
Rund 500 biha-Mitglieder besuchten die Präsenzveranstaltungen, Rund 600 nutzen das Online-Angebot
»Gute Leistung soll weiter gut bezahlt werden« – biha vor Ort 2026
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Wie gewohnt markierte die Roadshow der biha den Auftakt des Branchenjahres. Bei den Terminen informierte Hauptgeschäftsführer Jakob Stephan Baschab die Mitglieder umfassend über den Status quo und gab darüber hinaus einen Ausblick auf einige mögliche, das Gesundheitssystem betreffende Entwicklungen. Zu Besuch beim ersten Pflichttermin des Jahres.
Von Dennis Kraus / Fotos: OMNIdirekt, biha
In puncto Nähe zu ihren Mitgliedern lässt sich die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) nicht lumpen. 17 Städte bereisten biha-Hauptgeschäftsführer Jakob Stephan Baschab und Justitiarin Alexandra Gödecke binnen zwei Wochen Ende Januar, Anfang Februar. Von Hamburg über Kaiserslautern bis Freiburg, von Rostock über Leipzig und Dresden bis Nürnberg – wer wollte, sollte bis zum nächsten Tourstopp keine allzu weite Anfahrt auf sich nehmen müssen.
Rund 500 biha-Mitglieder nahmen das Angebot wahr, ihre biha vor Ort zu sehen. Wem es nicht möglich war, eine der Präsenzveranstaltungen zu besuchen, konnte sich für eines der beiden Online-Angebote anmelden. Rund 600 biha-Mitglieder machten davon Gebrauch und verfolgten die Veranstaltung in den eigens angesetzten Live-Streams. Viel niederschwelliger kann ein Informationsangebot kaum sein.
Die Qualität der Informationen rund um die Branche, die man bei der Roadshow bekommen kann, dürfte bekannt sein. Ob Marktdaten, Informationen rund um die Ausbildung, Wissenswertes aus dem Bereich des Wettbewerbsrechts oder der aktuelle Stand in der Gesundheitspolitik – aus all diesen und noch mehr Bereichen erfährt man, was gerade wichtig ist.

Informierte umfangreich über den Status quo der Branche: biha-Hauptgeschäftsführer Jakob Stephan Baschab
Zahlen
Im vergangenen Jahr zählte die biha insgesamt 7.564 Betriebsstätten, betrieben von 2.705 Unternehmen. Das sind 71 mehr als 2024 – ein Plus von 0,95 Prozent, trotz einiger Verkäufe. Ebenso gab es im letzten Jahr 43 Unternehmen mehr als im Vorjahr, was einem Zuwachs von 1,62 Prozent entspricht. Die Zahl der Filialbetriebe beziffert die biha auf 4.859. Das sind 28 beziehungsweise 0,58 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Angebot, das die Branche an die schwerhörigen Menschen des Landes macht, ist also, wenn auch nur in moderatem Maße, abermals gewachsen.
Wirft man einen Blick auf die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen, sind Mehrausgaben von 2,9 Prozent zu sehen, die die GKVen im Vergleich zu 2024 für Hörhilfen geleistet haben. Weil zum Zeitpunkt der Roadshows das letzte Quartal noch nicht ausgewertet vorlag, konnte nur der Zeitraum von Januar bis September mit den entsprechenden Monaten des Vorjahres verglichen werden. Aber die Tendenz ist klar. Für 2025 dürften sich die Ausgaben der GKVen allein für Hörhilfen auf etwa 1,35 Milliarden Euro summieren. Gegenüber 2024 wäre das ein Anstieg von 2,9 Prozent. Die Summe, die die Kassen insgesamt für Hilfsmittel aufwenden, liegt bei etwa 13 Milliarden Euro. Damit werden die Gesetzlichen Krankenkassen 2025 4,4 Prozent mehr Geld für Hilfsmittel ausgegeben haben. Die Gesamtausgaben der GKVen in 2025 belaufen sich auf 300 Milliarden Euro. Hier steht eine Steigerung von 8 Prozent zu Buche. »Wenn man sieht, dass die Ausgaben für Hörgeräte nur um 2,9 Prozent gestiegen sind, ist das noch moderat«, bilanziert der biha-Hauptgeschäftsführer.
