
Die Hörex-Gemeinschaft traf sich im Bremer Radisson Blu Hotel
Gemeinschaftliche Individualität
Gemeinschaft bieten, aber die unternehmerische Freiheit unangetastet lassen – dieses Credo möchte die Hörex Hör-Akustik eG seit Juli auch mit ihrem neuen Corporate Design weiter unterstreichen. In Bremen präsentierte die Genossenschaft bei ihren Unternehmertagen den Mitgliedern ihr runderneuertes Konzept für ein geschärftes Profil und mehr Sichtbarkeit am Markt.
Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt, Hörex

Jakob Stephan Baschab gab den Hörex-Mitgliedern einen aktuellen Überblick zur Großwetterlage in der Branche
Wenn vier völlig unterschiedliche Charaktere beschließen, gemeinsam Musik zu machen, braucht es ein gutes Gehör für die Zwischentöne – und den Mut, die eigene Stimme einzubringen. Seit über 200 Jahren steht die Hansestadt Bremen mit ihren Stadtmusikanten sinnbildlich für diesen besonderen Zusammenschluss. Bremen bot damit die perfekte Kulisse für die diesjährigen Unternehmertage der Hörex, die im Radisson Blu Hotel stattfanden. Nach einem ersten fachlichen Warm-up am Vortag bei unterschiedlichen Workshops und einem gemeinsamen Streifzug durch die angrenzende historische Altstadt wurde schnell klar: Auch die Genossenschaft setzt auf die Kraft des gemeinsamen, aber ebenso vielstimmigen Auftritts.
Doch noch bevor man sich am Samstagmorgen »der neuen Hörex« widmete, lieferte Jakob Stephan Baschab erstmal aktuelle Informationen zur Großwetterlage in der Branche. »Die Branche wächst«, resümierte der biha-Hauptgeschäftsführer vor den Hörex-Mitgliedern am frühen Morgen. Wobei man sich von der jüngsten Statistik nicht blenden lassen solle, flossen zuletzt doch auch Zahlen eines Vertriebswegs mit ein, die zuvor so nicht erfasst worden waren. Nichtsdestotrotz: »Der Kuchen ist größer geworden«, so Baschab – allerdings »essen auch mehr mit«. Rund 2.000 Fachgeschäfte mehr zählt man bei der biha im Vergleich zu 2016.
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Der Vergrößerung des Angebots gegenüber stehe die Herausforderung, all die Standorte mit einer Meisterin oder einem Meister zu besetzen. Die Zahl der neuen Meisterinnen und Meister liege laut biha seit Langem stabil bei 440 bis 480 pro Jahr. Der höhere Bedarf allein führt also nicht dazu, dass mehr Menschen ihren Meister machen wollen. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge wiederum stabilisiere sich »auf niedrigem Niveau«, so Baschab. Etwa 30 Prozent weniger Azubis hat die Branche im Vergleich zu 2016. Im branchenübergreifenden Vergleich stehe man mit einer Ausbildungsquote von 12,5 Prozent immer noch gut da.
Um die Chance auf mehr Fachkräfte zu erhöhen, eröffnet die biha aber auch neue Möglichkeiten. Ist jemand seit viereinhalb Jahren in einem Fachgeschäft beschäftigt, soll ihm künftig der Weg zur Gesellenprüfung offenstehen – ohne je zuvor in Lübeck gewesen zu sein. Besteht die Person einen Vorab-Test, werde man sie zur Prüfung zulassen, so Baschab. Zur optimalen Vorbereitung biete Lübeck außerdem verschiedene Kurse an, etwa in Otoplastik.
Anschließend sprach Jakob Stephan Baschab über die jüngsten Entwicklungen in der Gesundheitspolitik. Hier stehe die Hörakustik, wie das gesamte Gesundheitssystem, unter enormen Kostendruck. Dieser werde, prognostiziert der biha-Hauptgeschäftsführer, zu merklichen Veränderungen etwa in der Ausgestaltung der Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen führen. Auch weitere Anforderungen an die Leistungserbringer seien im Gespräch. »Neue Chancen« wiederum könnten in breiteren, auch eher medizinischen Angeboten der Fachgeschäfte liegen. Entscheidend sei bei allen Gedanken zur Weiterentwicklung des Berufsstandes allerdings, dass man wisse, wo man in Zukunft stehen wolle, so Baschab abschließend.
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»Intensiv da, wo man es braucht«
Den Gedanken des Hauptgeschäftsführers griff Claudia Hellbach direkt auf und führte den Fokus der Hörex-Mitglieder weg von den externen Marktgegebenheiten hin zum internen Selbstverständnis der Genossenschaft. In einer emotionalen Ansprache skizzierte Hellbach eine Gemeinschaft, die vor 30 Jahren aus vielen einzelnen Wegen entstanden sei; nicht aus Pflicht oder Anpassung, sondern aus einer freien Entscheidung für Zusammenarbeit. So lebe die Hörex von Persönlichkeiten, von Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen, von Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihre eigene Vorstellung von Hörakustik haben. »Genau das ist kein Nebenaspekt der Gemeinschaft. Genau das ist ihr Kern«, unterstreicht die Hörex-Vorständin.
