DIGITALES MAGAZIN
043 | Februar 2025
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Nachhaltiges Wachstum: die HörPartner eröffnen mit ihrer Meisterin Sarah Schönegge ein Geschäft in Schöppenstedt

Von Martin Schaarschmidt (HörPartner) / Fotos: Schaarschmidt

Besser hören in Schöppenstedt

In Berlin-Brandenburg gehören sie schon lange zu den führenden Hörakustik-Anbietern der Region: Die HörPartner pflegen seit jeher gutes Hörakustikerhandwerk und eine sehr soziale Unternehmenskultur. Und sie setzen auf kontinuierliches Wachstum, unterhalten mit ihren mehr als 180 Mitarbeitern über 50 Geschäfte, davon auch einige in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg – und seit letztem Sommer im niedersächsischen Schöppenstedt. Wie es zur Eröffnung dieser neuen Filiale kam, verrät viel über ein Hörakustik-Unternehmen, das ganz bewusst eigene, oft auch unkonventionelle Wege geht.

Schöppenstedt ist ein beschauliches Städtchen im Landkreis Wolfenbüttel. Heute leben rund 5.500 Leute im Ort, und früher hatten die Schöppenstedter so einen gewissen Ruf: als Narren, so wie die Schildürger. Doch das verdankten sie vermutlich nur ihren Nachbarn, den Braunschweigern, die den Schöppenstedtern das Braurecht nicht gönnten. Und natürlich Till Eulenspiegel, der im nächsten Dorf zur Welt kam. Wer heute durch Schöppenstedt schlendert, begegnet Eulenspiegel überall. Das Eulenspiegel-Museum ist das touristische Highlight – neben St.-Stephanus-Kirche und Gemeindehaus ...

Sonst hat die Innenstadt nicht so viel zu bieten. Shoppen in Schöppenstedt? Da fährt man lieber zum Einkaufscenter in der Neuen Straße, wo die Supermärkte sind, ein Textildiscounter, ein Drogeriemarkt und seit kurzem sogar ein Hörakustikfachgeschäft, das die HörPartner eröffnet haben.

Ein heller Eingangsbereich mit Empfangstresen, Warte- und Multimedia-Ecke, der Werkstatttisch, der Pausenraum … – Hörakustikmeisterin Sarah Schönegge führt mich durch ihr neues Reich. Krönender Abschluss ist die Anpassraum: »Wir sprechen vom Hörstudio; das ist ein neues Designkonzept«, erläutert sie mir. »Wichtigste Neuerung ist, dass Kunde und Hörakustiker nebeneinandersitzen. Bislang kannte ich nur das klassische Setting, bei dem man vis-à-vis zum Kunden ist. Doch meine Erfahrung mit dem neuen Ansatz ist sehr positiv. Ich habe genug Platz, kann den Abstand zum Kunden flexibel gestalten. Wenn ich beide Bildschirme mitlaufen lasse, kann er die Einstellung seiner Hörkurve mitverfolgen.«

Sarah Schönegge: »Der Kunde soll zufrieden hier rausgehen.«

Im neuen Fachgeschäft bietet Sarah Schönegge Hörgeräte aller Couleur, auch Im-Ohr-Lösungen, Zubehör, Gehör- und Schwimmschutz … Zu ihren wichtigsten Leistungen gehört natürlich die gute Anpassung. »Mein Ziel ist, dass jeder Kunde am Ende zufrieden hier raus geht«, so Sarah Schönegge. »Er soll feststellen, dass er in Gruppen wieder gut kommunizieren kann, dass er den Fernseher wieder versteht, Windgeräusche weniger stören…«

Deshalb sind aus Sicht der jungen Hörakustikmeisterin zwei Dinge wichtig: »Zum einen muss die Technik objektiv gut eingestellt werden. Der Kunde muss den Input bekommen, den er braucht – nicht zu viel oder zu wenig. Doch ebenso wichtig ist seine subjektive Wahrnehmung. Die Hörgeräte müssen für ihn gut klingen, denn nur dann akzeptiert er sie. Also muss ich beide Seiten ausbalancieren. Und ich muss den Kunden motivieren. Er muss die Technik konsequent tragen, das neue Hören üben und zurückmelden, wenn etwas nicht perfekt ist.«

