PRO AKUSTIK:
Die Individualität des Einzelnen Stärken
Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt
Bei Pro Akustik hat sich in jüngster Zeit viel verändert. Wir begleiteten den Pro Akustik Kongress, der vom 26. bis 28. Februar im Maritim Hotel in Ingolstadt stattfand, und sprachen anschließend mit Interimsgeschäftsführer Kay Buchhauser sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Boris Ricking.
Herr Ricking, Herr Buchhauser, soeben ging der 24. Kongress der Pro Akustik zu Ende. Welche Erinnerungen, welche Erkenntnisse nehmen Sie mit?
Buchhauser: Wenn ich die Resonanz der Mitglieder betrachte, sendet dieser Kongress ein kraftvolles Signal der Stabilität und des Zusammenhalts. Zu sehen, wie hier wieder verschiedene Generationen und Erfahrungshorizonte zusammenkamen, finde ich spannend. Vom Azubi, der kurz vor der Gesellenprüfung steht, bis zum erfahrenen Inhaber mit zahlreichen Fachgeschäften waren alle dabei. Das bildet, auch in der von Digitalisierung und Fachkräftemangel geprägten Zeit, das Fundament unserer Gemeinschaft. Der Kongress selbst dient so als Plattform, Zuversicht zu vermitteln, Inspiration zu bieten und gemeinsam Lösungsansätze für die Zukunft zu entwickeln. Was mir als Pro-Akustik-Newcomer außerdem deutlich wurde: Die Pro Akustik versteht sich als lernende Gemeinschaft, die einerseits Bewährtes sichert, aber andererseits Neues mutig angeht.
Ricking: Für mich war das eine absolut stimmige Veranstaltung. Wir haben uns ja bewusst für eine neue, offenere Lokalität entschieden, die den besonderen Spirit der Pro Akustik erlebbar macht. Das hat das Gemeinschaftsgefühl, dass unseren Verbund seit jeher auszeichnet, weiter gestärkt. Das ist ein wichtiges Signal, das wir auch von diesem Treffen senden.
Ein zentrales Element des Kongresses waren immer die Workshops. Hier haben Sie in diesem Jahr eine Neuerung umgesetzt. Worum ging es Ihnen dabei?
Ricking: Wir haben den Prozess vollständig digitalisiert. So konnten die Mitglieder im Vorfeld ihre Präferenzen gewichten konnten. Über eine App bekam nun jeder Teilnehmer seinen persönlichen Zeitplan direkt auf sein Smartphone. Das hat die Effizienz erhöht und dafür gesorgt, dass die Inhalte punktgenau dort ankamen, wo sie benötigt werden.
Buchhauser: Das ist ein im Kern basisdemokratisches Verfahren. Wir haben über 30 Themen zur Auswahl gestellt und die Mitglieder entscheiden lassen, was für ihren Geschäftsalltag am relevantesten ist. So bildeten sich automatisch Interessenscluster. So konnten wir sicherstellen, dass alle genau das Wissen mitnehmen, das sie weiterbringt. Die Bandbreite reichte dabei von technischen Fachthemen bis hin zu unternehmerischen Fragestellungen wie der privaten Vermögensplanung, was bei allen Zielgruppen auf großes Interesse stieß. Oder nehmen Sie den Superblock, den eine Mitarbeiterin der Pro Akustik gehalten hat und in dem es um Onboarding und den hintenanstehenden Prozesse ging.
Sie sprechen es an: Besonders auffällig war der Fokus auf die Mitarbeiterentwicklung …
Buchhauser: Die Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist heute existenziell und geht mit der Frage, wie man diese motiviert und inspiriert, Hand in Hand. Deshalb haben wir Workshops zu Soft Skills, Achtsamkeit und Onboarding-Prozessen angeboten. Diese Themen findet man in der Regel bei größeren Konzernen, aber wir wollten es auch dem Einzelakustiker ermöglichen, diese professionellen Strukturen in seinem Fachgeschäft zu etablieren, denn auch das schafft Bindung und steigert die Attraktivität als Arbeitgeber.
Ricking: Die geballte Informationsdichte, die wir hier an einem Wochenende geboten haben, ist einzigartig in der Branche. Anstatt mühsam einzelne Herstellerschulungen zu besuchen, bekam man hier ein Rundumpaket, das von hochkarätigen Keynote-Speakern bis hin zu intensiven Arbeitsgruppen vieles beinhaltete. Zudem fördert so ein Rahmen auch den Austausch untereinander massiv.
Wie wollen Sie derartige Unterstützung auch über den Kongress hinaus leisten?
