DIGITALES MAGAZIN
041 | Dezember 2024
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»Die Wahrheit passiert am Ohr«

Von Dennis Kraus / Fotos: OMNIdirekt

»Die Wahrheit passiert am Ohr«

Worum es in Hannover am Messestand von Phonak gehen würde, lag auf der Hand. Hat der Hersteller mit dem Launch von Infinio und insbesondere dem Sphere Infinio doch einiges an Aufmerksamkeit erhalten. Daran will man in Fellbach weiter anknüpfen. 


Bei Phonak agiert man weiter selbstbewusst. Dass ein Hersteller so selbstverständlich seine Kunden zum Ausprobieren seiner neuen Geräte animiert, sieht man jedenfalls nicht aller Tage. »Es ist wichtig, dass die Leute selbst wahrnehmen, was da passiert«, sagt Steffen Kohl mit Blick auf das Audéo Sphere Infinio. Erste Rückmeldungen der eigenen Kundschaft, dass sie mit den neuen Geräten eine nochmals höhere Spontanakzeptanz bei ihren Kunden sehen, ermutigen natürlich ebenso. Genauso möchte man aber auch lernen, wie »die Akustiker mit den neuen Geräten umgehen und wie wir sie dabei weiter unterstützen können«, so Kohl, Leiter Marketing bei Phonak in Fellbach, weiter. Ein Thema könnte sein, einzelne Themenfelder wie ein Deep Neural Network in Hörsystemen noch besser zu erklären, meint Kohl. Zumal DNN und KI derzeit über alle Grenzen hinweg Buzzwords sind. Dazu kommt weiterhin eine gewisse Skepsis, was denn die KI da genau macht. Insofern liegt auch weiter die Frage auf dem Tisch, wie man das noch verständlicher machen kann. Wobei »die Wahrheit natürlich am Ohr passiert«, so Kohl. Aber natürlich werde man das Thema DNN »noch weiter mit Leben füllen und konsequent  aufzeigen, wie es den Nutzerinnen und Nutzern hilft. Ganz konkret an den Themen Sprachverstehen in geräuschvollen Umgebungen sowie Höranstrengung.«

Die Wirkweise des DNN lässt sich im Übrigen auch schon bei offenen Versorgungen erleben. Die Signalverarbeitung ist so schnell, dass es weder einen hörbaren Kammfiltereffekt gibt noch dass Artefakte auftreten, ergänzt Sven Kreher. Insofern könne man als Akustiker mit dem Kunden einfach mal für fünf Minuten aus dem Fachgeschäft raus ins Leben gehen und ihn erleben lassen, was die Geräte ihm bringen. So käme man auch aus dem reinen Erzählen heraus. »To test is the best«, sagt Sven Kreher. Die umfängliche Wirkweise des DNNs erlebe man freilich mit einer geschlossenen Anpassung, ergänzt er. »Aber wir haben noch viele Ideen,  die nur darauf warten umgesetzt zu werden, um den Nutzen zu demonstrieren«, so der Leiter Audiologie in Fellbach. Dafür hat Phonak in Kooperation mit Akustikern inzwischen auch verschiedene Studien gestartet. »Die bekommen ja das spannendste Feedback und können uns am besten sagen, wie wir etwas gestalten können, was sich simpel in den Alltag im Fachgeschäft integrieren lässt«, sagt Kreher. Was in dem Hype vielleicht etwas untergegangen ist: In einer ersten Ankündigung zum Start von Infinio hatte Phonak, neben den RIC-Systemen auf der neuen Plattform, auch die Virto-Variante angekündigt. Doch die IdO-Geräte mit der neuen Technik lassen noch auf sich warten. Wegen der »extrem hohen Nachfrage« habe man die RIC-Systeme priorisieren müssen, erklärt Sven Kreher. Die Virto-Geräte werden also noch folgen.

Bei all der Aufmerksamkeit für das Audéo Sphere Infinio »dürfen wir Infinio ohne Sphere nicht vergessen«, sagt Steffen Kohl. Es gibt auf der neuen Plattform ja auch Geräte ohne den das DNN in sich tragenden DEEPSONIC-Chip. »Auch hier haben wir die Spontanakzeptanz weiter steigern können. Wir haben über die APD 3.0 den audiophilen Klang dazubekommen. Das wird alles positiv wahrgenommen. Und auch die Reichweite und Stabilität der Bluetooth-Verbindungen haben wir deutlich gesteigert. Wir sprechen da von der doppelten Reichweite«, so Kohl. Mit der Parylene-Beschichtung, die bei den Geräten auf der Infinio-Plattform Standard ist und weit über die IP 68 hinausgeht, habe man außerdem die Zuverlässigkeit und Robustheit der Hörsysteme weiter steigern können.

Ob nun mit DNN oder ohne, ob Erstversorgte oder Wiederversorgte – mit der Infinio-Plattform sieht man bei Phonak große Chancen für die Akustikerinnen und Akustiker, ihre Kunden überzeugen zu können. Auch der Fachverband Deutscher Hörakustiker (FDH) sieht das so und ist auf Phonak zugekommen, um gemeinsam mit dem Hersteller in die Werbung zu gehen. So hat der FDH eine Landingpage aufgesetzt, auf der sich Mitglieder und Nicht-Mitglieder listen lassen können, wenn sie Infinio-Geräte anbieten. Die Mitglieder profitieren hier überdies von den Werbemitteln, die der Verband bereitstellt, um Leads zu generieren. »Wenn ein Verband wie der FDH auf uns zukommt, weil er in der Technologie einen so großen Nutzen für die Verbraucher sieht und das promoten möchte, dann ist das für uns schon eine Art Ritterschlag«, sagt Steffen Kohl. Der Freude wie auch dem Selbstbewusstsein mit Blick auf die neuen Produkte dürfte das keinen Abbruch tun.