Empirische Evaluation des Phonak Audéo Sphere Infinio – Technologie, Studiendesign und Alltagsnutzen
Von Sven Kreher (Phonak) Abbildungen: Phonak

Nicht nur ein technisches Versprechen, sondern erlebter Nutzen im echten Leben.
Die Aussagekraft von Marketingbroschüren und Produktvergleichen ist nicht immer einfach zu bewerten. Unterschiedliche Testmethoden und teilweise fehlende Standardisierungen erschweren insbesondere die direkte Vergleichbarkeite von Ergebnissen. Umso relevanter sind die Erkenntnisse, die unter realen Versorgungsbedingungen aufgenommen und bewertet werden.
Dazu hat Phonak eine bundesweite Hörstudie ins Leben gerufen, die den tatsächlichen Nutzen von modernen Hörsystemen anhand von empirischen Daten belegt, technologisch einordnet und in einen versorgungspraktischen Kontext stellt.
Der vorliegende Bericht dokumentiert und analysiert die Ergebnisse der bundesweiten Hörstudie, die von Oktober 2025 bis Juni 2026 durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt steht das Phonak Audéo Sphere Infinio, das auf einer neuartigen KI-Architektur basiert und speziell für die Bewältigung komplexer Alltagshörsituationen entwickelt wurde.
Bundesweite Phonak Hörstudie
Ziel der bundesweiten Hörstudie war es, den Einfluss einer Versorgung mit KI-gestützten Hörsystemen auf das tägliche Leben von Menschen mit Hörverlust empirisch zu erfassen und zu quantifizieren. Im Fokus standen dabei drei Kernbereiche:
1. Das subjektive Hörerleben im Alltag, insbesondere in herausfordernden akustischen Situationen
2. Die sozial-emotionalen Auswirkungen des Hörverlusts auf die betroffene Person und ihr Umfeld
3. Der berufliche und gesellschaftliche Einfluss der Höreinschränkung sowie die Veränderungen nach der Versorgung
Die Studie folgte einem zweistufigen Längsschnittdesign mit zwei definierten Messzeitpunkten:
Phase 1 diente als Basis. In dieser erfolgte eine Kontrollabfrage vor der Versorgung mit Hörsystemen. Es folgte die Tragephase. Diese umfasste die individuelle Anpassung und Nutzung der Hörsysteme im Alltag (ca. 2 – 4 Wochen). Darauf folgte Phase 2, dem Follow-up, mit einer Kontrollabfrage nach der Nutzungsphase. Als Testgeräte kamen das Phonak Audéo Sphere Infinio 90 R sowie das Phonak Audéo Sphere Infinio 70 R zum Einsatz.
Der eingesetzte Fragebogen umfasste neben allgemeinen demografischen Angaben (Alter, Geschlecht, Vorerfahrung mit Hörsystemen, Audiogrammdaten) drei inhaltliche Hauptdimensionen, die jeweils vor und nach der Tragephase erhoben wurden. Alle Fragen wurden auf einer fünfstufigen Häufigkeitsskala bewertet (Nie – Selten – Manchmal – Oft – Immer).
Dimension A: Hörerleben im Alltag
• Sprachverständlichkeit in Gruppen und Gesellschaften
• Häufigkeit des Nachfragens aufgrund akustischer Missverständnisse
• Höranstrengung und Erschöpfung bei Hintergrundlärm
• Vermeidungsverhalten aufgrund von Hörproblemen
• Schwierigkeiten bei der Geräuschlokalisation
• Einschränkungen beim Fernsehen und Radiohören
• Subjektiv empfundene Alltagseinschränkung durch Hörprobleme
Dimension B: Sozial-emotionale Auswirkungen
• Einschränkung der privaten und gesellschaftlichen Teilhabe
• Offenheit gegenüber Angehörigen, Freunden sowie Bekannten und Kolleginnen bzw. Kollegen
• Gefühl des Ausgeschlossenseins in Gesprächen
• Frustration und Stress durch Hörprobleme
• Familiäre Konflikte aufgrund von Hörschwierigkeiten
Dimension C: Beruflicher und gesellschaftlicher Einfluss
• Teilnahme an beruflichen Besprechungen und Veranstaltungen
• Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz oder im Ehrenamt
• Wahrnehmung der Hörprobleme durch das soziale Umfeld
• Soziale Unsicherheit und Gehemmtheit
• Vermeidung von Veranstaltungen mit vielen sprechenden Personen

