Revitalisierend – die Roadshow zum Start von Bernafon Revita

Von Dennis Kraus / Fotos: Bernafon, OMNIdirekt

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Begrüßte rund 30 Akustikerinnen und Akustiker in Hamburg zur Bernafon-Roadshow: Carsten Braun

Mit Roadshows in neun deutschen Städten begleitete Bernafon den Marktstart seiner neuen Produktfamilie. Wer eine der Veranstaltungen besuchte, bekam die komplette Palette – alles Wissenswerte rund um Revita, aber auch Tipps für erfolgreiche Anpassungen sowie eine Auffrischung über die CROS- und BiCROS-Versorgung. Das Schöne dabei: Es wurden nicht nur produkt- und markenspezifische Informationen angeboten. Man bekam auch allerhand audiologisches Zusatzwissen an die Hand.

Präsenz tut gut. Vor allem, wenn die letzte Tour schon etwas zurückliegt. Zuletzt eine Roadshow vor Ort abgehalten hatte Bernafon 2019. »Für die, die uns schon länger kennen: Da haben wir Viron vorgestellt«, sagt Carsten Braun während der Begrüßung. Seitdem kamen, jeweils als neue Spitzenprodukte, Bernafon Alpha sowie Bernafon Encanta auf den Markt. Die Freude, anlässlich des Starts von Bernafon Revita nun endlich wieder ganz real vor den Kundinnen und Kunden zu stehen, ist dem Leiter Audiologie und seinen Kolleginnen und Kollegen an diesem Nachmittag im Hamburger Side Hotel anzumerken.

»Wie Sie sehen: Wir nehmen so eine Veranstaltung richtig ernst und haben alle mitgebracht, die bei uns Rang und Namen haben.« Carsten Braun lächelt. Neben ihm stehen Sebastian Wiesner, Teamleiter Produkt- und Software-Training, Maik van den Boom, Produkttrainer, Sven Oetken, Gebietsverkaufsleiter, sowie Daniela Häußler und Annika Hornig aus dem Marketing. Außerdem Marco Schumacher von Diatec für Fragen rund um die Messtechnik.

Ihnen gegenüber sitzen an die 30 Akustikerinnen und Akustiker. Sie alle werden erfahren und erleben, womit die neue Revita-Familie von Bernafon besticht – und wie sich die Entwicklung seit eben jenem Viron über Alpha und Encanta hin zu Revita weiter vollzogen hat. Von dem mit Alpha eingeschlagenen Weg der hybriden beziehungsweise dualen Signalverarbeitung ist man jedenfalls nicht abgewichen – nur dass dafür heute weit wirkmächtigere Technik bereitsteht.

Zwei KI-Netzwerke

öffnet Carsten Braun. »Für überraschend smart. Und (es) klingt nach Bernafon.« Dank der neuen Chip-Plattform wird das Eingangssignal jetzt von zwei parallel arbeitenden, spezialisierten KI-Systemen aufbereitet. Das Ergebnis sei ein »sehr beeindruckendes und offenes Klangerlebnis«, sagt Carsten Braun.

Für die Verarbeitung und Priorisierung von Sprache steht in Bernafon Revita erstmals der AI Smart Speech Finder bereit, eines von zwei spezialisierten KI-Systemen. Die Umgebungsgeräusche und -informationen werden von der AI Smart Noise Reduction verarbeitet, dem anderen KI-System. Das ist die konsequente Weiterführung der Bernafon-eigenen Signalverarbeitung, bei der Sprache in der Zeitdomäne in einem einzigen Breitbandkanal und Hintergrundinformationen in der Frequenzdomäne verarbeitet werden.

Die neue erweiterte Koordination durch die zwei spezialisierten KI-Netzwerke sorge »für eine noch schärfere Trennung zwischen Sprache und Hintergrundgeräuschen«, betont Carsten Braun. Die neue Signalverarbeitung hebe »Anlaute wie Plosive, Frikative und Affrikaten deutlich klarer hervor, sodass sie für die Lautdifferenzierung und das Phonembewusstsein besser wahrnehmbar werden. Gleichzeitig werden auch Auslaute und feine Endungsstrukturen sauberer von Hintergrundgeräuschen getrennt, was die Sprachverständlichkeit insgesamt stabilisiert«. Um das zu verdeutlichen, spricht er in dieser Passage jede Silbe besonders deutlich aus. Gleichzeitig könne man dank der beiden KI-Netzwerke eine »gute Balance« bieten. Schließlich möchte man Sprache nicht einfach isolieren, sondern das ganze Szenario abbilden.

