Alexander Trog (li.) und Andreas Roberg begrüßten die rund 130 Partnerinnen und Partner zum zweiten ViO Innovation Day
Erfolg resultiert nicht aus Konjunktiven, 10 Jahre VIO Kollektion
Von Dennis Kraus / Fotos: oton & friends – Fritz Jaenecke

Carsten Riewe, Vertriebsleiter bei oton & friends, übernahm die Moderation des ViO Innovation Days
Zum zweiten Mal lud oton & friends zum „VIO Innovation Day“. Mit dem Event feierte die Gemeinschaft nicht nur das zehnjährige Bestehen ihrer VIO-Kollektion. Es wurde auch ein vierter Hersteller als Lieferant für das Private Label vorgestellt. Spannend war außerdem eine Talkrunde mit drei Hersteller-Geschäftsführern. Den krönenden Abschluss markierte die Verleihung der VIO-Awards.
Rund 130 Partnerinnen und Partner folgten der Einladung ihres Netzwerks nach Hamburg. An einem Freitagnachmittag Mitte April sitzen sie in einem Saal des Hotels Le Méridien, der Blick geht durch die große Fensterfront über die Außenalster. Die Stadt zeigt sich von ihrer besten Seite: blauer Himmel, glitzerndes Wasser.
Als Alexander Trog und Andreas Roberg die Bühne betreten und den ViO Innovation Day eröffnen, richtet sich der Fokus nach vorn. Ihre Begrüßung sprechen Trog und Roberg synchron, vorgetragen mit einem Schmunzeln. »Wir wollen die Leute ja auch entertainen«, wird Andreas Roberg nach der Veranstaltung sagen. »Deswegen haben wir einiges auch mit einem Augenzwinkern gemacht und hier und da mal etwas überzogen.«
Blick zurück nach vorn
2016 offiziell gestartet, datiert die Idee für die Eigenmarke von oton & friends bereits auf 2014. »Zu der Zeit war eine Menge los«, erinnert Alexander Trog auf der Bühne. Die Marketing-Aktivitäten einiger Player begannen, an Fahrt aufzunehmen. Bestrebungen eines ersten Herstellers, auch in Deutschland eigene Vertriebswege aufzubauen, wurden erkennbar.
Damit man sich auch bildlich vorstellen kann, wie die beiden ViO aus der Taufe hoben, prompten sie ChatGPT, einen Film davon zu zeigen. In dem Clip sieht man Trog und Roberg 2014 in einem Café sitzen – mit Frisuren, wie man sie von Fotos kennt, die Fußballspieler der 1980er-Jahre zeigen. Minipli, Vokuhila. Schallendes Gelächter im Saal. 2014? Ach ja. Da war doch was. Offenbar hat die Fußball-WM in Brasilien die KI etwas durcheinandergebracht. Also ein zweiter Versuch, dieses Mal mit dem Zusatz, Alexander und Andreas etwas authentischer zu zeigen.
Wieder sieht man die beiden in dem Café sitzen. Sie sprechen über die Zukunft der Branche. »Das wird ein spannendes Spiel«, sagt Trog. Große Ketten und Online-Anbieter drängen auf das Spielfeld. Wie werden lokale Hörakustikunternehmen weiter oben mitspielen können? Ihre Antworten skizzieren erste Umrisse von dem, was heute auf den Fahnen der ViO-Kollektion steht: Top-Qualität zu fairen Preisen, Spitzentechnologie von führenden Herstellern unter dem Dach einer Eigenmarke, exklusiv für das eigene Netzwerk, raus aus der Preisvergleichbarkeit, kundenbindende Konzepte.