In ihrer ausführlichen Bestandsaufnahme machte Hellbach deutlich, dass die Stärke der Hörex nie von oben, sondern immer aus der Mitte gekommen sei: getragen von gegenseitigem Vertrauen und dem Willen, gemeinsam mehr zu erreichen. »Hörex ist eine Gemeinschaft, die Halt gibt und Orientierung anbietet. Eine Gemeinschaft, die offen lässt, wie intensiv man sie nutzt: mal punktuell, mal sehr nah, oft über viele Jahre hinweg. Ich glaube, es ist gerade diese Freiheit, die uns ausmacht. Wir sind da, wenn ihr uns braucht«, so Hellbach weiter.
Claudia Hellbach verwies aber auch auf die Branchen-Realität, die Jakob Stephan Baschab zuvor skizziert hatte. »Wir wissen alle, dass sich der Markt verändert hat, die Bedingungen härter geworden sind. Unabhängige Betriebe müssen sich heute mit mehr Kraft behaupten als früher. Der Fachkräftemangel bremst, Nachwuchs fehlt, der Preisdruck steigt, die Ketten wachsen und das Internet tut das Seine.«
Angesichts dieser Herausforderungen habe man sich in der Hörex-Zentrale gefragt, ob der bisherige Auftritt und das aktuelle Leistungsportfolio für die Zukunft noch ausreichen. Die Antwort in Kreuztal sei da eindeutig ausgefallen: Nein.

»Ich glaube, es ist gerade diese Freiheit, die uns ausmacht« – Hörex-Vorständin Claudia Hellbach
»Die Hörex zeigt sich in einem neuen Corporate Design und unterstreicht damit einmal mehr ihr Credo«
Man müsse sich, so Hellbach, vom Gestern verabschieden, für Neues aufstellen und anders präsentieren. Als schmerzhaft habe man den Anstoß im Übrigen nicht empfunden. Vielmehr sei man mit Freude in den Weiterentwicklungsprozess gegangen, das Ziel stets vor Augen. »Wenn unabhängige Hörakustik im Markt stark bleiben soll, dann braucht sie ein starkes Zentrum. Die Hörex will dieses Zentrum sein. Als kraftvolle Unterstützung für Menschen wie euch. Für Betriebe, die handwerklich präzise arbeiten, die Beratung und Qualität ernst nehmen und die Profit nicht an erster Stelle sehen.«
Als Leitidee formulierte man dafür in Kreuztal den Satz »Alles geben, genau wie ihr«. Damit, so Hellbach, mache man deutlich, dass man das, was jedes einzelne Hörex-Mitglied tagtäglich für seine Unabhängigkeit leiste, respektvoll anerkennt. »Und weil das euer Anspruch ist, haben wir unser Profil geschärft und richten wir unsere Kommunikation und unsere Leistungen genau darauf aus«, sagt Claudia Hellbach.
Um dem Anspruch gerecht zu werden, vollziehe die Genossenschaft nun einen internen Wandel, der sich bereits in der Tonalität widerspiegeln soll. Die Entscheidung, ab sofort auf das »Du« zu wechseln, sei weit mehr als eine formale Änderung; es sei der Ausdruck eines respektvollen Umgangs auf Augenhöhe, wie man ihn aus modernen, agilen Unternehmen kennt. Daraus, so Hellbach weiter, entstehe eine Kraft, die aber auch eine besondere Balance erfordere: »Ihr wollt euren eigenen Weg gehen, ihr wollt euer Profil schärfen, ihr wollt selbst entscheiden. Zugleich wünscht ihr euch Austausch, Rückhalt und Gemeinschaft.« Darin liege die besondere Spannung der Genossenschaft – und genau darin stecke Energie: »Starke Betriebe brauchen Freiheit. Und starke Betriebe profitieren von Gemeinschaft«, so Hellbach. »Genau aus dieser Verbindung entsteht die Kraft, die die Hörex heute ausmacht: Nicht entweder oder, sondern beides zugleich: individuell und verbunden.« Deshalb schreibe man niemandem vor, wie viel Nähe richtig ist. Jedes Mitglied entscheide selbst, was es aus dem neuen Portfolio nutze. Man unterstütze jeden maßvoll, respektvoll und auf Augenhöhe, so Hellbach, bevor sie abschließend den neuen Imagefilm sowie das neue Logo präsentierte.