Für ihre Arbeit nutzt Sarah Schönegge die Technik, die in allen Filialen der HörPartner dazugehört: Insitu-Messung mit Perzentilanalyse, Messbox und Video-Otoskop, diverse Hör- und Sprachtests. »Wir haben tolle Technik, nutzen zum Beispiel alle konsequent Insitu. Da gibt es Richtlinien. Zugleich habe ich für meine Arbeit viel Freiraum. Es gibt keinen Dienst nach Vorschrift. Schon in meinen früheren Filialen konnte ich selbst entscheiden, wie ich Termine lege und die Technik einstelle; oder wieviel Zeit ich mir nehme, um ein Audiogramm zu erklären …«

HörPartner: kontinuierliches Wachstum, aber nicht um jeden Preis

Zu den HörPartnern gehört Sarah Schönegge seit fast zehn Jahren. 2015 begann sie ihre Ausbildung im brandenburgischen Fürstenwalde. »Mein Weg zur Hörakustik war eigentlich unspektakulär«, erzählt sie. »Damals wusste ich nur, dass ich weder studieren noch ständig im Büro sitzen will. Ich wollte mit Menschen arbeiten und was Handwerkliches machen.« Ein Schnuppertag bei den HörPartnern überzeugte die damalige Abiturientin: »Dort gefiel es mir gleich. Den Beruf fand ich abwechslungsreich – die Beratung, die Abformungen, das Einstellen der Technik, das Fräsen. All das habe ich lieben gelernt. Heute kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen. Ohren finde ich super. Und bei den HörPartnern möchte ich immer bleiben.«

Auch die HörPartner wünschten sich, dass Sarah Schönegge bleibt. Als Gesellin hatte sie seit 2018 in Fürstenwalde, Erkner und Bad Saarow gearbeitet, Führungsaufgaben übernommen, dann den Meisterkurs absolviert und Anfang 2024 erfolgreich abgeschlossen. »Da war schon klar, dass ich aus privaten Gründen einen Wechsel von Brandenburg nach Niedersachsen plane. Das habe ich mit Lars Stage, unserem Geschäftsführer, besprochen. Alles lief sehr offen. Ich habe gefragt, ob es denkbar ist, dass die HörPartner hier in meiner neuen Heimat ein Geschäft eröffnen, damit ich beim Unternehmen bleiben kann.«

Tatsächlich traf ihre Idee auf offene Ohren: Seit der Gründung ihres Ursprungsunternehmens vor über 30 Jahren wachsen die HörPartner kontinuierlich. Ziel ist jedoch nicht Wachstum um jeden Preis. Vielmehr setzt man sowohl auf geeignete Standorte, als auch auf die Weiterentwicklung des Teams. Auf keinen Fall soll Wachstum zu Lasten von Qualität gehen. Um das in Zeiten von Fachkräftemangel abzusichern, geht man eigene, unkonventionelle Wege.

Lars Stage: »nachhaltig und gemeinsam mit dem Team wachsen«

Zu diesen neuen Wegen gehört, dass das Unternehmen jungen Menschen aus strukturschwachen Regionen Ausbildung und Meisterkurs ermöglicht, um ihnen später die Verantwortung für ein neues Fachgeschäft am Heimatort zu übertragen. »Das ist unsere Art, nachhaltig und gemeinsam mit unserem Team zu wachsen«, hatte mir Lars Stage vorab beim Telefonat erklärt. »So bleiben wir unserem Selbstverständnis als qualitativ hochwertige Gesundheitshandwerker und als regionaler Anbieter treu.«

Eine Win-win-Strategie, von der auch Sarah Schönegge profitiert: »Ich habe meine Fühler ausgestreckt und geschaut, wo es hier im Umkreis ein gutes Ladenlokal gibt; schließlich bin ich fündig geworden«, erzählt sie »Ich wohne bei Goslar, etwa eine halbe Stunde von hier entfernt, was mir sehr recht ist; näher an meinem Arbeitsplatz wohnen möchte ich gar nicht. Für meine Suche nach dem passenden Standort hatten wir natürlich Kriterien besprochen. Beim Geschäft hier passte alles. Wir haben uns den Laden zusammen angeschaut. Alle waren zufrieden und die Geschäftsführung hat mit dem Vermieter den Vertrag ausgehandelt.«

