DIGITALES MAGAZIN
044 | März 2025
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Die opti 2025

Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt

Die opti 2025

Die opti gilt als die Leitmesse für Augenoptiker im deutschsprachigen Raum. Auch aus der Hörakustik blickt man interessiert auf die Veranstaltung. Für das kommende Jahr ist sogar ein eigener Bereich für die Hörakustik im Gespräch. Wir haben uns auf der opti mal umgesehen.

Ein bitterkalter Freitagmorgen im Januar. Vor einem Parkhaus des Münchener Messegeländes stauen sich Autos. Heute öffnet die opti ihre Pforten. Nicht wenige der Fahrzeuge sind foliert und weisen auf einen Optikbetrieb hin. Wer genauer hinblickt, sieht ab und an auch das Wort »Hörakustik« aufblitzen.

Seit 1998 gibt es die opti, eine internationale Brillen Messe für Optik & Design. Ursprünglich als deutschsprachige Messe im MOC-Center München initiiert, zog sie wenige Jahre später auf die Neue Messe München. 2008 übernahm die Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) die Organisation und positionierte sie international. Das Ziel: Das komplette augenoptische Spektrum abzubilden und Neuheiten im Brillendesign auf dem europäischen Markt zu präsentieren. Zwar ist die opti nicht die einzige Brillenmesse im deutschsprachigen Raum. Mit aktuell über 330 Ausstellern aus 23 Ländern, die sich in vier Hallen auf bis zu 15.000m² tummeln, dürfte sie aber die bedeutendste ihrer Art im DACH-Raum sein; auch wenn die Besucherzahlen in den letzten Jahren etwas zurückgingen. Zählte man vor Corona nicht selten bis zu 30.000 Besucher, waren es 2025 knapp 21.100. »Wie alle anderen Veranstaltungen blicken auch wir auf eine herausfordernde Zeit zurück. Doch durch das enge Zusammenspiel mit der Branche ist es uns gelungen, einen gemeinsamen Spirit zu entwickeln – einen, der nicht nur unsere Konzeptarbeit bereichert, sondern auch echtes Commitment schafft«, erklärt Cathleen Kabashi, COO und Director opti.

Bevor ich auf die Messe gehe, spreche ich mit Cathleen Kabashi über ein paar neuere Entwicklungen in der Branche. Beispielsweise, dass nicht nur Brillenfassungen, Gläser, Kontaktlinsen, Pflege- sowie Reinigungsmittel, Instrumente, Werkzeuge und Werkstattausrüstungen gezeigt werden. Anhand der Geräte zur Diagnostik, ERP-Systemen, aber auch der Produkte selbst erkenne man, dass die Digitalisierung mit großen Schritten Einzug in die Optik gehalten habe. »Die augenoptische Industrie schläft nicht und bietet Augenoptikerinnen und Augenoptikern eine Vielzahl smarter Lösungen, um ihre Kundinnen und Kunden noch individueller zu betreuen. Das wird vor allem mit Blick auf die kommenden Jahre und die anstehenden Innovationen spannend. Auf der neu geschaffenen Fläche TOMORROW VISION beispielsweise haben sich schon jetzt neun starke Kontaktlinsen-Hersteller erstmals zusammengeschlossen, um Zukunftsvisionen zu präsentieren und über die digitalen Innovationen zu sprechen«, so Kabashi.

Ein weiterer Punkt sei, dass man bereits seit einigen Jahren nicht mehr aus Veranstaltersicht denke, sondern eher aus Sicht der Branche. Eine Messe könne nur so gut sein wie die Zusammenarbeit und das Engagement aller Beteiligter. »Beides war bereits 2024 der Fall und großartig. Aber noch stärker, finde ich, gilt das für die 2025er opti. In zahllosen Stunden, Tagen, Sitzungen, Telefonaten, Mails und Treffen haben wir uns alle mit der Frage befasst, wie das Konzept des größten Branchentreffs, aber auch jeder einzelne thematische Baustein so ausgestaltet werden kann, dass eine ganze Branche begeistert ist und jeder Einzelne schlussendlich für sein Geschäft profitiert. Dazu haben sehr viele Köpfe aus der augenoptischen Branche ihren Beitrag mit großer Begeisterung geleistet«, so Kabashi weiter, die dabei insbesondere auf die Ausbildung, aber auch auf die Hörakustik hinwies.

Kommt 2026 ein Bereich für Hörakustik?

Schon aufgrund der zahlreichen Mischbetriebe wäre das ein relevantes Branchenthema und somit als Angebotsbereich auf der opti interessant. Entsprechend wolle man für und mit der Branche ein relevantes Angebot schaffen, um den gesamten Markt zu spiegeln. »Das bestätigt die Teilnahme der Hersteller, die die opti bereits für ihre innovativen Lösungen nutzen; aber auch die Anfragen, die mich in den letzten Wochen genau zu diesem Thema erreicht haben. Für die opti 2026 schwebt mir vor, der Hörakustik einen eigenen Bereich zu schaffen – einen Raum, in dem fundierter fachlicher Austausch, visionäre Zukunftsperspektiven und natürlich innovative Lösungen von Herstellern gebündelt aufeinandertreffen. Das wird gerade den Mischbetrieben einen weiteren Messebesuch-Mehrwert bieten«, sagt Kabashi.

