DIGITALES MAGAZIN
048 | Juli 2025
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Der egger Aqua

Schwimmgehörschutz selbst hergestellt

Für viele Wassersport-Fans ist Schwimmgehörschutz ein Muss. Dringt regelmäßig kaltes Wasser in die Gehörgänge ein, kann das zu Hautreizungen, Infektionen bis hin zu Exostosen führen – vor allem bei Salzwasser. Dann spricht man vom »Surfer´s Ear«. Auch wer anfällig für Mittelohrentzündungen ist oder Verletzungen am Trommelfell hat, sollte seinen Gehörgang beim Baden schützen. Doch was ist, wenn der Gehörschutz besonders schnell benötigt wird? Dann heißt es: Selbst Hand anlegen. Der egger Aqua kann mit überschaubarem Aufwand im eigenen Fachgeschäft komplett selbst hergestellt werden, auch ohne 3D-Scanner.  Basis des egger Aqua ist eine spezielle Abformmasse, aus welcher der fertige Gehörschutz verkaufsfertig herausgeformt wird. Alles, was hierfür nötig ist, gehört zur Standardausstattung eines gut geführten Fachgeschäfts. Die Abformmasse ist in neun verschiedenen Farben erhältlich und kann in kleinen Margen von jeweils zwei Kartuschen bestellt werden. Mit einer Bearbeitungszeit von 30 Minuten können Hörakustiker*innen so selbst den Gehörschutz herstellen, ohne bei einem externen Dienstleister eine Bestellung aufgeben zu müssen. Gehen wir die einzelnen Schritte durch:

Abdrucknahme: Natürlich braucht man einen passenden Injektor von egger für die Kartuschen, sowie das übliche Material wie Otoskop, Leuchtstab, Pads oder Watte, Pinzette und Folie. Hierbei ist zu beachten, dass die Masse für guten Tragekomfort mit 35 Shore etwas weicher aushärtet als andere Abformmaterialien, weshalb der Rohling nach dem Trocknen im Ohr mehr zum Haften an der Haut neigt. Daher empfiehlt sich, die Gehörgänge und die Ohrmuschel vorher mit etwas Salbe einzufetten, beispielsweise mit Cedis Gel. Dass der Abdruck so tief wie möglich sein sollte, idealerweise bis hinter den zweiten Knick, versteht sich von selbst. Je nach Raumtemperatur härtet die Masse im Gehörgang innerhalb von drei bis fünf Minuten aus und kann dann entnommen werden.

Vorbereitung des Rohlings: Nach der Entnahme aus dem Gehörgang muss der Gehörschutz sorgfältig beschnitten werden. Pads oder Watte sowie Fäden sollten sauber mit Cutter oder Schere abgetrennt werden. Hierbei ist daran zu denken, dass keine Scanvorlage bearbeitet wird, sondern das Endprodukt. Fehler können nur bedingt kaschiert werden, besondere Sorgfalt ist also nötig. Für die weitere Bearbeitung sollte der Gehörschutz mit einem Cuttermesser auf die Lübecker Grundform zurechtgeschnitten werden. 

Schleifen: Für die Nachbearbeitung ist eine Fräse mit hoher Drehzahl von mindestens 25.000 Umdrehungen pro Minute sinnvoll, da das weiche Silikon nachgiebig ist. egger empfiehlt die Bearbeitung mit einem Schwammstein. Um sich vor dem unvermeidlich entstehenden Silikonstaub zu schützen, ist das Tragen einer Schutzbrille angebracht, gegebenenfalls auch eines Mundschutzes. Um Verletzungen beim Abrutschen zu vermeiden, ist außerdem das Tragen von Handschuhen sinnvoll, vor allem bei Anwendern mit wenig Übung. Derart ausgestattet, wird die Außenseite des Rohlings außerhalb des Gehörgangs in eine glatte und leicht konische Form gebracht. Damit ist der Schwimmgehörschutz in seiner einfachsten Form grundsätzlich einsetzbar. Doch um Kunden ein professionelles Produkt zu liefern, sollte weiterer Feinschliff erfolgen.

Anbringen von Griffen: Es gibt drei Möglichkeiten, um auf jeder Seite einen praktischen Griff anzubringen, der den Kunden das Einsetzen und Herausnehmen vereinfacht. egger bietet Kunststoffgriffe mit selbstschneidendem Gewinde an, die nachträglich ins Silikon geschraubt werden können. Wichtig: Die Positionierung der Kunststoffschrauben muss so gewählt werden, dass sie nicht das Material durchdringen und auf der Innenseite herausragen. Alternativ kann bereits bei der Abdrucknahme ein bei egger erhältlicher Metallstempel in die weiche Masse gedrückt werden, der einen Griff abformt. Dieser muss nach dem Aushärten nur noch mit einem Messer freigeschnitten werden. Oder aber, für die Handwerk-Cracks: Der Griff kann auch beim Beschleifen mit dem Schwammstein und einem Fräsaufsatz manuell herausgeformt werden. Wer diese Technik beherrscht, kommt zu einem besonders professionellen Ergebnis.

Lackieren: Theoretisch wäre der Gehörschutz nach den bisher genannten Arbeitsschritten bereits voll verwendbar. Um das Material zu schützen – man denke an Chlor- oder Salzwasser – ist allerdings das Lackieren der Oberfläche angebracht. Wichtig ist der Einsatz eines speziellen Silikonlacks, wie beispielsweise der Lack L von egger. Darin wird der Gehörschutz nach der Reinigung mit Isopropanol eingetaucht, beispielsweise aufgespießt auf die Spitze eines feinen Spiralbohrers. Zum Trocknen empfiehlt sich die Anbringung an einen Wendemotor, damit der Lack keine Nasen zieht. Bereits nach 20 Minuten ist der Lack fingertrocken. Der Gehörschutz sollte allerdings dann noch einmal zwöf Stunden lang aushärten. Man könnte den Aqua also taggleich von der Abdrucknahme bis zur Ausfertigung einem Kunden mitgeben, mit dem Hinweis, ihn frühestens am nächsten Tag einzusetzen und so lange an der Luft trocknen zu lassen. 

Fazit: Der egger Aqua ist eine praktische Möglichkeit, um im eigenen Fach-geschäft sehr schnell Schwimmgehörschutz herstellen zu können, auch für Spontankunden. Außerdem haben Hörakustiker*innen so die Möglichkeit, Kunden mit ihrer Handwerkskunst vor Ort zu überzeugen. Damit diese ihren Freunden voller Stolz berichten können: Den hat mein Hörakustiker persönlich für mich maßgefertigt.