Auch in die Ausgestaltung der Filiale war Sarah Schönegge eingebunden: »Alles musste umgebaut werden«, erzählt sie. »Hier war vorher ein Sonnenstudio mit vielen Kabinen. Alle Trockenwände mussten raus. Schon zwei Wochen vor Eröffnung bin ich in meine neue Heimat gezogen und habe beim Einrichten mitgeholfen. Vieles durfte ich selbst entscheiden. Wo soll das Bild hin? Wie ist dir die Aufteilung der Schränke am liebsten? Da wurde ich immer gefragt.«

Stetig steigende Nachfrage: »Die Kunden sparen sich lange Wege.«

Die ersten Kunden meldeten sich bereits Tage vor der Eröffnung. »Draußen stand noch nicht mal HörPartner dran. Es gab nur eine Werbung mit einem Spruch: ›Nachtigall, ick hör dir wieder trapsen‹. ›Nachtigall, ick hör dir trapsen‹, ist so ein typischer Berliner Ausspruch. Aber die Leute hier kennen ihn auch. Meine erste Kundin stammte sogar aus Berlin, die fand das gleich toll.«

Seit der Eröffnung Ende Juni freut sich die Hörakustikerin über stetig steigende Nachfrage: »Die Kunden sind froh, dass sie jetzt zu uns können. Sie sparen sich dadurch lange Wege. Unser Einzugsgebiet ist groß – neben der Stadt gehören viele Dörfer dazu, die weit verstreut sind. Zum HNO-Arzt muss man nach Braunschweig oder Wolfenbüttel. Doch alles Weitere bekommen die Leute nun hier bei mir.«

Um Kunden zu erreichen, rühren die HörPartner die Werbetrommel. Wer die Einfahrt zum Einkaufspark nimmt, kann die große Schauwerbung nicht übersehen. Es gab Artikel in zwei regionalen Wochenzeitungen. »Die werden hier noch viel gelesen«, so Sarah Schönegge. »Erst gestern war eine Kundin da, die aus der Zeitung von uns erfahren hat. Aber am wichtigsten ist die Mund-zu-Mund-Propaganda.«

HörPartner-Plakate im Schaufenster: »HÖREN KOMMT VON KÖNNEN«

Wir unterbrechen unser Gespräch. Sarah Schönegge muss sich einer Kundin widmen, die zum Termin erschienen ist. Beide sitzen in der Anpassraum; die Hörakustikmeisterin führt noch eine Messung durch. Dann steht fest, dass die junge Kundin Hörgeräte braucht. Anhand einer Beratungsübersicht erläutert ihr Sarah Schönegge die möglichen Lösungen.

»Jede der Bauformen können Sie in verschiedenen Technikstufen bekommen«, so die Meisterin. »Eine Windgeräuschunterdrückung zum Beispiel gibt es in der untersten Stufe noch nicht. Und dass das Hörgerät sich automatisch auf Hörsituationen einstellt, hat man erst ab der Mittelklasse. Sehr kleine Bauformen sind zwar beliebt, sie brauchen aber auch gründliche Pflege; Geräte hinterm Ohr können da mehr ab. Außerdem haben Sie die Wahl zwischen Akku und Batterie …«

Während Sarah Schönegge berät, sitze ich in einem der Ledersessel im Wartebereich. Mein Blick fällt auf die HörPartner-Plakate im Schaufenster: Hörakustiker-Hände, die Abdrücke nehmen oder Hörgeräte ans Ohr bringen; dazu der Slogan »HÖREN KOMMT VON KÖNNEN«.

