»Du musst mit deinem Gesicht rausgehen«

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Wird schon bald verliehen – der Award für den GRÜNDERSTAR 2026

Von Martin Schaarschmidt (IAS) / Fotos: IAS, privat

Noch ist geheim, wer der GRÜNDERSTAR 2026 wird. Der erstmals ausgeschriebene GRÜNDERSTAR-Wettbewerb sucht frische Ansätze und Konzepte für den Schritt in die Selbstständigkeit. Er will den Austausch in der Hörakustik-Gründerszene beleben, Best-Practice-Beispiele vorstellen und so auch andere ermutigen, den Schritt ins eigene Fachgeschäft zu wagen. Bewerben konnten sich Gründerinnen und Gründer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ab dem 1. Oktober 2023 in die Existenzgründung starteten – und ganz viele nutzten diese Chance. Initiator des Awards ist der Individual Akustiker Service (IAS), führender Anbieter für die Begleitung von Existenzgründern. Ermittelt wird der GRÜNDERSTAR 2026 von einer unabhängigen Expertenjury, deren Mitglieder allesamt selbst erfolgreiche Gründer sind. Von zwei der Juroren, Hörakustikmeisterin Sabine Hönighausen und OMNIdirekt-Redakteur Dennis Kraus, erfuhren wir mehr.

Frau Hönighausen, Herr Kraus, als Juroren beim GRÜNDERSTAR 2026 haben Sie gerade über 100 Seiten Bewerbungsunterlagen gesichtet. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?

Hönighausen: Ich fand es sehr spannend, weil die Einreichungen so verschieden waren. Es gab Bewerber, die deutlich herausstachen, starke Charaktere, die ich mir auch gut als Unternehmer vorstellen kann. Ich lasse mich da sehr vom Bauchgefühl leiten. Man sagt sich: »Ja, mach auf und starte durch!« Oder man hat eher Fragezeichen. Wobei Letzteres relativ ist: Wenn jemand nicht überzeugt, kann es auch daran liegen, dass er sich in der Bewerbung unter Wert verkauft. Es gab Bewerber, die sich wirklich positioniert haben; bei denen ich mir sage: »Okay, wie du das angehst, macht definitiv Sinn.« Andere dachten vermutlich, sie würden sich positionieren, haben es aber eigentlich nicht. Bei denen war mehr so ein Einheitsbrei.

Kraus: Auffällig fand ich, dass sich so ein Freiheitsgedanke durch nahezu alle Bewerbungen zog: Die Gründer wollen ihr eigener Chef sein. Und sie wollen ihre Kunden so versorgen, wie sie es für richtig halten. Sie starten dieses Abenteuer, um anders zu arbeiten als die großen, omnipräsenten Filialisten. Bei einigen kam ein zweiter Punkt dazu, den ich ziemlich cool finde: Persönliche Interessen oder Vorlieben sind Teil ihres Konzeptes. Zumindest erschien es mir so. Man hat Plattenspieler, mit denen der Kunde die Lieblingsmusik hören kann, einen Klangkopf, der die Technik erlebbar macht, oder den eigenen Hund, der manchem Kunden wichtiger zu sein scheint als die eigentliche Beratung. Das zeigt, wie unterschiedlich Fachgeschäfte sein können. Es darf bunt sein, soll zur Region und zu den Leuten passen. Aus Sicht des Redakteurs ist das toll. Das sind Geschichten, über die wir gerne schreiben.

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Als Juroren mussten Sie aus vielen Bewerbungen Ihre Top-5 auswählen. Fiel Ihnen die Entscheidung leicht?

Kraus: Bei einigen Bewerbungen fiel es mir leichter als bei anderen. Natürlich ist das subjektiv. Durch die Bewerbungsunterlagen ist der Eindruck immer begrenzt. In jedem Geschäft spiegelt sich irgendwie die Persönlichkeit des Gründers wider; so etwas ist schwer zu vergleichen.