Dass man den Anspruch an sich selbst stelle, alle branchenrelevanten Themen konsequent anzugehen, könne man ebenso am Thema Ausbildung erkennen; das auch in Zeiten, in denen es schwierig sei, Nachwuchskräfte zu gewinnen. »Besonders stolz sind wir in diesem Jahr auf unser Novum, den opti NEXT GENERATION Hub. Der wurde extrem gut angenommen und hat offensichtlich interessante Formate für den Nachwuchs geboten. Netzwerken, Austauschen, Zukunftsaussichten – dass ganze Konzept war in Aufbau und Ablauf konsequent auf die Bedürfnisse des Nachwuchses ausgerichtet – und ein Ergebnis unseres Nachwuchs-Roundtables«, erläutert Kabashi, ehe ich mich an die Messestände begebe.

Dort staune ich zunächst. Von Besucherrückgang ist nichts zu spüren. Ob nun bei kleineren, mittleren oder bei großen Ausstellern; überall sind rege Gespräche zu beobachten. Und ringsum sind nahezu die gleichen Stichpunkte zu sehen und zu hören: Ästhetik, Design, Tragekomfort, Vielseitigkeit, Eleganz oder Originalität. Nach Durchlaufen der ersten beiden Messehallen, in denen nahezu ausschließlich Brillenfassungen zu sehen sind, nehme ich erst so richtig wahr, wie viele verschiedene Marken existieren und welchen Stellenwert ihnen beigemessen wird. Je größer die Marke, desto größer der Stand und umso weniger Brillenfassungen sind zu sehen.

Besonders deutlich wird das am Stand von EssilorLuxottica, dem Marktführer der Branche, zum dem Marken wie Ray Ban, Oakley, Chanel, Dolce & Gabbana, Prada oder Ralph Lauren gehören. Der französisch-italienische Konzern bot zwar einen imponierenden Stand auf. Bei der Größe des Unternehmens hat man aber nur erahnen können, wie viele Produkte über ihn bezogen werden können. Zu den wenigen Produkten, die hier im Fokus stehen, gehört Nuance Audio. Die Hörbrille, die einst von dem israelischen Start-up Nuance Hearing, das EssilorLuxottica gekauft hat, entwickelt wurde, hat kürzlich die Zulassung der Food and Drug Administration (FDA) erhalten. Am Stand treffe ich Frank Walenda, Head of Corporate Communication DACH bei EssilorLuxottica. Er spricht von einer erfolgreichen Einführung. So habe der Konzern die CE-Kennzeichnung gemäß der Medizinprodukteverordnung in der EU bekommen und eine ISO-Zertifizierung für das Qualitätsmanagementsystem für Hörgeräte entwickelt, die die Einführung von Nuance Audio in Europa ermöglicht. Ab Juni dieses Jahres soll die Brille in Deutschland erhältlich sein. Allerdings werden nur Optikerpartner, die bereits mit dem Konzern zusammenarbeiten, mit der Hörbrille, die erst einmal in zwei Farben, mit zwei verschieden Bügellängen und in zwei Scheibengrößen (54 und 56) auf den Markt kommen wird, beliefert. Hörakustikfachgeschäfte, sofern sie keine in Partnerschaft stehenden Mischbetriebe sind, seien nicht vorgesehen.

Viele Besucher aus Mischbetrieben

In Halle C steuere ich auf einen Bereich zu, in dem sich einige Meisterschulen auf einer kleinen Fläche mit jeweils einen Tisch, einem Stuhl und einem Banner präsentieren. Die einzige, die einen Stand aufbietet, ist die BAK aus Landau. Dort treffe ich auf einen gut gelaunten Robert Leitl. Im Gespräch bestätigt er mir das Bild, das mir zuvor Cathleen Kabashi beschrieben hat. Auch dieses Jahr habe es die opti geschafft, ein sehr interessiertes Publikum anzuziehen und insbesondere auch junge Messebesucher zu aktivieren. »Die opti hat unsere Erwartungen wieder einmal übertroffen. Das liegt sicher auch an der großartigen Organisation und Gestaltung der GHM, die für eine starke Frequenz sorgt. Besonders das zunehmende Interesse der Hör-akustiker:innen an der opti macht die Messe für uns doppelt interessant«, so Leitl.