Ausgangssituation vor der Versorgung
Die Basis-Erhebung (n = 162) zeichnete ein vielschichtiges Bild der Belastungssituation von Menschen mit Hörverlust im Alltag. Die audiometrische Auswertung zeigt, dass der mittlere Hörverlust der Studienteilnehmenden als symmetrischer, leicht- bis mittelgradiger Hochtonhörverlust charakterisiert werden kann.
Die Stichprobe war mit einem Anteil von 56 männlichen Teilnehmenden annähernd ausgewogen verteilt. Darüber hinaus gaben 77 % der Befragten an, bereits Vorerfahrungen mit Hörsystemen zu besitzen, was auf ein erfahrenes Nutzerkollektiv mit vergleichsweise hoher Versorgungskompetenz hindeutet.
Über alle drei Dimensionen (Hörerleben, sozial-emotionaler Bereich, beruflich/gesellschaftlicher Bereich) hinweg berichteten die Teilnehmenden von erheblichen Einschränkungen, die weit über die rein akustische Ebene hinausgingen.
Veränderungen nach der Versorgung mit dem Phonak Audéo Sphere Infinio
Nach der zwei - bis vierwöchigen Tragephase (n = 86) zeigten sich in allen drei Dimensionen deutliche und konsistente Verbesserungen, die unmittelbar auf die KI-gestützte Signalverarbeitung des Audéo Sphere Infinio zurückgeführt werden können. Hinsichtlich der Geräteauswahl testeten knapp 93 % der Teilnehmenden die Phonak Audéo Sphere Infinio 90 R. Die Bereitschaft zur intensiven Nutzung war bemerkenswert hoch. 76 % aller Teilnehmenden gaben an, die Hörsysteme täglich über mehr als acht Stunden getragen zu haben, was auf eine ausgeprägte Alltagsintegration und eine hohe subjektive Akzeptanz der Geräte hindeutet.

Hörerleben im Alltag
Die Teilnehmenden berichteten nach der Versorgung signifikant seltener von Schwierigkeiten beim Sprachverstehen in Gruppen und Gesellschaften.
Auch bei der Geräuschlokalisation, einem Bereich, der eng mit der binauralen Verarbeitung verknüpft ist, berichteten die Teilnehmenden von Verbesserungen. Die koordinierte Kommunikation beider Geräte miteinander ermöglicht eine räumlich kohärente Klangwahrnehmung, die das natürliche Richtungshören unterstützt. Ebenso verbesserte sich das Erleben beim Fernsehen und Radiohören, was auf die verbesserte Sprachverständlichkeit auch bei medialer Wiedergabe hindeutet.
Das situative Vermeidungsverhalten, verstanden als aktives Ausweichen/Meiden von akustisch herausfordernden Situationen, nahm nach der Versorgung messbar ab. Da dieses Verhalten als zuverlässiger Indikator für die subjektiv empfundenen Teilhabe/Integration der Betroffenen im Alltag betrachtet werden kann, ist diese Reduktion als besonders bedeutsamer Wirkungsnachweis zu werten.
Sozial-emotionale Auswirkungen
Im sozial-emotionalen Bereich zeigten sich nach der Versorgung besonders markante Veränderungen. Die Teilnehmenden berichteten seltener, sich in Gesprächen ausgeschlossen zu fühlen, und erlebten weniger Frustration und Stress durch ihre Hörprobleme. Familiäre Konflikte aufgrund von Hörschwierigkeiten nahmen ebenfalls ab.
Bemerkenswert ist dabei ein indirekter Effekt: Die Bereitschaft, das Hörproblem offen anzusprechen, nahm nach der Versorgung tendenziell zu, sowohl gegenüber Angehörigen und Freunden als auch gegenüber Bekannten und Kolleginnen bzw. Kollegen. Dies deutet darauf hin, dass ein erfolgreich versorgter Hörverlust nicht nur die akustische, sondern auch die psychosoziale Barriere senkt.

