
»Die größten Aufgaben liegen noch vor uns« – Beate Gromke während der Kongresseröffnung
#EUHA2026 – die Eröffnung
Von Dennis Kraus / Fotos: EUHA/Rechtnitz
Die Eckpunkte des Kongresses bekam man von Beate Gromke und Cristina Cantarell bereits während der kompakten Eröffnung am Messe-Mittwoch auf der EUHA Live-Area genannt. Gut zwei Stunden später, zum Auftakt des Wissenssymposiums, nahm Gromke die Herausforderungen der Branche in den Blick. Die dazu passende Keynote lieferte Dr. Peter Kreuz. Auf einen Rückblick anlässlich des Jubiläums verzichtete die EUHA während all dem ganz bewusst.
Der Rahmen des 70. Internationalen Hörakustiker-Kongresses, der landläufig nach seinem ausrichtenden Verband einfach EUHA-Kongress oder kurz EUHA genannt wird, ist schnell abgesteckt. 140 Aussteller aus 22 Ländern sind auf der Industrieausstellung zu sehen. 25 von ihnen zeigen sich, wie BVHI-Vorständin Cristina Cantarell berichtet, in diesem Jahr zum ersten Mal auf der weltweit größten Branchenmesse. Nicht zu vergessen die vier internationalen Start-ups, die sich während der drei Kongresstage auf der EUHA Live-Area präsentieren – genau wie Hochschulen und Universitäten mit entsprechenden Studiengängen. Dazu kommen ein Fachvortragsprogramm mit rund 70 Vorträgen internationaler wie nationaler Referenten sowie fünf Tutorials.
EUHA-Präsidentin Beate Gromke verwies außerdem auf einen Star-Gast, der die Messe in diesem Jahr beehren wird: Thomas D. Der bekannte Musiker und neue Signia-Markenbotschafter werde am Mittwoch um 16 Uhr am Stand des Herstellers den Startschuss für die »LEBE LAUT«-Kampagne geben. Auch das diesjährige Partnerland stellte die EUHA-Präsidentin vor: die Niederlande. Zudem betonte sie die vielen Möglichkeiten und Chancen, die der Kongress bietet: Nirgendwo sonst könne man mehr Wissen rund um die Hörakustik aufsaugen. An keinem anderen Ort bekomme man so viele Angebote und Möglichkeiten, Neuheiten in Augenschein zu nehmen und sich auszutauschen.
Dass Beate Gromke weder während der Kongresseröffnung noch später, während ihrer Rede zum Auftakt des Wissenssymposiums, eine Retrospektive geben wird – immerhin ist dies der sage und schreibe 70. EUHA-Kongress – mag der eine oder die andere überraschend finden. Aber »der Kongress ist kein Anlass, lang zurückzuschauen«, so Gromke. Vielmehr sei er ein »Startsignal«. Schließlich liegen »die größten Aufgaben noch vor uns«. Die Branche, der Beruf, die Versorgung, die Menschen – alles verändere sich. »Und leider wird nicht alles einfacher«, prognostiziert die EUHA-Präsidentin. Insofern soll der Kongress auch »ein Ort sein, an dem Perspektiven aufeinandertreffen und Ideen weiterentwickelt werden«, um die Zukunft mitgestalten zu können.
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Was sind Ihre 143,5 Zentimeter?
Im Saal 3 des Convention Centers der Messe Hannover, wo während der drei Messetage viele Fachvorträge über die Bühne gehen werden, kommt Beate Gromke zum Auftakt des Wissenssymposiums etwas ausführlicher auf die Herausforderungen zu sprechen, die sie auf die Branche zukommen sieht. Um denen besser begegnen zu können, fordert sie insbesondere drei Dinge. Weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Menschen, den verantwortungsbewussten und offen-ehrlichen Umgang und Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie praxisnahe Forschung.
