DIGITALES MAGAZIN
044 | März 2025
18/25

biha Roadshow 2025 – der erste Pflichttermin des Jahres

Von Dennis Kraus / Foto: OMNIdirekt

biha Roadshow 2025 – der erste Pflichttermin des Jahres

Auch 2025 setzt die biha bei ihrer Roadshow auf große Reichweite. Bei 19 Vor-Ort-Terminen in 19 Städten sowie bei zwei Online-Terminen können sich die Mitglieder auf den aktuellen Stand bringen lassen. Eine Veranstaltung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. 

Es ist der erste Pflichttermin des Jahres. Ob man sich für Zahlen interessiert, für Aktuelles aus Lübeck, für die Vertragslage mit den gesetzlichen Krankenkassen, Rechtliches oder berufspolitische Perspektiven – die Roadshow der biha kann mit all dem aufwarten. Andersherum bietet sie den Mitgliedern Gelegenheit, auch persönlich mit ihrer biha in Kontakt zu bleiben, in Hamburg etwa mit der Vizepräsidentin Janine Otto, mit der Justitiarin Alexandra Gödecke und, natürlich, mit dem Hauptgeschäftsführer der biha, Jakob Stephan Baschab. Fragen sind, sagt Jakob Stephan Baschab nach der Begrüßung durch Janine Otto, während seines Vortrags ausdrücklich willkommen. 

Die Marktzahlen

Erster Punkt auf der Agenda sind die Marktzahlen. Wie viele Fachgeschäfte gibt es aktuell in Deutschland? Wie viele Filialbetriebe? Wie viele Inhaberinnen und Inhaber? 2024 zählte die biha 2.654 Unternehmen, das sind 19 mehr als 2023 – ein Wachstum von 0,72 Prozent. Die Zahl der Betriebe insgesamt gibt sie mit 7.484 an. Das entspricht 151 Fachgeschäften mehr als in 2023 bzw. einem Wachstum von 2,06 Prozent. 4.830 Standorte davon zählt die biha als Filialbetriebe. Das sind 131 mehr als 2023 – ein Zuwachs von 2,81 Prozent. 

Auf die Zahlen zu den Standorten folgen die Stückzahlen. 1.682.625 Hörgeräte haben die Hersteller von Januar 2024 bis Dezember 2024 ausgeliefert. Das sind 4,51 Prozent mehr als 2023. Im Vergleich zu 2019 konnte die Branche gar um 13,11 Prozent in Stück zulegen. 

Auf der Leinwand hinter dem biha-Hauptgeschäftsführer ist eine Grafik zu sehen. Sie zeigt die Entwicklung in puncto ausgelieferte Geräte von 1973 bis heute. Beinahe durchweg ist die Zahl über die Jahre gestiegen. Ins Auge sticht das Wachstum aus dem Jahr 2013. »Da kam der neue Festbetrag«, sagt Jakob Stephan Baschab. Aber so oder so: Die Nachfrage werde vorerst weiter steigen, dafür würden die geburtenstarken Jahrgänge sorgen, die peu à peu das Zielgruppenalter erreichen. Wie lange die Kassenleistung jedoch weiterhin eine treibende Kraft bleiben wird, bleibt abzuwarten. »Das System ist heute schon kaputt«, sagt Baschab. Er zeigt die Ausgaben der GKVen aus 2024 für Hilfsmittel insgesamt sowie für Hörhilfen insbesondere. Vergleicht man die Jahre 2022 mit 2024, schlagen bei den großen Kassen durchschnittlich 18,6 Prozent Kostensteigerung für Hörhilfen zu Buche. En Gros wirft das die Frage auf, wie es mit dem Gesundheitssystem weitergehen wird. Massiver Beitragsanstieg versus Leistungskürzungen. 

Die Umfrage unter den Azubis

Wie im vergangenen Jahr angekündigt, hat die biha eine Befragung unter den Auszubildenden durchgeführt. 1.239 der insgesamt 2.350 Azubis im Hörakustikhandwerk nahmen an der Umfrage teil. Abgefragt wurde eine Vielzahl von Punkten. So zum Beispiel, wie viele Mitarbeiter die Ausbildungsbetriebe der Azubis zählen. Demnach lassen sich rund 45 Prozent in Betrieben mit bis zu vier Mitarbeitenden ausbilden, 18 Prozent lernen in Betrieben mit zehn oder mehr Mitarbeitenden. 

