HörWerk: Wenn Hörforschung und Handwerk Hand in Hand arbeiten
Von Nina Behrends (HörWerk) / Fotos: HörWerk

Exponat HörWerk Innovationscommunity (Foto: Hörzentrum Oldenburg gGmbH)

Projekt LAN – Installation einer Forschungsstation in einem Hörakustikbetrieb zur Messung der binauralen breitbandigen Lautheitssummation bei der Erstversorgung mit Hörgeräten (Foto: Christian Claaßen I Hörgeräte Isermann GmbH)
Knapp 500 eingereichte Skizzen, 20 ausgewählte Innovationscommunities – und die HörWerk Innovationscommunity ist eine davon. Als das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), mittlerweile das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), im Rahmen der Förderrichtlinie DATIpilot neue Formen des Wissens- und Technologietransfers suchte, konnte auch die Idee der HörWerk Innovationscommunity überzeugen: Hörforschung und Handwerk zusammenzubringen, um gemeinsam praxisrelevante Fragestellungen zu bearbeiten, neue Lösungen für die Hörsystemversorgung zu entwickeln und somit letztendlich die Lebensqualität von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen zu verbessern.
Seitdem ist aus der Idee eine wachsende Community geworden: Fast 400 Mitglieder haben sich der HörWerk Innovationscommunity inzwischen angeschlossen. Acht Communityprojekte sind bereits gestartet, drei weitere wurden vom Lenkungsausschuss zur Förderung ausgewählt und befinden sich aktuell in der Startphase. Menschen aus der Hörforschung und dem Handwerk arbeiten daran, Anpassprozesse zu optimieren, praxisnahe Fragen zu beantworten und somit die Zufriedenheit von Hörsystemträgerinnen und -trägern zu erhöhen.
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Aus Ideen werden Projekte
Der Grundgedanke der HörWerk Innovationscommunity ist unverändert: Forschung und Praxis sollen nicht erst dann aufeinandertreffen, wenn wissenschaftliche Ergebnisse bereits vorliegen. Hörakustikerinnen und -akustiker bringen von Beginn an ihre Erfahrungen, Bedarfe und Fragestellungen aus dem Versorgungsalltag ein, Wissenschaftler ihre Methoden und Forschungsexpertise. Gemeinsam entstehen daraus Projekte, deren Ergebnisse wiederum möglichst unmittelbar in die Praxis zurückfließen sollen.
Wie vielfältig diese Zusammenarbeit inzwischen ist, zeigen die gestarteten Communityprojekte
Im Projekt LAN wird untersucht, wie sich die binaurale breitbandige Lautheitssummation bei der Erstversorgung mit Hörgeräten verändert. Gleichzeitig gehen die Projektbeteiligten noch einen Schritt weiter: Hörakustikbetriebe werden mit Forschungsstationen ausgestattet, die Messverfahren beinhalten, die bislang vor allem im wissenschaftlichen Labor zum Einsatz kamen. Forschung kommt also dorthin, wo Versorgung tatsächlich stattfindet.
OPTIRAUM widmet sich dagegen dem gezielten Einsatz von Sprachtests. Hier wird unter anderem untersucht, welchen Einfluss Raumakustik, Lautsprecherkonfiguration und Hörgeräteverarbeitung auf die Messung haben.
Mit OPAHOGO werden innovative, okklusionsminimierende Otoplastik-Designs untersucht, die die Akzeptanz geschlossener Ankopplungen und damit die Versorgungsqualität verbessern sollen. HAVEX beschäftigt sich mit dem Aufbau von Wissen und Kompetenz zur Versorgung Jugendlicher und Erwachsener mit zentral-auditiven Verarbeitungsstörungen (AVWS) in Hörakustikbetrieben.
Im Projekt EOL geht es um die Frage, welches Verbesserungspotenzial eine individualisierte Hörgeräteanpassung mit optimierter Lautheitswahrnehmung für das Sprachverstehen im Störschall bietet. ZuHör wiederum nimmt die Potenziale und Grenzen von Hearables in den Blick und untersucht, wie neue Technologien sinnvoll in die professionelle Versorgung eingebettet werden können.
Mit dem Richtungshören beschäftigt sich das Projekt OPRI: Ziel sind eine verbesserte Beratung und Hörgeräteanpassung im Hinblick auf räumliches Hören. Im Projekt AH wird die Evidenz für den Zusatznutzen verifizierter Anpassung auf Sprachverstehen, Höranstrengung und Lautheitswahrnehmung überprüft mit dem Ziel, daraus ein praxisnahes Versorgungsmodell zu entwickeln.
Damit sind inzwischen acht Projekte gestartet. Drei weitere Projekte wurden bereits zur Förderung ausgewählt und befinden sich aktuell in der Startphase. Rund eine Million Euro stehen der HörWerk Innovationscommunity noch zur Förderung von Projektideen zur Verfügung.

Managementteam HörWerk Innovationscommunity: Dr. Melanie Krüger (Hörzentrum Oldenburg gGmbH/Sprecherin der Community), Prof. Dr. Inga Holube (Jade Hochschule Institut für Hörtechnik und Audiologie/ Vertreterin Wissenschaft), Beate Gromke (Europäische Union der Hörakustiker e. V./Vertreterin Handwerk)
HörWerk auf der EUHA: Projekte kennenlernen. Ideen weiterdenken
Wie die Zusammenarbeit zwischen Hörforschung und Handwerk aussieht, kann man auf der EUHA vom 14. bis 16. Oktober 2026 in Hannover unmittelbar erleben. Die HörWerk Innovationscommunity ist auch in diesem Jahr mit einem eigenen Messestand vertreten. Das gesamte Managementteam freut sich auf Gespräche mit Communitymitgliedern, Projektbeteiligten und allen, die neugierig sind oder vielleicht selbst schon eine Projektidee im Kopf haben.
Auch im Kongressprogramm gibt die HörWerk Innovationscommunity Einblicke in die bisherige Entwicklung: Am Mittwoch, 14. Oktober, 13.00–13.30 Uhr spricht Dr. Melanie Krüger im Saal 3a zum Thema »Ein Jahr HörWerk – Aufbau und erste Erfahrungen der interdisziplinären Innovationscommunity«. Am Donnerstag, 15. Oktober, 11.30–12.00 Uhr, stellt sie auf der EUHA Live-Area unter dem Titel »Neueste Ergebnisse und Entwicklungen des Projektes HörWerk« aktuelle Entwicklungen vor.
Doch nicht nur das Managementteam kommt auf der EUHA zu Wort. Bei zwei Communitytreffen gehört die Bühne den Projektbeteiligten selbst. In einem kompakten Speed-Dating-Format stellen die Antragstellerinnen und Antragsteller in jeweils fünf Minuten ihre Projekte vor: Woran arbeiten sie? Wo stehen sie aktuell? Welche Herausforderungen sind ihnen begegnet und welche Erkenntnisse konnten sie bereits gewinnen?
Die Communitytreffen finden am Mittwoch, 14. Oktober, von 13:45 bis 14:15 Uhr und am Donnerstag, 15. Oktober, von 12:15 bis 12:45 Uhr statt.
Die HörWerk Innovationscommunity lebt davon, dass Menschen ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen einbringen. Die nächste Gelegenheit, daraus ein konkretes Projekt zu machen, steht bereits bevor: Neue Projektanträge können bis Ende Dezember eingereicht werden.
