Von Thomas Sünder & Dennis Kraus / Fotos: OMNIdirekt / Titelbild: Sven Kreher (li.) und Steffen Kohl
Phonak mit neuem Betriebssystem und bluetoothfähigem Akku-IdO am Start
Nachdem Phonak im vergangenen Jahr mit dem KI-gesteuerten Infinio Sphere für Aufsehen gesorgt hatte, präsentierte der Hersteller auf der EUHA einen Nachfolger und ein ganz neues Betriebssystem. Darüber hinaus gibt es ein neues IdO mit integriertem Akku und Bluetooth sowie innovative Domes, um das Verstopfen von Cerumenfiltern zu verhindern. Genug Gesprächsstoff für eine lockere Runde mit Sven Kreher und Steffen Kohl.
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Phonak hat mit dem Infinio Ultra eine neue Hörgerätegeneration auf den Markt gebracht. Welche Innovationen bietet das System?
Kreher: Erst einmal haben wir ein komplett neues Betriebssystem aufgesetzt. Das bietet mit Autosense 7.0 eine neue Art, Hörsituationen zu klassifizieren und einzuschätzen. Dafür haben wir das System auch neu trainiert. Das hatten wir zuletzt 2009 gemacht. Danach sind zwar immer neue Features dazugekommen, aber so eine grundsätzliche Neubearbeitung von Grund auf wie jetzt hat es seitdem nicht mehr gegeben. Jetzt haben wir für die Situationserkennung achtzehnmal mehr Hörsituationen aus dem realen Leben berücksichtigt, die besser zu den Kunden von heute passen. Mit dem neuen Autosense schaffen wir es, die Umgebung um 24 Prozent genauer zu klassifizieren. Beim Sphere haben wir außerdem die Effizienz verbessert. Das heißt, wir haben gleichzeitig eine bessere Klangqualität bei geringerem Stromverbrauch.
Profitieren nur Käufer von den Geräten der aktuellen Generation von dem neuen Betriebssystem?
Kreher: Nein, auch ältere Geräte profitieren von dem Performance-Upgrade, darunter das Infinio 1.0 aus dem vergangenen Jahr. Wir haben den Stromverbrauch um 30 Prozent reduziert. Das bedeutet: In einem manuell gewählten Programm kann die KI jetzt bis zu elf Stunden laufen. Vorher waren es sieben bis acht Stunden. Und wenn Autosense aktiv ist und die KI dazukommt, kann sie bis zu neun Stunden laufen. Generell ist es durch die Verbesserung von Autosense jetzt so, dass häufiger Sprache im Störlärm identifiziert wird und sich die KI folglich häufiger dazuschaltet, um rundum Sprecher hervorzuheben und Störlärm abzusenken. In Ruhe reicht der Akku sogar bis zu 56 Stunden.
Welche Neuerungen gibt es noch beim Infinio Ultra?
Kohl: Ein anderes wichtiges Thema ist Bluetooth-Konnektivität. Auch das Ultra bleibt weiterhin mit acht Geräten koppelbar, von denen zwei gleichzeitig aktiv sein können. Mit unseren universellen Einrichtungen funktioniert es auf allen Plattformen, Android wie iOS. Was wir jetzt noch deutlich verbessert haben, ist der Pairing-Prozess. Man muss das Gerät jetzt nur noch einmal koppeln, dann kann man sofort über das Hörsystem streamen, telefonieren und die App verwenden. Jetzt werden im Bluetooth-Menü des Smartphones die zwei Hörgeräte angezeigt, die aktiv sind.
Kreher: Wir haben in unserer Servicehotline gemerkt, dass Bluetooth-Kopplung immer wieder Thema Nummer eins war. Deshalb wollten wir den Zugang zu dieser digitalen Welt leichter gestalten. Dieser vereinfachte Prozess wird in der ebenfalls neuen App Schritt für Schritt beschrieben, sodass nichts mehr schiefgehen kann beim Koppeln. Die Kunden profitieren auch von unserer breit gestreuten Kompatibilität. Unsere Hörsysteme können mit mehr als 6.800 verschiedenen Geräten gekoppelt werden.
Phonak hat auch einen neuen Typ Domes eingeführt. Was hat es damit auf sich?