44 Prozent der Auszubildenden verfügen über die allgemeine Hochschulreife oder das Fachabitur. Etwa genauso viele bringen einen mittleren Bildungsabschluss mit. Auf den Beruf des Hörakustikers aufmerksam wurden sie über Onlinemedien (24 Prozent), durch Freunde und Bekannte (19 Prozent) oder durch ihre Eltern (16 Prozent). Außerdem gaben knapp 20 Prozent der Befragten an, durch ein betriebliches Praktikum auf den Beruf aufmerksam geworden zu sein. Praktika im Betrieb anzubieten, kann sich mit Blick auf die Azubi-Gewinnung also lohnen.

Die Frage, ob ihre Erwartungen bis heute erfüllt wurden, beantworten 80 Prozent der Azubis im ersten und zweiten Lehrjahr mit »übertroffen«, »voll erfüllt« oder »weitgehend erfüllt«. Im dritten Lehrjahr sehen das immer noch 70 Prozent so. »Ein ordentliches Ergebnis« sei das, so Baschab. 

Mit der Berufsschule zeigen sich etwa 80 Prozent »sehr zufrieden« bzw. »zufrieden«. Das Ansehen von Lübeck ist also weiterhin hoch.

Die Lage mit den Kassen und Berufspolitisches

Die Gespräche mit der AOK, der IKK, der BKK sowie der Knappschaft laufen aktuell »glatt durch«, berichtet Jakob Stephan Baschab. Und der Vertrag mit dem Verband der Ersatzkassen wurde bisher nicht gekündigt. Die Gespräche mit dem vdek verliefen zuletzt allerdings »ergebnislos«, so Baschab. Ein Schiedsverfahren wurde aber auch nicht eingeleitet. Der Vertrag läuft also erstmal weiter. 

Der vom Bundesrechnungshof geforderte Genehmigungsvorbehalt wiederum wurde bisher gesetzlich nicht geregelt. Die SPD geht hier allerdings auf Abstand, und auch »mit der CDU wird es den Genehmigungsvorbehalt nicht geben«, so Baschab. 

Interessant ist auch, was der biha-Hauptgeschäftsführer zu aktuellen Wettbewerbsverfahren berichten kann. Geht es wiederum um die Cerumenentfernung, ist zwischen HNO-Ärzten und der Hörakustik nach wie vor keine Ruhe eingekehrt. Am Landgericht Heilbronn etwa ist die Klage eines HNO-Arztes gegen ein Hörakustikunternehmen anhängig. Der Arzt argumentiert, die Cerumenentfernung sei eine dem Akustiker untersagte »Heilbehandlung«. Für die biha steht allerdings fest: Die Cerumenentfernung ist in der Meisterprüfungsverordnung verankert und zählt zu den medizinischen Kompetenzen des Hörakustikhandwerks. 

Es folgt ein etwas größter gefasstes Thema: Die Hörgerätefunktion der Apple AirPods Pro 2. »Apple ist das Beste, was uns passieren konnte«, sagt Jakob Stephan Baschab. Einerseits. Teenager führten Hörtests bei sich durch, das Thema verfange bei den jungen Menschen. Andererseits sieht die biha Klärungsbedarf. »Insbesondere medizinprodukte- und handwerksrechtliche Bedenken« meldet die Innung hier an. 

Fragen wie die, wer dieses »Hörgerät« eigentlich anpasst – Apple? Die Software? Der Nutzer? – sind nach wie vor unbeantwortet. Genau wie die Frage, wer die Verantwortung trägt, falls mal etwas passiert. Und ob, mit Blick auf das Handwerksrecht, die »Anpassung« als handwerkliche Leistung zu sehen ist oder die Meisterpräsenz gewährleistet wurde. All dies wird momentan einer juristischen Prüfung unterzogen

Auch der aktuelle Stand in Sachen Telematikinfrastruktur wird berichtet. Hier ist man weiter auf Kurs, um zum 1. Juli 2027, wenn die elektronische Verordnung für Hilfsmittel vorgeschrieben sein wird, sämtliche Anforderungen erfüllen zu können, berichtet Jakob Stephan Baschab. Die Hörakustik ist darauf gut vorbereitet.

Zum Abschluss richtet sich der Blick in die Zukunft. Womit wird man rechnen müssen? Was ist eher unwahrscheinlich? KO-Ausschreibungen und Open-House-Verfahren sieht man bei der biha nicht kommen. Wahrscheinlich sei indes, dass sich etwas beim Präqualifizierungsverfahren ändern könnte. Selbst, dass die PräQ fällt, sei nicht undenkbar, so Baschab. Und auch bei den Festbeträgen werde sich wohl etwas ändern.