Von Dennis Kraus / Fotos: otofaktur
»Wir hören zu, denken mit und geben nicht auf«
Was vor 15 Jahren als kleines Inhouse-Labor begann, ist heute ein etablierter Anbieter mit einem vielseitigen Portfolio – inklusive Otoplastiken aus Titan und Keramik. Bei der otofaktur zählen nicht nur Hightech-Materialien, sondern vor allem auch der persönliche Draht zu den Kunden. Zudem sind Geschäftsführerin Kathrin Heimann und Gründer Thomas Häusler immer bereit, die berühmte Extra-Meile zu gehen. Ihr Motto: Fordern Sie uns ruhig heraus. Ein Gespräch über Leidenschaft, Qualität und den Mut, Neues auszuprobieren.
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Frau Heimann, Herr Häusler, 15 Jahre otofaktur – wie fing damals alles an?
Heimann: Ich habe vor 17 Jahren in einem Fachgeschäft von Thomas Häusler angefangen. Dort begann ich, Otoplastiken zu fräsen. Gelandet bin ich da eher zufällig. Nach meiner Ausbildung zur Zahntechnikerin war es zur damaligen Zeit als frischgebackene Gesellin erstmal nicht so einfach, eine Stelle zu finden. Zufällig suchte Thomas Häusler eine Zahntechnikerin für die Otoplastikfertigung seiner Fachgeschäfte. Ich bewarb mich, arbeitete zur Probe, es ging mir leicht von der Hand und ich habe mich wohl nicht ganz doof angestellt. (lacht) Und nun bin ich seit 2014, neben Thomas Häusler, geschäftsführende Gesellschafterin der otofaktur.
Häusler: Kathrin Heimann war von Anfang an voll dabei – hat Abformungen gemacht, Kunden beraten, Aufträge betreut. Und weil sie selbst aus der Branche kommt, kennt sie die Abläufe im Hörakustikalltag genau. Das Labor war anfangs allein für unsere eigenen Fachgeschäfte gedacht, doch dann kamen immer mehr Anfragen von befreundeten Betrieben. Zwei Jahre später haben wir die otofaktur offiziell als externes Labor gegründet.
Ab da haben Sie also nicht mehr nur intern gearbeitet?
Häusler: Genau. Zunächst war der Plan, einfach für uns und ein paar befreundete Betriebe zu produzieren. Aber der Kundenstamm wuchs schnell. Irgendwann kamen 80 Prozent unserer Aufträge von außen. Heute arbeiten wir ausschließlich für andere Unternehmen – unsere eigenen Geschäfte haben wir längst verkauft.
Was macht die otofaktur besonders?
Heimann: Der enge Kontakt zu unseren Kunden. Viele begleiten uns seit den Anfangstagen. So wurden aus Geschäftsbeziehungen oft echte Freundschaften. Das schafft Vertrauen und macht vieles einfacher.
Häusler: Unsere Kunden wissen: Wir hören zu, denken mit und geben nicht auf, wenn etwas knifflig wird. Uns geht’s nicht um den niedrigsten Preis, sondern um Qualität und verlässliche Lösungen. Wenn andere sagen »geht nicht«, fängt für uns die eigentliche Arbeit erst an.
Sie sagen also: Geht nicht, gibt es bei der otofaktur (fast) nicht?
Häusler: Exakt. Klar, manchmal braucht es Umwege oder Kompromisse – aber wir finden in 95 Prozent der Fälle eine Lösung. Der Schlüssel ist Kommunikation. Wir sprechen mit unseren Kunden und finden gemeinsam heraus, was wirklich wichtig ist. Natürlich machen wir gerne auch ganz normale Standardaufträge – aber genauso lassen wir uns eben nicht so leicht aus der Ruhe bringen.
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Wie ist die otofaktur personell aufgestellt?
Häusler: Wir sind 20 Leute – damit sind wir kein Riesenbetrieb, aber auch kein Mini-Labor mehr. Wir können größere Stückzahlen stemmen, bleiben dabei aber flexibel und persönlich.
Sie bieten inzwischen auch Otoplastiken aus Titan und Keramik an – warum diese neuen Materialien?
