DIGITALES MAGAZIN
051 | Oktober 2025
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»Die KI-Funktion hat schon was drauf«

Von Martin Schaarschmidt (GN Hearing) / Fotos: MATT optik + akustik

»Die KI-Funktion hat schon was drauf«

Welche Vorteile neueste Hörsystem-Features im Alltag tatsächlich bieten, das erfahren Hörakustiker erst durch die Rückmeldungen ihrer Kunden. Es sei denn, sie sind selbst Hörsystemträger und können ihr handwerkliches Know-how mit dem eigenen Hör-Erlebnis verbinden. So wie Hörakustikmeisterin und Pädakustikerin Yvonne Lindner (29) aus dem Fachgeschäft von MATT optik + akustik in Freising, die uns von ihren Erfahrungen mit Hörsystem ReSound Vivia berichtete.

Frau Lindner, zum Einstieg sollten wir Sie kurz vorstellen.

Gerne. Ich bin 29 Jahre alt und gebürtig aus Regensburg. Dort habe ich bis 2016 meine Ausbildung gemacht, später noch den Meister bei der BAK Landau und in Braunschweig den Pädakustiker. Und ich bin Hörgeräteträgerin. Erstmals versorgt wurde ich, als ich in die 3. Klasse ging. Als kleines Kind hatte ich oft Mittelohrentzündung und bekam Paukenröhrchen. Irgendwann war ich immun gegen Antibiotika. Dann musste ich operiert werden, bekam links ein neues Trommelfell und trage seitdem Geräte. Heute bin ich in den Tiefen zwischen 125 und 250 Herz bei 10-20 dB. Dann geht es über den Mittelbereich stark runter auf 60-70 dB. Etwa da bleibt es auch im Hochtonbereich.

Wie sich die Hörsysteme weiterentwickeln, erleben Sie seit 20 Jahren sozusagen live mit?

Ja. Ganz am Anfang, beim Pädakustiker, gab es noch keine so große Auswahl an Geräten. Doch inzwischen bin ich seit vielen Jahren ein „ReSound-Kind“. Zuerst hatte ich ReSound LiNX2, dann LiNX 3D, Linx Quattro, One, Nexia und jetzt Vivia. Und ich hatte immer die höchste Technikstufe. Tatsächlich habe ich nie mit den unteren Stufen verglichen, weil ich keine Abstriche machen möchte. Ehrlich gesagt, komme ich von den ReSound-Geräten auch nicht mehr weg. Ich teste zwar hin und wieder andere Hersteller, stelle jedoch immer bald fest, dass die mir zu weichgespült klingen. Mir fehlt da die Schärfe. Ich habe meine Geräte sogar leicht über Ziel eingestellt – falls jemand sehr leise spricht.

Das heißt, Sie haben in den letzten zehn Jahren nahezu alle ReSound Premium-Lösungen erlebt? Gab es da Entwicklungssprünge vom einen zum anderen System, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Schwer zu sagen. Es war generell immer noch etwas besser, deutlicher und natürlicher. Aber die Sprünge waren meist nicht so groß. Wunderbar war, als ich das erste Mal Telefonate vom iPhone streamen konnte. Vor allem unterwegs konnte ich davor nie telefonieren. Da habe ich nie verstanden. Doch seit LiNX2 telefoniere ich nur noch über meine Hörgeräte. Und seitdem streame ich Fernsehen über den TV-Streamer. Also, das Zubehör nutze ich auch. Der nächste Riesensprung, der mir jetzt sehr stark im Kopf ist, war der von ReSound Nexia zu ReSound Vivia. Davor hatte ich auf Partys und bei all diesen Gruppengesprächen mit Hintergrundmusik nie mitreden können. Da habe ich mir immer einen in der Gruppe gesucht und mit ihm ein Einzelgespräch geführt; und auch dann musste ich oft nachfragen.

Das ist jetzt anders?

