
Sascha Haag, Tobias Wiedmann und Marco Küchler (v. li.)
»Akustik Intelligence im Reinen«
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Direkt nach der Vorstellung der neuen Plattform Signia MaX am 21. August in Erlangen sprachen wir mit Tobias Wiedmann, Sascha Haag und Marco Küchler über die Positionierung von Signia, die neue Technik sowie den Start der »LEBE LAUT«-Kampagne am 14. Oktober dieses Jahres.
Von Jan-Fabio La Malfa/ Fotos: Signia, OMNIdirekt

Stärkung eines starken Features: Das Einmessen der eigenen Stimme für OVP ist bei MaX nicht mehr nötig, verkündete Sascha Haag
Herr Wiedmann, zehn Jahre Signia – neun Jahre davon haben Sie mitbegleitet. Wo steht Signia heute und welchen Stellenwert nimmt der Launch der neuen MaX-Plattform ein?
Wiedmann: Bei so einer Reise ist die Hoffnung natürlich immer, dass sie von Meilenstein zu Meilenstein noch besser, schöner und erfolgreicher wird. Mit der IX-Plattform konnten wir schon ein starkes Fundament legen. Doch in welchem Umfang und mit welcher Innovationskraft wir jetzt mit MaX auf den Markt gehen – angetrieben durch einen komplett neuen Chip –, das hebt uns auf das nächste Level. Für mich ist die Technologie aber nur die eine Seite. Noch viel wichtiger ist die übergeordnete Strategie, die mit in diesem Launch gemündet ist: Es geht um die tiefe Verzahnung, Vernetzung und die enge Abstimmung mit den unabhängigen Hörakustikern. Wir haben diesen Aufschlag erstmalig als konsequent gemeinsamen Launch für den unabhängigen Markt gedacht. Das zeigt sich schon in den Innovationszyklen: Wir haben die Systeme sowohl intern als auch extern mit Kunden so exzessiv getestet wie nie zuvor. Wir wollten absolut bereit sein. Unser Auftakt hier in Erlangen mit 450 Teilnehmern ist nach dem EUHA-Kongress nicht umsonst die zweitgrößte Veranstaltung für Hörakustiker in Deutschland.
In den vergangenen zehn Jahren gab es viele Innovationen wie OVP oder Multi-Beamformer. Bei MaX sind all diese Funktionen nun mit einem Schlag KI-gesteuert. Was genau ist das Herzstück dieser neuen Technologie?
Haag: Das Herzstück bedingt sich durch die vier DNNs (Deep Neural Networks), die eine akustische Szene präzise in ihre Einzelteile zerlegen. Eine systemische Intelligenz analysiert den Kontext und trifft die akustisch richtigen Ableitungen. Bisher wurde in der Regel mit den bekannten Regelschwellen gearbeitet. Für das Hörsystem machte es also damals keinen Unterschied, ob Sie in einem ruhigen Park oder an einer Hauptstraße spazieren gingen. Registrierte das Gerät die Regelschwelle »in Bewegung« und kam Sprache hinzu, schaltete es pauschal in einen omnidirektionalen Modus und reduzierte die Störgeräuschunterdrückung ein wenig. Die Logik war immer identisch, völlig unabhängig von der realen Umgebung. Jetzt sorgt die systemische Intelligenz dafür, dass die vier DNNs permanent miteinander kommunizieren und die exakte Geräuschart einbeziehen, um die situativ beste Lösung zu errechnen. Im Park zum Beispiel wird der Sprecher gezielt hervorgehoben, weil die Situation es zulässt.
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Laufe ich hingegen an einer befahrenen Straße …
Haag: … reagiert das Gerät völlig anders: Hier stehen die Orientierung und die Wahrnehmung von Gefahren im Fokus, also öffnet sich die Mikrofonie, die Störgeräuschreduktion fährt zurück und das System wechselt in eine Art Transparenzmodus. Ein weiteres gutes Beispiel ist ein Konzert: Wenn die Fans im Hintergrund johlen, erkennt das System, dass die Musik die Prämisse ist, und dämpft diese kaum – selbst wenn man sich unterhält. Man muss sich dann zwar naturgemäß anstrengen und lauter sprechen, um verstanden zu werden, aber alles andere wäre in dieser Kulisse eben surreal und nicht hilfreich. Im Café hingegen wird die Musik im Hintergrund eher gedämpft, sobald die Stimme des Gegenübers deutlich überwiegt. Diese feine Balance, die vollständige Aufschlüsselung der Komplexität durch die vier DNNs, macht die Magie aus und lässt den Träger nicht nur das Entscheidende hören, sondern auch reagieren.
Und für diese enorme Rechenleistung hat es einen komplett neuen Chip gebraucht?
Haag: Ja, dafür hat es einen komplett neuen Chip und vor allen Dingen Rechengeschwindigkeit gebraucht, die damit einhergeht. Vorher war die Logik bei Regelschwellen einfach: Wird ein Schwellenwert von zum Beispiel 65 dB überschritten, lasse ich Multi-Beamforming wirken. Jetzt können wir den Einsatz des Multi-Beamforming in Abhängigkeit von Art und Störgeräuschen und dem Träger bedarfsgerecht einschätzen, was vorher eine blanke Einsatzmechanik hatte. Die akustische Szene und exakt den Kontext zu bestimmen, darin liegt die Magie. Das geht am besten über Spezialisten (=DNNs), die im Chip zusammengeführt werden müssen.

