DIGITALES MAGAZIN
053 | Dezember 2025
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Starkey launcht Omega AI und G Series AI – Florian Heyn mit den Einzelheiten

Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt, MediTrend

»In fünf Jahren sind wir Zehn Jahre voraus«

Nach nur einem Jahr löst Starkey mit Omega AI den Vorgänger Edge AI schon wieder ab. Darüber hinaus präsentierte der Hersteller auf dem EUHA-Kongress mit der G Series AI eine zweite neue Produktfamilie. Jede Menge Neues also bei Starkey. Darüber sprechen wir mit Florian Heyn, Manager Produkttraining und Audiologie.

Herr Heyn, erneut launcht Starkey zum EUHA-Kongress eine neue Produktfamilie für das oberste Regal. Warum drückt Starkey so aufs Tempo?

In den USA kam Omega AI zum Starkey Day am 10. Oktober, für Europa fiel der Startschuss zu Beginn des Kongresses. Wir können also wieder von einem globalen Launch sprechen. Und wenn Sie nach dem Tempo fragen: Wir sind Technologieführer. Und damit wir unseren Vorsprung nicht nur halten, sondern noch ausbauen, wollten wir schnell sein. So wurde es auch bereits in einem Statement unseres CEOs vor zwei Jahren angekündigt: »In five years, we will be ten years ahead.« Also lösen wir jetzt mit Omega das AI Edge AI ab und bieten die Familie direkt zum Start in drei RIC-Varianten sowie als CIC Wireless, ITC R und ITE R an – und das in den Techleveln 16, 20 und 24.

Was sind die entscheidenden Weiterentwicklungen gegenüber Edge AI?

In Omega AI arbeitet unsere siebte Generation KI seit Livio und unsere dritte Generation DNN. Beim DNN hatten wir mit Genesis AI den Anfang gemacht, indem man über den Edge-Modus ein DNN hinzuschalten konnte. Mit Edge AI kam dann ein Always-On-DNN, das wir in Omega AI natürlich beibehalten – mit dem Unterschied, dass wir die Datenbank erweitert und die Algorithmen nochmal verbessert haben, was es für die Nutzerinnen und Nutzer noch gewinnbringender macht. Die Branchenpremiere aber ist DNN 360, eine neuronale Signalverarbeitung über unsere NPU, die eine Direktionalitätsberechnung über das DNN ermöglicht.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Wir können so die akustische Situation viel schneller und sicherer klassifizieren und für den entsprechenden Moment die richtige Richtcharakteristik bereitstellen. Dafür nutzen wir zum einen die Klassiker der akustischen Informationen, zum anderen Sensordaten, sodass die Hör-Absicht erkannt wird. Diese Daten werden über unsere IMU-Sensoren ermittelt, über die wir auch das Fitness-Tracking oder den Sturzalarm, das Darstellen der Vitalwerte und eben auch die bewegungsbasierte Optimierung umsetzen. Die Sensoren sind einfach sehr hilfreich und erlauben uns vieles – und nun eben auch, dass wir für jede Situation die bestmögliche Richtcharakteristik liefern können. Wenn ich zum Beispiel laufe, möchte ich ja von allen Seiten Informationen erhalten und ansprechbar sein. Mit unserem DNN 360 sagen wir daher: mittendrin erleben. Ergänzt werden die bisher bekannten Direktionalitätsformen durch DNN Spatial Awareness, eine sehr gute Unterstützung für die räumliche Wahrnehmung. In komplexen Situationen kann die Funktion eine Verbesserung des SNR von bis zu 8 dB bringen und eine Verbesserung des Sprachverstehens von bis zu 28 Prozent. DNN 360 mit Spatial Awareness bieten wir allerdings allein im High-End-Segment. Aber in allen Omega-AI-Bauformen und den Techleveln 16 und 20 – das sind aktuell fünf – nutzen wir die DNN-Verarbeitung als Grundlage für die Berechnung der Direktionalität. Das gilt übrigens auch für die ITE- und ITC-R-Geräte, sofern diese ein Mehrmikrofonsystem haben.

