DIGITALES MAGAZIN
037 | August 2024
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VARTA kämpft ums Überleben

»Wir sind zuversichtlich, dass unser Restrukturierungskonzept eine solide Basis für die zukünftige Stabilität und Perspektive der VARTA schafft.«

BATTERIEN. Die VARTA AG will sich mit einer Radikalkur retten und reichte am Sonntag, den 21. Juli, einen Antrag mit weitreichenden Folgen beim Amtsgericht Stuttgart ein. So will der wirtschaftlich angeschlagene Konzern, der in der Hörakustik für die Batteriemarken power one und Duracell bekannt ist, das Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz, kurz StaRUG, in Anspruch nehmen, um einen Schuldenschnitt zu erreichen. Der bietet laut offizieller Pressemitteilung verschiedene Optionen der Restrukturierung des Konzerns, auf dem ein Schuldenberg von etwa 500 Mio. Euro lastet. »VARTA wird die Schulden mit Hilfe des StaRUG Verfahrens auf eine angemessene Größenordnung bringen müssen, um wieder Schritte nach vorne machen zu können«, so Michael Giesswein, CRO der VARTA AG. »Die aktuelle Schuldensituation verbaut der VARTA-Gruppe absehbar die Chancen auf ein positive Geschäftsentwicklung. Ohne die Reduzierung unserer Schulden können wir notwendige Investitionen nicht tätigen«, wird Giesswein weiter zitiert.

Eine Entscheidung, die einem Verzweiflungsakt gleicht. In diesem Fall könnten sich Gläubiger zwar bereit erklären, einen Teil der Schulden zu erlassen. Allerdings ist der VARTA-Pressemitteilung ebenso zu entnehmen, dass dies einen hohen Preis zur Folge hätte. »Zu diesem Schritt wären die Gläubiger der VARTA zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nur bereit, wenn ein Kapitalschnitt auf null erfolgt (das bestehende Grundkapital wird auf null herabgesetzt) und frisches, für die Restrukturierung benötigtes Kapital (Fremdkapital oder Eigen- und Fremdkapital), eingebracht wird. Durch den Kapitalschnitt auf null werden die bestehenden Aktien ihren Wert verlieren und die Börsennotierung der VARTA AG zeitnah dauerhaft eingestellt. (Delisting)« In anderen Worten: Aktionäre der VARTA erleiden Totalverlust. Das meinte auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW) am Tag der Verkündigung: »Die Aktionäre werden kalt enteignet und sind draußen. Das Paradebeispiel ist Leonie, wo genau dasselbe passiert ist. Die Altaktionäre des Streubesitzes wurden herausgedrückt, haben ihre Eigentumsrechte verloren und es kamen die großen Altaktionäre bei der Kapitalerhöhung zum Zug. Es braucht gesetzliche Veränderungen.« 

Dabei hatte sich in den vergangenen Wochen noch ein Hoffnungsschimmer aufgetan. Porsche hatte sich bereit erklärt, die VARTA Tochter V4Drive, die Batterien für E-Autos herstellt, zu übernehmen. Laut Medienberichten soll Porsche sogar eine weitergehende Beteiligung an VARTA angedacht haben. Doch offenbar war das alles nicht genug. Nach dem angekündigten Aktienschnitt hofft VARTA Vorstandschef Michael Ostermann laut Medienmitteilung des Konzerns: »Wir sind zuversichtlich, dass unser Restrukturierungskonzept eine solide Basis für die zukünftige Stabilität und Perspektive der VARTA schafft.« Ob und wann die finanziellen Akkus wieder voll werden, weiß allerdings keiner ganz genau. Denn noch immer steht der Jahresabschlussbericht des schwäbischen Batterieherstellers aus. Zeit wird es, immerhin steht bei VARTA das Schicksal von 4.200 Beschäftigten auf dem Spiel.