Von Thomas Sünder / Fotos: OMNIdirekt, FGH
Fördergemeinschaft Gutes Hören: neutral, unabhängig und einzigartig
Seit beinahe 60 Jahren engagiert sich die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) unermüdlich dafür, öffentliches Bewusstsein für das Thema Hören und Hörakustik zu schaffen. FGH-Partner profitieren von bundesweiter Aufklärung und Marketingmaßnahmen, wie den Hörmobil-Einsätzen, neuen Kundenkontakten durch alle Arten von Medien und vielem mehr. Wie sich die FGH von Einkaufsgemeinschaften und der Konkurrenz durch Online-Anbieter unterscheidet, erfahren wir im Interview mit der neuen Geschäftsführerin Julia Strauch und Medienberater Karsten Mohr.
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Frau Strauch, die FGH bietet grundsätzlich allen interessierten Hörakustikfachbetrieben Unterstützung an. Wie viele Partner haben Sie und wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeiten?
Julia Strauch: Aktuell sind das 900 Fachgeschäfte, die sich auf 500 Zentralen und 400 Filialen verteilen. Das zeigt, dass wir gerade für kleine und mittelständische Unternehmen als wichtige Organisation wahrgenommen und genutzt werden. Außerdem unterstützen uns vier Großfilialisten als Fördermitglieder. Uns geht es vor allem darum, in der Öffentlichkeit Aufklärungsarbeit für die Hörakustik zu leisten und die inhabergeführten Betriebe gegenüber den großen Ketten zu stärken.
Welche Leistungen können Ihre Partner nutzen?
Julia Strauch: Das umfasst ein sehr großes Spektrum. Wir sind auf allen Medienkanälen unterwegs, egal ob Online, Print, TV, Radio oder Social Media. Ein gutes Beispiel ist die Hörakustikersuche für Interessierte und potenzielle Kunden, bei der ausschließlich die Fachgeschäfte unserer Partner zu finden sind. Wir haben pro Monat etwa 20.000 Besucher auf unserer Homepage, von denen der größte Teil die Hörakustikersuche nutzt. Viele unserer öffentlichkeitswirksamen Aktionen führen direkt zur Onlinesuche, um Interessenten in die Fachgeschäfte unserer Partner zu bringen. Sehr gut nachgefragt bei den Hörakustikern sind auch unsere Angebote im Bereich Social Media, wie z.B. die Quick Checks oder subventionierte und individualisierte Anzeigen für die Schaltung auf diversen Social-Media-Plattformen. Das ist gerade für die Betriebe interessant, die im Tagesgeschäft nur wenig Zeit haben, sich mit diesen Dingen zu befassen. Im Out of Home-Bereich können unsere Partner kostenlose Großflächen über uns buchen oder Aktionspakete bestellen, um am POS auf sich aufmerksam zu machen. Vieles davon ist individualisierbar mit eigenem Logo, Adresse und Kontaktdaten.
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Auch die Einkaufsgemeinschaften unterbreiten umfangreiche Angebote – wie würden Sie den Unterschied zu Ihren Leistungen beschreiben?
Julia Strauch: Unser Fokus ist, die Öffentlichkeit für das Thema Hören neutral und unabhängig zu sensibilisieren und Betroffene zu einem Hörakustiker zu führen. Darin unterscheiden wir uns schon mal grundsätzlich von den Einkaufsgemeinschaften mit ihren herstellergebundenen Verträgen. Die Maßnahmen, mit denen wir nach außen treten, sind komplett neutral im Sinne der Verbraucherinformation. Wir empfehlen keine Hörsysteme bestimmter Hersteller und alle Materialien, die unsere Partner erhalten, sind objektiv und ohne bestimmte Kaufempfehlungen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir haben zwar die Rechtsform der GmbH, aber wie agieren als unabhängiger Branchenverband. Das heißt, wir arbeiten nicht gewinnorientiert. Alle Gelder, die zu uns fließen, werden eins zu eins für Aufklärungsarbeit und konkrete Marketingmaßnahmen für unsere Partner eingesetzt.
Heißt das, es könnten theoretisch zwei Hörakustikfachbetriebe, die in derselben Straße ihre Geschäfte führen, das Hörmobil mieten und sich gegenseitig Konkurrenz machen?
Julia Strauch: Das wäre möglich. In diesem besonderen Fall können sich die Mitbewerber zusammentun oder zwei getrennte Aktionen durchführen. Am Ende kommen alle Auftritte in der Öffentlichkeit allen Hörakustikern zugute. Es gibt viele Wege, wie Mitglieder unserer Vorteile nutzen können, ohne sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Dank unserer Neutralität ist ein Gebietsschutz bei uns nicht nötig. Am Ende sprechen die Vorteile für sich. Wer unser Hörmobil mietet, muss sich um nichts kümmern. Wir übernehmen die komplette Organisation inklusive Einholen von Genehmigungen, regionale Pressearbeit und Ankündigungen in sozialen Medien. Im Hörmobil werden an einem Tag mit Beratungen und Hörtests in der Regel direkt zwei bis drei Neukunden gewonnen. Die Menschen reagieren offen auf die Hörmobile und lassen sich gerne ansprechen. Die Hemmschwelle zum Hörtest liegt hier einfach sehr viel tiefer. Und die Öffentlichkeitswirksamkeit eines solchen Aktionstags ist enorm für den Hörakustiker und für die gesamte Branche.
