SMARTES TRAINING
MIT ERLEBNIS FAKTOR
Von Martin Schaarschmidt (GN Hearing) / Fotos: Schaarschmidt
Innovative Hörsysteme zu entwickeln und Hörakustiker gleichzeitig so zu unterstützen, dass sie ihre Kunden optimal beraten und versorgen können, gehört für ReSound untrennbar zusammen. Dabei stellt der Hersteller an sich selbst den Anspruch, dem Fachhandel mit bestem Service zur Seite stehen – eine Strategie, die auch die Zukunft im Unternehmen bestimmen soll. Wie das ReSound-Training im Fachgeschäft aussieht, erlebten wir beim Vor-Ort-Termin in Dresden.
Ein Donnerstagnachmittag in der Borsbergstraße, einer belebten Einkaufsstraße im Stadtteil Striesen. Draußen rollt langsam der Verkehr in den Feierabend an. Doch hier drinnen, im Fachgeschäft der »Hörwelt Schubert«, ist kein großes Kundenaufkommen zu erwarten: Heute keine Termine; um eventuelle Laufkundschaft wird man sich kümmern, falls das Signal vom Eingang ertönt. Ansonsten ist der Nachmittag geblockt: für drei Stunden Schulung zu ReSound Vivia und ReSound Savi.
Markus Hottenroth von GN kommt gerade an. Ein kurzes »Hallo« mit dem Team der Hörwelt. Man kennt sich, ist per Du, hat sich einige Zeit nicht gesehen und einiges zu erzählen. Dann muss der Vertriebsaudiologe erstmal vorbereiten und aufbauen, während mich Inhaber Johannes Schubert durch die Geschäftsräume führt: ein modernes, helles Ambiente und viel Platz. Wir stehen in Hörkabine 1 und Johannes Schubert erzählt, wie er die damals selbst eingerichtet hat: die Decke abgehängt, Akustikplatten aus Dänemark, spezieller Fußboden … »Hier ist es so ruhig, dass sie selbst bei der Abnahme zur PräQ meinten, solche Werte hätten sie noch nie gemessen«, so der Hörakustikmeister.
Mit dem eigenen Unternehmen ist Johannes Schubert 2019 gestartet, nach vielen Jahren beim Großfilialisten und einer Zeit als Gebietsleiter bei GN: »Hier im Geschäft war ich anfangs allein und fing bei null an, ohne Kunden und teure Werbung. Kurz darauf kam Corona. Draußen ging tagelang kaum ein Mensch. Doch wir hatten unser Schild: ‚Wir haben geöffnet!‘« Nicht einen Tag hätte er damals den Laden geschlossen. Die Leute seien irgendwann wiedergekommen, und alles habe sich ausgeglichen. »Nur hat es etwas länger gedauert. Aber es hat funktioniert. Die Entscheidung, mich selbständig zu machen, habe ich nie bereut. Inzwischen sind wir fröhlich unterwegs.«
Wir, das sind neben Johannes Schubert Hörakustikmeisterin Heike Raschke, Hörakustikmeister Vincenz Günther, Hörakustiker Josua Hendel und Team-Assistentin Yvette Seidenglanz. Alle vier arbeiten meist hier im Dresdener Geschäft, während der Inhaber sein zweites Geschäft in Coswig betreut. Und seit jeher setzt Johannes Schubert auf hohe Qualität, aktuelles Wissen, Handwerk und Spezialisierungen: Pädakustik, CI-Betreuung usw.
»Ich mache gern andere Sachen als die anderen«, sagt Johannes Schubert und erzählt, dass die Hörkabine schon nach dem ersten Jahr nicht mehr ausreichte. »Zum Glück wurde der Laden nebenan frei, da waren Kinderschuhe drin. Wir haben in Eigenleistung einen Durchbruch gemacht und seitdem die doppelte Fläche.« Die sei eigentlich zu groß gewesen, doch sie wurde gefüllt. Zwei weitere Kabinen, eine für Kinder und eine für Multimedia; über Studio-Lautsprecher kann man zum Beispiel seine Lieblingsmusik mit und ohne Hörsystem erleben. Außerdem gibt es den Bereich, in dem Musiker Monitoringsysteme vergleichen. Auch Rennfahrer und Gamer nutzen das. Und es gibt einen Platz für den Otoscan, einen für die Abdrucknahme bei Kindern, einen Spielbereich, die Sitzecke und das »Museum« – eine Vitrine mit Hörrohren und weiteren alten Hörhilfen.

