DIGITALES MAGAZIN
031 | Februar 2024
17/21

40 Jahre CI-Therapie in Deutschland:

Hörregion Hannover mit Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr

Von Dennis Kraus / Fotos: Cochlear

40 Jahre CI-Therapie in Deutschland:  Hörregion Hannover mit Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr

Mit einer Presseveranstaltung in den Räumlichkeiten von Cochlear Deutschland in Hannover hat die Hörregion Hannover am 18. Januar den Auftakt in das Jubiläumsjahr 40 Jahre CI-Therapie in Deutschland gegeben. Neben diversen Pressevertretern war auch Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil dabei – und zeigte sich sehr interessiert.

Im Rahmen der Veranstaltung haben »namhafte Vertreter aus Medizin und Technologie über die Anfänge und Perspektiven der CI-Therapie« informiert. So gaben etwa Träger von Nucleus Cochlea-Implantaten Einblicke in ihr Leben mit der Hörprothese, mit der in Deutschland mehr als 55.000 Menschen leben. Als Ehrengast war während der etwa anderthalbstündigen Veranstaltung Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil zugegen. 

Der Ort war freilich wohl gewählt, begann »der Siegeszug des Cochlea-Implantats durch Deutschland und Europa« vor genau 40 Jahren doch eben in Hannover, wie es in der hierzu veröffentlichten Pressemitteilung heißt. 1984 hatte der Hör-Pionier Professor Ernst Lehnhardt an der Medizinischen Hochschule Hannover erstmals vier Patienten mit einem Nucleus Cochlea-Implantat der australischen Firma Cochlear implantiert. Bald darauf folgten auch erste CI-Versorgungen von Kindern. Über die Jahre hat das CI dann das Stadium der experimentellen Medizin hinter sich gelassen, so dass es heute in erfahrenen Kliniken als »Routine-Eingriff« gilt.

Zu den auf der Veranstaltung vertretenen Medizinern zählte freilich auch Prof. Prof. h.c. Dr. med. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des Deutschen HörZentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Er informierte die Medienvertreter mit einem Impulsvortrag über 40 Jahre Cochlea-Implantat in Deutschland und wies dabei selbstredend auf die unbestreitbaren Verdienste der MHH hin. »Ob bei der CI-Indikation oder bei Therapie und Nachsorge – hier in Hannover wurden ab Mitte der 1980-er Jahre Benchmarks gesetzt, die wir in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt haben«, so der international renommierte CI-Spezialist, der die Leitung der HNO-Klinik der MHH 1993 von Ernst Lehnhardt übernommen hatte. »Entscheidend für die Etablierung der CI-Versorgung war von Beginn an das interdisziplinäre Zusammenspiel in unserer Klinik. Medizin und Technologie, Audiologen und Pädagogen arbeiten seit damals Hand in Hand, um die optimale Versorgung einer stetig steigenden Zahl an Patienten sicherzustellen und die Versorgungsqualität weiter zu erhöhen.«

Ebenso anwesend war Alexander Bley, der weltweit als jüngstes Kind im Alter von 13 Monaten ein CI erhalten hatte. »Ein Leben ohne das Cochlea-Implantat kann ich mir kaum vorstellen. Meine Eltern hatten damals ein Kind, das plötzlich gehörlos war. Sie wussten nicht, was das bedeutet, und ob man jemals wieder normal leben kann. Und sie entschieden sich für die CI-Therapie, obwohl es noch keinerlei Erfahrung mit der Versorgung eines so kleinen Kindes gab«, so Bley, der heute Ingenieur und Spitzensportler ist. »Ich bin meinen Eltern heute sehr dankbar für diese mutige Entscheidung. Ich bin sehr froh, dass ich hören kann. Viele andere Eltern gehörloser Kinder sind in der gleichen Situation wie meine Eltern damals. Ich will ihnen und allen Menschen zeigen, dass es sich lohnt, ein Cochlea-Implantat sowie die nötige Förderung zu erhalten.«

Des Weiteren bot Sebastian Salomon, Sales Director bei Cochlear Deutschland, Einblicke in die Forschung und Entwicklung von Cochlear. Janine Dersch, Market Access Manager und Mitglied im Kuratorium der Hörregion, würdigte außerdem das Engagement der Politik für das Thema Hörrehabilitation am Standort. Ebenso wie die MHH ist auch Cochlear langjähriger und engagierter Partner der Hörregion Hannover. Ehrengast Stefan Weil zeigte sich von all dem sichtlich beeindruckt. »Es ist beeindruckend, welch enormes Plus an Kommunikation und Lebensqualität die CI-Therapie gehörlos geborenen Kindern sowie schwerhörigen Menschen jeden Alters eröffnen kann«, so der Ministerpräsident von Niedersachsen. »(…) Hannover war der Ausgangspunkt dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte für Deutschland und ganz Europa. Akteure unserer Hörregion prägten und prägen die weltweite Forschung und die Entwicklung der CI-Therapie maßgeblich. Das alles erfüllt uns mit Stolz und ist zugleich Verpflichtung. Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass jeder schwerhörige Mensch die für ihn optimale Hörversorgung erhalten kann.«

Lesen Sie hier dazu auch unser Interview anlässlich 40 Jahre CI in Deutschland mit Frau Professor Anke Lesinski-Schiedat und Herrn Professor Thomas Lenarz: https://omnidirekt.digital/de/031-februar-2024/interview-prof-lenarz-und-prof-lesinski-schiedat