»Die Kundenaussage, die wir damit erreichen wollen, ist: ‚Ich kann jetzt alles hören und ich verstehe auch gut‘«, sagt Braun. Dafür detektiert der AI Smart Speech Finder insbesondere in der vorderen und seitlichen Hemisphäre Sprache und hebt diese hervor, unabhängig davon, wohin der Nutzer blickt. Vor allem in Gruppengesprächen entfalte sich der volle Nutzen.

Der AI Smart Speech Finder überwacht kontinuierlich einen definierten Erfassungsbereich und erkennt Sprache aus verschiedenen Richtungen, auch wenn der Nutzer nicht hinschaut. Gleichzeitig dämpft die Smart Directionality Störgeräusche nur punktuell aus anderen Richtungen. Taucht ein weiterer Sprecher auf, wird der Nutzer auch diesen verstehen, so Braun. Wende man sich gezielt einem gewünschten Sprecher zu, erkennt das der in den Geräten aktive Smart Sensor, indem er die Bewegungs- und Beschleunigungsdaten des Nutzers audiologisch interpretiert und unterstützt. Hält der Nutzer den Kopf beispielsweise ruhig auf eine Person ausgerichtet oder bestätigt durch Nicken, wird der Smart Sensor die Smart Directionality und AI Smart Noise Reduction ansteuern, um den Zielsprecher zu priorisieren. Wendet er den Kopf dann dem nächsten Sprecher zu, werde wiederum dieser hervorgehoben. Dazu brauche es keine vordefinierten Umgebungsklassifizierungen oder bewusstes Zuschalten, das geschehe kontinuierlich in Echtzeit. Im Ergebnis erhalte man so einen gut ausbalancierten Klang.

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Revita bei -10 dB SNR: »Eine wirklich harte Situation, und dennoch war es machbar, gut zu verstehen«

The Sound Experience

Wie gut das funktioniert, das demonstriert Carsten Braun auch live. Schließlich steht bei Bernafon »The Sound Experience« in der Subline. Also bittet Braun einen Freiwilligen aus dem Publikum, nach vorn zu kommen und sich zwischen drei Lautsprecher zu stellen. Der Proband bekommt Kopfhörer aufgesetzt, an denen sich ein Paar Revita 400 befindet. Aus den Lautsprechern kommt ein Störsignal mit Stimmengewirr, Geschirrklappern und so weiter. In der Hemisphäre links vor dem Probanden bewegt sich Carsten Braun, rechts Sven Oetken. Beide sprechen den Freiwilligen aus verschiedenen Winkeln an, während der Proband stoisch nach vorn blickt. Tatsächlich kann der beide Sprecher durchweg gut hören und verstehen. Selbst, als sich Braun und Oetken direkt neben die Lautsprecher stellen, bleiben sie klar verständlich, obwohl Lärm und Sprache aus derselben Richtung kommen.

Damit alle im Raum hören, was der Proband gehört hat, hat Carsten Braun den Ausgang der Hörsysteme aufgezeichnet. Er spielt die Aufnahme ab und zeigt auch das dazugehörige Spektrogramm. »Wie Sie sehen, arbeitet Revita 400 von 80 bis 10.000 Hertz. Und wie Sie ebenfalls sehen, werden die Sprachanteile wie Anlaute hier gut herausgelöst«, erklärt er. Der SNR habe im Übrigen bei minus 10 dB gelegen. »Eine wirklich harte Situation, und dennoch war es machbar, gut zu verstehen«, so Braun weiter. Hätte der Proband seinen Kopf dem jeweiligen Sprecher zugewendet, wäre die Sprache noch etwas stärker in den Fokus gekommen. Verglichen mit Bernafon Encanta biete Bernafon Revita in der höchsten Leistungsklasse bis zu 1,6 dB bessere SNR-Werte, das entspricht in etwa 15 bis 20 Prozent bessere Ergebnisse bei Sprache im Störgeräusch von den Seiten. »Für Kunden ist das ein deutlich wahrnehmbarer Mehrwert, insbesondere bei Sprache von den Seiten«, so Braun.

Weitere Verbesserungen

In Revita 400 steht eine neue Wind- und Kontaktunterdrückung bereit, die Windgeräusche um bis zu 40 dB zurücknehmen kann. Dafür überwacht das neue System die Frequenzbereiche noch genauer als bei der Vorgängergeneration und ist so in der Lage, nur in den betroffenen Frequenzbereichen die Windgeräuschunterdrückung hochzufahren. Dazu koordiniert das System über den gesamten Frequenzbereich die Signale aller Mikrofone. Und auch die Kontaktgeräusche werden in Revita noch mal weiter reduziert.

