Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

neulich ist mir etwas klar geworden. Auch bloße Worte reichen, um ein Knalltrauma zu erleiden. Da glaubt man, nichts ahnend, sich einfach mit Akustikern zu unterhalten, da kommt auf einmal eine verbale Schelle, die einem das Trommelfell durchschlägt: »Hey, Mister Change-Management, hast du dir eigentlich mal Gedanken gemacht, was Xennials sind? Mich wundert ja, dass du, der doch selbst einer bist, das noch nie erwähnt hast.« Autsch, eiskalt erwischt.

Gut, holen wir das jetzt nach dem Nachschlagen auf – trotz jeglicher Gefahr, dass die nächste Schelle droht: Wer bändigt im Laden den Hörakustik-Boomer, der wütend auf seine analogen Prinzipien pocht, und den Gen-Z-Akustiker, der eine Panikattacke bekommt, weil er keinen digitalen Kunden vor sich hat, sondern physisch vor einem steht? Genau, es ist der Xennial-Akustiker, da er als Einziger im Raum die Begriffe Streaming und Drucktopf versteht.

Spaß beiseite. Warum sollte man sich einmal mit dem Begriff Xennial beschäftigen? Weil wir – und damit meine ich nicht nur die Software auf unseren Smartphones – in einer Ära der »Dauer-Updates leben«? Ich bleibe auch heute dabei: Veränderung macht etwas mit Menschen, aber Menschen ebenso etwas mit Veränderung. Doch während die Digitalisierung in Lichtgeschwindigkeit voranschreitet, kriecht unsere Psyche in einem ganz anderen Tempo voran.

Wir Xennials, also diese Dazwischen-Generation, die zu Zeiten der Original-Star-Wars-Trilogie geboren wurde, sind wohl die Letzten, die noch eine analoge Kindheit erleben durften, aber die ersten, die das digitale Erwachsenenalter voll umarmt haben. Beispiele gefällig?

Nehmen wir Benjamin Schadow. Genau genommen ist er wegen seines Geburtsjahres knapp kein Xennial mehr. Doch als ich ihn fragte, ob er noch analog aufgewachsen ist und gewisse Erfahrungen gemacht hat, beantwortete er jede Frage mit ja. Auch er kennt durch seinen biografischen Hintergrund noch Schallplattenspieler und Schwarz-Weiß-Fernseher von zu Hause, bis er irgendwann als Zwölfjähriger einen Amiga 500 geschenkt bekam. Heute nutzt er modernste 3D-Modelling-Software und interdisziplinäre Netzwerke, um etwas zu schaffen, das zutiefst analog, emotional und nicht zuletzt handwerklich bleibt: Moreli – einen Schmuck, der eine Biografie flüstert. Er verlässt damit den rein funktionalen Pfad der Otoplastik und beweist, dass High-Tech nur dann Seele hat, wenn sie die individuelle Geschichte des Trägers erzählt.

Dass Veränderung auch Mut zur Lücke bedeutet, zeigt Jil Wessel. Mit 24 Jahren verkörpert sie in diesem Heft die Gen Z. Ihr Ansatz – unterstützt durch KI und die HÖREX-Gemeinschaft – ist jedoch eine Lektion in unternehmerischer Agilität, von der wir Xennials ebenso lernen können. Sie verbindet ChatGPT mit der Wärme persönlicher Betreuung und zeigt zugleich, dass Work-Life-Balance eine Frage der inneren Zufriedenheit ist.

Schauen wir nicht zuletzt auf die Xennials Markus Ströhle und Stefan Mathis, die mit ihrem Koffer eine Möglichkeit gefunden haben, das logistische Ärgernis rund um die Kalibrierung von Messanlagen zu lösen. Oder auf Sarah Mierau, die mit ihrem Wohnzimmerkonzept und dem »Mierau Social Club« ihre Xennial-Antwort gefunden hat, wie man für Kunden wie Mitarbeiter einen Raum gegen die Einsamkeit der digitalen Welt schafft. Seit der verbalen Schelle jedenfalls denke ich nach. Vielleicht besteht die Aufgabe der Xennials ja darin, zwischen dem Gestern und dem Morgen dauerhaft zu übersetzen, da zwischen Erwartungshaltung und Realität keine klaffende Lücke sein darf? Welche Antwort ich auch für mich finden werde, es ist jedenfalls eine Ausgabe, für die sich ein paar Klicks lohnen dürften.

Jan-Fabio La Malfa