Beruflicher und gesellschaftlicher Einfluss
Im beruflichen und gesellschaftlichen Kontext verbesserte sich die Situation der Teilnehmenden nach der Versorgung in mehreren Bereichen. Die Teilnahme an Besprechungen und Veranstaltungen fiel leichter, die berichtete Beeinträchtigung der beruflichen Leistungsfähigkeit nahm ab, und das Gefühl sozialer Unsicherheit und Gehemmtheit reduzierte sich spürbar. Aktivitäten mit vielen sprechenden Personen wurden seltener gemieden.
Diese Verbesserungen sind im Kontext der KI-Funktionalität besonders relevant. Gerade in Besprechungsräumen oder bei Veranstaltungen mit komplexen Akustikverhältnissen (z. B. Nachhall, mehrere gleichzeitig sprechende Personen, wechselnde Gesprächsrichtungen) entfaltet die DNN-basierte Signalverarbeitung des Audéo Sphere Infinio ihr volles Potenzial. Das System priorisiert Sprachsignale, reduziert Nachhall und passt die Verstärkung dynamisch an wechselnde Gesprächssituationen an, ohne dass die Trägerin oder der Träger aktiv eingreifen muss.
Kaufbereitschaft als Indikator für Nutzerzufriedenheit
Die abschließend erhobene Kaufbereitschaft – »Würden Sie aufgrund Ihrer Erfahrung der letzten Wochen mit den Testgeräten den Kauf der Hörsysteme in Erwägung ziehen?« – stellt einen besonders praxisrelevanten Indikator dar. Eine hohe Zustimmungsrate in dieser Frage spiegelt nicht nur die subjektive Zufriedenheit mit den Geräten wider, sondern belegt, dass die KI-Technologie einen alltagsrelevanten Mehrwert erzeugt, der von den Betroffenen als kaufentscheidend wahrgenommen wird. Die Ergebnisse dieser Frage unterstreichen damit die Übertragbarkeit der gemessenen Verbesserungen in eine reale Versorgungsentscheidung.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie stehen im Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zur DNN-basierten Geräuschverarbeitung in Hörsystemen. Die wissenschaftliche Evidenz spricht dafür, dass DNN-basierte Geräuschverarbeitung insbesondere bei komplexen Störgeräuschsituationen einen relevanten zusätzlichen Nutzen bieten kann, mit nachgewiesenen Verbesserungen bei Sprachverständlichkeit, subjektiver Höranstrengung und realen Alltagserfahrungen.
Gleichzeitig ist diese Evidenz nicht so zu interpretieren, dass jedes Hörsystem mit KI automatisch besser ist als jedes Hörsystem ohne KI. Der entscheidende Faktor ist die konkrete Implementierung: die KI-Aufgabe, die technische Umsetzung, die Qualität der Trainingsdaten, die Rechenarchitektur und – vor allem – der nachgewiesene Nutzen für Sprachverständlichkeit, Höranstrengung, Klangqualität und Alltagserleben.
Das Phonak Audéo Sphere Infinio erfüllt diese Anforderungen in mehrfacher Hinsicht: Es setzt KI nicht als Marketingbegriff ein, sondern als technisch fundierte Lösung mit einem dedizierten DNN-Prozessor, einem umfangreichen Trainingsansatz und einem messbaren Nutzen, der durch die vorliegende Studie empirisch belegt wurde.

Fazit
Die bundesweite Phonak Hörstudie liefert einen wichtigen empirischen Beleg für den Mehrwert KI-gestützter Hörsysteme im Alltag von Menschen mit Hörverlust. Die Ergebnisse zeigen konsistent und über alle drei erhobenen Dimensionen hinweg, dass das Phonak Audéo Sphere Infinio weit über ein reines Sprachverstehen hinausgeht:
• Es reduziert die kognitive Höranstrengung in komplexen akustischen Situationen durch DNN-basierte Sprach-Geräusch-Trennung
• Es verbessert die soziale Teilhabe und
reduziert das Gefühl von Ausgrenzung und
Isolation
• Es senkt die emotionale Belastung durch
Hörverlust und stärkt das Selbstvertrauen in sozialen Situationen
• Es erhöht die berufliche Handlungsfähigkeit und reduziert Vermeidungsverhalten
Diese Verbesserungen sind nicht auf eine einzelne Funktion zurückzuführen, sondern auf das Zusammenspiel der DEEPSONIC-Architektur, der binauralen Verarbeitung und der individuellen Feinanpassung. Sie unterstreichen, dass die entscheidende Frage in der modernen Hörsystemversorgung nicht lautet: »Welches Hörsystem hat die meiste KI?«, sondern: »Welche KI wird für welche Aufgabe eingesetzt – und welcher nachweisbare Nutzen entsteht daraus für den Hörsystemträger?«
Das Phonak Audéo Sphere Infinio gibt auf diese Frage eine überzeugende, empirisch gestützte Antwort.