»Einige der wichtigsten Partner unserer ViO-Reise«: Tobias Wiedmann, Torben Lindø und Ed Theunissen sprachen mit Carsten Riewe (li.) und Andreas Roberg (re.) über ihr Engagement für die ViO-Kollektion
Das könnte unabhängiger machen, sinnieren die beiden. Und mit einer Gruppe von zwei- bis dreihundert Akustikern ließen sich auch konkurrenzfähige Einkaufskonditionen realisieren. Wenn das funktioniert, würde aus vielen kleinen und mittleren ein großer Spieler der Branche, der »weiter oben mitspielen« könnte, planen Trog und Roberg. Auf den Namen für das Private Label kommen die beiden, zumindest in dem Film – wie gesagt wollen die beiden ja auch ein wenig entertainen – durch Gesänge von am Café vorüberziehenden Fußballfans. »Oh, wie ist das …« Oh. Wie. ViO. Na, bitte.
Als 2016, um im Bild zu bleiben, die ViO-Kollektion ins Spiel eingewechselt wird, startet die Eigenmarke nicht gleich so, wie man sie heute kennt. Als Hersteller konnte man zunächst Audio Service und Hansaton gewinnen. Die Idee aber, etwas zum Leben zu erwecken, das mit einem Konzept und entsprechenden Produkten den Partnerinnen und Partnern Vorteile verschafft, kam ins Rollen.
Mit zunächst 40 POS gestartet, steigt die Zahl der ViO-Partnerinnen und -Partner schnell. Dazu erweist sich die Gemeinschaft als verlässlicher Abnehmer, was die Hersteller natürlich mitbekommen. »Die haben gesehen, dass wir unsere Ziele einhalten«, erzählt Alexander Trog. So gelingt es, Oticon, Signia und Unitron zu gewinnen. Damit umfasst die Kollektion drei wichtige Plattformen – ergänzt neuerdings von einer vierten. Seit März ist auch ReSound dabei. Die Entscheidung dazu fiel, man kann es sich denken, vor dem Bekanntwerden der Übernahme durch Amplifon.
Zum Ende der Tagesveranstaltung wurden die ViO-Awards verliehen
Der ViO Innovation Talk
Für den weiteren Verlauf holen Alexander Trog und Andreas Roberg ihren Vertriebsleiter Carsten Riewe auf die Bühne. Er wird das Event von hier an weiter moderieren. Riewe bittet daraufhin »einige der wichtigsten Partner unserer ViO-Reise« auf die Bühne – und keine Minute später sitzen da Signia-Geschäftsführer Tobias Wiedmann, Oticon-Geschäftsführer Torben Lindø und Unitron Deutschland Business Director Ed Theunissen. In der Politik würde man wohl von einer Elefantenrunde sprechen.
Die erste Frage aber stellt Carsten Riewe Andreas Roberg. »Warum ist eine Eigenmarke heute wichtiger denn je?«, will er von dem oton & friends-Geschäftsführer wissen. Roberg verweist auf die eben berichtete Entstehungsgeschichte. »Und da sich der Wandel unseres Marktes gefühlt noch beschleunigt hat, haben sich die Ideen für ViO sowie deren Weiterentwicklung als unabdingbar erwiesen.« Und um all das kontinuierlich umsetzen zu können, brauche es neben den Partnerinnen und Partnern sowie den Kundinnen und Kunden natürlich auch die Industrie, betont Roberg.
Aber warum bringen sich Hersteller wie Oticon, Signia oder Unitron trotz eigener Ziele in eine Exklusivmarke wie ViO ein? Zumal keiner von ihnen alleiniger Lieferant ist.
Für Tobias Wiedmann ist das »eine Frage der Strategie«. Es gehe darum, sich breit aufzustellen, so der Signia-Geschäftsführer. Und am Ende zähle der gemeinsame Erfolg. »Wir als Demant Gruppe werden nur dann erfolgreich sein, wenn wir Erfolg in verschiedenen Marktsegmenten haben«, erklärt indes Torben Lindø. »Und das Segment, das wir hier adressieren, ist absolut relevant und kann eine sehr große Bedeutung haben.« Zudem lobt er, wie es gelungen ist, die ViO-Produkte mit einer Marke und einem Gesamtkonzept »zu umzingeln«.