Kreher: Erst mal bleibt es natürlich dabei, dass unsere Empfehlung lautet, mit Otoplastiken anzupassen. Ganz einfach, weil nur damit die optimale akustische Anbindung gewährleistet ist. Aber wir wissen alle, dass der Alltag im Fachgeschäft anders aussieht. Manche Kunden akzeptieren keine Otoplastiken. Dann stellen Domes zwei große Herausforderungen dar. Einerseits wird die akustische Performance etwas schlechter. Zum anderen setzen sich die Hörer damit sehr schnell mit Cerumen und Feuchtigkeit zu. Deshalb haben wir nun Easy-Guard-Domes entwickelt, die den Hörer mit einer geschlossenen, aber schalldurchlässigen Membran schützen und sich super einfach reinigen lassen. Damit können weder Cerumen noch Feuchtigkeit in den Hörer eindringen oder ihn zusetzen. Als Hörakustiker muss man einfach nur in der Anpasssoftware Target die Easy-Guard-Domes anwählen, und der Sound wird an die Membran angepasst.
Auch im Bereich IdOs wartet Phonak mit einem neuen Produkt auf. Was zeichnet das neue Virto Infinio aus?
Kohl: Wir sind sehr happy, dass wir jetzt ein maßgefertigtes IdO mit Akku anbieten können – das übrigens auch alle Vorteile des neuen Betriebssystems mit Autosense 7.0 bietet sowie das vereinfachte Pairing. Denn dieses Gerät bietet in der Bauform ITE tatsächlich auch volle Bluetooth-Konnektivität. Außerdem können Anrufe per Tap-Control über den integrierten Bewegungssensor bequem per Doppeltipp angenommen werden. Oder eben über den standardmäßig integrierten Taster, mit dem man auch Lautstärkeänderungen oder Programmwechsel durchführen kann.
Kreher: Durch unseren Right-Fit-Ansatz können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass wir die bestmögliche Bauform liefern. Das heißt: möglichst klein bei voller audiologischer Performance und Konnektivität. Die neuen Geräte sind jetzt im Schnitt bis zu 15 Prozent kleiner als frühere Modelle und können entsprechend tiefer im Gehörgang platziert werden.
Was gibt es beim Bestellvorgang zu beachten?
Kohl: Aus Sicht des Hörakustikers eigentlich nichts. Es ist ganz simpel: Man gibt den Hörverlust an und wählt die Farbe für die Schale und die Faceplate. Alles andere machen unsere Experten. Das heißt, wir bauen die Geräte in der kleinstmöglichen Bauform für den betreffenden Hörverlust. Wir wählen auch den Hörer aus, wobei wir immer auch ausreichend Reserve berücksichtigen. So nehmen wir die Komplexität aus dem Bestellvorgang heraus. Erfahrene Hörakustiker können natürlich dennoch alle Faktoren auch manuell auswählen, wenn sie das möchten. Dann kann es allerdings passieren, dass das Gerät am Ende etwas größer wird als gewünscht. Da sind wir mit dem Right-Fit-Ansatz auf der sicheren Seite. Unser Versprechen an den Markt lautet, damit die kleinstmögliche Bauform bei optimaler Funktionalität zu gewährleisten.
Wie sieht es mit der Ladung und der Akkulaufzeit aus?
Kreher: Der Charger ist ebenso gut durchdacht wie das Design der Geräte. Wir haben nicht mehr die zwei kleinen Ladepunkte, sondern die Geräte können auch um 360 Grad gedreht eingelegt werden. Magnete ziehen sie in die richtige Position. Es ist fast nicht möglich, sie in die Schale zu legen, ohne dass sie geladen werden. Die Aktivierung der Ladung kann ich auch sofort an den leuchtenden LEDs sehen.
Kohl: Die Akkulaufzeit der Geräte reicht bei normaler Nutzung bis zu 30 Stunden. Selbst bei intensivem Streaming von acht Stunden liegt die Gesamtnutzungsdauer noch bei 16 Stunden.
Was gibt es sonst noch Neues aus dem Hause Phonak?
Kohl: Wir arbeiten aktuell an einer Hörstudie, die wir gemeinsam mit Hörakustikern durchführen. Damit ermitteln wir die Verringerung der Höranstrengung, die unsere Sphere-Geräte bewirken.
Kreher: Das Ganze läuft über Fragebögen. Die Teilnehmer füllen in den Fachgeschäften unserer Kunden online einen Fragebogen rund um die Höranstrengung aus. Dann bekommen sie für zwei Wochen Sphere-Geräte mit, und danach füllen sie noch einmal den Fragebogen aus. Damit können wir dann sehen, ob sich die Höranstrengung mit den Geräten verbessert hat. Natürlich können die Teilnehmer die Geräte dann auch kaufen, wenn sie davon überzeugt sind. So bieten wir unseren Kunden einerseits ein schönes Tool, um die Geräte zu vermarkten. Auf der anderen Seite gewinnen wir wissenschaftliche Daten, die die Wirksamkeit unserer Geräte bestätigen.
Herr Kreher, Herr Kohl, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.