Das Jubiläum spricht sie tatsächlich nur kurz an. So biete die 70 immerhin eine Analogie zu ihrer Arbeit als Hörakustikerin, sitzen ihr doch viele Kunden in ungefähr diesem Alter erstmals gegenüber. Aber anstatt ihnen zu sagen, dass sie sich mit ihrer Situation arrangieren müssten, mache man ihnen mit ihrer Versorgung neue Türen auf. Insofern könne man einen 70. Geburtstag auch als Wendepunkt sehen, so Gromke. Natürlich seien da die Erfahrungen, die Erinnerungen. Aber genauso sind da die Fragen. Was wird bleiben? Was muss sich verändern? Wie findet man seinen Weg in eine erfolgreiche Zukunft?

Begrüßte die Kongressbesucher im Namen des BVHI: Sonova-Deutschland-Geschäftsführerin Cristina Cantarell

Dr. Peter Kreuz sprach in seiner Keynote über Strategien, sich zukunftstauglich aufzustellen
Mit dem diesjährigen Keynote-Speaker konnte die EUHA jemanden gewinnen, der gewissermaßen eine Anleitung für das Finden eines Weges in eine bessere Zukunft verfasst hat. »Rebel Mind – wie Menschen ticken, die die Welt bewegen. 33 Anstiftungen« ist eines der bekannten und erfolgreichen Bücher von Dr. Peter Kreuz betitelt. Seine Keynote zur Eröffnung des Wissenssymposiums hat er mit »Rebel Mind – Zukunft hören. Wandel gestalten« überschrieben.
Der Vortrag beinhaltet alles, was es für einen kurzweiligen wie nachhaltigen Impuls braucht. Zunächst etwas Kurioses zur Veranschaulichung, wie sehr Menschen dazu neigen, Dinge so zu machen, wie die Menschheit sie schon seit Ewigkeiten macht. In Kreuz‘ Fall ist das ein Maß: 143,5 Zentimeter. Von der Spur römischer Streitwagen über den Abstand der Eisenbahnschienen bis hin zur Breite von Feststoffraketen der NASA zieht sich dieses Maß durch die Menschheitsgeschichte. Eine perfekte Basis also, um zu fragen: »Was sind Ihre 143,5 Zentimeter?«
Sehr anschaulich legt Peter Kreuz anschließend dar, dass das Verharren in Gelerntem spätestens dann gefährlich wird, wenn sich das Spiel verändert. Geschieht das, ändern sich die Regeln, andere Spieler mit unterschiedlichen Zielen kommen hinzu, und auf einmal nützt es nichts mehr, nach den alten Regeln zu spielen. Man muss sich ändern. Das Bild passt natürlich auch zur Hörakustikbranche wie die Maßotoplastik ins Ohr.
Wie es sich für eine Keynote dieses Formats gehört, unternimmt Peter Kreuz auch eine kleine Zeitreise, um vom Wählscheibentelefon auf die Frage zu kommen, was einen guten Beamten der Deutschen Post einst ausgemacht habe. Fleiß, Sorgfalt, Intelligenz. Wobei Letzteres schon als Bonus gesehen werden könne. In der heutigen Welt reiche das nicht mehr. Heute brauche es obendrein Initiative, Kreativität und Leidenschaft. Zumal das mit der Sorgfalt und dem Fleiß in vielen Bereichen auch outgesourced werden könne – designed in California, assembled in China, Apple macht es auch hier vor.
Natürlich entlässt Peter Kreuz einen nicht ohne Rüstzeug. So ermutigt er etwa, sich als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer nicht zu viel mit der Gegenwart zu beschäftigen – auch wenn sie immer dringend erscheint. Die meisten Nachrichten, Anrufe, Mails haben mit ihr zu tun. Trotz all dem auch Strategien für die Zukunft zu entwickeln, darauf komme es, so Kreuz. Hierbei könnten Fragen helfen. Wo liegt die größte Chance, auf die man sich konzentrieren sollte? Welche Fähigkeiten brauche ich, um sie nutzen zu können? Und was frisst aktuell eigentlich meine Zeit? Um in die Spur zu kommen – und damit sind hier nicht die 143,5 Zentimeter gemeint – helfe außerdem, sich regelmäßig zu fragen, was man tun kann, was man noch nie getan hat. Tut man das dann auch, sei man auf dem besten Wege zu einer neuen Version seiner selbst. 2.0.