Apropos Konzepte: Von Ed Theunissen möchte Carsten Riewe wissen, welche Chancen er darin sieht, sich auch mal von dem lange gelernten Sechs-Jahres-Zyklus zu verabschieden. Theunissen freilich sieht darin »große Chancen«. Um dem Gedanken mehr Spin zu verleihen, richtet er eine Frage an die Leute im Saal. »Wer hat ein Handy, das sechs Jahre oder älter ist?« Etwas unerwartet heben einige wenige die Hand. Die allermeisten aber tun das nicht. »Das bringt es doch auf den Punkt«, sagt Theunissen. Für ihn sei man inzwischen an dem Punkt angekommen, »das Lenkrad selbst zu übernehmen« und aktiver in die Kundengespräche zu gehen. Das ViO-Konzept halte passende Optionen bereit, etwa nach drei Jahren schon neue Technik anzubieten oder die bestehende upzugraden. Die kommenden Kunden kennen Abo-Systeme ohnehin schon aus anderen Lebensbereichen, meint Theunissen. Warum sollte das nicht auch für Hörgeräte funktionieren?

Als Schirmherren konnten oton & friends den u. a. aus der Serie »Rote Rosen« bekannten Schauspieler Gery Hungbauer (Foto oben) gewinnen
Bleibt die Frage, wie man diese neuen Wege tatsächlich gehen kann. »Wir sind alle sehr gut darin, Dinge zu erkennen«, sagt Carsten Riewe. Aber Erfolg ist eben nicht »das Resultat eines Konjunktivs«.
Tobias Wiedmann rät, kleine Schritte zu gehen und nicht von heute auf morgen etwas einzureißen. Optimismus könne ebenfalls nicht schaden. Ein Blick auf die gern herangezogene Augenoptik zeige schließlich, dass der Weg gangbar ist und dass viele profitieren könnten. Torben Lindø sieht die Gemeinschaft für diesen Weg gut gerüstet. Er kommt erneut auf die Konzepte rund um die ViO-Kollektion zu sprechen. »Mit denen habt ihr fantastische Möglichkeiten, den Endkunden etwas anzubieten, mit dem sie sich wohlfühlen«, sagt er. Mit dieser modernen und exklusiven Identität sowie der hohen Qualität habe man gute Chancen.
Einige der eben erwähnten, zukunftsträchtigen Elemente des ViO-Konzepts seien im Übrigen noch nicht mal neu, merkt Andreas Roberg an. Den 3*3-Vorteil gab es von Beginn an – genau wie die Möglichkeit, mit ViO NEXT einen Drei-Jahres-Zyklus für Hörsysteme anzubieten. Ergänzt wird dieses Portfolio künftig durch das ViO ABO, das als weiterer Baustein mehr Flexibilität, Planbarkeit und kontinuierlichen Technologiewechsel ermöglichen soll. Lange Zeit seien solche Modelle für viele noch »aus einer anderen Welt« gewesen, so Roberg. Inzwischen könne man aber ein Umdenken erkennen. Und dann sagt er, an die Partnerinnen und Partner im Saal gerichtet, das vielleicht Wichtigste dieses Nachmittags. »Lasst uns verstehen, dass Innovation nicht nur etwas ist, das von außen kommt, sondern dass Innovation auch aus uns heraus entsteht.« Beherzige man das, könne man einer sicheren Zukunft entgegengehen und nicht nur einer, in der man hofft, dass man es hinkriegt.
Austausch, Inspiration und neue Impulse
Nach einem Besuch des Marketplace, der einen breiten Überblick über die gesamte ViO-Welt mit all ihren Services und Lösungen bot – von sina von Sinfona über den Versicherungsschutz von Alteos und WhatsApp-Kommunikation mit hellomateo bis hin zur aktuellen Technologie der ViO-Hersteller –, rückte auch der Ladenbau in den Fokus. Besondere Aufmerksamkeit zog dabei der Sensaton »Tactivo« von Urs Kaulard auf sich: ein modular gedachtes Möbel- und Beratungskonzept, das Verkaufsfläche, Technologie und Kundenerlebnis intelligent miteinander verbindet und damit zeigt, wie sich Fachgeschäfte zukunftsfähig und effizient aufstellen können. Ergänzt wird die Idee durch weitere Möbelstücke fürs Hörakustik-Fachgeschäft wie die »Pilaros«-Stelen zur Präsentation von Hörgeräten.