Setzt seit jeher auf hohe Qualität, aktuelles Wissen, Handwerk und Spezialisierungen - Inhaber Johannes Schubert
Statt langer Reden gibt’s »News You Can Use«, maßgeschneidert für das Hörwelt-Team
Markus Hottenroth ist bereit und die Multimedia-Kabine unser Schulungsraum. Wir nehmen Platz und der Audiologe verspricht uns vorab das »intelligenteste Portfolio, das ReSound je hatte – inklusive DNN«. Eine lockere, entspannte Stimmung. Man folgt interessiert, und es darf auch gelacht werden. »Nein, DNN stünde heute mal nicht für die Dresdner Neuesten Nachrichten«, erwidert Markus Hottenroth auf eine nicht ganz erstgemeinte Nachfrage, »sondern für Deep Neural Network.«
Auch sonst stellt sich der Trainer auf seine Zuhörer ein: ReSound Savi und ReSound Vivia werden in der Hörwelt Schubert schon seit längerem angepasst. Also wird er nicht alles erzählen, was die Präsentation vorsieht. Es geht um »News You Can Use«, Erfahrungen, Austausch. Mit der aktuellen Software zum Beispiel ist das Team bereits gut vertraut. Also spart er die Zeit für anderes.
»Vor allem wollen wir herausarbeiten, welchen Mehrwert unsere Produkte euren Kunden bieten«, so Markus Hottenroth, der uns zum Einstieg das ReSound Upselling-Tool, die neue Mappe für die Kundenberatung, vorstellt: »Damit könnt ihr die Vorteile der Technikstufen gut zeigen. Features werden verständlich vermittelt. Auch zu Zubehör und Auracast bekommt man schnell einen Überblick. Und der Kunde nimmt das mit nach Hause und kann es in Ruhe durchdenken.«
Vom Überblick für die Kunden zu den Details für die Akustiker: Die erste Produktfamilie, die Markus Hottenroth mitgebracht hat, ist ReSound Savi. Auch in Technikstufe 2 gibt es jetzt die neue miniRIE Akkubauform, Stufen 3 und 4 punkten noch mehr: »Situations Optimizer, Binaurale Direktionalität mit Spatial Sense, Impulsschallunterdrückung«, zählt Markus Hottenroth auf. »Vermutlich kennt ihr diese Features aus dem Nexia 5. Jetzt habt ihr das schon beim Savi 4.«
Er reicht die Systeme in die Runde. Die Zuhörer mustern sie prüfend und haben Fragen. »Ja«, entgegnet Markus Hottenroth, »die Savi-IdO-Schalen gibt es auch in Rot und Blau. Und auch Auracast hast du schon ab Technikstufe 2.« Und das RIE-Gehäusedesign mit nur einer Auflagefläche sichere besonders guten Tragekomfort. »Und der Akku hält beim Savi maximal 30 Stunden; streamst du 50 Prozent der Tragezeit, bleiben dir immer noch 20.«
Keine langen Reden. Nachdem alles beantwortet ist, geht’s zum nächsten Highlight: ReSound Vivia. »Bestes Hören in Lärm, kleinstes KI-Hörsystem am Markt, ganztägige Akku-Laufzeit, Auracast, der Clear Focus beim Batterie-System und Intelligent Focus beim microRIE …« Dann zeigt uns Markus Hottenroth das Innenleben des Systems – den winzigen 360 Chip und den deutlich größeren DNN Chip für die KI: »Zusammen sind sie der Dual Chip, mit dem man zwischen der Automatik 360 All Around und dem DNN-Chip wählen kann. Das DNN ist mit 13,5 Millionen Sätzen und 3,9 Millionen Klangparametern trainiert; täglich 4,9 Billionen Rechenoperationen …«

Markus Hottenroth lässt das Team der Hörwelt ReSound Vivia erleben - Hörerlebnisse mit Klangfinder sind fester Bestandteil der Schulungen
Der KI-Chip wird zum Kinderspiel und jede Menge Antworten, Tipps und Tricks
Die Zuhörer machen anerkennende Mienen: Wichtiger als die großen Zahlen sei ihren Kunden jedoch, was die KI genau macht … Also erläutert der Audiologe die Arbeitsweise des DNN anhand eines Kinderspiels: »Wer ist es?« Mann mit Hut und braunen Augen oder blonde Frau mit Brille? So, wie im Spiel nach Personen gesucht wird, suche die KI nach der Zielsprache. Nur dass sie dabei nicht nach Hüten, Haaren oder Augenfarbe schaut; ihre Kriterien sind akustisch. Jeder eingehende Schall wird Schicht für Schicht nach Frequenz, Modulation, Amplitude und weiteren Parametern analysiert. »So schafft es die KI, Sprache aus dem Störgeräusch herauszurechnen; mit dem DNN geht dieses Filtern besser, als es je zuvor möglich war.«