Ähnlich sieht das Domenik Fox, einer der Co-Founder von Mateo, der erstmals auf der opti mit einem Stand vertreten ist und sehr zufrieden wirkt. »Man muss schon sagen, dass wir extrem viele Kunden aus Mischbetrieben treffen. Aber auch die Neukundenfrequenz am Stand ist extrem positiv. Wir sind von daher sehr überrascht, dass wir uns alle quasi dauerhaft im Gespräch befinden«, so Fox. Janin Schmelzer, Geschäftsführerin der Optimus Hearing, schließt sich an. Sie haben ihren Stand gleich neben Mateo. Auch sie spüre, dass das Interesse an der Hörakustik innerhalb der Optikbranche weiterwächst. »Der Besucherandrang an unserem Stand ist durchweg hoch, und das Feedback zu unserer Hörmarke und unserem 360° Marketing Konzept, das gezielt auf die Bedürfnisse der Babyboomer- und X-Generation ausgerichtet ist, ist äußerst positiv. Wir knüpfen schon den ganzen Tag viele neue, vielversprechende Kontakte und genießen den wertvollen Austausch mit bestehenden Partnern. So einen Freitag haben wir hier so noch nie erlebt«, so Janin Schmelzer, die im Zuge der opti ebenso PROABO präsentiert, das kürzlich um ein Brillen-Abo erweitert wurde. 

In Halle D erhalte ich plötzlich ein anderes Bild von der opti. Die vielen Messestände mit den Brillenverfassungen sind nicht mehr zu sehen. Hier im Mittelpunkt: Hersteller technischer Geräte, die im Optikhandwerk eingesetzt werden. Kay Stamer zufolge, der jüngst bei der Brillenbonusversicherung zu einem der Geschäftsführer aufgestiegen ist, sei das traditionell die Messehalle, in der man merkt, wie gut die Stimmung ist und ob Umsatz gemacht wird. »Das Feedback der Messebesucher ist durchweg positiv. Wir haben das genutzt, um die Brillenbonusversicherung, die im Oktober 2024 ihr 10-jähriges Bestehen feierte, sowie die neueren Versicherungsprodukte wie die Mitarbeiterbonusversicherung und die Hörgerätebonusversicherung vorzustellen. Diese Erweiterungen adressieren aktuelle Herausforderungen in der Mitarbeiterbindung und -rekrutierung sowie den Bedarf an Kundenbindungstools im Bereich der Hörsysteme. Mit der Einführung der neuen Dachmarke ‚die Optik Versicherer‘ wurde das Portfolio klar strukturiert, und über 15 maßgeschneiderte Versicherungslösungen für Optiker & Akustiker geschaffen, die hier wirklich gut ankommen«, so Stamer, der noch für das neue Must-have-Paket der Brillenbonusversicherung wirbt: Ein Paket aus Betriebshaftpflicht, Inhalts-, Rechtsschutz- und Betriebsunterbrechungsversicherung, mit dem man merklich Einsparungen pro Fachgeschäft erzielen könne.

Kurz darauf erspähe ich auf einem sehr gut besuchten Stand den Geschäftsleiter von Euronet und Marketingleiter der EVEX Group DACH, Stephan Schenk. »Unser Stand kam heute immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen. Auch morgen wird es kaum besser. Besonders beliebt ist EVEX Mobile, ein persönlicher Assistent für die Brillenberatung. Doch auch Hörakustiker kommen voll auf ihre Kosten. Für sie steht vor allem EVEX Pay im Mittelpunkt«, so Schenk über die umfassende Zahlungsplattform der EVEX Group, die sich nahtlos in bestehende Produkte und Services integriert. Zudem unterstütze die EVEX Group ihre Kunden aus der Hörakustik mit neuen, noch zielgerichteteren Kampagnen gezielt bei der Ansprache von Endkunden. »Auch die erfolgreichen Kundenbindungsmailings mit Rücklaufquoten von 5 bis über 10 Prozent wurden weiter optimiert, und kommen hier gut an. Die opti bleibt zwar eine augenoptische Fachmesse. Doch durch die stärkere Vernetzung der Branchen entstehen auch in der Hörakustik zunehmend wertvolle Synergien«, meint Stephan Schenk.

Solide Entwicklung in anspruchsvollem Umfeld

Insofern überrascht es auch nicht, dass Christian Müller, Präsident des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen, bereits zum Messeauftakt eine Bilanz für das Jahr 2024 vorstellte, die eine »solide Entwicklung in schwierigem Umfeld« in der Augenoptikbranche sieht. Ein Umsatzplus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeuge von einer soliden Leistung der mittelständischen, inhabergeführten Augenoptikbetriebe. Die Augenoptik bleibt Müller zufolge eine Branche mit Zukunft. Dennoch dürfe man sich nicht auf bisherigen Erfolgen ausruhen. »Verglichen mit anderen Handwerksbranchen können wir durchaus zufrieden sein. Doch müssen wir weiterhin gemeinsam an Lösungen arbeiten, um eine flächendeckende Versorgung mit Sehhilfen sicherzustellen und die Attraktivität des Berufs zu steigern. Von Optimismus sind wir in der Branche weit entfernt« erklärte der ZVA-Präsident. Gerade der Fachkräftemangel bleibe ein drängendes Thema für die Augenoptik, da dem ZVA zufolge 2024 bundesweit nur 2.328 neue Ausbildungsverträge gemeldet wurden – im Vergleich zu 2023 ist das ein Rückgang von gut zehn Prozent.