STUDIEN
Hohe Zufriedenheit – die Euro Trak Studie 2025
Von Dennis Kraus / Fotos: Screenshots
Am 3. April stellte der BVHI in einem Webinar die Ergebnisse der Euro Trak Studie 2025 für Deutschland vor. Was hat sich seit der letzten Befragung verändert? Wo gibt es Handlungsbedarf? Dies und mehr erörterte Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des BVHI, mit der EUHA-Vizepräsidentin Eva Keil-Becker, der Nutzerin Madeleine Marlow-Heyers und Prof. Dr. med. habil. Jan Löhler, HNO-Facharzt und Präsident des deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte e. V.
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Eines vorab: Auch wenn die Euro Trak Studie seit 2009 im Auftrag des europäischen Herstellerverbandes EHIMA und in Deutschland im Auftrag des Bundesverbandes der Hörsysteme-Industrie e. V. (BVHI) durchgeführt wird: Hier geht es um Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit. »Die Hersteller machen das nicht, um daraus strategische Erkenntnisse zu ziehen«, betont Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des BVHI.
Die Kerndaten
13.445 Menschen wurden für die aktuelle Euro Trak Studie in Deutschland befragt. 1.313 der Befragten schätzten sich selbst als hörgemindert ein. »Das sind 10,9 Prozent der Bevölkerung«, konstatiert Stefan Zimmer.
Aber wie sieht deren weiterer Weg in puncto Hörgesundheit aus? 82 Prozent der Menschen, die von sich selbst sagten, sie hätten eine Hörminderung, suchten deswegen einen Haus- oder HNO-Arzt auf. 65 Prozent erhielten eine Empfehlung für weitere Maßnahmen. 59 Prozent gingen daraufhin zu einer Hörakustikerin oder einem Hörakustiker, wo 51 Prozent eine positive Beratung erfuhren. Zu einer Versorgung kam es bei 47 Prozent. Über die Hälfte dieser 1.313 Menschen, die angaben, bei ihnen würde eine Hörminderung vorliegen, geht auf der Reise also verloren – oder tritt sie gar nicht erst an. Warum?
»Man muss mehr Awareness schaffen«, meint Prof. Dr. Jan Löhler. Was zudem helfen könnte, wäre ein kassenfinanziertes Hörscreening als Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr, so der HNO-Arzt. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass Kompensation und Gewöhnung einen glauben ließen, die Hörminderung sei gar nicht so schlimm. Auch dazu braucht es also mehr Aufklärung.
Ebenso wurde für die Studie abgefragt, warum sich gegen eine Versorgung entschieden wurde. Die drei meistgenannten Gründe waren:
1: Hörgeräte sind nicht komfortabel
2: Mein Hörverlust ist noch nicht schwerwiegend genug
3: Ich kann mir keine Hörgeräte leisten
Zu den letzten beiden Gründen lässt sich einiges sagen. Offenbar gibt es weiterhin Ärzte, die sich zu Aussagen hinreißen lassen wie der, dass ein Hörgeminderter für sein Alter ja noch ganz gut höre, es also keinen Handlungsbedarf gebe. Und zum anderen gibt es augenscheinlich Menschen, die nicht wissen, dass sie Anrecht auf eine eigenanteilsfreie Versorgung haben. Dieses »Informationsloch« gelte es zu stopfen, so Stefan Zimmer.
Insgesamt aber offenbart die Euro Trak Studie 2025 einen Positivtrend. Die Zahl derjenigen, die bei sich eine Hörminderung vermuten und sich versorgen lassen, steigt. Als man 2009 mit der Studie anfing, hatten das 32 Prozent getan, 2025 sind es 47 Prozent.
Auch die Tragezeit pro Tag wurde für die Studie abgefragt. In Deutschland liegt die demnach bei neun Stunden. 25 Prozent der Befragten gab sogar an, die Geräte für zwölf oder mehr Stunden täglich zu nutzen. Zudem ist die sogenannte Therapietreue bei dem Hilfsmittel Hörgerät in Deutschland sehr hoch. Nur 4 Prozent tragen ihre verordneten Geräte gar nicht. Zum Vergleich: Chronisch Kranke nehmen zu 20 bis 50 Prozent die ihnen wegen ihrer Erkrankung verordneten Medikamente nicht ein.