Sarah Schönegge: »Am meisten Spaß macht mir das Fräsen.«

»Wie wichtig ist Ihnen gutes Handwerk?«, frage ich die Hörakustikerin, nachdem sich ihre Kundin verabschiedet hat. »Für gutes Hören ist das definitiv sehr wichtig«, entgegnet sie. »Da ist schon entscheidend, dass die Otoplastik gut sitzt. Natürlich machen wir nicht mehr alles; in der Ausbildung habe ich noch löten gelernt … Dafür erkläre ich heute die Kopplung mit TV und Mobilgerät. Und für die Fertigung im Labor ist meine Abformung nach wie vor entscheidend. Auch die Nacharbeiten, Fräsen und Lackieren – alles meine Handarbeit. Am meisten Spaß macht mir das Fräsen, weil das auch kreativ ist. Man muss wissen, welche Stellen am Ohr wichtig sind. Und ich würde behaupten, dass ich ganz gut fräsen kann.«

Auch kleine Reparaturen erledigt Sarah Schönegge gerne selbst. Sie freut sich, wenn sie die Kunden gleich zufriedenstellen kann und das Gerät nicht erst zum Hersteller muss. Der Werkstattbereich im Fachgeschäft ist bewusst einsehbar, damit die Kunden sie beim Arbeiten sehen können: »Wenn ich fräse, absauge oder mit dem Mikroskop arbeite, schauen die Kunden gern zu; nebenbei unterhalten wir uns. Viele interessiert, was ich da mache. Sie stellen Fragen und sie können sich zu mir setzen. Wir wollen ja, dass sie unser Handwerk miterleben.«

Dass das Hörakustikerhandwerk bei den HörPartnern noch zählt, rechnet Sarah Schönegge ihrem Arbeitgeber hoch an. »Ich kann selbst gestalten und mich einbringen. Und ich schätze, dass das Menschliche bei uns wichtig ist. Alle gehen entspannt miteinander um, sind locker und freundlich. Jeder kann mit jedem reden. Niemand muss irgendwie Angst haben. Es gibt immer ein offenes Ohr. Auch wenn es privat mal schwierig sein sollte – etwa bei Kolleginnen mit Kindern; es wird immer nach Lösungen gesucht.«

Zukunftspläne: »ein gutes Team aufbauen und eine gute Filialleiterin sein«

Nein, allein fühle sie sich nicht, entgegnet mir die Hörakustikerin auf meine nächste Frage. Zwar führe sie das Geschäft derzeit allein, aber in der Eröffnungsphase käme sowieso häufiger Besuch aus der HörPartner-Zentrale. »Ansonsten läuft mein Kontakt per Mail oder Telefon. Es gibt Regional-, Gebiets- und Teamleiter, die meine Ansprechpartner sind. Bei Fragen sind auch die Kollegen aus meinen bisherigen Filialen nur einen Anruf entfernt. Außerdem liegt Schöppenstedt auf halbem Weg zwischen Berlin und unseren Filialen in Hessen; man kann gut hier Station machen. Und zur Betriebsversammlung im November fahre ich natürlich nach Berlin.«

Geplant ist außerdem, dass Sarah Schönegge schon bald ihr eigenes Team führt: »Wir wollen schnell viele Kunden gewinnen und uns dafür auch personell verstärken. Aktuell suchen wir einen Hörberater, den ich gerne einarbeiten möchte. Der Hörberater wird mir den üblichen Kundenverkehr abnehmen, so dass ich mich ganz den Terminen in der Kabine widmen kann.«

Erstmal hoffe sie, dass alles weiter so gut anläuft, erklärt mir Sarah Schönegge zum Abschied. »Und dann möchte ich ein gutes Team aufbauen und eine gute Filialleiterin sein. Ein paar Erfahrungen im Führen von Kollegen habe ich schon; da würde ich mir gerne mehr aneignen. Für die Zukunft haben wir noch eine zweite Hörkabine in Reserve. Außerdem fände ich es schön, einen Azubi anzuleiten – auch wenn ich Respekt davor habe, weil das viel Verantwortung ist. Und ich möchte selbst weiter lernen. Nicht sofort, weil ich nach der Meisterschule erstmal eine Lernpause brauche. Doch dann würde ich mich gerne weiterbilden. Tinnitus oder Cochlea-Implantate finde ich spannend. Die räumliche Nähe zur Akademie in Braunschweig wäre dafür natürlich praktisch.«

PS: Kurz vor Fertigstellung des Artikels erreichte uns die Nachricht, dass Sarah Schönegge inzwischen eine Kollegin an ihrer Seite hat. Seit 1. Oktober wird sie von Hörberaterin Michaela Westphal unterstützt.