»Wir haben bildungspolitisch vieles vor und müssen dabei klug und besonnen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen«
Die Gesellenprüfung
Für den März dieses Jahres werde das Berufsparlament über die Gesellenprüfung beraten, kündigt Jakob Stephan Baschab während der Roadshow an. Es soll darum gehen, die Prüfung »zukunftssicher« zu machen. Auf den Tisch kommen werde daher zum Beispiel das Thema Otoplastik in den praktischen Prüfungen. Etwa 50 Prozent der Prüflinge falle hier durch, berichtet Baschab. Während der Präsenz-Veranstaltungen habe er die Anwesenden gefragt, wer im Betrieb überhaupt noch regelmäßig ganze Ohrpassstücke fräsen lasse. »Das ist eine Minderheit«, stellte er fest. Es könnte daher zu der Debatte kommen, ob man die Gesellenprüfungsverordnung in diesem Punkt dahingehend anpasst, dass die Aufgabe, eine vollständige Otoplastik zu fräsen, aus dem Anforderungskatalog genommen wird. Davon unbenommen bleiben sollen hingegen die Ohrabformung sowie das allgemeine Fräsen beziehungsweise Bohren an einem Ohrpassstück. Darüber hinaus werde das Berufsparlament aber auch über Themen wie die Online-Versorgung sowie die medizinischen Aspekte in der Versorgung beraten. »Wir haben bildungspolitisch also vieles vor und müssen dabei klug und besonnen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen«, resümiert Baschab.
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Telematikinfrastruktur
Eigentlich sollte das Hörakustikhandwerk Anfang dieses Jahres an die Telematikinfrastruktur angebunden werden, was bekanntlich nicht erfolgte. Stattdessen wurde das Unterfangen auf Ende 2027 aufgeschoben, berichtet Jakob Stephan Baschab. An der Branche habe das im Übrigen nicht gelegen. Die Hörakustik wäre theoretisch bereit gewesen, das zeigten die simulierten Pilotverfahren, die die biha mit der opta data Gruppe, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und den benachbarten Gesundheitshandwerken zur eVerordnung durchgeführt hat.
Es gibt hier allerdings auch noch einige Punkte mit Potenzial für Nachbesserungen. So hat der Staat entschieden, dass die Hörakustik keinerlei Einblick in die elektronische Patientenakte (ePA) erhalten soll. Entsprechend erhalten die Hörakustiker auch keine Schreibrechte. Sie werden also, Stand jetzt, keine Informationen wie etwa Tonaudiometrie-Daten, in der ePA hinterlegen können. Das stelle, sagt Jakob Stephan Baschab, den Sinn und Zweck der ePA durchaus infrage. Wechselt jemand zum Beispiel den Leistungserbringer, bekäme der keinerlei Einblick in die Kunden- bzw. Patientenhistorie. Entsprechend setzt sich die biha dafür ein, dass Hörakustikerinnen und Hörakustiker Lese- und Schreibrechte für die ePA erhalten werden. Unterdessen treibe man die Vorbereitungen für die Teilhabe an der Telematikinfrastruktur in weiteren Punkten voran, zum Beispiel mit Blick auf die elektronische Abrechnung.

In 17 Städten machte die biha-Roadshow in diesem Jahr Station
Ausblick
Zum Abschluss der Roadshow kommt Jakob Stephan Baschab auf die allgemeine Großwetterlage im Gesundheitssystem zu sprechen. »Sie sehen ja in den Medien, wie darum gerungen wird, wie das Gesundheitswesen in Zukunft aufgestellt werden soll«, sagt er. Die großen Themen sind hier freilich die Krankenhausreform sowie die Versorgung durch die Fachärzte. Aber auch den Bereich der Hilfsmittel werde sich die Politik mit Sicherheit anschauen.
Die Lage jedenfalls ist klar: Entweder werde man Leistungen kürzen oder streichen müssen. Oder man erhöht die Kassenbeiträge. »Der Bundeskanzler sagt, dass die Beiträge nicht steigen werden«, so Baschab. Tatsächlich liegen die seit zehn Jahren stabil bei 14,6 Prozent. Allerdings gilt die Aussage von Friedrich Merz nicht für die Zusatzbeiträge, die die Kassen einfordern können. Die stiegen in den letzten zehn Jahren nämlich sehr wohl, von 0,8 auf 2,9 Prozent. Hier holen sich die GKVen also schon zusätzlich etwas. Allein: Bei einer Kostensteigerung im Gesundheitswesen von zuletzt 8,9 Prozent wird das nicht reichen. Insofern wurden in der Politik zuletzt einige Überlegungen laut, wie sich Geld einsparen ließe, zum Beispiel beim Zahnersatz. Einige offensichtliche Einsparpotenziale hingegen lässt man in Berlin aber weiter links liegen. So wird zum Beispiel nicht darüber gesprochen, ob es wirklich weiter 94 verschiedene Gesetzliche Krankenkassen braucht. Oder ob es nicht helfen könnte, wenn die Beamtinnen und Beamten gesetzlich versichert würden.
Wie das Gesundheitswesen stabilisiert werden kann, darüber berät die Finanzkommission Gesundheit, die im Januar auch die biha zu Gesprächen eingeladen hatte. »Wir haben dort skizziert, wie die Hörakustik in diesem System zukünftig aussehen könnte«, berichtet Jakob Stephan Baschab. Und eines habe man dabei besonders unterstrichen: Gute Leistung soll auch gut bezahlt werden, von wem auch immer.