Eines Ihrer Ziele ist auch, den Berufsstand der Hörakustiker bekannter zu machen. Was unternehmen Sie in dieser Richtung?
Julia Strauch: Unser Ziel ist, dass Hörakustiker Ansprechpartner Nummer Eins werden, wenn es um gutes Hören geht. Wir haben Umfragen zu diesem Thema gemacht und nach wie vor ist es so, dass HNO-Ärzte von Menschen mit Hörproblemen an erster Stelle genannt werden. Wir wissen alle, wie langwierig es sein kann, einen Termin beim Arzt zu bekommen. Deshalb empfehlen wir, zuerst einen Hörakustiker aufzusuchen. Dort bekommt man eine persönliche Beratung, wird individuell betreut und bei einer Indikation für Hörsysteme nicht allein gelassen. Dafür informieren wir über das gesamte Leistungsspektrum des Hörakustikhandwerks. Daran schließt sich nahtlos unsere Kampagne zur Nachwuchsgewinnung in der Hörakustik an.
Karsten Mohr: Wir nutzen für die jungen Zielgruppen überwiegend Social-Media-Kanäle mit Reels und Kurz-Videos, die von Hörakustik-Azubis selbst aufgenommen wurden. Damit schaffen wir Authentizität und Glaubwürdigkeit bei den Gleichaltrigen. Und es entsteht das Bild eines Berufs, der zukunftsorientiert ist mit einer coolen Mischung aus Technik und sozialem Engagement.
Können Hörakustiker Ihre Leistungen auch erst einmal unverbindlich testen, ohne direkt Partner zu werden?
Julia Strauch: Wir bieten dafür eine Testpartnerschaft von drei Monaten an. In diesem Zeitraum können Interessenten von den besprochenen Leistungen profitieren, inklusive der Hörakustikersuche auf unserer Website. Dazu kommt unser Partnerportal, über das wir noch gar nicht gesprochen haben. Hier bieten wir diverse Werbemittel und Vorlagen zum Bestellen oder zum Download an. Im Testzeitraum können die kostenlosen Angebote unbeschränkt genutzt werden und die kostenpflichtigen Angebote zu den günstigen Partner-Konditionen. Unabhängig davon können auch Hörakustiker, die keine Partner sind, aktuell das Hörmobil von uns nutzen – allerdings zu höheren Konditionen als FGH-Partner.
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Die FGH wurde 1966 gegründet. Wie haben sich die Ansprüche der Mitglieder verändert?
Julia Strauch: In letzter Zeit beobachten wir, dass vermehrt unternehmerisch gedacht wird. Also konkret: Was bekomme ich für mein Geld? Außerdem orientiert sich die jüngere Generation, die jetzt in den Fachgeschäften nachrückt, an zeitgemäßen Marketingtrends auch in puncto regionale Bekanntheit und Neukundengewinnung.
Karsten Mohr: Entsprechend gehen wir mit diesen Trends. In den letzten Jahren konnten wir den Bedeutungsverlust von Printmedien sehr gut nachvollziehen. Das hat auch damit zu tun, dass die Generation 60 plus inzwischen in der Online-Kommunikation angekommen ist. Wir setzen deshalb auf Internet, Social Media, Adressable-TV und Online-Radio. Gerade online erreicht man heutzutage wirklich alle relevanten Zielgruppen.
Gibt es noch Bereiche und Angebote, die wir bisher nicht besprochen haben?
Julia Strauch: Da wären die Informationsveranstaltungen zu nennen, die unsere Mitarbeiterin Heike Jakob zusammen mit Hörakustikern organisiert und durchführt. Dazu zählen Vorträge, beispielsweise in Seniorenheimen oder Gesundheitszentren, wo über gutes Hören aufgeklärt wird und Hörtests gemacht werden können. Außerdem sind Auftritte auf Verbraucher- und Jobmessen sowie Schulbesuche für die Nachwuchsgewinnung in unserem Angebot. Und dann bieten wir unseren Partnern seit kurzem ein regionales TV-Format zu Sonderkonditionen an. Damit können sie effektiv und günstig TV-Werbung schalten, die gezielt in ihrer Region und nur für passende Zielgruppen ausgespielt wird.
Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Julia Strauch: Unsere drei Top-Ziele sind, die Sichtbarkeit der Hörakustiker zu erhöhen, die Imagepflege voranzutreiben und über den Beruf zu informieren. Dabei stehen unsere Partner stets im Mittelpunkt. Das sind überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen, denen wir helfen, sich gegen große Ketten zu behaupten. Außerdem wollen wir in Zukunft zunehmend Nicht-Mitgliedern attraktive Angebote machen. Und wir werden verstärkt mit Partnern in den Dialog treten, um zu netzwerken und zu schauen, wo wir uns alle gegenseitig helfen und unterstützen können. Die FGH ist seit jeher das Sprachrohr der Branche, und je mehr Mitglieder sich bei uns zusammentun, desto stärker repräsentieren wir die Hörakustik in der Gesellschaft.
Frau Strauch, Herr Mohr, vielen Dank für das Gespräch.