Die Erfolgskontrolle – ein Auslaufmodell?
Von Hans-Georg Kimmerle / Abbildung: OMNIdirekt
Links das Wort «OMNIdirekt» ganz trocken dargestellt / Rechts das Wort «OMNIdirekt» mit sehr viel Hall dargestellt
Sprache bzw. mangelndes Sprachverständnis ist gewiss der vornehmlichste Grund für das Aufsuchen eines Hörakustikfachgeschäftes. Unser Gastautor Hans-Georg Kimmerle machte sich so seine Gedanken über Sprachverständlichkeit, Autophonie sowie Stimmklang.
Sprache ist ein extrem schwierig zu definierender Begriff. Als Hörakustiker haben wir einen sehr speziellen Blick darauf, und das wird oft erst bei der Erfolgskontrolle deutlich. Denn wenn wir als Akustiker Sprache abprüfen wollen, dann interessieren uns drei Dinge: das Sprachverstehen bezogen auf die Wortverständlichkeit, die Klangwahrnehmung der eigenen Sprache sowie den Stimmklang des Schwerhörigen von einer außenstehenden Person betrachten zu lassen.
Da das Sprachverstehen eines der entscheidenden Prüfkriterien darstellt, führen wir im Rahmen der Anamnese Sprachverständlichkeitstests durch. Wird beim Worttest nach dem Haus gefragt, dann wollen wir vom Kunden nicht Maus oder Laus als Antwort erhalten. An diesem Ergebnis orientieren wir uns aber bei der Endkontrolle der Hörgeräteanpassung, um eine maximale Verständlichkeit im freien Schallfeld beim Kunden zu erzielen. Doch wie sollte man die Sprachverständlichkeit im Hinblick auf die Erfolgskontrolle überhaupt abprüfen?
Natürlich bedienen wir uns audiometrischer Mittel, mit denen man die Sprachprüfung vornehmen kann. Welche Sprachprüfung man dabei wählt, ist dabei nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, dass Testbedingungen, also Messmethode, Material sowie Messumfeld, eingehalten werden. Denn erst dadurch erhalten wir ein verlässliches, aussagekräftiges Ergebnis. Wir erkennen, ob die Zielvorgabe erreicht worden ist oder auch nicht.
Doch Messergebnisse sowie Zielvorgaben – das wissen wir alle – sind das eine, die Wahrnehmung sowie der Klang der eigenen Stimme, die sogenannte Autophonie, das andere. Wie durch die griechischen Bezeichnungen autós (selbst) und phōnĕ (Laut, Klang, Aussprache) vermeintlich deutlich wird, lässt sich der Klang der eigenen Stimme messtechnisch nur schwer darzustellen. Eine Möglichkeit wäre mittels In-Situ-Messung die Dynamik im Gehörgang zu erfassen, richtig? Denn sollte sich bei der Erfolgskontrolle herausstellen, dass der Kunde die eigene Stimme als unnatürlich bzw. verfälscht wahrnimmt, dann müssen wir überlegen, ob wir eine elektronische und/oder mechanische Korrektur vornehmen. Gehen wir den sicheren Weg, also eine elektronische Lösung an, dann ist der eindeutig: Es kann über eine Korrektur der Frequenz- und/oder der Dynamik erfolgen. Verfolgen wir jedoch eine Lösung über den mechanischen Weg, also der Otoplastik, dann stehen uns verschiedene Wege zur Verfügung. Üblicherweise über die Nutzung eines Vents mit all seinen Variationen und/oder über die Definition sowie der anschließenden Modifikation des Restvolumens.
Nun könnte man sagen, dass hiermit die Überprüfung bereits abgeschlossen ist. Doch bis dahin haben wir nur die Perspektive des Trägers selbst gesehen, nicht jedoch die Perspektive von Außenstehenden. Deshalb sollte man die Stimmlautstärke sowie die Stimmhöhe des Hörgeräteträgers betrachten. Sofern man dies selbst nicht oder nur schwer einschätzen kann, rät es sich an, die Hilfe von Angehörigen oder nahestehenden Personen bei der Beurteilung miteinzubinden. Ich zumindest habe dies bei jedem Kunden gemacht.
Aber warum solche ein Aufwand, werden Sie mich an der Stelle schlussendlich fragen? Das steht doch in keinem Lehrbuch? Ganz einfach: Wenn es so ist, dass sich die Stimmung einer Person auch über die Stimme abbildet und somit der emotionale Zustand deutlich wird, dann spiegelt sich das gewiss beim Tragen des Hörgerätes wider. Und wer kann das besser beurteilen als eine nahestehende Person? Entsprechend sollte man darauf achten, dass die Stimme des Hörgeräteträgers beim entspannten Gespräch weder unnatürlich laut noch unnatürlich leise und selbstverständlich auch nicht zu hell oder zu dunkel klingt. Erst dann ist man auf der sicheren Seite.
Nunmehr sind wir an dem Punkt angekommen, an dem die Anpassung für das Erste abgeschlossen zu sein scheint. Die Eingewöhnungsphase beginnt. Dann erst habe ich zu meiner Zeit eine Rechnung ausgestellt. Oder kennen Sie eine ordentliche Arbeit, deren Rechnungsstellung nicht überprüft wird? Ich nicht, da auch der Koch weiß, ob es seinen Gästen nach dem Essen geschmeckt hat. Bis zum nächsten Mal.
