NETZWERKE. Ob man interne Daten einer künstlichen Intelligenz zur Weiterarbeitung für eigene Zwecke anvertrauen kann, wird in vielen Unternehmen heiß diskutiert. Oft mit der Konsequenz, beispielsweise bei ChatGPT eher keine sensiblen Daten hochzuladen. Zu groß die (theoretische) Gefahr, dass Unbefugte Zugriff erhalten könnten. Dazu kommen die allgemeine Unsicherheit sowie das angekratzte Vertrauen in das transatlantische Verhältnis. Dem sicheren und verantwortungsvollen Einsatz einer KI für die Weiterverarbeitung von Unternehmens- oder gar Gesundheitsdaten steht das freilich im Weg.
Abhilfe will nun das Netzwerk Hörgesundheit mit einem eigenen Angebot schaffen, DSGVO-konform und sicher. Dafür hostet es eine eigene KI-Instanz in Deutschland und trainiert diese mit typischen Anwendungsfällen sowie Wissen rund um das Thema Hörgesundheit. »So können Sie und Ihre Mitarbeiter in einer sicheren Umgebung experimentieren – mit Fokus auf Datenhoheit, Vertrauen und Sicherheit«, heißt es in einer Pressemitteilung des Netzwerks. Der Launch der Beta-Version erfolgte am 25. September dieses Jahres im Rahmen eines Online-Events.

Warum man mit einer Beta-Version live geht, erklärt Sebastian Garcia Dennemark so: »KI ist noch schnelllebiger, daher wollen wir die Anwendungsfälle gemeinsam mit der Community entwickeln«. Parallel werde die KI mit Hörgesundheitsdaten, Krankenkassenverträgen und vielen weiteren Informationen trainiert, um letztlich aus dem Beta-Stadium herauszukommen, so der Mitgründer des Netzwerks Hörgesundheit weiter. Ziel ist, die Hörgesundheits-KI so weit zu trainieren, dass sie sich für verschiedene, branchentypische Anwendungsfälle nutzen lässt. In der Folge könne man dann Unternehmensinterna, etwa als PDF, DOCX, XLS/CSV oder weitere Textdateien hochladen. Zudem sollen sich Arbeitsanweisungen erstellen lassen, Checklisten oder FAQs. Auch für Spezialversorgungen oder Produktempfehlungen soll man die KI nutzen können. Ebenso sollen eigene KI-Prompts möglich sein, und auch Agents für sich wiederholende Aufgaben sollen sich erstellen lassen. »Die KI kann Routineaufgaben automatisieren«, schreibt das Netzwerk Hörgesundheit hierzu.
Gerichtet ist das Angebot explizit an Inhaberinnen und Inhaber, Filialleitungen, Gesellinnen und Gesellen sowie Service-Mitarbeitende, die KI-gestützte Prozesse ausprobieren oder schon in ihren Praxisalltag integrieren wollen, »alles ohne Datenschutzrisiko«.
Um die KI nutzen zu können, bedarf es einer Anfrage an das Netzwerk Hörgesundheit. Nach einen Videogespräch wird sie freigeschaltet. Darauf folgen Onboarding und das Erstellen eines Setups mit Nutzerkonto und Zugang. Erste Agenten und Demo-Daten werden ebenfalls bereitgestellt. Im dritten Schritt folgt der Pilot-Use sowie die Integration, etwa durch das hochladen eigener Dokumente, Testläufe und das Finetuning der Prompts, »Support inklusive«, wie das Netzwerk Hörgesundheit schreibt.
Um die Qualität und die Evidenzbasis zu erhöhen, werde man im weiteren Verlauf anonymisiert Use-Cases aus Praxisdaten und das Feedback von Pilotpartnern sammeln. Für das kommende Jahr ist außerdem angekündigt, die medizinische Datenbasis weiter auszubauen, die Konfidenzraten weiter zu verbessern, eine erweiterte Agent-Bibliothek bereitzustellen sowie API-Anbindungen für Branchensoftware anbieten zu können.