Haben die neuen Technologien Auswirkungen auf die Akku-Laufzeit?

Nein. Seit Genesis AI sprechen wir von 51 Stunden Akkulaufzeit. Und diesen Werten bleiben wir auch weiterhin treu. Trotz der neuen Technik können wir weiterhin 51 Stunden Akkulaufzeit bieten. Was man hier nicht vergessen sollte: Genesis AI und Edge AI hatten den Chip noch gar nicht voll ausgenutzt. Daher können wir mit Omega AI nochmal deutlich mehr Leistung bringen – mit künstlicher Intelligenz, permanentem DNN, Sensorik und auch mit einem anderen Streaming-Protokoll. So verfügt Omega AI nicht nur über LE Audio, sondern ist auch Auracast-fähig.

Was hat sich hardwareseitig mit Omega AI verändert?

Fast nichts, zumindest von außen betrachtet. Man kann die gleichen Hörer verwenden, die gleichen Ladestationen wie bei Edge AI. Neu ist hingegen, dass die RIC-Systeme mit Akku jetzt eine LED haben. Damit kommen wir einem Wunsch aus dem Markt nach. Wo wir uns aber nochmal deutlich verbessert haben, ist die Qualität. Der Chipsatz hat für Omega AI ein neues Nano-Coating bekommen. Damit sind die Geräte noch resistenter gegen Feuchtigkeit. Wir sprechen daher jetzt von IP68 Plus. Sie können das auch hier am Messestand sehen. Wir haben am Mittwochmorgen Geräte im Wasser versenkt – und die Geräte funktionieren wie am ersten Tag. Selbst, wenn man den Chipsatz aus dem Gehäuse nimmt und in Salzlauge legt, passiert nichts, so gut schützt das neue Nano-Coating.

Apropos: Neben den Geräten im Wasser kann man auch sehen, wie eine Art Hammer auf Schalen schlägt. Worum geht es da?

Für die Schalen der Omega-AI-IdOs nutzen wir ein neues Material. Das ist einerseits flexibler, andererseits aber auch deutlich stabiler. Fallen die Geräte runter, wird das Material nicht gleich brechen oder aufplatzen. Bis zum Ende des Jahres werden wir hier alle Farben darauf umgestellt haben.

Gibt es bei der Anpassung Neues zu beachten?

So, wie wir den Markt sehen, ist mit einer steigenden Zahl von Wiederversorgungen zu rechnen, zudem wird die Zielgruppe insgesamt größer. Die Betriebsamkeit im Fachgeschäft wird also zunehmen. Darum sind wir bestrebt, Prozesse noch effizienter zu gestalten. Gleichzeitig ist es unser Anspruch, den Akustikern mehr Möglichkeiten anzubieten, ihre Arbeit machen zu können. Schließlich möchten wir auch weiter ein stabiler Partner für unsere Kundinnen und Kunden sein. Und so kam, auch durch den Austausch mit den Akustikern, das Thema Spontanakzeptanz auf. Daher haben wir hier nochmal viel getan und bieten mit Omega AI die Acoustic Model Optimization 2.0.

Was ist das?

Eine effizientere und noch genauere Vent-Effekt-Messung. Es wird genau geschaut, wo die Differenzen zwischen der vorberechneten und – nach der Rückkopplungsmessung – reellen akustischen Ankopplung liegen. Das wird vollautomatisch analysiert und anschließend als Profil angezeigt. So kann man sehen, was noch ausgeglichen werden könnte. Damit lässt sich ein noch genauerer First Fit noch schneller realisieren, einfach weil aufgezeigt wird, wo die Diskrepanzen zwischen der klassischen Messung und der reellen Tragesituation liegen.

Was ist außerdem neu?

Wir haben eine Notizmöglichkeit in unsere Anpass-Software integriert. Natürlich könnte man sich auch in seiner Kundenverwaltung Notizen zur Anpassung machen. Aber nun kann man das direkt in der ProFit in dem Sitzungsnotizfeld tun. Damit hätte man direkt in der Anpass-Software – lokal auf dem Rechner im Fachgeschäft gespeichert – mit den Notizen so etwas wie eine Nachvollziehbarkeit für die gemachten Einstellungen. Darüber hinaus haben wir TeleHear weiter optimiert. Hier boten wir bisher ja eine synchrone sowie eine asynchrone Fernprogrammierung. Mit Omega AI kommt nun ein dritter Weg hinzu: TeleHear AI mit Generative AI. Damit bieten wir jetzt auch Hilfe zur Selbsthilfe.