Ricking: Unsere Unterstützung ist vielseitig – ob der Austausch in den Arbeitsgruppen oder in unsere Foren. Das Engagement endet also nicht mit der Abreise vom Kongress, sondern begleitet die Betriebe das ganze Jahr über.
Buchhauser: Ein schönes Beispiel ist unser Azubi-Wochenende, bei dem wir Lehrlinge aller drei Lehrjahre zusammenbringen. Die Rückmeldungen zeigen, wie wichtig dieser Austausch auf Augenhöhe ist. Zudem setzen wir verstärkt auf moderne Lerntools. Wir entwickeln derzeit KI-gestützte Systeme, die Auszubildende bei Fachfragen unterstützen und Lerninhalte didaktisch sinnvoll aufbereiten. Die Pro Akustik versteht sich hier als Innovationsmotor, der die Individualität des Einzelnen stärkt. Das funktioniert aber auch nur durch aktive Mitglieder, die sich in die Gemeinschaft einbringen. Nur so kann das Kollektiv profitieren.

Ein voll besetzter Saal: Die Pro-Akustik-Mitglieder trafen sich Ende Februar im Maritim Hotel Ingolstadt
In welcher Größenordnung bewegt sich die Gemeinschaft derzeit und wie sieht Ihre Strategie für weiteres Wachstum aus?
Buchhauser: Wir repräsentieren aktuell etwa 67 Mitgliedsunternehmen mit 167 Betriebsstätten. Insgesamt sprechen wir von einer Gruppe von 600 bis 700 Akustikern. Besonders erfreulich ist unser generisches Wachstum: Bestehende Mitglieder expandieren und eröffnen weitere Standorte. Zudem begleiten wir gezielt Neugründer von der ersten Businessplanung bis zur Standortwahl. Ich glaube, man kann gut sagen, dass wir eine solide, profitable sowie stabile Gruppierung sind, in die jedes Mitglied im Grunde genommen mit seiner Qualitätsakustiker-Persönlichkeit einzahlt. Und das ist das, was uns von anderen differenzieren soll. Wir setzen nicht auf Masse um jeden Preis, sondern auf Qualität und eine gemeinsame Wertebasis.
Wie schwierig ist die Gewinnung neuer Mitglieder in einem weitgehend gesättigten Markt?
Buchhauser: Wir wissen, dass die inhabergeführten Betriebe zu 96 Prozent in Einkaufsgemeinschaften organisiert sind. Und die, die aus den verschiedensten individuellen Gründen nicht organisiert sind, wird man nicht sofort motivieren können. Unser Ziel ist es, durch eine stärkere Sichtbarkeit zu überzeugen. Aber da müssen wir auch selbstkritisch sein. Wir haben in den letzten Jahren im Bereich PR und Social Media zu wenig getan, das korrigieren wir jetzt mit personeller Verstärkung. Doch gleich gesagt: Wer zu uns kommt, tut dies nicht wegen einer Rabattliste. Uns geht es um die Weiterentwicklung der Branche und der Menschen. Ein potenzielles Mitglied muss menschlich und qualitativ in unsere Gemeinschaft passen. Die Chemie ist das entscheidende Kriterium.
Ricking: Eines unserer Ziele ist daher, organisch zu wachsen, da wir gut aufgestellt sind.
Herr Buchhauser, Sie führen die Geschäfte derzeit interimistisch. Wie sieht der Fahrplan für die dauerhafte Besetzung der Geschäftsführung aus?
Buchhauser: Das ist eine gute Frage. Die hängt viel mit Ehrlichkeit und Transparenz zusammen. Mein Lebenslauf ist in der Branche bekannt. Es war von daher von vornherein klar, dass ich keine Lebensanstellung anstrebe. Mein Auftrag war es, Impulse zu setzen, Strukturen einzuordnen und die strategischen Ziele des Aufsichtsrats umzusetzen. Wir haben nun eine stabile Basis geschaffen, von der aus wir in die aktive Suche nach einer langfristigen Besetzung gehen können. Wir lassen uns dabei die nötige Zeit, um die Person zu finden, die den Pro Akustik Spirit wirklich versteht und lebt. Ich werde den Übergang so lange begleiten, wie es erforderlich ist, um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten.
Welche Anforderungen stellen Sie an eine neue Führungspersönlichkeit in dieser speziellen Branche?
