DIGITALES MAGAZIN
036 | Juli 2024
10/25

Eine Legende verlässt das Gelände

Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt, SMARI

Eine Legende verlässt das Gelände

Der 35. Geburtstag der Meditrend eG stand nicht nur im Zeichen der Feierlichkeiten rund um das Jubiläum. Im Rahmen der ebenso stattgefundenen 13. Generalversammlung wurden auch die Bilanzen des jüngsten Geschäftsjahres, ein neuer Vorstand sowie der SoniTon-Relaunch vorgestellt. Und dann schwebte über allem noch die Verabschiedung von Ursula Sombetzki-Günter und Jörg Bergmann. Davon unberührt zu bleiben, dürfte selbst Außenstehenden schwergefallen sein. 

Der große Konferenzsaal im Webers Hotel ist gut gefüllt an diesem Samstagmittag. Rund 150 Mitglieder der Meditrend verfolgen die Geschehnisse auf der Bühne. Eben begann der zweite Teil der 13. Generalversammlung. Während des ersten musste man als Vertreter der Medien noch draußen im Foyer dieses großen Hotels im Essener Ruhrturm warten. Beim zweiten Teil darf man dabei sein. »Die Zahlen sind vorbei, jetzt kommen die tollen neuen Sachen«, sagt Janine Otto zum Auftakt. Die während des ersten Teils vorgestellte neue Vorständin der Meditrend eG übernimmt direkt die Moderation des zweiten Teils, der gespickt sein wird mit eben jenen »tollen neuen Sachen« – sowie mit der Verabschiedung von Mrs. Meditrend, dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Ursula Sombetzki-Günter und ihrem Vorstandskollegen Jörg Bergmann, der ebenso lange bei der Gemeinschaft wirkte und heute seine ehrenamtliche Arbeit niederlegen wird. Aber alles der Reihe nach.

Noch mehr Schub

»Der zweite Teil ließe sich auch überschreiben mit: Wir werden oft kopiert, aber niemals erreicht«, setzt Janine Otto an. »Das ist genau das, womit die Meditrend besticht. Wir sind immer Minimum einen Schritt voraus.« Sie meint damit zum Beispiel SoniMatik, eine von der Meditrend eG gegründete GmbH, die als Ziel die Konzeption, Realisation, Vertrieb und Betreuung von Dienstleistungen und Diensten der Kommunikations-, Informations- und Internettechnologie sowie die Tätigkeit als Serviceprovider ausgegeben hat. Geschäftsführer sind Eduard Breitenbach, der das Meditrend-eigene Netzwerk McEmm entwickelt hat, sowie Ulrich Steinle, der die Gemeinschaft in IT-Fragen begleitet. Über die Ausgründung möchte man den Mitgliedern künftig »ein riesiges Portfolio« an Leistungen im digitalen Bereich anbieten, so Janine Otto. »Da gibt es gigantisch viele Möglichkeiten.« Damit dürfte die Meditrend ein weiteres Mal zeigen, dass sie bei der Entwicklung ihrer Angebote auch daran denkt, was morgen und übermorgen vonnöten sein könnte.

Dass man trotz des Vorausdenkens die Vergangenheit nicht ausblendet, zeigt in Essen ein kurzer Film, der nun eingespielt wird – eine »Draufsicht auf das, was die Meditrend schon erreicht hat und weswegen sie so erfolgreich ist«, sagt Janine Otto. In schneller Abfolge werden die Meilensteine der 1989 zunächst als Meditrend Vertriebs GmbH gegründeten Gemeinschaft, die sich 2011 zur Genossenschaft transformierte, gezeigt. Der Film ließe sich auch als Rückblick auf die Verdienste von Ursula Sombetzki-Günter sehen. Oder zumindest als Rückblick auf einige der Projekte, an denen sie mitgearbeitet hat. Zumal sie, kaum ist der Einspieler vorbei, auf der Bühne steht.  

»Wir kommen wieder zu unserem Eigenlabel, der Erfolgsgeschichte schlechthin«, sagt Janine Otto. »Und wer kann besser über unser Eigenlabel sprechen als Frau SoniTon herself?« Unter dem Applaus und Jubel der Mitglieder übergibt sie das Wort an Ursula Sombetzki-Günter. Doch zunächst wieder ein Film, in dem die neuen SoniTon-Hörwelten vorgestellt werden, differenziert durch frische Farben, die im Übrigen keinerlei Aufschluss darüber geben, welcher Hersteller hinter welcher Hörwelt steht, und mit neuen Keypeople für das entsprechende Marketing. Die Meditrend-Mitglieder quittieren die Präsentation mit Begeisterung. Natürlich, sagt Ursula Sombetzki-Günter, waren die Hörwelten auch vorher schon »top«. Nur ist SoniTon »so erfolgreich geworden«, dass man dem Private Label noch mehr Schub geben möchte. Aus dem Erfolg heraus lässt sich eben noch mehr Erfolg machen. 