Hönighausen: Mir fiel es leicht, meinen ersten Platz zu vergeben. Bei den Folgeplätzen wurde es schwieriger. Und mir fiel auf, dass es gar nicht so einfach ist, die Qualität seines Unternehmens auf den Punkt herauszustellen. Einen der Bewerber kenne ich persönlich. Mir gefällt, was er als Gründer macht. Doch in seiner Bewerbung kam das für mich viel zu kurz. Ich dachte: »Warum zeigst du nichts, was ein bisschen polarisiert?!« Da ist vielleicht auch die Angst, was die anderen denken könnten, wenn man etwas aus dem Rahmen fällt; dass gerade das Individuelle nicht so gut ankommen könnte.

Der Markt verändert sich Monat für Monat. Durch das Zusammengehen mit den Herstellern werden die großen Anbieter noch mächtiger. Wie wichtig ist es angesichts dessen für Gründer, mit einem guten Konzept zu starten?

Kraus: Das finde ich total wichtig. Und ich denke auch, dass es nach wie vor viele Möglichkeiten gibt, ein gutes, für einen selbst passendes Konzept zu entwickeln. Setzt man das dann in seinem Fachgeschäft mit Leidenschaft und Konsequenz um, hat man meiner Meinung nach auch heute gute Chancen, gegen die sogenannten Großen zu bestehen. Die Praxis hat schließlich schon oft gezeigt, dass es genug Kunden gibt, die etwas anderes suchen als Leistung von der Stange.

Hönighausen: Aber man muss sich definitiv ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Ich persönlich finde es schön, auch als Personenmarke aufzutreten, also das Gesicht für mein Unternehmen zu sein. Die Entwicklung eines eigenen Konzeptes beginnt damit, sich zu fragen: »Warum will ich mich selbstständig machen?« Die Frage hört sich simpel an, ist jedoch nicht so leicht zu beantworten. »Ich will Leuten mehr Lebensqualität geben?« Ich denke, das wollen wir alle. Für ein Konzept, das zu dir passt, brauchst du mehr.

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»Du musst mit deinem Gesicht rausgehen«, meint Hörakustikmeisterin Sabine Hönighausen, Jurorin beim GRÜNDERSTAR 2026

Wie würden Sie das für Ihr Hörakustik-Unternehmen beschreiben?

Hönighausen: Für mich ist da zum Beispiel die Vision, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen gerne und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, in dem man sich wohlfühlt und in den die Kunden deshalb gerne kommen. So etwas klar zu definieren, um es dann konsequent umzusetzen, ist nicht leicht. Das konnte ich anfangs mit Sicherheit auch nicht. Aber einige Bewerber gehen schon in die Richtung, das finde ich cool. Beim Gründer-Coaching des IAS wird einem das gut gezeigt: Du musst mit deinem Gesicht rausgehen. Das ist so wichtig! Denn daran erkennen dich die Leute. Doch dafür musst du mutig sein und vor die Tür treten. Du darfst dich nicht ständig fragen, was die anderen über dich denken. Das sollten sich ganz viele Neugründer zu Herzen nehmen: »Ich mache einfach mein Ding. Denn dann stehe ich voll dahinter, und das wirkt. Damit spreche ich genau die Leute an, die ich haben möchte – Kunden und Mitarbeiter.«

Anliegen des Wettbewerbs ist auch, Ansätze und Konzepte als Best-Practice-Beispiele vorzustellen. Birgt das nicht die Gefahr, von anderen kopiert zu werden?

Kraus: Ich glaube, diese Gefahr ist gar nicht so groß. Jeder Gründer hat seine Persönlichkeit. Nur weil jemand anderes mit etwas gute Erfahrungen macht, heißt das noch lange nicht, dass das eins zu eins auch bei mir passt. Also geht es mehr um Adaption. Es kann doch auch cool sein, wenn man Kolleginnen und Kollegen auf eine Idee bringt. Oder wenn man sie als Persönlichkeit inspiriert. So werden sie vielleicht bestärkt, gleichfalls ihr eigenes Ding zu versuchen.

