtweise wünschenswert, sondern auch notwendig.

Wie Sie wissen, haben auch wir uns in der Redaktion ausführlich mit Prof. Dr. Druyen beschäftigt. Was hat Sie dazu bewegt, ihn den Abschlussvortrag halten zu lassen?

Prof. Dr. Druyens Einladung war eine bewusste Entscheidung, da angestoßene Veränderungen oft auf organisationalen Widerstand stoßen. Trotz des Erfolgs der Pro Akustiker erinnern wir uns an die Negativ-Beispiele z.B. von den Versandhäusern Quelle und Neckermann, die notwendige Anpassungen verpassten und dann irgendwann verschwanden. Unsere Unternehmenszentrale hat ihr Mitgliederangebot umfassend erweitert, doch echter Fortschritt erfordert mehr als nur Ergänzungen; er verlangt eine Zukunftsvision. Unsere Mitglieder sind eigenständige Unternehmer, die selbst entscheiden, was sie umsetzen. Prof. Dr Druyen bot die perfekte Mischung aus Expertise und Charme, um uns zu motivieren, agil zu bleiben und vorausschauend zu handeln. Sein externer Blick half, die Notwendigkeit des Wandels zu unterstreichen und den »Weg der Pro Akustik« für zukünftige Herausforderungen gemeinsam zu beschreiten und sich für die Zukunft und zu rüsten.

Was heißt denn für Sie, sich auf die Zukunft vorzubereiten? Im Vorgespräch erzählten Sie, dass Sie eine Fortbildung zum KI-Manager gemacht haben.

Sich auf die Zukunft vorzubereiten, heißt für mich, lebenslang zu lernen, sich den Entwicklungen anzupassen und proaktiv zu agieren. Als Verfechter des lebenslangen Lernens habe ich mich diesmal im Bereich KI weitergebildet, da künstliche Intelligenz in allen sieben Feldern des Dienstleistungsmarketing, der 7Ps, Anwendung findet. Die Herausforderung besteht darin, bestehende Geschäftsmodelle zu pflegen, während wir in innovative Ansätze investieren und Veränderungsprozesse anstoßen, die effizienter und fehlertoleranter sind. Digitale Transformation und KI spielen dabei eine Schlüsselrolle, da diese die Arbeitsweisen und Kundeninteraktionen grundlegend verändern können. Es ist mein tiefes Verständnis von meiner eigenen Rolle, dass wir Entwicklungen nicht nur folgen, sondern diese antizipieren. So gewährleisten wir, dass wir bereits (erfolgserprobte) Lösungen für unsere Mitglieder bereithalten, bevor sich abzeichnende Trends zu Marktrealitäten verdichten.

Was bedeutet das für die Pro Akustik selbst?

In erster Linie, dass Weitsicht und Flexibilität noch mehr in den Fokus gerückt und Innovation, Agilität, Partnerschaften sowie eine kundenorientierte Ausrichtung strategisch verankern werden. Als einer der Branchenvorreiter liegt unser Augenmerk auf einer ganzheitlichen Unternehmensstrategie, die KI integriert und durch strategische Planung, optimale Ressourcenallokation sowie Führungs- und Changemanagement-Prinzipien unterstützt wird. Kontinuierliches Feedback und Anpassungen gewährleisten, dass wir am Puls der Zeit bleiben. In diesem Prozess agiere ich gerne als Impulsgeber, der Innovationen testet, pilotiert und skaliert und dann deutschlandweit ausrollt. 

Nehmen denn die Pro Akustiker all diese Neuheiten und Erneuerungen auf?

Die gestiegenen Anmeldezahlen bestätigen unseren Kurs: Die fast 400 Teilnehmenden am Wochenende zeugen von einem lebhaften Interesse und Engagement unserer Mitglieder. Es bestätigt unsere Überzeugung, dass wir mit unserer Agenda nicht nur den Nerv der Zeit treffen, sondern auch zukunftsweisende Impulse setzen. Der Pro Akustik Kongress 2024 war somit mehr als nur eine Veranstaltung – er war ein klares Statement für Fortschritt, Qualität und Gemeinschaft innerhalb unserer Branche. Wir blicken stolz auf das Erreichte und sind motiviert, den eingeschlagenen Weg mit noch mehr Innovationskraft und Engagement weiterzugehen.

Dennoch klagen allgemeinhin viele Betriebe im Land, wie schwierig es ist, neues Personal zu gewinnen. Welche Rückmeldungen erhalten Sie hierzu von Ihren Mitgliedern?