Exklusives Konzert für die rund 450 Gäste: Der neue Signia-Markenbotschafter Thomas D spielte am Abend mit seiner Band KBCS
Mit Thomas D haben Sie ein neues Testimonial vorgestellt. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie sieht seine persönliche Geschichte mit der Hörversorgung aus?
Küchler: Die Idee entstand in unserem Marketingteam. Eine Kollegin hatte den SWR-Podcast »Fanta Vier Forever, Baby!?!« gehört, in dem Thomas D über einen einseitigen Hörsturz berichtete, den er vor einigen Jahren erlitten hatte. Sein damaliger HNO-Arzt sagte ihm, der Hörverlust sei auskuriert und man könne da nichts mehr machen. Mit dieser Aussage war er im Nachgang zwar nicht glücklich, lief aber jahrelang mit der Einschränkung auf einem Ohr herum. Das Thema Hörversorgung war für ihn weit weg. Wir haben ihn daraufhin kontaktiert und gefragt, ob er nicht mal unverbindlich moderne Systeme bei einem unserer Partner-Akustiker testen möchte. Schon nach der ersten Anpassung und dem Probetragen war Thomas total begeistert. Er betonte, dass ihm das ein riesiges Stück Lebensqualität zurückgibt und er nicht versteht, warum er so lange gewartet hat. Er hatte den Impuls zu sagen: Ich glaube an die Geräte und ich will aktiv helfen zu vermeiden, dass andere dieselbe Leidensstrecke ohne adäquate Versorgung durchleben müssen. Da haben wir gesagt: Gut, dann machen wir das doch zusammen. Er ist durch den Hörsturz einseitig versorgt, und trägt das Gerät jeden Tag. Wenn er von der Konzertbühne kommt, nimmt er das In-Ear-Monitoring heraus, setzt sein Hörgerät ein und ist absolut glücklich damit.
»Unser Ziel ist es, am 14. Oktober den größten Hörgeräte-Launch zu zelebrieren, den es in Deutschland je gegeben hat.«

Mit dem Start der «LEBE LAUT»-Kampagne will Signia ein »extrem starkes Zeichen für die Relevanz der unabhängigen Hörakustiker« senden
Wie sehen die konkreten Ziele für die kommenden Wochen aus, auch im Hinblick auf die Partner-Fachgeschäfte?
Wiedmann: Die Reise hat mit dem gestrigen Startschuss gerade erst begonnen. Nach der Keynote am 24. August folgen Onlinetrainings, die große Roadshow in 12 Städten deutschlandweit und weitere breit angelegte Schulungen. Parallel treiben wir die Individualisierung der Kampagnen für unsere Kunden voran. Wir bringen die Gesichter unserer Partner direkt auf die Werbemittel und steuern das Ganze mit unserem Partner axregio ganz regional aus. Unser Ziel ist da vielleicht ein bisschen niedrig angesetzt, aber wir wollen am 14. Oktober mindestens 1.000 PoS an den Start bringen, um mit Thomas D zusammen richtig, richtig laut zu sein.
Küchler: Unser Ziel ist es, am 14. Oktober den größten Hörgeräte-Launch zu zelebrieren, den es in Deutschland je gegeben hat. Das machen wir am ersten Tag der diesjährigen EUHA, live bei uns am Stand, mit Thomas D vor Ort. Und wenn dann über 1.000 Fachgeschäfte synchron mit der »LEBE LAUT«-Kampagne und Thomas D an den Endkunden herantreten, erreichen wir maximale Aufmerksamkeit. Das ist ein extrem starkes und unübersehbares Zeichen für die Relevanz der unabhängigen Hörakustiker.
Herr Wiedmann, Herr Haag, Herr Küchler, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