So hat man zunächst den SoniTon-Claim aktualisiert. »Für alle Töne des Lebens« lautet der nun. Außerdem hat man eine Neuaufteilung der Hörwelten vorgenommen. Damit sind die Hörwelten Design, Comfort und Energy nun alle in der Hörwelt Comfort zusammengefasst. »Es geht ja auch immer darum, Dinge zu vereinfachen«, so Janine Otto mit Blick auf die Hörwelten. Demnach bestückt jetzt jeweils nur ein Hersteller eine Hörwelt – »Personal«, »Comfort«, »Swiss«, »Up« sowie die neu hinzugekommene Hörwelt »Next«, die sich in einem kräftigen Grün präsentiert. Zudem hat man die Zubehör-Linie von SoniTon unter dem Obergriff »More« zusammengefasst. 

Um es einheitlich zu halten, wurden die Hörwelten durchweg vom Team der Meditrend gestaltet – vom Design und dem Erscheinungsbild bis zu den dazugehörigen Informationstexten. Damit steht den Mitgliedsbetrieben für die Präsentation des Private Labels in ihren Geschäften alles aus einem Guss bereit, so dass sich SoniTon »einfach, simpel und gut« darstellen lassen, wie Janine Otto sagt. Als »wirklich besonders« stellen Janine Otto und Ursula Sombetzki-Günter außerdem den neuen Beratungsfächer heraus. »Die Hörwelten sind in der Sprache so aufgebaut, dass zwischen ihnen klare Unterschiede erkennbar sind«, sagt Janine Otto mit Blick auf den Beratungsfächer. Und selbst wenn man nicht alle Hörwelten bei sich anbietet, lasse sich doch immer eine Lösung in einer der Hörwelten finden. Darüber hinaus hat man sich aber auch noch zwei Hörwelten offengelassen, die man gestalten könne, um künftige Entwicklungen ebenso mit abbilden zu können. Selbstredend steht für die Meditrend-Mitglieder mit jenem 27. April alles bereits, ganz, wie es sich für einen Launch gehört.

„Für alle Töne des Lebens“ – die neuen Looks von SoniTon, einem der Private Label der Meditrend eG:

Aller Abschied ist schwer

Nun bittet Janine Otto Maximilian Schwab auf die Bühne. Damit steht der neue Meditrend-Vorstand erstmals gemeinsam vor den Mitgliedern. Der Anlass allerdings ist kein einfacher. »Für mich ist das ein sehr emotionaler Moment«, sagt Maximilian Schwab. Man hört und sieht es ihm an. »Wir haben so lange und so intensiv zusammengearbeitet. Aber wir wissen auch seit vier Jahren, dass unser gemeinsamer beruflicher Lebensweg hier heute enden wird.« Maximilian Schwab muss durchatmen. In all den Jahren habe man es immer geschafft, so lange zu diskutieren, bis »wir eine Lösung hatten, mit der wir beide leben konnten«, so Schwab. Und dabei sei es immer fair, immer kollegial zugegangen. Aber heute ist der Tag, da das berühmte Dreamteam der Meditrend auseinandergehen wird. »Sie wird mich sehr vermissen und ich werde sie sehr vermissen. Vielen Dank für die Zeit!«, sagt Maximilian Schwab. In Worten lassen sich die Emotionen auf der Bühne wie auch im Saal kaum beschreiben. Sehr bewegend.

Auch für Janine Otto ist die Zusammenarbeit mit Ursula Sombetzki-Günter stets von Bedeutung gewesen. »Ist es nicht etwas ganz Besonderes, wenn es Menschen im eigenen Umfeld gibt, zu denen man aufschauen kann?«, fragt sie. Auch sie hält sich nun an einem Zettel fest, auf dem sie sich einige Notizen dazu gemacht hat, was sie sagen möchte. »Die passenden Worte zu finden, fällt auch mir gerade nicht so ganz leicht«, sagt sie, und greift auf ein Zitat von Daniel Defoe zurück. »Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aber aus dem Respekt«, zitiert sie den englischen Schriftsteller. »Respekt für das Geleistete, für das Sein, für das Tun und für alles, was dieser Mensch, zu dem man aufschauen darf, ist.« 