Hönighausen: Ich finde solche Anregungen sehr wichtig; da muss man aus dem Konkurrenzdenken raus. Gerade am Anfang ist Austausch hilfreich. Und wer sich selbstständig macht, hat oft kaum Sparringspartner. Da ist der GRÜNDERSTAR eine Chance, um mit anderen in Kontakt zu treten und seine Community auszubauen. Plötzlich stellt man fest, dass andere die gleichen Probleme haben wie man selbst. Oder dass sie andere Probleme haben, aus denen man lernen kann. Und in aller Regel ist man ja nicht am gleichen Ort. Man ist also kein Wettbewerber. Und selbst wenn man am gleichen Ort sein sollte ... – vielleicht kann man trotzdem überlegen, was man zusammen machen kann. Oder wie man sich da reinteilt, weil jeder andere Kundentypen anspricht. Der Austausch mit Kollegen bleibt auch später wichtig. Ich brauche den heute ebenso. Auch wenn die Themen andere sind – Führung von Mitarbeitern zum Beispiel.

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OMMIdirekt-Co-Gründer und Juror Dennis Kraus: »Dass weiter gegründet wird, ist auch in unserem Interesse«

Mit Branchen-Awards ist das so eine Sache: Oft sind die mehr eine Art Geschäftsmodell: Man zahlt ein und bekommt den Preis. Ist das beim GRÜNDERSTAR anders?

Kraus: Ja, da sehe ich schon einen Unterschied. Hier geht es nicht einfach darum, einen Titel verliehen zu bekommen oder sich mit einem Promi fotografieren zu lassen, den die Organisatoren angeheuert haben, um das Foto für sein Marketing zu nutzen. Ich will das gar nicht schlechtmachen. Wenn das für einen funktioniert, ist das doch okay. Zumal die Gewinner den GRÜNDERSTAR auch für ihr Marketing nutzen können. Aber hier geht es um mehr: Es gibt einen Workshop. Die Konzepte werden vorgestellt und diskutiert. Es gibt einen Rahmen, in dem man offen miteinander reden kann. Man will die Gründerszene der Branche beleben, potenziellen Gründern Anregungen geben. Dass die Branche lebendig bleibt und weiter gegründet wird, ist übrigens auch im Interesse von OMNIdirekt. Schon deswegen mache ich hier gerne mit. Man trifft neue, spannende Unternehmer, die vielleicht bereit sind, uns ihre Geschichten zu erzählen.

Hönighausen: Den Wettbewerb um den GRÜNDERSTAR und den Preis finde ich schön und wichtig. Es ist etwas anderes als die Awards, die man bezahlt. Dass ein Preis nur gekauft ist, war für mich immer ein Grund, da nicht mitzumachen. Wenn, dann möchte ich prämiert werden, weil mein Unternehmen das Beste ist. Beim GRÜNDERSTAR ist das ja so. Hinzu kommt, dass Neugründer oft noch gar kein Geld haben, um es in einen Award zu stecken.

Sie beide sind selbst erfolgreiche Gründer. Haben Sie bei der Sichtung mal an Ihre eigene Anfangszeit gedacht?

Hönighausen: Tatsächlich habe ich das ganz viel. Das war irgendwie auch süß. Herr Leisten vom IAS, der mich gecoacht hat, fragte damals auch: »Warum wollen Sie sich selbstständig machen?« Ich glaube, ich habe ihm auch gesagt, dass ich Menschen mehr Lebensqualität geben und mein eigener Chef sein will ... Es gab viele Parallelen zwischen den Bewerbern und meinen Erinnerungen. Die Erfahrungen verändern dich ja auch. Mit der Zeit merkt man: Da muss ich mehr machen, mich deutlicher unterscheiden, individueller sein ... Auch bei mir war da die Gestaltung der eigenen Geschäftsräume wichtig – und vor allem das eigene Auftreten.

Kraus: Mir ging das hier anders. Ein Fachgeschäft zu gründen, ein Ladenlokal zu mieten, es einzurichten, eventuell einen Kredit aufzunehmen ... – das ist schon noch eine andere Tasse Tee, als es die Gründung von OMNIdirekt war. Das, was die Teilnehmer des Wettbewerbs gemacht haben, würde ich definitiv höher hängen.

Frau Hönighausen, Herr Kraus, vielen Dank für das Gespräch.