»Und wenn nun fünf Leute um dich herum sind und reden?«, fragt Hörakustikmeister Vincenz Günther. »Dann hat der Intelligent Focus immer noch den besonders engen Öffnungswinkel. Wo du hinguckst, da verstehst du. Was von der Seite kommt, ist noch hörbar, jedoch nicht mehr im Spot, also leiser. Deshalb wirst du die KI zum Beispiel kaum auf der Straße nutzen. Dort würde sie sagen: ‚Ist das laut!‘, und schon hörst du von hinten nichts mehr. Das soll natürlich nicht sein.« Darum müsse man den Chip immer selbst anwählen: »Mit dem Programm ‚Hören im Lärm‘ aktiviert dein Kunde die KI – und zwar nur dann, wenn es so laut wird, dass er mit 360 All Around an Grenzen stößt. Zu 80 Prozent ist sein Alltag mit Sicherheit schon durch die Automatik sehr gut abgedeckt.«
»Nein«, entgegnet der Trainer auf die nächste Frage, »Mit einer Batterie könnten wir das DNN nicht betreiben, das geht nur mit Akku.« Dann erläutert er, was unter dem »menschlichen Ansatz« der ReSound KI zu verstehen ist, und was die Lösung von anderen KI-Lösungen unterscheidet: »Die Richtcharakteristik – der 4-Mikrofon-Beamformer – bietet den engen Fokus nach vorne. Und da wir von einer Seite auf die andere streamen, erreichen wir auch in Lärm sehr gute Klangerlebnisse. Außerdem wurde unser DNN-Chip mit Sätzen trainiert, nicht nur mit Worten. Und er ist für höchste Effizienz ausgelegt. Sitzt du zum Beispiel in einer lauten Bar jemandem gegenüber, prüft das DNN alle ein, zwei Sekunden, ob sich das Setting verändert. Ändert sich nichts, bleibt die Einstellung gleich. Das spart erheblich Strom.«
Fragen, Antworten, Diskussion. Wichtiger als irgendein Programm ist Markus Hottenroth offensichtlich, was seine Zuhörer interessiert. Dass sie dank der SureFit 3 Hörer jetzt nur noch eine Hörer-Box benötigen, finden sie toll, ebenso die 16 Stunden Akkulaufzeit bei der Wireless-Cross-Lösung und die austauschbaren Mikrofonfilter. Angenehmer sei auch, dass man für die Programmierung mit Noahlink Wireless nicht mehr das Smartphone-Bluetooth entkoppeln muss. Auracast sei ein logischer Schritt in die Zukunft. Und bei den Demo-Geräten ist der 10-Sekunden-Wechsel von einer Technikstufe zur anderen Spitze. »Aber wie ist das mit den Kanälen, wenn ich von Stufe 4 auf 9 flexen will?« »Wie kann ich mit dem Multi-Mic+ meinen eigenen Auracast-Broadcast starten?« »Und wie lange hält der Akku, wenn der DNN-Chip komplett durchläuft?«
Kaum eine Frage, die Markus Hottenroth offenlässt. Ist er sich doch mal unsicher, schreibt er es auf und wird nachliefern. Und Farbmuster wird er noch schicken, denn den Kunden die Farbauswahl nur am Bildschirm zu zeigen, sei keine gute Idee. Und die Frage, worin der Unterschied zwischen Vivia 4 und Savi 4 besteht, bringt den Audiologen zurück zu seinem »Lieblingsthema«, dem Upselling: »Technisch ist das eine Ebene. Aber du hast vier essenzielle Unterschiede: Das Gehäuse des Vivia ist etwas kleiner, die Farbauswahl noch größer, du kannst auch mit M&RIE-Hörer anpassen und du hast die Wireless-Cross-Option.«

»Hier hatten wir nicht nur die Theorie, sondern wir konnten das System selbst auf Herz und Nieren prüfen«, so Hörakustikmeister Vincenz Günther am Ende der Schulung
Features selbst mittels Klangkopf-Demo erleben: »Alles war so, wie es uns vorher versprochen wurde«
Daran, dass man Kunden die Vorteile von Vivia 5, 7 oder 9 ebenso schlüssig darstellen kann, lässt Markus Hottenroth gleichfalls keinen Zweifel. Noch viel überzeugender als Features aufzuzählen sei jedoch das eigene Erleben, so der Audiologe abschließend.
