Die Erfolgskontrolle – ein Auslaufmodell?

Von Hans-Georg Kimmerle / Abbildungen: Hörluchs

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Sollten Sie künftig von ihrem Labor einen Okklusions-freien Otoplastikvorschlag erhalten, ...

Wer kennt das Problem nicht? Okklusionssymptome – von Wärmestau bis Trittschall. Es braucht Geduld, bis man die Ursache findet. Im siebten Teil des Seiteneinwurfs analysiert Hans-Georg Kimmerle die sechs häufigsten Okklusionssymptome, räumt mit Verwechslungen zwischen Okklusion und Autophonie auf und zeigt, in welcher Situation ein Vent die Lösung liefert.

Kennen Sie die Situation? Ein Kunde steht vor Ihnen und beschreibt Folgendes: »Wohin auch immer ich laufe, ständig höre ich meinen eigenen Schritt. Am erträglichsten ist es noch, wenn ich in der eigenen Wohnung auf dem Teppichboden gehe. Gleichzeitig nehme ich wahr, dass sich meine Stimme ab und an verändert.«

Wir sind uns einig: Im Alltag wird oft nicht korrekt zwischen Okklusion und Autophonie unterschieden. Während Okklusion ein rein mechanisch-anatomisches Problem beschreibt, liegt bei der Autophonie eine akustisch-dynamische Situation vor, die es zu korrigieren gilt. Und das bedeutet natürlich, dass die Lösung des Problems auch unterschiedlich angegangen werden muss. Doch wodurch entsteht eine Okklusion denn wirklich?

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Wer glaubt, bei seinem Kunden die Folgen einer Okklusion zu erkennen, der muss sich sicher sein, dass er den Gehörgang verschlossen hat und dadurch ein Restvolumen entstanden ist. Schließlich leitet sich die Okklusion vom lateinischen occludere ab und bedeutet (ver)schließen. Und verschließen lässt sich ein Gehörgang nur durch eine Otoplastik. Doch wodurch macht sich eine Okklusion beim Kunden überhaupt bemerkbar?

Deswegen gehen wir heute mal auf die sechs häufigsten Symptome einer Okklusion ein. Und klar ist, dass wir die Otoplastik unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Da bei einem Verschluss des Gehörganges ein zusätzliches Volumen entsteht, kann es zu folgenden Situationen kommen:

1. zu einer Wärmebildung im Restvolumen (mit evtl. Druckerhöhung)

2. zu einer Feuchtigkeitsbildung im Restvolu- men

3. zu einer Feuchtigkeitsbildung an den Kontaktflächen

4. zu einer Veränderung der Cerumenproduktion

5. zu einer Einschränkung der Beweglichkeit des Kiefergelenkkopfes

6. zu Trittschall

Eine Wärmebildung im Restvolumen kann bekanntlich zu einem erhöhten Luftdruck führen, was zu einer verminderten Schwingungsfähigkeit, sprich zu einer Dämpfung des Trommelfells, führt. Meist wird dieser Überdruck auch bei gutsitzenden Otoplastiken durch das Seek-Leck sofort wieder abgebaut, sobald sich das Ohr und/oder der Gehörgang bewegt. Führt das Seek-Leck nicht zum gewünschten Erfolg, dann erst sollte eine Druckausgleichsbohrung vorgenommen werden. Der zweite Fall, also eine Feuchtigkeitsbildung im Restvolumen, wird bei sehr gut durchbluteter Haut verursacht. Dadurch wird nicht nur Körperwärme abgestrahlt. Das wiederum führt nicht nur zu erhöhtem Luftdruck, sondern kann auch den Feuchtigkeitshaushalt des Gehörganges verstärken. Folglich kann das Cerumen nicht mehr granulieren. Auch kann es in diesem feuchtwarmen Raum zu Rötungen bzw. Entzündungen kommen, vor allem, wenn die Haut aufquillt und schwammig wird.

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... für welche Variante würden Sie sich entscheiden?

Eine andere Art der Feuchtigkeitsbildung entsteht an den Kontaktflächen zur Otoplastik, die jedoch nur vom Träger selbst als unangenehm bzw. störend empfunden wird. Vergleichbar ist dies mit den Hautkontaktflächen bei Brille, Ring oder Armbanduhr. Die Veränderung der Cerumenproduktion ist auf die Hörgeräteversorgung an sich zurückzuführen. Denn beginnend mit dem Einsetzen einer Otoplastik interpretiert der Körper diese zunächst als Fremdkörper, den es abzustoßen gilt. Der Körper produziert zunächst vermehrt Cerumen im Glauben, den vermeintlichen Fremdkörper Otoplastik beseitigen zu können. Sobald der Körper das Hörsystem als Cerumen-Ersatz adaptiert, stellt man dann häufig fest, dass das Ohr die Cerumenproduktion vollkommen einstellt – der Körper stößt nur Cerumen aus, wenn sich Staub, Viren und/oder Bakterien im Gehörgang absetzen. Bemängelt der Kunde bei der Nachkontrolle eine Einschränkung der Beweglichkeit durch ein Ohrpassstück, beispielsweise beim Essen oder im Gespräch, dann empfiehlt es sich selbstverständlich, dieses zu überprüfen. Der nicht ausreichend berücksichtigte Kiefergelenkkopf Ihres Kunden wird eine leichte Nachbearbeitung des Ohrpassstückes oder gar eine neue Ohrabdrucknahme zu schätzen wissen.

Doch kommen wir nun endlich zu unserem eingangs erwähnten Fall. Ihr Kunde klagt über Trittschall. Ob nun aufgrund von Marmorstufen im Freien oder wegen des weichen Teppichbodens zu Hause, es findet eine Resonanz statt, die im Restvolumen entsteht. Dass beim Laufen die hervorgerufene Resonanz über das Mittelohr in das Innenohr weitergeleitet und somit hörbar wird, spricht für sich selbst. Denn hier, wie in Lübeck gelehrt, bringt das Vent die einzige vernünftige Lösung. Ich weiß, kein Akustiker mag das Vent. Aber eine dem Helmholtzresonator entsprechende Dimensionierung der Federwirkung löst das Problem.

Damit ist nun die Erfolgskontrolle abgeschlossen. In sieben pragmatischen Schritten haben wir gesehen, dass sich eine qualitativ hochwertige Versorgung für den Nutzer effektiv gestalten lässt – das natürlich alles im Rahmen dessen, was beim Kunden erreichbar ist. Somit können wir den Kunden vorerst »ins neue Leben« entlassen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es ein Abschied auf Dauer ist. Es bedeutet lediglich, dass der Kunde in die Phase der begleitenden Anpassung übergeht. Doch wie sich die begleitende Anpassung darstellt, steht auf einem anderen Blatt. Bis zum nächsten Mal.