Die Erfolgskontrolle – ein Auslaufmodell?

Lautheitsskalierung, Revoloud und Toleranztest mit Zahlenwörtern nach Volker Burmeister (Akademie für Hörakustik) und Freifeld U-Schwelle nach Saile
Dass bei einer Erfolgskontrolle die Toleranz abgeprüft werden muss, zeigte unser Gastautor Hans-Kimmerle bereits beim letzten Mal auf. Doch eine Toleranzprüfung heißt nicht nur, den Kunden zu beobachten, sondern dabei auch die Technik zu betrachten.
Von Hans-Georg Kimmerle / Foto: Hörhaus Tuttlingen
Mit der Toleranz ist es eine ganz eigene Sache. Sie wissen schon. Zwischen Vmax, LAmax, fu sowie fo und dem, was dazwischen stattfindet – dem Hörfeld – gibt es enorme Unterschiede. Deshalb sind hierbei auch zahlreiche Aspekte zu beachten. Schließlich muss das Hörfeld eines Schwerhörigen so korrigiert werden, dass es mit dem eines Normalhörenden möglichst deckungsgleich ist.
Wir sind uns einig: Signale müssen definiert und bewertet werden. In diesem Fall wollen wir uns den Signalen innerhalb des Hörfeldes zuwenden. Ich muss niemandem extra erklären, dass Signale nichts anderes als Informationen darstellen. Doch Informationen an sich sind nicht gleichzusetzen. Oder vergleichen Sie Äpfel mit Birnen? Ich für meinen Teil habe stets zwischen Lärm, Geräuschen, Musik und vor allem Sprache unterschieden.
Lärm war natürlich immer die unerwünschte Signalart – wir reden hier schließlich über akustischen Abfall. Geräusche hingegen besitzen einen akustischen Wert, da sie zur Orientierung im Raum dienen, aber einem auch Warnungen vermitteln. Musik wiederum deckt einen anderen Aspekt ab. Sie dient der Genussempfindung, unterliegt aber auch der Interpretation. Und beides wird von jedem Menschen individuell interpretiert. Oder würden Sie die Laute einer Harfe als genauso schön empfinden wie die Klänge der Comedian Harmonists im Original? Beides kann, muss aber nicht als schön empfunden werden. Auch kann beides unterschiedlich interpretiert werden. Den größten Interpretationsspielraum erhalten wir jedoch mit der Sprache. Wäre das nicht so, dann hätten wir schließlich keine Kunden im Geschäft, richtig?
Nun sollte man sich bei jeder Anpassung immer wieder eines vor Augen führen: Wir dienen dem Kunden, indem wir Signale wieder wahrnehmbar machen. Welchen Weg man in der Technik wählt, das müssen Sie entscheiden. Denn unabhängig von allen üblichen Korrekturparametern wie etwa der Verstärkung brauche ich niemandem zu erklären, dass man den Weg der Frequenztransposition oder der Frequenzkompression für sich nutzen kann.
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Ziel ist, dass der Kunde, der vor Ihnen sitzt, Signale möglichst gut wahrnehmen sowie verarbeiten kann. Das bereits nimmt jeder Kunde unterschiedlich wahr. Und da heutzutage üblicherweise alle Hörsysteme mit einer Regel- und Steuertechnologie ausgestattet sind, in die kein Akustiker direkt eingreifen kann – höchstens indirekt –, ist die Auswahl der richtigen Technik umso ausschlaggebender. Bedenkt man überdies, dass sich mit der Nutzung einer Otoplastik die Wirksamkeit der Signalübertragung verändert, dann leuchtet ein, dass dies einen entscheidenden Einfluss auf den Hörerfolg hat.
Der Kunde kann, muss aber nicht den beabsichtigten Hörgewinn erzielen. Ich zumindest machte in all meinen Berufsjahren die Erfahrung, dass ein Hörgewinn nur dann erzielt werden kann, wenn sowohl der Kunde als auch der Akustiker sich diesen gemeinsam und kontinuierlich erarbeiten. Nichtsdestotrotz sind wir uns einig: Hiermit ist die Erfolgskontrolle noch nicht abgeschlossen. Denn das wichtigste Prüfkriterium schauen wir uns beim nächsten Mal an: die sprachliche Kommunikation. Schließlich wissen wir doch alle, dass Kunden ihre Zufriedenheit an der Einstellung von Sprache sowie Stimme bemessen. Bis zum nächsten Mal.