Heimann: Beide Werkstoffe wurden immer mal wieder von unseren Kunden nachgefragt. Also haben wir zunächst mit Titan-Otoplastiken begonnen. Wir arbeiten hier mit einem Partner aus dem Dentalbereich zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich dann auch die Möglichkeit, Otoplastiken aus gedruckter Keramik anzubieten. Aktuell können wir die Otoplastiken ausschließlich in der Farbe Weiß anbieten. Das Modelling und das Finish liegt in unserer Hand.
Häusler: Unser Dental-Partner erlaubt uns hier, eine schnelle und zuverlässige Lieferung realisieren zu können, das ermöglicht uns mehr Flexibilität.
Heimann: Bei Ohrpassstücken aus Titan liegt unsere Lieferzeit bei ca. fünf bis acht Werktagen, tendenziell sind wir allerdings meist eher bei fünf als bei acht Tagen. Bei Keramik liegt die Zeitspanne bei acht bis 13 Werktagen. Da kommt es auch immer etwas auf die Größe der Bauteile an. Die Lieferzeit für Lichtpolymer-, Silikon- und thermoelastische Materialien liegt bei drei bis fünf Werktagen.
Sie empfehlen Ihren Kunden, entscheiden die sich für Titan oder Keramik, bei Ihnen vorab eine Probe-Otoplastik anfertigen zu lassen. Warum?
Heimann: Um den Sitz und die Positionierung des Hörers optimal prüfen zu können. Wenn die Probe-Otoplastik passt, kann man sicher sein, dass beim finalen Produkt nichts mehr nachgearbeitet werden muss und der Kunde mit der Otoplastik zurechtkommt.
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Was umfasst das Produktportfolio der otofaktur außerdem? Oder anders gefragt: Was bieten Sie nicht an?
Heimann: C-Shells der meisten Hersteller machen wir nicht. Aber sonst fast alles – wenn etwas nicht im Katalog oder auf der Website steht: einfach anrufen!
Häusler: Für Kinder haben wir unsere eigene Linie: Otolino – eine spezielle Form aus unterschiedlichen Farben, falls gewünscht, Glitzersteinchen und Tattoos. Besonders beliebt sind auch unsere Cocoon-Otoplastiken – superleichte, individuell gefertigte »Schirmchen« aus Silikon, optional skelettiert.
Heimann: Auf alle Silikon-Otoplastiken wird mit unserem UV-Drucker unser oder das Firmen-Logo des Akustikers aufgedruckt, in Farbe. Eine weitere Besonderheit ist unsere Velar-Otoplastik. Das ist eine harte Otoplastik mit einer weichen Beschichtung, speziell für Ex-Hörer-Otoplastiken, die sich nicht aus dem Ohr herausarbeiten sollen. Hier sorgt die weiche Beschichtung einfach für einen Anti-Rutsch-Effekt, gleichzeitig bietet sie aber den Tragekomfort einer harten Otoplastik. Insbesondere bei geraden Gehörgängen bietet die sich als gute Lösung an.
Das Thema Bestellprozess ist bekanntlich auch bei den Laboren längst ein Thema. Wie können wir uns den bei der otofaktur vorstellen?
Heimann: Ganz unkompliziert. Wer will, bekommt ein Onboarding per Zoom – für den Einstieg oder für neue Mitarbeitende. Es geht aber auch ohne. Einige Kunden nutzen unser Online-Portal Otoport ganz selbstständig, andere rufen einfach an, falls es Fragen gibt. Unser Otoport bietet Schnittstellen zu gängigen Softwaredienstleistern, um Kundendaten zu übermitteln.
Nun begeht die otofaktur in diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Wie feiern Sie das?
Häusler: Mit richtig guten unterschiedlichen Angeboten für alle über das Jahr hinweg. Für Bestandskunden und für alle, die uns mal testen möchten, ganz gleich ob Neugründer oder einfach Neukunden. Neugründer bekommen außerdem 50 Prozent Rabatt auf die ersten Aufträge. Außerdem bieten wir eine Rundumversorgung für den Start: Scanner, Fräser, Technikmaschine, Abformmaterial – alles, was man für den Laborbereich benötigt. Und: Demnächst kommt unser Gehörschutz Siloc mit PSA-Zulassung auf den Markt. Aktuell arbeiten wir außerdem noch an einer eigenen App zur PSA-Messung – für Smartphone, Tablet und PC. Damit können unsere Kunden bald direkt selbst Messungen durchführen.
Frau Heimann, Herr Häusler, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!