Neue Akzente setzte der ViO Innovation Day anschließend auch mit den »ViO Innovation Pitches – 300 Seconds of Innovation«. In dem neuen Format erhielten alle vier ViO-Hersteller jeweils fünf Minuten Zeit, um ihre Innovationen pointiert zu präsentieren und im direkten Vergleich die Akustikerinnen und Akustiker von sich zu überzeugen.

Seinen Ausklang fand der ViO Innovation Day in der Heritage Rooftop Bar
Die ViO-Awards – Anerkennung für Engagement und Unternehmergeist
Den krönenden Abschluss der Tagesveranstaltung aber markiert die Verleihung der ViO-Awards. Auch das machen oton & friends heute zum ersten Mal. Mit der Preisverleihung will man den unternehmerischen Erfolg und das persönliche Engagement der Partnerbetriebe würdigen. »ViO lebt von den Menschen«, betont Andreas Roberg. »Man kann das nicht oft genug sagen. Und dieses Engagement verdient Dank und echte Anerkennung.«
Verliehen wird der ViO-Award in drei Kategorien. Überreicht werden die Trophäen, ein goldenes V auf einem Sockel, von Gery Hungbauer. Den Schauspieler, der 15 Jahre in der ARD-Vorabend-Erfolgsserie »Rote Rosen« mitspielte, konnte oton & friends als Schirmherrn der Auszeichnung gewinnen. Damit versieht man die Verleihung auch mit etwas Lokalkolorit, spielt »Rote Rosen« doch nicht weit vom Headquarter der Gemeinschaft im benachbarten Lüneburg.
Den Auftakt gibt die Verleihung des ViO-Awards in der Kategorie »Rising Star«. Hier möchte man die Gewinner dafür auszeichnen, dass sie das ViO-Konzept binnen kurzer Zeit erfolgreich umgesetzt und erkannt haben, dass man mit ViO schnell wachsen kann, wenn man denn die Chancen erkennt und konsequent nutzt.
In der Kategorie »Power Partnership« werden Unternehmen geehrt, die ViO nicht nur führen, sondern im Markt klar positionieren – und das mit besonders starker Präsenz und einem überdurchschnittlich hohen Anteil an verkauften ViO-Hörgeräten.
In der Kategorie »Loyalty« werden schließlich die Unternehmen geehrt, die seit zehn Jahren, also von Anfang an, Teil von ViO sind und die Kollektion mit Überzeugung, Kontinuität und Engagement leben. »Diese Partnerschaften zeigen, nachhaltiger Erfolg entsteht nicht über Nacht, sondern durch gemeinsame Werte, Offenheit für Innovationen und echtes Miteinander«, so Gery Hungbauer.
Die Award-Verleihung soll im Übrigen keine einmalige Sache bleiben. »Wir werden das weiterführen«, sagt Andreas Roberg. »Der Award bietet eine gute Möglichkeit, unserem Netzwerk, aber auch darüber hinaus aufzuzeigen, wie unterschiedlich ViO heute gelebt wird und dass es sich lohnt, sich nochmals mit ViO zu beschäftigen.«
Zum Ende der Tagesveranstaltung kommt einem dann nochmal die Entstehungsgeschichte in den Sinn. Wie kamen Alexander Trog und Andreas Roberg noch gleich auf den Namen? ViO. Wie. Oh. Oh, wie ist das schön. 2014 wurde Deutschland Weltmeister. Mal sehen, wohin dieser Weg oton & friends noch führt.