Das heißt?

Ist ein Nutzer in einer Situation, in der er im Hauptprogramm etwas verändern möchte, aber nicht die Möglichkeit hat, mal eben zu seinem Akustiker zu gehen, kann er nun ganz einfach in der App eintragen, was er sich klanglich wünscht – ohne dass er einem vordefinierten Weg folgen muss. Man schreibt zum Beispiel einfach so etwas wie »Kinderstimmen sind mir zu leise« oder »Geschirrgeklapper ist zu laut«. Das prüft dann die KI und sucht aus einer Datenbank mit reellen Anpassungen, die von Profis durchgeführt wurden, passende Einstellungen heraus und spielt sie dem Nutzer zurück. Auch hier kann man übrigens einen A/B-Vergleich machen. Und was besser gefällt, kann man sich dann ins Programm schreiben lassen.

Und als Akustiker bleibt man außen vor?

Nein. Zuerst muss der Akustiker diese Möglichkeit in der Anpassung freischalten. Man kann also entscheiden, ob man einem Kunden diese Möglichkeit überhaupt geben möchte. Hat man das getan, würde man – hat der Kunde etwas selbst geändert – über ein Webportal benachrichtigt. Und bei der nächsten Sitzung bekäme man detailliert gezeigt, was verändert wurde und kann das auch in die Fitting-Software übertragen.

Nutzen Sie die generative künstliche Intelligenz auch noch für andere Dinge?

Ja. Neben der TeleHear-AI-Möglichkeit nutzen wir sie auch für den Smart Assistant. Der Nutzer kann die Geräte also auch per Sprachbefehl steuern oder Erinnerungen speichern. Das funktioniert wirklich sauber. Darüber hinaus kann man die generative AI für Dinge des alltäglichen Lebens nutzen und etwa nach dem Wetterbericht fragen. Oder man bittet um eine Übersetzung, wenn man zum Beispiel auf Spanisch einen Kaffee bestellen möchte – vorausgesetzt, der Smart Assistant ist mit dem Smartphone kompatibel. Und auch in die ProFit haben wir eine AI-Assistenzfunktion implementiert. So gibt es in der Hilfesektion nun ein onlinebasiertes Feld, in dem man einfach Fragen zu unseren Produkten stellen kann.

Haben Sie auch den Healthable-Funktionen etwas Neues hinzugefügt?

In der App bieten wir jetzt ein angeleitetes Training zur Verbesserung des Gleichgewichtssinns an. Das Training findet über die App mithilfe der Sensoren in den Geräten statt. Darüber hinaus können die Sensoren jetzt auch die Atmung überwachen. So kann man sich zum Beispiel alle drei Minuten einen Mittelwert zeigen lassen, wie viele Atemzüge man pro Minute gemacht hat. So bekommt man die Chance, frühzeitig Abweichungen vom Normalwert zu erkennen und gegebenenfalls medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Neben Omega AI hat Starkey außerdem die G Series AI gelauncht. Wie ist die aufgestellt?

Mit der G Series AI kommen wir einem schon länger geäußerten Wunsch im Bereich der zuzahlungsfreien Geräte bis zur unteren Mittelklasse nach. Bisher mussten wir in diesem Segment mit Evolve AI noch zweigleisig fahren, was die Fitting-Software angeht. Mit der G Series AI haben wir dieses Segment nun auch in unsere ProFit geholt. Zudem ist die G Series AI mit den SnapFit-2.0-Hörern ausgestattet und ist auch mit der MyStarkey App kompatibel. Die Familie umfasst die Techniklevel 10, 12 und 16, die wir hier erstmal in einer RIC-Bauform anbieten. Weitere Bauformen werden folgen.

Herr Heyn, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.