App-Nutzung steigt
Aspekte bezüglich der Technologie wurden ebenfalls abgefragt. So nutzen zum Beispiel 35 Prozent der Versorgten aktuell in Verbindung mit ihren Hörgeräten eine App. Das klingt erstmal nach nicht viel. 2022 aber lag der Wert noch bei 25 Prozent. Den Anstieg beobachtet auch Eva Keil-Becker. Immer mehr Kunden wünschen, ihre Geräte über eine App steuern zu können, berichtet die EUHA-Vizepräsidentin. »Und das schöne ist ja, dass die App kostenlos ist und man keine Fernbedienung mehr braucht.« Dass in drei Jahren, bei der nächsten Euro Trak Studie, schon 50 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer angeben, eine App zu verwenden, hält sie für durchaus denkbar.
Die für Nutzerinnen und Nutzer wichtigsten Situationen wurden ebenfalls erhoben. An erster Stelle steht hier die Situation zuhause mit der Familie. Das sagten 49 Prozent der Befragten. Für 44 Prozent ist das Telefonieren die wichtigste Situation, 43 Prozent nannten das Gespräch mit einer anderen Person, 41 Prozent sagten, das Fernsehen zusammen mit anderen sei für sie die besonders wichtig.
Hohe Zufriedenheitswerte
54 Prozent der Befragten sagten mit Blick auf ihre Hörgeräte, dass sie das bekommen haben, was sie erwarteten. 31 Prozent sehen ihre Erwartungen gar übererfüllt. Gerade mal 15 Prozent äußerten eine Unzufriedenheit. Für Eva Keil-Becker ist das eine »tolle Bestätigung« für die Leistung, die in den Fachgeschäften erbracht wird. »Entscheidend ist der Faktor Mensch«, ergänzt Stefan Zimmer. Das spiegeln auch die Studienergebnisse. 90 Prozent der Befragten waren zufrieden mit der Servicequalität ihres Fachgeschäfts während des Kaufs. Bei der Servicequalität nach dem Kauf, bei der Beratungsqualität und Professionalität sehen die Werte kaum anders aus. Die Deutschen äußern also ein hohes Maß an Zufriedenheit mit ihren Hörakustikerinnen und -akustikern.
Wer beruflich noch aktiv ist, findet seine Hörgeräte am Arbeitsplatz zu 71 Prozent »sehr nützlich«, zu 25 Prozent »etwas nützlich«. 29 Prozent der Befragten können sich sogar vorstellen, Dank ihrer Hörgeräte länger im Job zu bleiben, 26 Prozent gaben hier zudem »eher ja« an. Das Hörgerät als Faktor für ein längeres Berufsleben.
Und wie ist es mit der Stigmatisierung? Hier beobachtet man einen signifikanten Rückgang, so Stefan Zimmer. »Früher sahen die Geräte auch noch anders aus«, sagt Madeleine Marlow-Heyers. So geben heute 72 Prozent der Befragten an, nie Ablehnung wegen ihrer Hörgeräte zu erfahren. Das Wort Stigma »passt nicht mehr zu Hörgerät«, fasst Stefan Zimmer zusammen.
Alles in allem, das lässt sich aus der Euro Trak Studie 2025 ablesen, verbessern Hörgeräte die Lebensqualität von Menschen mit Hörminderung nach eigener Einschätzung signifikant. 53 Prozent der Befragten spüren das regelmäßig, 34 Prozent gelegentlich, 10 Prozent selten. Zudem fühlen sich 75 Prozent der Hörgeräteträger in städtischer Umgebung sicherer. 73 Prozent sagen das auch vom Autofahren, 75 Prozent beim Fahrrad- oder E-Bike-Fahren. Insofern wundert es nicht, dass 64 Prozent all jener, die sich haben versorgen lassen, heute sagen, dass sie früher ins Fachgeschäft gegangen wären, wenn sie von der Steigerung der Lebensqualität gewusst hätten. Nun muss all das nur noch wesentlich bekannter gemacht werden als bisher.
Sämtliche Informationen zur Euro Trak Hörstudie 2025 findet man auf: initiative-hörgesundheit.de