Dirk Sackmann stellte den Hörex-Mitgliedern das neue Corporate Design der Gemeinschaft vor
Kein Claim, aber ein Punkt
Im Anschluss sprach Dirk Sackmann, Manager Markenentwicklung und Art Director bei der Hörex, darüber, wie sich die Weiterentwicklung der Hörex im neuen Corporate Design spiegelt. Zunächst erläuterte er die Unterschiede zwischen Corporate Communication (Verhalten), Corporate Behavior (Werte) und dem Corporate Design (Design). Geht es um das Verhalten und die Werte, habe man bereits eine enorme Übereinstimmung mit den Mitgliedern gesehen, so Sackmann. Beim Design hingegen konstatierte man Handlungsbedarf. So sei es etwa zum neuen Logo gekommen, das eine »reine B2B-Geschichte« sei. Auf die Außendarstellung der Mitgliedsbetriebe wolle man damit keinerlei Einfluss nehmen. Was man mit dem neuen Markenzeichen aber zum Ausdruck bringen möchte, sind die Haltung und die Markenidentität der Hörex. Die beschreibt Sackmann als ausgleichenden Faktor zwischen Gemeinschaft und Individualität. Die Ambivalenz spiegele sich im neuen Logo zum Beispiel in dem runden Ö und dem eckigen X. Dass man Hörex im Logo neuerdings außerdem mit kleinem h schreibt, stehe für eine bewusste Zurücknahme der Zentrale, frei nach dem Motto, die Bühne den Mitgliedern zu überlassen. Der Punkt hinter dem x soll wiederum das Selbstbewusstsein einer Marke unterstreichen, die seit 30 Jahren besteht. »Wir haben keinen Claim. Wenn man so will, ist der Punkt Ausdruck unseres gesamten Selbstbewusstseins«, sagt Dirk Sackmann.

Aufsichtsratsvorsitzender Christian Großmann
Zudem erlaubt das neue Logo eine größere Variabilität. Es muss nicht mehr starr in blau an immer derselben Stelle stehen, sondern kann auch mal anders dargestellt werden – bis hin zu einem reduzierten »hx.« in digitalen Anwendungen. Und auch in puncto Farben gibt es Flexibilität. Neben dem traditionellen Blau, das für Sachlichkeit und Sicherheit stehe, hat man die Palette um ein »dynamisches« Lichtgrün ergänzt, das wiederum für Innovationskraft stehe. Als Sekundärfarben gibt es außerdem Moosgrün sowie Mandarin-farbene Akzenttöne.
Schlussendlich habe die strategische Weiterentwicklung nicht nur zu einem neuen Corporate Design mit neuem Briefpapier, neuer Website und neuem Social-Media-Content geführt, sondern auch zu einer strukturellen Veränderung. So bündelt die Gemeinschaft ihre kreativen wie gestalterischen Angebote für die Mitgliedsbetriebe ab sofort in der hauseigenen Agentur hörex.create. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über langjährige Branchenerfahrung und entwickeln »ausschließlich individuelle Konzepte für Hörakustikbetriebe«. Mit Carina Stiehler hat das Marketing nun außerdem eine zentrale Ansprechpartnerin für Existenzgründer. Sie wird den gesamten Prozess von der Logoentwicklung bis zur fertigen Website begleiten. Das Projektmanagement für Bestandsmitglieder wiederum liegt jetzt in den Händen von Avani Hötte. Zudem agiert Katharina Schmidt künftig als Schnittstelle zur Branche und analysiert, welche Tools und Kampagnen den Mitgliedern im Alltag echte Entlastung bieten können.
Ergänzt wird der Agentur-Ansatz durch das Veranstaltungsformat »hörex.connect«. Hier ist nun das gesamte Spektrum des Austauschs gebündelt. Bewährte und neue Formate wie »Meet and Talk« oder das »Wissensforum« (ehemals Fortbildungskongress) sollen den Schritt in die Zukunft unterstreichen.
Kurz vor dem Mittagessen beendete Claudia Hellbach die Vorstellung des neuen Hörex-Auftritts mit einer klaren Feststellung: »Wir haben uns Gedanken gemacht, unser Profil geschärft und darüber nachgedacht, was ihr braucht. Ihr wollt keine Standards, ihr wollt, dass wir eure Marken nach vorne bringen. Kurz: Ihr möchtet Individualität und gleichzeitig Gemeinschaft. Deshalb steht ihr im Vordergrund, wir sind die Kraft im Hintergrund. Gerade das macht uns auch für Gründerinnen und Gründer attraktiv. Wir sind eine Gemeinschaft, die Haltung zeigt, eine Gemeinschaft, die eure Marke stärkt. Und ich darf euch einladen, dies nach außen zu kommunizieren und stolz auf eure Gemeinschaft und euren Zusammenhalt zu sein.«