Buchhauser: Man muss die Besonderheiten der Hörakustik sowie der Pro Akustik verstehen und respektieren können. Wir wissen alle, dass die Hörakustik eine sehr persönliche, fast familiäre Branche ist. Auch ich musste das lernen, als mich Peter David Schaade in die Branche holte. Das war damals schon relativ heftig, als ich bei einem Akustiker lernen durfte, wie eine erfolgreiche Hörsystemanpassung aussieht. Erfolg stellt sich hier nur ein, wenn man mit Demut und echtem Interesse am Handwerk agiert. Zu glauben, dass man alles besser weiß und mit fertigen Konzepten das Rad neu erfinden zu wollen, ist wenig hilfreich. Insofern muss die neue Geschäftsführung in der Lage sein, die Balance zwischen wirtschaftlicher Effizienz und der emotionalen Bindung unserer Mitglieder zu halten.

Keynotespeaker Tristan Horx zeigte in seinem Vortrag »Von den Digital-Natives zu den AI-Locals. Willkommen in der neuen (Arbeits-)Welt!«, was unter dem Begriff Omnikrise zu verstehen ist
Herr Ricking, Sie leiten den Aufsichtsrat. Wie hat sich dieses Gremium in der jüngsten Zeit neu aufgestellt?
Ricking: Der Aufsichtsrat besteht aus sechs Mitgliedern mit einem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter. Natürlich durchlebt der Rat aber auch einen Verjüngungsprozess. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung. Die Aufgabe des Aufsichtsrates hat sich jedoch nie verändert. Wir verstehen uns als Partner der Geschäftsführung, die wir sowohl unterstützen als auch kontrollieren. Die Zusammenarbeit ist sehr eng und von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Jedes Mitglied bringt seine spezifische Expertise ein, was die Qualität unserer Entscheidungen massiv erhöht.
Buchhauser: Diese Struktur ist ein großer Vorteil. Im Vergleich haben wir hier ein Korrektiv und einen Resonanzboden aus der Praxis. Das führt zu praxisnahen Lösungen, die von der Basis auch mitgetragen werden. Man muss diesen engen Austausch allerdings schätzen und als Bereicherung begreifen.
Blicken wir nach vorn: Welche strategischen Themen werden Pro Akustik im nächsten Jahr besonders beschäftigen?
Buchhauser: Die Digitalisierung administrativer Prozesse steht ganz oben auf der Agenda. Wir wollen die Fachgeschäfte spürbar von bürokratischem Ballast befreien. Ein konkretes Projekt ist der Einsatz von KI zur Automatisierung des Schriftverkehrs mit Krankenkassen. Solche wiederkehrenden Aufgaben binden wertvolle Zeit, die wir lieber am Kunden sehen würden. Auch in der Aus- und Weiterbildung werden wir die Möglichkeiten der KI konsequent nutzen, um Wissen zeitgemäß und modular zu vermitteln. Wir müssen uns an die veränderten Lerngewohnheiten junger Menschen anpassen – weg vom dicken Fachbuch, hin zu interaktiven, kurzen Lerneinheiten via App.
Ricking: Wir haben den Vorteil einer sehr transparenten und offenen Gemeinschaft. Das ermöglicht es uns, unsere Systeme mit dem kollektiven Wissen unserer Mitglieder zu trainieren. Wer sich den technologischen Veränderungen verschließt, wird langfristig den Anschluss verlieren. Jedes Jahr kommen neue Hörsysteme auf den Markt, neue Features. Damit umzugehen, ist Teil unserer DNA.
Das Ziel bleibt also die Wahrung der Identität bei gleichzeitiger Offenheit für radikale Veränderungen?
Ricking: Exakt. Wir bewahren den Kern dessen, was Pro Akustik ausmacht – die persönliche Nähe und die hohe fachliche Qualität – und nutzen gleichzeitig alle modernen Werkzeuge, um unsere Mitglieder wettbewerbsfähig zu halten. Veränderung ist für uns daher kein Bedrohungsszenario, sondern eine Chance, uns noch deutlicher als Qualitätsführer im Markt zu positionieren. Denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
Herr Ricking, Herr Buchhauser, noch mal zurück zum Anfang unseres Gesprächs: Welches Fazit ziehen Sie aus dem 24. Pro Akustik Kongress?
Ricking: Ich bin hochzufrieden. Die positive Energie, die wir hier erleben, wird die Mitglieder in ihren Alltag tragen. Wir haben unsere Ziele erreicht und blicken mit großer Zuversicht auf die kommenden Monate.
Buchhauser: Die strahlenden Gesichter der Teilnehmer und das positive Feedback unserer Industriepartner bestätigen unseren Kurs. Bis jetzt kamen nur Daumen hoch. Wir haben bewiesen, dass Pro Akustik eine vitale und zukunftsorientierte Gemeinschaft ist, die bereit ist, die kommenden Herausforderungen aktiv zu gestalten.
Herr Buchhauser, Herr Ricking, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