Ja, mit dem KI-Chip ist das ganz anders. Ich habe ihn zuerst bei einem Geburtstag getestet – mit etwa 50 Leuten, DJ usw. Das erste Mal im Leben habe ich mich bei so einer Feier gefühlt den ganzen Abend unterhalten können. Zwischendurch habe ich den Chip mal ausgemacht; das war ein wahnsinniger Unterschied. Mit der KI hörte ich zwar von der Musik nicht mehr viel, aber ich wollte mich ja auch unterhalten. Das ging so gut, dass ich am nächsten Morgen leicht heiser war. Es war richtig schön. Solche Erlebnisse hatte ich inzwischen öfter. Zum Beispiel bei einem Starkbierfest mit Bühnenprogramm. Das waren bisher so meine Highlights mit ReSound Vivia. Also, die KI-Funktion hat schon was drauf. Es hat großen Spaß gemacht. Das haben sie richtig gut hingekriegt.

Wann aktivieren Sie den DNN-Chip im Alltag?

Im normalen Alltag nutze ich ihn kaum. Aber er hilft mir immer dann, wenn ich merke, dass ich mit dem Standardprogramm am Ende bin. Wenn ich nichts mehr verstehe, weil es zu laut ist. Die KI-Funktion vorher zu aktivieren, macht auch gar keinen Sinn. Denn in normalen Alltagssituationen verstehe ich mit dem Standardprogramm besser. Den DNN-Chip aktiviere ich nur in lauter Gesellschaft – also vielleicht so ein- bis zweimal pro Woche. Die KI schalte ich übrigens immer am Programmtaster ein. Das geht schneller als mit der App. Die App nutze ich hingegen, um den TV-Streamer umzuschalten. Also wenn wir zum Beispiel fernsehen und mein Mann zwischendurch mit mir reden will. Ab und zu stelle ich in der App auch etwas lauter; ich habe eine Freundin, die sehr leise spricht.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Akku? Wie wirkt sich die Aktivierung des KI-Chips auf den Verbrauch aus?

Wie sich der Verbrauch durch die KI-Funktion ändert, darauf habe ich ehrlich gesagt nicht geachtet. Mir ist nicht aufgefallen, dass sich die Funktion besonders auf den Akku auswirkt. Worüber ich mich hingegen gewundert habe: Verglichen mit Nexia hält der beim Vivia noch länger. Der Akku lädt auch viel schneller. Generell komme ich mit dem Akku immer locker über den Tag. Mir ist sogar schon passiert, dass ich beim Hörbuchhören eingeschlafen bin. Das Streaming lief die ganze Nacht. Auch das ging. Also trotz ständigem Bluetooth-Streaming hat die Ladung länger als 24 Stunden gereicht.

Gibt es Weiteres, was Sie an ReSound Vivia besonders überzeugt?

Das Tragegefühl ist super. Mir gefällt das Design. Auch die Gehäuse der Batteriegeräte finde ich jetzt schöner als noch beim ReSound Omnia. Besonders finde ich auch, dass man mit ReSound und mit iPhone keinerlei Schwierigkeiten beim Koppeln hat. Mit anderen Herstellern hat man das, und auch mit Android kann es passieren: Dann bricht plötzlich mal die Verbindung ab. Besser ist auch, dass meine Stimme jetzt vom Hörgerät aufgenommen wird. Beim Telefonieren muss ich das Handy gar nicht mehr mit mir rumtragen. Einziger Nachteil dabei ist, dass ich manchmal nicht mehr weiß, wo das Handy liegt. Anrufen, um zu hören, wo es klingelt, hilft auch nicht – weil es dann in meinen Ohren klingelt … Aber das ist nicht wirklich schlimm, eher lustig. Darüber hinaus bietet ReSound Vivia auch Vorteile, die mir die tägliche Arbeit erleichtern.

Welche sind das?