Hörerlebnisse mit Klangkopf sind fester Bestandteil der ReSound-Schulungen. Unterm Kopfhörer hören wir mit ReSound Vivia eine Demo aus Musik und Stimmengewirr. Dann spricht Markus Hottenroth zum Klangkopf und wir erleben die Automatik: Seine Stimme ist sofort klar zu verstehen, das Störgeräusch tritt zurück. Mittels Taschenventilator demonstriert er uns, wie der M&RIE-Hörer vor Windgeräuschen schützt. Und er koppelt die Systeme mit dem Multi-Mic+, spricht in das Mikrofon hinein, entfernt sich aus dem Raum, um uns die Reichweite zu demonstrieren.
Natürlich erleben wir auch den KI-Chip: bei sehr lauter Jazz-Musik, die der Trainer aus einer kleinen Box abspielt. Wieder spricht Markus Hottenroth zum Klangkopf, und tatsächlich verstehen wir ihn auch jetzt. Spricht er den Klangkopf von vorne an, ist es deutlich besser, als wenn der Trainer von der Seite zum Hörsystem spricht. Und als sich Markus Hottenroth die laute Box direkt unter seinen sprechenden Mund hält, verstehen wir ihn kein bisschen schlechter. »Das regelt der Intelligent Focus. Ob das Störgeräusch von vorne oder von der Seite kommt, es ist genauso wenig zu hören. Das DNN erkennt, dass es sich nicht um Sprache handelt.« Wechselt man jedoch in die Automatik, ist das Verstehen deutlich schlechter; zurück im Intelligent Focus kling es wieder klar.
»Das mit dem Klangkopf ist schon toll«, meint Johannes Schubert nach der Demo. »Das ermöglicht mir, die Technik so zu erleben wie die Kunden. Eigentlich müsste man sowas im Geschäft auch haben – für Angehörige. An sich funktioniert die KI schon gut. Manche Kunden sind eher selten in sehr herausfordernden Situationen. Dennoch gibt es ihnen mehr Sicherheit: ‚Notfalls kann ich die KI aktivieren.‘ Ein Stück weit entdecken sie das immer noch neu. Auch wir Akustiker sind da noch in einer Lernkurve.«
»Das Erlebnis mit dem Klangkopf hat die Vorteile noch mal anders verdeutlicht«, so auch Vincenz Günther. »Erzählen kann man ja viel. Doch ob es auch stimmt … Hier hatten wir nicht nur die Theorie, sondern wir konnten das System selbst auf Herz und Nieren prüfen. Und alles war so, wie es uns vorher versprochen wurde. Den Unterschied mit und ohne KI konnte man deutlich heraushören.«
Und wie hat die Schulung generell gefallen? Alle im Team sind zufrieden. »So ein Training ist natürlich noch anders, wenn man ReSound noch gar nicht kennt«, meint Johannes Schubert. »Wir nutzen die Produkte schon lange. Und wir wissen, dass sie richtig gut sind. Wir hatten noch nie bessere Gehäuse und auch nie bessere Technik. Die austauschbaren Mikrofonfilter sind toll. Und für die Kunden sind die guten Akkus wichtig. Dafür entscheiden sie sich fast alle. Die Schulungen der Hersteller, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alle ein gewisses Grundniveau. Es geht immer um bestimmte Neuerungen. Doch so eine Präsentation hängt ja auch vom Trainer ab. Und Markus macht das sehr gut – verständlich, anschaulich und kurzweilig.«