Sie erinnere sich noch gut daran, wie sie vor rund 20 Jahren als Mitarbeiterin eines Meditrend-Mitgliedsbetriebs an einem Seminar-Wochenende teilgenommen hatte. Zwar könne sie heute nicht mehr sagen, welche Themen da im Detail besprochen wurden, aber »was ich noch genau weiß, ist: An diesem Wochenende habe ich Ursula Sombetzki-Günter zum ersten Mal gesehen und in ihrem Element erlebt.« Die Kunst der Gesprächsführung im Verkauf, was auf dem Flipchart geschrieben stand, all das sei ihr noch heute so präsent wie damals. Als sie schließlich Inhaberin eines Fachgeschäfts und, natürlich möchte man fast sagen, Meditrend-Mitglied wurde, kam sie »mit dieser Aura und dieser Persönlichkeit« wieder in Kontakt. Erneut sei sie tief beeindruckt gewesen, so erzählt Janine Otto. Richtig begonnen habe diese Reise, als sie ihre Tätigkeit im Aufsichtsrat der Meditrend aufnehmen durfte. Denn ab da konnte sie Sombetzki-Günters Arbeit nicht nur genauer beobachten. Sie begannen auch zusammenzuarbeiten. »Ihre Ehrlichkeit, ihr Lenken, ihre Weisheit und ihre Scharfsinnigkeit, ihre Diplomatie und vieles mehr auch im Umgang mit Geschäftspartnern haben aus den anfänglich 12 Kollegen das gemacht, was die Meditrend heute ist«, so Janine Otto. Und dafür verspüre sie, wie vermutlich alle Mitglieder »großen Respekt und Dankbarkeit«. Dass sie mal so eng mit ihr zusammenarbeiten dürfte, daran habe sie übrigens »never ever« gedacht, erzählt Janine Otto. Und so kann sie heute auf eine »unglaublich wertvolle Zeit zurückblicken«. 

Mit den Worten von Janine Otto ist der Moment der offiziellen Verabschiedung immer nähergekommen. Unausweichlich nah. »Wir haben nun die große Ehre, mit dir gemeinsam die Weichen, die dich auf deinen neuen, besonderen Weg führen, zu betätigen«, sagt Janine Otto, die Ihren Dank sowie ihre Wertschätzung mit einem weiteren Zitat zum Ausdruck bringt. »Schmeicheleien kommen aus den Zähnen, wahre Wertschätzung kommt aus dem Herzen, deshalb lassen wir nun die Worte ruhen«, zitiert Janine Otto Dale Carnegie. Alle im Saal erheben sich und applaudieren. Und applaudieren.

Es ist Zeit

»Sie wissen, ich hasse das«, sagt Ursula Sombetzki-Günter, von den stehenden Ovationen sichtlich gerührt. All die warmen Worte, die eben über sie gesagt wurden, mag sie dann auch nicht so stehenlassen. »Bei allen tollen Eigenschaften, die du, Janine, aufgezählt hast: Fragen Sie meinen Mann, es gibt auch andere.« Die Leute lachen. Aber im Ernst. Eine schöne Zeit ist das gewesen, diese knapp 35 Jahre bei der Meditrend, so Sombetzki-Günter. Tolle Beziehungen sind entstanden, ich werden Sie alle vermissen, sagt sie. »Aber es ist Zeit für mich, die Meditrend zu verlassen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber ich weiß, hier geht es fantastisch weiter.« Dass sie ihre Amtszeit überdies mit »einem tollen Projekt abschließen konnte«, mache sie dankbar. Aber nun reiche es. Es ist an der Zeit für andere, die nun ans Ruder kommen, sagt sie. Die andere Hälfte des Dreamteams, Maximilian Schwab, bleibt der Meditrend ohnehin als Vorstand erhalten. Ihm zur Seite steht nun als zweite Vorständin Janine Otto. »Bitte schenken Sie denen das Vertrauen, das Sie mir geschenkt haben. Dann kann ich mir die Hörakustik aus der Ferne gut anschauen. Vielen Dank! Und lasset euch allen gut gehen. Für mich war es das!« Mit diesen Worten verlässt Ursula Sombetzki-Günter, die viele im Saal einfach nur USG nennen, die Bühne der Meditrend. Verabschiedet wird die Grande Dame der Meditrend mit großem Applaus der Mitglieder und Gäste. Zudem schenkt ihr das Meditrend-Team unter anderem eine Grafik des Künstlers Markus Lüpertz, mit der Sombetzki-Günter schon lange geliebäugelt hatte, sowie ein Buch, in dem die Geschäftsstelle in Münster viele, viele Eindrücke der Mitglieder, Wegbegleiter und Geschäftspartner gesammelt hat. Titel des Buches: »Eine Legende verlässt das Gelände«. Wobei: der gesellige Teil des Tages steht ja auch aus. Für den begeben sich die rund 200 Mitglieder und gezielt geladene Gäste ins Casino Zeche Zollverein, wo sie den 35. Geburtstag der Meditrend sowie das Wirken von Jörg Bergmann und Ursula Sombetzki-Günter feiern. Eine gebührende Verabschiedung.