Dank einer Erweiterung des Smart Feedback Cancellers gebe es für Anpassungen mit Revita außerdem mehr Spielraum nach oben. So bieten alle Revita-Hörgeräte jetzt mehr sichere Verstärkung und können dadurch für bis zu 8 dB stärkere Hörverluste genutzt werden.

Ebenfalls neu ist die Funktion »Cerumenfilter Wechsel«. Sie kann Nutzer, erachtet man das als Akustiker für sinnvoll, über die App per Push-Nachricht daran erinnern, dass der Filter gewechselt werden sollte – wahlweise auch als Sprachnachricht, direkt von den Hörgeräten selbst. Den etwaigen Zeitraum kann man in der Fitting-Software auf einen Zwei-, Vier- oder Acht-Wochen-Rhythmus einstellen.

Apropos Oasis: Ab der Oasis 26.2 ist die neu entwickelte Anpassformel NAL-NL3 implementiert. Nicht nur für Revita, sondern für alle Bernafon-Familien. Auch wenn noch nicht alle Messsysteme die neue Formel enthalten, könne man Bernafon-Hörgeräte bereits jetzt über die Oasis 26.4 via REMfit per Insitu auf NAL-NL3 anpassen und in NOAH dokumentieren.

In puncto Konnektivität ist Revita mit Apple-Produkten koppelbar, aktuelle Android-Geräte lassen sich per Bluetooth LE verbinden, ältere lassen sich über das ASHA-Protokoll anbinden. Unterstützen Windows-PCs Bluetooth LE Audio, lassen auch die sich mit den Revita-Systemen verbinden. Weitere Konnektivität bietet der Easy LE Adapter. Und auch Auracast wird unterstützt. Google Fast Pair sorgt für eine einfache und schnelle Kopplung mit Android-Smartphones. Zudem hat man für Revita die Reichweite sowie die Stabilität der Verbindung zwischen Hörsystem und Smartphone erhöht. Neu ist in diesem Kontext auch das Feature Smart Adaptive Streaming. Das sorgt dafür, dass bei Streaming ein dedizierter Signalpfad genutzt wird, der von der Signalverarbeitung des Hörgerätes unbenommen bleibt.

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Stellte in seinem Workshop fünf Schritte für eine erfolgreiche Erstanpassung vor: Maik van den Boom

Vier Leistungsklassen mit passenden Beratungen

Wie man es inzwischen von Bernafon kennt, hat der Hersteller die Unterschiede der vier Leistungsklassen auch für die Beratung herausgearbeitet. Man kann im Kundengespräch also gut veranschaulichen, welche Bedürfnisse sich mit welcher Leistungsklasse abdecken lassen. Gut zu wissen: In allen vier Klassen arbeiten beide KI-Systeme in der Signalverarbeitung. Die Sensorik sowie den Weitwinkel im AI Smart Speech Finder gibt es aber erst ab Revita 300, die volle Bandbreite von 80 bis 10.000 Hertz ist dem Revita 400 vorbehalten.

Die Workshops

Im Anschluss an den allgemeinen Teil erwarten Carsten Braun, Maik van den Boom und Sebastian Wiesner die Besucher zu je einem knapp 30-minütigen Workshop.

Carsten Braun wirbt in seinem unter anderem dafür, während der Anpassung die Wirkungsweise des Hörsystems bei dem jeweiligen Kunden auch im Störgeräusch zu überprüfen. Schließlich kämen Kunden in der Regel ins Fachgeschäft, weil sie in Situationen im Störschall Herausforderungen haben. Ein Freiburger im Störgeräusch bei einem vergleichsweise moderaten SNR von plus 5 dB allein sei da wenig aussagekräftig.