Man muss die Hörgeräte nicht erst entkoppeln, um sie vor der Anpassung mit dem Rechner zu verbinden. Und ich bin froh, dass es nun endlich Flex-Demogeräte gibt. Ich bin immer wieder begeistert, wie die sich in nur zehn Sekunden umstellen lassen. Ich zähle jedes Mal mit, weil ich es immer noch nicht ganz glaube. Es geht mit Abstand schneller als bei den anderen Herstellern; wirklich top. Ebenfalls top ist, dass ich jetzt die Mikrofonfilter tauschen kann. Das habe ich schon mehrmals getan. Als es noch nicht ging, hatten wir etliche defekte Mikrofone. Jetzt ist alles viel einfacher. Dass man Filter mal wechseln muss, das kennen die Kunden schon von den Lautsprechern. Wird es leiser oder fängt es an zu rauschen, dann wechseln wir die Filter eben aus. Die Kunden sind dankbar, dass sie deshalb nicht gleich eine Reparatur haben.

Haben Sie das ReSound Vivia schon oft angepasst?

Ja. Und viele Kunden sind ebenso begeistert wie ich. Eine Kundin meinte: „Ich habe in sehr lauten Situationen sogar besser verstanden als mein gut hörender Mann. Normalerweise verstehe ich da nie was.“ Nur ein Kunde, der in der Nachversorgung war, kam mit der KI-Funktion nicht zurecht. Mit dem Chip hört es sich eben nicht mehr so natürlich an … Alle anderen waren zufrieden. Und auch meine Kunden schätzen, dass der Klang bei GN schärfer ist als bei anderen, dass sie dadurch gutes Sprachverstehen haben.

Wie passen Sie die Systeme an?

Eigentlich immer mit Audiogramm+ von ReSound. Den Klang finden die meisten angenehmer und schöner als bei NAL-NL2. Dann ist die Frage, ob es eine Erst- oder eine Folgeversorgung ist. Je nachdem nehme ich „Eingewöhnung“ oder „sehr erfahren“. Andererseits ist klar, dass man sich auch in der Folgeversorgung bei jedem neuen Gerät etwas umgewöhnen muss. Da ist es egal, ob ich den gleichen Hersteller nehme oder nicht. Es ist eben andere Technik, und das muss man dem Kunden auch sagen: „Gib dir mal ein, zwei Wochen Zeit und dann läuft das.“ Und der Kunde muss die Geräte natürlich den ganzen Tag tragen. Wenn man da richtig aufklärt, funktioniert es eigentlich immer.

Lassen Sie uns noch kurz über den Service von GN sprechen. Wie zufrieden sind Sie hier?

Der ist super. Gibt es mal ein Problem, kann ich Michael Mark oder Raphael Jäger immer erreichen. Die beiden sind meine Ansprechpartner. Sie sind immer freundlich und zuvorkommend, wir haben einen guten Draht. Raphael ist außerdem ein früherer Kollege von mir. Beide waren auch bei uns in der Zentrale, um uns für Vivia zu schulen. Mittels Klangkopf konnten alle in die Geräte reinhören – mit verschiedenen Klangbeispielen. Das war super interessant und hat Spaß gemacht. Auch mit der audiologischen Hotline bin ich sehr zufrieden. Da bekomme ich meist Herrn Weber oder Herrn Brinkmann; die helfen immer weiter. Man wird ernst genommen. Braucht man Informationen, schicken sie sie zu. Und wenn ich mal ein Gerät tauschen will, ist das kein Problem. Nur den Online-Shop nutze ich nicht. Unsere Bestellungen machen wir alle per Mail, weil wir ein eigenes System haben … Jetzt fällt mir noch was ein, was ich beim ReSound Vivia unglaublich toll finde.

Was denn?

Dass es die Geräte endlich wieder in Rot gibt. Das hatte ich mir die Jahre immer gewünscht. Also, meine Geräte sind rot. Und ich habe sogar eine Wette mit Michael Mark zu laufen. 

Eine Wette? Worum geht’s da?

Ich habe mit ihm gewettet, dass ich in zwei Monaten zehn paar rote Hörgeräte verkauft bekomme. Der Verlierer muss den anderen zum Abendessen einladen.

Dann drücke ich natürlich die Daumen, dass Sie gewinnen. Vielen Dank, Frau Lindner, für das Gespräch.