Die klassischen Methoden, z.B. eine einfache Personalanzeige in »der einen« Tageszeitung, haben in manchen, sehr ländlichen Regionen vielleicht ab und an noch ihre Berechtigung. Der Regelfall sieht allerdings deutlich anders aus. Wir haben die Rückmeldungen und Hilferufe unserer Mitglieder ernst genommen. 

Jede Problemstellung ist für uns eine Aufforderung, dafür eine Lösung zu finden. Wir haben unser Portfolio um ein professionelles Recruiting-Angebot erweitert: Wir geben die richtigen Inhalte zum richtigen Zeitpunkt über die richtigen Kanäle an die angezielten potenziellen Bewerbergruppen und gehen sogar noch darüber hinaus: Wir haben die Konversionsraten im Gesamtprozess untersucht und bieten nun weitergehende Unterstützung an: Bewerber-Erstansprache, Terminierung Bewerbungsgespräch in den Kalendern der Mitglieder bis hin zum Onboarding. Überall, wo Bewerber:innen abzuspringen drohen, steuern wir nach und unterstützen unsere Mitglieder, die im Alltagsgeschäft nicht so schnell reagieren können, wie die Mitarbeiter:innen der Generationen Z und Alpha es aus ihrer Lebenswirklichkeit gewohnt sind. Wir können dies jetzt aber leisten. Mit sehr gutem Erfolg! 

Wie viele Mitglieder umfasst die Pro Akustik denn derzeit? Und gleich hintenan: Wie schwierig ist es heutzutage, neue Mitglieder zu gewinnen?

Wir haben wieder über 200 Standorte! Das ist nach einigen Verkäufen im letzten Jahr eine erfreuliche Nachricht, denn der Trend geht wieder in die richtige Richtung. Die letzten drei Jahre habe ich viele Veränderungs- und Professionialisierungsprozesse angestoßen und genau das macht die Pro Akustik im Markt noch attraktiver. Insbesondere das Leistungsportfolio mit neuen Lösungen für die Mitglieder und die professionellen internen Strukturen der Zentrale wurden auf ein ganz neues und zum Teil auch einzigartiges Niveau gehoben. Damit entwickeln sich unsere Mitglieder zu überzeugten Markenbotschaftern der Pro Akustik und unsere Leistungen sprechen sich mittlerweile auch in der Branche herum. Ich halte ein leistungsbezogenes Vorgehen für zielführender als aggressive B2B-Vertriebsmethoden. Mich treibt die Motivation, es einfach besser zu machen, das allein erzeugt schon eine gewisse »Magnetwirkung«.

Worin besteht also die Herausforderung?

Wie so oft geht es um die gewisse Einzigartigkeit im Markt, und diese sollte im Idealfall für die potentiellen Mitglieder eine wichtige und passende Facette sein. Sehr gute Konditionen sind da nur ein Hygiene-Faktor. Ich kenne alle unsere Mitglieder persönlich, auch wenn ich es immer noch nicht geschafft habe, alle unsere Standorte in Deutschland zu besuchen, Insofern passt unsere im letzten Jahr entwickelte B2C-Kampagne auch zur Unternehmenszentrale: Wir sind vielleicht die persönlichste Leistungsgemeinschaft in Deutschland. Doch am Ende zählt eben die Positionierung innerhalb der Branche und vielleicht auch ein gewisser cultural fit. Hinzu kommt der Community-Gedanke, der wechselseitige persönliche Austausch, die Möglichkeit, an geprüften erfolgreichen Konzepten zu partizipieren. Ich bin überzeugt, dass das eine weitere Besonderheit ist, über die sich neue Mitglieder ganz besonders freuen. Denn so kann man sich sehr schnell und umfassend professionalisieren. Die weg- und zukunftsweisenden Lösungen zu entwickeln und für die eigenen Mitglieder anzubieten, das ist aus meiner Sicht die wichtigste Herausforderung. Nicht zuletzt bin ich mit einigen Gemeinschaften in einem sehr guten und konstruktiven Austausch. Ich bin viel mehr für ein Miteinander als für ein Gegeneinander. Am Ende wird sich jede/r Akustiker:in nur für eine Gemeinschaft entscheiden, wenn sie / er vom Gesamtkonzept überzeugt ist und die Gemeinschaft zu ihr oder ihm passt.

Herr Wrocklage, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.