Ebenso rät er, den SNR-Verlust des Kunden über Sprachtests im Störgeräusch zu ermitteln und nicht nur auf Basis des Audiogramms Annahmen zu treffen. Auch über Sinn und Zweck von Features in den Hörsystem spricht Braun. »Die maximale Sprachverständlichkeit wird in Ruhe definiert, unter denkbar einfachsten Rahmenbedingungen.« Folglich sei es die Aufgabe von Features, die Rahmenbedingungen der jeweiligen Hörumgebung zu verbessern und möglichst viel Sprachverstehen zu erhalten. Im Beratungsgespräch lasse sich das gut adressieren, so Braun. Stärkere Features, ergo eine höhere Leistungsklasse sorgen für bessere Rahmenbedingungen. Auch rät er, Perzentil-Anpassungen an das reale Leben der Kunden anzupassen. Dazu demonstrierte er live eine simultane Perzentilmessung zweier unterschiedlicher Leistungsklassen in Ruhe und bat die Teilnehmer zu bestimmen, welches Gerät die höhere Leistungsklasse sei. »Es ist nicht möglich«, so Braun »weil beide Geräte die Sprachdynamik in +25 dB SNR voll abbilden können«. Anders sah die Messung im Störgeräusch bei -5 dB SNR aus. Hier wurde den Teilnehmern sofort deutlich, welche Leistungsklasse in der Lage war, die Sprachdynamik zu erhalten.

In dem Workshop von Maik van den Boom geht es um »fünf Schritte für eine erfolgreiche Erstanpassung«. So spricht er etwa über die Personalisierung, die man mithilfe der ACT-Messung in Verbindung mit der Affinity oder Callisto durchführen kann. Alternativ könne man mit dem Kunden einen Katalog mit fünf Fragen durchgehen, die alle darauf abzielen, zu erfahren, wie er in bestimmten Situationen zurechtkommt. Auch, wie das Ergebnis der ACT-Messung beziehungsweise der Befragung die Voreinstellungen der programmspezifischen Funktionen beeinflussen, zeigt van den Boom. Ebenfalls zu den fünf Schritten gehören der Rückkopplungstest für spezielle immer wiederkehrende Hörsituationen, in denen der Rückkopplungspfad anders ist. So, erklärt der Produkttrainer, beeinflusse die Einstellung zur Unterbindung von Feedback nicht permanent das Hauptprogramm. Auch den Nutzen des REM-fit-Moduls in der Fitting-Software zeigt Maik van den Boom live in einer Messung. Berücksichtige man die Schritte, komme man »individuell schnell voran« und könne im Nachgang besser auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen.

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Ort mit und für besondere(r) Akustik: Für den Workshop rund ums CROS-II-System von Sebastian Wiesner ging es auf die Dachterrasse

Bei Sebastian Wiesner geht es um das neue CROS-II-System, das Bernafon mit Revita auf den Markt gebracht hat. Zudem gibt er eine Auffrischung rund um die Basics der CROS-Versorgungen, die seit der Ausbildung bei den meisten wahrscheinlich nur noch sporadisch ein Thema ist.

Äußerlich gleicht CROS II den Revita-Geräten, so dass es mit der gesamten aktuellen Peripherie kompatibel ist. Die Signalverarbeitung erfolgt ebenfalls mit beiden KI-Netzwerken und wird per energiesparsamer NFMI-Verbindung übertragen. Lauter und leiser stellen lässt sich CROS II per Taster wie per App.

Für die Versorgung rät Sebastian Wiesner, drei Programme anzulegen, »CROS«, bzw. »BiCROS« und »kein CROS«. Letzteres empfehle sich für Situationen, in denen der Nutzer das, was an seiner CROS-Seite ankommt, nicht hören möchte. Da könne die Option »kein CROS« schon mal ein Segen sein, so Wiesner.

Zwar könne eine CROS-Versorgung das räumliche Hören nicht wiederherstellen, die Informationen von der nicht versorgbaren Seite auf die versorgbare übertragen zu bekommen, könne aber dennoch ein »Game Changer« sein, sagt Wiesner.

Mit einem Augenzwinkern erklärte er im Anschluss, wie man eine CROS-Anpassung ohne Kugelschreiberklicken, sondern per REM-Anpassung verifiziert. Es folgen weitere Tipps rund um die CROS-Versorgung, etwa eine komplette Live-Überprüfung einer CROS- und BiCROS-Anpassung per in-situ über eine Affinity Compact. Wo liegen die Unterschiede zur CROS-Versorgung? Was gilt es zu beachten? Wie kann man zu einer erfolgreichen Anpassung kommen? Wie während der gesamten Veranstaltung bleiben auch im letzten Workshop keine Fragen offen. Und so bleibt die Revita-Roadshow nicht nur wegen der vorgestellten neuen Technik in Erinnerung. Es wurde auch eine Menge allgemeines Wissen sozusagen revitalisiert.

Revitalisierend: Zu Besuch auf der Bernafon-Roadshow zum Launch von Revita